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DEFA - Stiftung - 10/1996

Zwischen Vergessen und Verklärung. Vor 50 Jahren wurde die DEFA gegründet


Ob denn das Programm auch Arbeiten ostdeutscher Regisseure enthielte, wurde bei der Programm-Pressekonferenz kurz vor Beginn der diesjährigen "Berlinale" gefragt. Die Teilung in ost- und westdeutsche Filmemacher, so hieß es in der Antwort sinngemäß, gebe es doch wohl seit der Vereinigung des Landes nicht mehr. Es kann sie keinesfalls mehr geben: zu Jahresbeginn 1994 wurde die DEFA als Gesellschaft im Handelsregister gelöscht. Gegründet worden ist sie vor 50 Jahren, als am 17. Mai 1946 der sowjetische Oberst Tulpanow fünf Mitgliedern eines Filmaktivs, unter ihnen Kurt Maetzig, die Lizenzurkunde für die Deutsche Film AG übergab. Zwischen den Daten liegen 48 Jahre deutscher Filmgeschichte mit ihren Ansprüchen und Widersprüchen, Erfolgen und Niederlagen, die die DEFA auch in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Regime hat einstecken müssen. Die Flucht, die Ausreise vieler Regisseure und Schauspieler in den Westen wie das Verbot so mancher Filme legt ein beredtes Zeugnis davon ab.

Der Staat hatte alles fest im Griff - vom Treatment über das Drehbuch, von der Produktion bis zum Verleih, bis zum Kinoprogramm. Nicht umsonst gab es in Gestalt eines stellvertretenden Kulturministers einen eigenen hohen Funktionär für den Film. Doch Autoren und Regisseure haben es immer verstanden, Schranken zu umgehen und Gebote zu unterlaufen: Die Produktion der DEFA gibt kein einhelliges Bild. Neben dem staatstragenden Pathos findet sich auch, wenngleich in unterschiedlicher Intensität, ein Blick auf das Individuum. Am Anfang stand die Hoffnung auf Veränderung, das heute idealistisch anmutende Pathos jener Arbeiten, die mit dem Nationalsozialismus abrechneten und zu einem nicht geringen Teil zum guten Ruf der DEFA beitrugen. Das Thema des im weitesten Sinne antifaschistischen Kinos zieht sich durch die gesamte Geschichte der DEFA.

Konsequent gepflegt: der Kinderfilm

Sieht man sich die Struktur der DEFA-Produktion über vier Jahrzehnte an, so fällt ein gewisses Schema der Programmierung auf. Am beeindruckendsten ist die Konsequenz, mit der man den Kinderfilm beachtete und pflegte: nahezu 20 Prozent der produzierten Filme sind für Kinder bestimmt gewesen. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Faktum. Durch die Jahre hindurch ist die Produktion von Arbeiten gegen den Nationalsozialismus zu beobachten; sie war aber nicht so umfangreich, wie man vermuten möchte, nicht so umfangreich jedenfalls wie die Zahl von Arbeiten, die historische Themen im weitesten Sinne umsetzten. Zwischen plumper Heldenverehrung im Stil der "Thälmann"-Filme bis zu Porträts von Beethoven oder Goya, von Nachzeichnungen revolutionärer Vorgänge bis zu sozialkritischen Bildern bot sich hier ein breites, keineswegs agitationsfreies Spektrum. Agitation und Propaganda - gezielt eingesetzt gegen West-Berlin und die Bundesrepublik Deutschland bis zum 17. Juni 1953 oder in der Zeit um den 13. August 1961 - waren nicht selten anzutreffen in den Produktionen, die thematisch der Gegenwart gewidmet waren. Hier vor allem dokumentiert sich die DEFA als Funktionsträger der DDR.

Doch viele Filme wandten sich allgemeinen Problemen zu, menschlichen Sorgen, menschlichem Scheitern. Das waren die besten Filme der DEFA: sie waren ehrlich. Auffallend, daß immer wieder und gerade in den späten Jahren der DEFA Frauengestalten im Mittelpunkt dieser Filme standen. Auch dies ein wesentliches Stück der DEFA-Geschichte. Literaturverfilmungen, in den frühen Jahren häufiger anzutreffen als später, galten zunächst klassischen Werken, dann auch Werken der klassischen Moderne. Zeitgenössische Literatur kam seltener auf die Leinwand. Immerhin fand man Arbeiten von Bobrowski, Christa Wolf, de Bruyn und - mit retardierenden Momenten verbunden - von Brigitte Reimann auf der Leinwand. Aufmerksamkeit verdient auch die Co-Produktion der DEFA mit ausländischen Gesellschaften. Knapp sieben Prozent der DEFA-Filme sind in Co-Produktion entstanden, wobei die Sowjetunion mit 14 Titeln weit an der Spitze steht. Viele Arbeiten entstanden auch in Gemeinschaft mit der CSSR, allerdings vorwiegend nach dem Prager Frühling, während die Zusammenarbeit mit Jugoslawien nur in frühen Jahren gelitten war. Polen spielt nur eine geringe Rolle.

Die westlichen Staaten sind in der zweiten Hälfte der 50er Jahre und gegen Ende der DEFA zu notieren. Das Land war eben doch mehr oder weniger isoliert, fand keinen Zugang zu den Entwicklungen wie sie in Polen, in der CSSR oder auch in Ungarn zu beobachten waren. Selbst gegen die Neuerungen in der Spätzeit der UdSSR verschloß sich die kulturell verkrustete DDR mit Vehemenz. Sie hatte sich früh schon abgekapselt von den Entwicklungen in Ost und West. Arbeiteten zunächst noch viele Regisseure und Darsteller aus West-Berlin in den Babelsberger Ateliers, so war man doch bald unter sich. Man negierte die Entwicklungen im Westen, man versperrte den Blick auch gegenüber Veränderungen im Osten, was der DEFA weithin keine neue Formensprache erlaubte. Gewiß, man gab sich realistisch, vermied späterhin auch das Pathos der ersten Nachkriegsjahre, aber man verschloß sich zumeist dem formalen Experiment, der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Dir Sprache der Bilder blieb vorwiegend konstant, was dem DEFA-Film zwar einen eigenen Charakter verlieh, ihm aber auch Stagnation bescherte. Das Kino war von der schauspielerischen Leistung geprägt. So wirkte vieles - zumindest auf den westlichen Betrachter - etwas bieder, gequält, konventionell erstarrt in der Form. Wie lebendig das Kino der DDR zu sein vermochte, zeigten die acht 1966 verbotenen und erst 1990 freigegebenen Filme.

Kaum Chancen für den Nachwuchs

Neben diesen über Jahrzehnte verborgenen Arbeiten und 14 abgebrochenen Produktionen zeugen von der Existenz der DEFA über 700 Filme, die von 154 Regisseuren inszeniert worden sind. Betrachtet man die Namen der Inszenatoren und die Titel der Filme, kommt man zu einem überraschenden Ergebnis: nahezu diel Hälfte wurde von 27 Regisseuren geschaffen, was etwa 17 Prozent des Babelsberger Regiepotentials entprach; für die andere Hälfte standen nicht weniger als 127 Regisseure zur Verfügung, 82 Prozent der Inszenatoren. Dieses Ungleichgewicht trug dazu bei, daß es der Nachwuchs in Babelsberg ungemein schwer hatte. Es gab von Zeit zu Zeit eine Chance für junge Kollegen, es gab aber auch auf lange Strecken eine hohe Barriere. Und noch etwas anderes fällt auf: Frauen hatten bei der DEFA kaum eine Chance, es sei denn in praktischen Berufen; lediglich acht Namen von Regisseurinnen (gerade mal fünf Prozent des Regiepotentials) nennt das Register in Ralf Schenks DEFA-Kompendium. Von den über 700 Produktionen der DEFA-Spielfilmstudios haben Frauen nur 27 Beiträge, zumeist Kinderfilme, geliefert, das sind nicht einmal vier Prozent aller DEFA-Titel. Regie war im Osten Deutschlands ausschließlich Männerdomäne.

Mit dem Ende der DDR zeichnete sich auch das Ende der DEFA ab. Das Bundesinnenministerium stellte zwar innerhalb seiner Filmförderung weit über 14 Millionen DM zur Verfügung, damit die meisten Produktionen, die zu Zeiten der DDR konzipiert oder bereits begonnen waren, noch fertiggestellt werden konnten. Öffentliche Mittel gab es auch vom Land Berlin, von der Filmförderungsanstalt und vom Kuratorium junger deutscher Film sowie von anderen Bundesländern. Über 40 Millionen DM öffentlicher Mittel dürften in den letzten Filmen der DEFA stecken. In den ersten drei Jahren nach der Vereinigung standen dem Film in den neuen Bundesländern allein aus Bonner Mitteln über 107 Millionen DM zur Verfügung. Es gab zudem Bundesfilmpreise für späte DEFA-Filme wie Regisseure, "Filmbänder in Silber" wie Nominierungen, vor allem aber auch Prämien, die in neue Produktionen investiert werden konnten. "Filmbänder in Gold" gab es außerdem für Regieleistungen (Michael Gwisdek) und für langjährige Verdienste (Frank Beyer, Jürgen Böttcher, Erwin Geschonneck und Alfred Hirschmeier). Die DEFA jedoch war nicht zu retten. Die letzten Arbeiten aus den Babelsberger Studios fanden im westlichen Deutschland mehr Besucher als im östlichen. In Leipzig und Dresden, in Erfurt und Schwerin wollte man lieber amerikanische Filme sehen. Das Publikum hatte sich aber schon früher abgewandt. Das Interesse galt nach langer Überfütterung mit Filmen aus den Ostblockstaaten schon früher der Importware aus dem Westen. Der Staat duldete diese Entwicklung in gewissem Maße, wohl als Ventil. Nach 1989 hat die DEFA in ihrem Ursprungsland ihr Publikum vollends verloren. Fürs erste jedenfalls, wie es scheint.

Was also ist von der DEFA nach deren juristischer Löschung geblieben? Zunächst der nicht geringe Filmstock, der vom Progress Film-Verleih verwaltet wird, über den die Bundesanstalt für Vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS) die Hände hält. Der Filmstock soll voraussichtlich noch in diesem Jahr in die DEFA-Stiftung eingebracht werden. Alle Spiel- und Kinderfilme werden jedoch weiterhin im gewerblichen wie im nichtkommerziellen Bereich verliehen. An erster Stelle stehen da die Fernsehanstalten, der ORB neben dem MDR, dem SFB, dem NDR und 3sat. Interessenten finden sich aber auch in der Türkei, in Frankreich, in skandinavischen und lateinamerikanischen Ländern. Gefragt sind vornehmlich die klassischen Titel.

Aus Anlaß des 50. Jahrestages der Gründung der DEFA werden - mit Unterstützung der Filmförderungsanstalt - DEFA-Filmwochen unter anderem in Hamburg, München, Köln, Essen, Mannheim, Dresden, Leipzig, Halle und Rostock, ferner Kinderfilmwochen in verschiedenen Städten veranstaltet. Retrospektiven gibt es zudem auf einigen Festivals. Nicht uninteressant ist außerdem, daß Pakete mit DEFA-Produktionen - unter anderem von Konrad Wolf und Frank Beyer sowie Dokumentationen - allen 167 Goethe-Instituten zur Verfügung stehen. So findet man unter den ersten 100 Titeln immerhin neun alte DEFA-Filme mit etwa 55 000 Besuchern, was etwa 0,5 Prozent der Besucherzahlen dieser Kategorie entspricht. Bei den Kinderfilmen jedoch sieht das Bild erfolgreicher aus: da stellen DEFA-Produktionen mit 45 Titeln fast 47 Prozent der erfolgreichsten Kinofilme 1995 mit einem Besucheranteil von immerhin sieben Prozent (etwa 75 000 Zuschauer). Wenn man bedenkt, daß es sich durchweg um ältere bis jahrzehntealte Arbeiten handelt, erscheinen auch relativ kleine Zahlen beachtenswert.

Zerstobenes Potential

Ist der Filmstock der DEFA noch komplett vorhanden (und somit auch der Forschung zugänglich), so ist das andere Potential der Filmgesellschaft der DDR zerstoben: all die Darsteller und Regisseure. Manchen von ihnen begegnet man im Fernsehen wieder, anderen, seltener allerdings, im Kino. Die Regisseure waren seit ihrer Tätigkeit bei der DEFA an ein gesichertes Ateliersystem (mit all seinen politischen Einengungen) gewöhnt. Da fällt es manchem heute schwer, sich auf der freien Wildbahn zu bewegen und zu bewähren, wo die Produktionsbedingungen völlig anders sind. Das war schon bei jenen zu beobachten, die im Zuge der Biermann- Auseinandersetzung der DDR den Rücken gekehrt haben. Die Lieblingsschauspieler in der DDR (Stars sollte es ja nicht geben) waren mit einem Mal nur begabte Akteure unter nicht minder begabten Kollegen - ihr Bekanntheitsgrad hatte, wie bei vielen Regisseuren auch, den Westen nicht erreicht. Allein Armin Mueller-Stahl schaffte eine internationale Karriere. Manfred Krug war schnell beliebt, neuerdings wohl auch Corinna Harfouch. Von den Regisseuren hatte es Prank Beyer, schon lange ein Wanderer zwischen den Welten, auch nach der Wende weiterhin leicht. Lotz, Gräf, Kühn, Dziuba, Simon, Losansky, Misselwitz, vor allem die Dokumentaristen K.oepp und Junge drehten in den vergangenen Jahren; Warneke und Egon Günther, der teilweise längst in München lebt, planen allenfalls. Die alte Mannschaft ist verstreut. Ob sich auch die Handschrift der einzelnen verändert?

Das Signum DEFA stand für einen bestimmten Stil, der mitunter auch herkömmlich wirken mochte. Und so interessierte zumal den Betrachter im Westen oftmals weniger das Bild, sondern das, was zwischen den Bildern zu erkennen war. Man sah zuerst auf das Thema, in dem sich nicht selten die kulturpolitischen Strömungen in der DDR haben ablesen lassen. So war der DEFA-Film all die Jahre hindurch auch ein Spiegel der Wirklichkeit in der DDR (oder der verschleierten, der verleugneten Realität). Man hat ihn in dieser Hinsicht im Westen viel zu wenig beachtet. Und das ist jetzt noch immer die Gefahr, nämlich daß man in den sogenannten alten Ländern die DEFA ins Vergessen geraten läßt, sei es aus Gleichgültigkeit, aus noch immer anhaltender Skepsis oder auch aus Voreingenommenheit (wie man sich in den neuen Bundesländern im übrigen herzlich wenig um die westdeutsche Filmgeschichte kümmert). Die andere Gefahr ist, daß man die DEFA-Filme im Gebiet der einstigen DDR zur Legende macht, die Babelsberger Produktion kritiklos verklärt, um etwas aus der im, ganzen doch wenig erfreulichen Vergangenheit herüberzuretten. Nötig ist eine kritische Bilanz fast eines halben Jahrhunderts DEFA, die ja auch ein Stück deutscher Filmgeschichte darstellt. Man muß die Filme der DEFA, will man sie analysieren, auch im Kontext sehen zur westdeutschen wie zur west- und osteuropäischen Produktion. Daran wird man in einer in sich abgeschlossenen Produktions- und Rezeptionsgeschichte die Wünsche und Wirklichkeiten eines Landes, die offiziellen Parolen und inoffiziellen Fluchtpunkte, die staatlichen Forderungen und privaten Verdrängungen, die Befindlichkeit der Menschen wie die vielfach gebrochene, in sich widersprüchliche Realität in der DDR erkennen können.

Volker Baer (film-dienst 10/1996)