Der Heiner-Carow-Preis 2013 geht an Angela Christlieb für „Naked Opera“

Die DEFA-Stiftung hat am 14. Februar auf den 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin 2013 den Heiner-Carow-Preis in Höhe von 5.000,- Euro an Angela Christlieb für ihren Dokumentarfilm „Naked Opera“ verliehen.

Der Heiner-Carow-Preis wurde in diesem Jahr erstmals verliehen. Über die Vergabe entschied die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Filmwissenschaftlerin Stefanie Eckert von der DEFA-Stiftung, dem Filmkomponisten Stefan Carow (Sohn von Heiner Carow) und dem brasilianischen Regisseur Karim Ainouz. Hier ist ihre Begründung:
"Heiner Carows Filme sind unbequem, aufmüpfig, gesellschaftskritisch, und sie sind emotional. Seine Geschichten rütteln an den Grundpfeilern der Gesellschaft, weil er von Menschen erzählt, die an deren Rand gedrängt, die unterprivilegiert, schwach oder außerhalb der Norm sind.
Marc Rollinger, der Protagonist in Angela Christliebs Film, „Naked Opera“, ist nicht unterprivilegiert oder schwach, doch fällt auch er durch Leidenschaft und Krankheit aus der Norm. Und obwohl er ganz cool, scheinbar unnahbar und berechnend in den Film eintritt, gelingt es der Regisseurin behutsam seine Verletzbarkeit aufzudecken.
„Naked Opera“ ist ein sehr schöner, ein sehr künstlerischer Film, der Marc Rollinger quer durch Europa, von seiner Heimat Luxembourg nach Venedig, nach Wien und Berlin, auf den Spuren von Mozarts „Don Giovanni“ oder der jeweils neusten Produktion der Oper, begleitet. Marc interpretiert „Don Giovanni“ als Teil seiner Lebensphilosophie, und Angela Christlieb vermag es eindrucksvoll dem Zuschauer diesen Zusammenhang aufzuzeigen. Thematisch zu Marcs Kommentaren sind die Opernausschnitte in den Film eingefügt, um somit Marcs Geschichte auf einer anderen Ebene weiterzuerzählen.
Die Einbeziehung der Oper, aber auch einiger inszenierter Elemente heben „Naked Opera“ über den üblichen Dokumentarfilm hinaus, machen ihn etwas ganz Besonderes und unbedingt Sehenswertes."

Mit dem Preis erinnert die DEFA-Stiftung an den Regisseur Heiner Carow (1929-1997), der in den Babelsberger DEFA-Studios unter anderem Filme wie „Sie nannten ihn Amigo“ (1959), „Die Russen kommen“ (1968), „Die Legende von Paul und Paula“ (1973), „Ikarus“ (1976), „Bis dass der Tod Euch scheidet“ (1979) und „Coming out“ (1989) inszenierte. Für „Coming out“ erhielt er im Februar 1990 den Silbernen Bären im Berlinale-Wettbewerb.