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DEFA - Stiftung - Brandt, Horst E.

Brandt, Horst E.

Horst E. Brandt beginnt seine Filmkarriere als Kamera-Assistent im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, wechselt dann in den Spielfilmbereich und arbeitet sich zum 1. Kameramann hoch. Mitte der 60er Jahre beginnt er als Spielfilmregisseur zu arbeiten. Hier begibt er sich bewusst in das Spannungsfeld von Unterhaltung und politischer Aufklärung, dreht mit KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1970) einen der wichtigsten Prestige-Filme der DEFA über den deutschen Widerstand.

Foto: DEFA-Stiftung/Josef Borst

Horst E. Brandt wird am 17. Januar 1923 in Berlin geboren. Sein Vater wird in den 20er Jahren arbeitslos, verdient als Tanz- und Unterhaltungsmusiker seinen Lebensunterhalt und arbeitet nach 1933 als Mechaniker bei Telefunken. Seine Mutter ist als Schneiderin beschäftigt. Er besucht die 21. Gemeinschaftsschule in Berlin-Spandau; während seiner Freizeit trainiert er im traditionsreichen Schwimmverein "Spandau 04" und bereitet sich für das Rahmenprogramm der Olympischen Spiele 1936 vor. Nach seiner Schulausbildung beginnt er 1937 eine Ausbildung als Feinmechaniker in der Firma "Osram". Als Mitglied des Fotozirkels der Firma erwirbt er erste fotografische Kenntnisse; arbeitet zudem als Hilfskraft seines Onkels Richard Brandt bei der Wochenschau. Neben seiner Arbeit besucht er die Abendschule und absolviert einen Kurs für technisches Zeichnen.

Im August 1941 wird Horst E. Brandt zum Arbeitsdienst einberufen, im März 1941 in die Deutsche Luftwaffe zum technischen Bodenpersonal eingezogen. Er wird in Norwegen stationiert, im Winter 1944 nach Berlin verlegt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wird er gefangen genommen und in der englischen Besatzungszone interniert. Er kehrt 1946 in die sowjetisch besetzte Zone nach Berlin zurück und beginnt auf Vermittlung seines Onkels Richard Brandt, der bei der DEFA als Produktionsleiter beschäftigt ist, 1947 als Kamera-Assistent mit Ausbildungsvertrag zum Kameramann im DEFA-Studio zu arbeiten. Ein Jahr nach dem Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED im April 1946 wird er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Zunächst arbeitet Horst E. Brandt beim Dokumentarfilm. Als Lehrmeister fungiert der Regisseur und Kameramann Joop Huisken. Von November 1948 bis Mai 1949 wird er in der Kopieranstalt "Linse" in Köpenick als Volontär angestellt. Nach dieser Weiterbildungs-maßnahme wechselt er in den Spielfilmbereich. Nach sieben Jahren Lehrzeit, unter anderem bei den Regisseuren Hans Heinrich, Artur Pohl und Kurt Maetzig sowie den Kameramännern Bruno Timm, Fritz Lehmann und seinem Lehrmeister Karl Plintzner, arbeitet Horst E. Brandt ab 1954 als selbständiger Kameramann. Seine erste Arbeit als 2. Kameramann wird STÄRKER ALS DIE NACHT (1954) unter der Regie von Slatan Dudow, die Geschichte des Hamburger Arbeiters Hans Löning und seiner Frau Gerda. Hier unterstützt die Lichtgestaltung die Authentizität der Geschichte: die Wandlung eines unpolitischen Mitläufers zum Antifaschisten. Während der Dreharbeiten zu ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE (1955) von Kurt Maetzig kommt es zu einem folgeschweren Unfall: Chefkameramann Karl Plintzner verletzt sich, nach einer Operation ist es ihm nicht mehr möglich, die Kamera zu führen. Horst E. Brandt tritt seine Nachfolge bei den Filmarbeiten an und ist ab März 1955 als 1. Kameramann bei der DEFA angestellt. In der Folge arbeitet er mit Regisseuren wie Günter Reisch, Heinz Thiel und Ralf Kirsten zusammen.

Mitte der 60er Jahre beginnt Horst E. Brandt als Regisseur zu arbeiten. Seine erste Regie-Arbeit legt er mit dem TV-Film IRRLICHT UND FEUER (1966) nach einem Roman von Max von der Grün vor, bei der er noch gemeinsam mit Heinz Thiel Regie führt und zudem mit seinem Co-Regisseur und dem Schriftsteller Gerhard Bengsch auch das Drehbuch verfasst. In der Folge arbeitet das Team mehrfach zusammen. Es entstehen unter anderem BROT UND ROSEN (1967), die Lebensgeschichte eines Arbeiters; der Kriminalfilm HEROIN (1968) über einen internationalen Schmugglerring. Am Schicksal des Helden Fred Krause, gespielt von Günther Simon, verdeutlichen sie in dem fünfteiligen Fernsehfilm KRUPP UND KRAUSE / KRAUSE UND KRUPP (1968) 60 Jahre deutsche Arbeiterbewegung. Der dargestellte Lebensweg vom Arbeiter bei Krupp bis zum Generaldirektor des Magdeburger Ernst Thälmann-Werkes wird zur Parabel auf die Entwicklung der DDR. Da es zwischen Heinz Thiel und Horst E. Brandt zu Differenzen über einzelne Szenen kommt, scheidet Heinz Thiel aus dem Drehstab aus und Horst E. Brandt führt ab Teil 4 erstmals allein Regie. Mit vier Geschichten über EVA UND ADAM (1973), zu denen wieder Gerhard Bengsch die Drehbücher verfasst, verfilmt Horst E. Brandt auch DDR-Gegenwartsstoffe. Erzählt werden Geschichten, in denen mehrere Frauen verschiedenen Alters und verschiedener Berufe im Mittelpunkt einer verflochtenen Handlung stehen.

Nach seinen erfolgreichen Fernseharbeiten inszeniert der Regisseur große Kinofilme; hier begibt er sich bewusst in das Spannungsfeld von Unterhaltung und politischer Aufklärung. Mit KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE (1970) dreht er einen der teuersten Filme der DEFA. Erzählt wird von der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen / Arvid Harnack, die aus unterschiedlichsten Motivationen gegen das Hitler-Regime kämpfen. Der Film ist einer der großen Dimensionen, gesetzt wird ganz auf modernen Schauwert: gedreht im 70-mm-Format, Farbe, zweiteilig und mit zahlreichen Star-Schauspielern der DDR gedreht. Es ist der bisher umfassendste Versuch der DEFA, den antifaschistischen Widerstand filmisch aufzubereiten. In der Koproduktion mit dem sowjetischen Gorki-Studio entsteht der Streifen ZWISCHEN TAG UND NACHT (1975), der vom deutschen Schriftsteller Erich Weinert im Moskauer Exil erzählt. Episoden aus seinem Leben seit 1933 - der Kampf im Spanienkrieg, seine Aufenthalte in Paris und Moskau - dokumentieren seine Entwicklung und Lebenshaltung. BRANDSTELLEN (1978) nach dem gleichnamigen Roman von Franz Josef Degenhardt beschäftigt sich mit der terroristischen Bewegung in der Bundesrepublik.

DIE KOLONIE (1981) spielt in einem südamerikanischen Land Anfang der 80er Jahre. Ein junger Journalist findet heraus, dass sich auf einer Farm eine faschistische Kolonie befindet, in der alte Nazis junge Deutsche in ihrem Geist erziehen. Von einem authentischen Fall ausgehend bezieht sich der Film auf Tatsachen. Doch das Material wird nicht nur nüchtern, dokumentarisch aufgearbeitet, sondern mit exotischem Milieu, aktionsreicher Spannung und kriminalistischen Motiven bereichert. Ähnliches vollführt der Regisseur in der Kriminalgeschichte FAMILIENBANDE (1982), die sich mit illegalem Antiquitätenhandel zwischen Ost und West beschäftigt. Die Kriminalgeschichte DER LUDE (1984), nach einem Szenarium von Wera Küchenmeister und Claus Küchenmeister, geht noch einmal auf die Zeit der Weimarer Republik und dem aufkommenden Faschismus in Deutschland zurück. Erzählt wird von einem jungen Arbeitslosen, der sich nicht von den Nationalsozialisten für Spitzeldienste erpressen lässt. DER HUT DES BRIGADIERS (1985) unterstützt die "Berlin-Initiative" mit einem Arbeiterporträt. Nach einem Szenarium von Manfred Richter wird ein Tiefbauarbeiter in den Blickpunkt gerückt, der sich mit Routine, Fehlleistungen, schlechter Arbeitsmoral nicht abfindet, jedoch wegen seiner Rigorosität nicht immer Freunde hat. Sein letzter Film wird der Kriminalfilm DIE BETEILIGTEN (1988). Die Verfilmung des Stoffes wird im Zusammenhang mit dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED aus den Jahren 1965 nicht realisiert und nun im Zuge eines politischen Tauwetters im DEFA-Studio doch produziert. Die Kriminalgeschichte im Milieu der DDR-Provinzhonoratioren aus dem Jahre 1964 bleibt wegen den aktuell politischen Veränderungen in der DDR unbeachtet.

Nach der Abwicklung der DEFA 1991 kann Horst E. Brandt keinen Filmstoff mehr realisieren. Bereits 1990 entsteht ein Projekt mit der Filmemacherin Harriet Eder über die politischen Hintergründe des Olympia-Fackellaufs 1936. Er arbeitet immer noch an mehreren Treatments, entwickelt Szenarien und schreibt Drehbüchern, die aber nicht verfilmt werden. Der Regisseur veröffentlicht zudem Texte zur Geschichte der DEFA; außerdem seine Erinnerungen unter dem Titel "Halbnah - Nah - Total", die 2002 von der DEFA-Stiftung herausgegeben werden.

Horst E. Brandt heiratet 1951 Ingeborg Kampfert. Ihre gemeinsame Tochter Karin wird im Februar 1952 geboren. Nach der Scheidung 1958 ehelicht er Eva Schottek, mit der er die Tochter Jana hat, die im Januar 1965 geboren wird. Bis zu seinem Tod am 22. August 2009 lebt Horst E. Brandt in Potsdam.

 

zusammengestellt von Ines Walk (www.film-zeit.de)

Stand: Dezember 2010

Filmographie

  • 1948 Aus eigener Kraft
    Kamera-Assistent
  • 1949 Man spielt nicht mit der Liebe
    Kamera-Assistent
  • 1950 Kahn der fröhlichen Leute
    Kamera-Assistent
  • 1950 Die Jungen vom Kranichsee
    Kamera-Assistent
  • 1951 Die letzte Heuer
    Kamera-Assistent
  • 1954 Stärker als die Nacht
    Kamera
  • 1955 Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse
    Kamera-Assistent
  • 1955 Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse
    Kamera
  • 1956 Bärenburger Schnurre
    Kamera
  • 1956 Junges Gemüse
    Kamera
  • 1956 Stacheltier 080: ... und alle, alle kamen
    Kamera
  • 1956 Stacheltier 081/082: Von nun ab: Herr Kunze
    Kamera
  • 1956 Stacheltier 083: Mit Oswald in der Oper
    Kamera
  • 1957 Skimeister von Morgen
    Kamera
  • 1957 Stacheltier 108: Der Spaziergang
    Kamera
  • 1957 Stacheltier 109: In Freiheit Marsch
    Kamera
  • 1957 Stacheltier 110: Au!Backe
    Kamera
  • 1957 Stacheltier 111: Ausverkauft
    Kamera
  • 1957 Reifender Sommer
    Kamera
  • 1958 Im Sonderauftrag
    Kamera
  • 1958 Agitationsstreifen 1958/03
    Kamera
  • 1958 Agitationsstreifen 1958/06
    Kamera
  • 1958 Stacheltier 125: Böses Omen
    Kamera
  • 1958 Stacheltier 126: Blindes Huhn
    Kamera
  • 1958 Stacheltier 127: Einer unserer Besten
    Kamera
  • 1958 Stacheltier 128: Auf dem Boden der Tatsachen
    Kamera
  • 1959 Spuk in Villa Sonnenschein
    Kamera
  • 1959 Agitationsstreifen 1959/03
    Kamera
  • 1959 SAS 191 antwortet nicht
    Kamera
  • 1959 Das Stacheltier - Zu Gast beim Stacheltier: Held der Arbeit Erich Seifert
    Kamera
  • 1960 Liebe auf den letzten Blick
    Kamera
  • 1960 Schritt für Schritt
    Kamera
  • 1960 Das Stacheltier - Die Ballade vom freien Friederich
    Kamera
  • 1961 Gewissen in Aufruhr, 5 Teile
    TV-Film: Kamera
  • 1961 Tanz am Sonnabend - Mord?
    Kamera
  • 1961 Guten Tag, lieber Tag
    Kamera
  • 1962 Ach, du fröhliche...
    Kamera
  • 1962 Das Stacheltier - Die Moritat vom Durst
    Kamera
  • 1963 Schwarzer Samt
    Kamera
  • 1963 Reserviert für den Tod
    Kamera
  • 1963 Das Stacheltier - Die Autorenstunde
    Kamera
  • 1963 Das Stacheltier - Klapper macht Karriere
    Kamera
  • 1965 Filmsommerliches
    Kamera
  • 1965 Solange Leben in mir ist
    Kamera
  • 1966 Irrlicht und Feuer
    TV-Film: Drehbuch, Kamera, Regie
  • 1967 Brot und Rosen
    Regie
  • 1967 Heroin
    Regie
  • 1968 Krupp und Krause, 3 Teile
    TV-Film: Regie, Kamera
  • 1969 Krause und Krupp, 2 Teile
    TV-Film: Regie, Kamera
  • 1970 KLK an PTX - Die rote Kapelle
    Regie, Drehbuch
  • 1972 Eva und Adam oder Gefecht mit Napoleon
    TV-Film: Regie, Drehbuch
  • 1973 Eva und Adam oder Drum prüfe!
    TV-Film: Regie, Drehbuch
  • 1973 Eva und Adam oder Privat nach Vereinbarung
    TV-Film: Regie, Drehbuch
  • 1973 Eva und Adam oder Wieviel Sterne hat der Himmel
    TV-Film: Regie, Drehbuch
  • 1975 Zwischen Tag und Nacht
    Regie
  • 1976 Strategie der Träume. Zwei Tage eines Lebens
    TV-Film: Regie
  • 1977 Brandstellen
    Regie
  • 1978 Des Drachens grauer Atem
    TV-Film: Regie
  • 1978 Addio, piccola mia
    Darsteller
  • 1981 Die Kolonie
    Regie
  • 1982 Familienbande
    Regie
  • 1984 Der Lude
    Regie
  • 1985 Der Hut des Brigadiers
    Regie
  • 1988 Die Beteiligten
    Regie

Auszeichnungen

  • 1962 GEWISSEN IN AUFRUHR
    Heinrich Greif-Preis III. Klasse (gemeinsam mit Otto Hanisch)
  • 1966 SOLANGE LEBEN IN MIR IST
    Nationalpreis II. Klasse (im Kollektiv)
  • 1967 IRRLICHT UND FEUER
    Kunstpreis des FDGB (gemeinsam mit Gerhard Bengsch)
  • 1967 BROT UND ROSEN
    Internationale Filmfestspiele Moskau: Preis des sowjetischen Journalistenverbandes
  • 1968 BROT UND ROSEN
    Kunstpreis des FDGB (gemeinsam mit Gerhard Bengsch, Heinz Thiel, Günther Simon)
  • 1969 KRUPP UND KRAUSE / KRAUSE UND KRUPP
    Nationalpreis I. Klasse (im Kollektiv)
  • 1971 KLK AN PTX - DIE ROTE KAPELLE
    Nationalpreis I. Klasse (gemeinsam mit Wera und Claus Küchenmeister, Günter Haubold)
  • Kunstpreis des FDGB (im Kollektiv)
  • 1974 EVA UND ADAM ODER DRUM PRÜFE
    Banner der Arbeit
  • 1986 DER HUT DESBRIGADIERS
    Kunstpreis des FDGB

 

Ausgewählte Literatur

Ingeborg Zimmerling: Im Gespräch mit dem Regisseur Horst E. Brandt über seinen Film DER HUT DES BRIGADIERS, in: Filmspiegel 05/1986.

Klaus Hannuschka: Brot und Rosen für den Jubilar. Zum 65. Geburtstag des Filmregisseurs Horst E. Brandt, in: Märkische Volksstimme 15.01.1986.

Horst Knietzsch: Ein Mann der Kamera und der Filmregie - Zum 65. Geburtstag des Regisseurs Horst E. Brandt, in: Neues Deutschland, 16.01.1988.

Beate Schönfeldt: Horst E. Brandt: Überlegungen zum politischen Film, in: DEFA-Spielfilm-Regisseure und ihre Kritiker,

Horst E. Brandt: Erinnerungen, DEFA-Stiftung, Berlin 2003.

Horst E. Brandt: Wir Bildermacher ... Kameramänner im DEFA-Studio für Spielfilme. Vom ersten DEFA-Film 1946 bis zur Studio-Abwicklung 1992/1993, Unveröffentlichtes Manuskript 2005, Standort: DEFA-Stiftung Berlin.