EDUARD VON WINTERSTEIN

Biografie

*1. August 1871 in Wien, 22. Juli 1961 in Berlin/Ost

Eduard Clemens Franz Freiherr von Wangenheim, wie er eigentlich hieß, war der Sohn des Herzoglich Braunschweigischen Hoftheaterintendanten und der Schauspielerin Luise Dub. Nach Bühnenstationen in der Provinz, darunter in Annaberg-Buchholz, dessen Theater heute seinen Namen trägt, kam er 1895 nach Berlin, wobei er besonders intensiv am Deutschen Theater wirkte. Dessen Chef Max Reinhardt – nach anderen Quellen auch der Unterhaltungsregisseur Georg Jacoby – holte den fast Vierzigjährigen 1910 zum Film zu einer Zeit, als renommierte Künstler der „Afterkunst“ noch ablehnend gegenüberstanden. In seinen Memoiren schildert Winterstein jedoch, daß er schon 1895 im Berliner Wintergarten Zeuge der ersten Kino-Vorführungen der Brüder Skladanowsky wurde, die seine Phantasie sehr anregten.

In den Kriegsjahren spielte Winterstein in zahlreichen Stummfilmen unterschiedlichen Anspruchs. Im Stummfilm der zwanziger Jahre holten ihn so bekannte Regisseure wie Ernst Lubitsch, Richard Oswald, Fritz Lang und Fridrich Wilhelm Murnau vor die Kamera. Meist war er jedoch der zweite Mann neben jüngeren Charakterhelden wie Emil Jannings, Paul Wegener, Werner Krauß und später Heinrich George. Diese Besetzungsstrategie setzte sich in der frühen Tonfilmzeit fort, als er bei Regisseuren wie Josef v. Sternberg, Gustav Ucicky und E. A. Dupont große Nebenrollen verkörperte. Im Dritten Reich konnte er u.a. deswegen nicht reüssieren, weil sein Sohn Gustav v. Wangenheim – Schauspieler und Regisseur - als Kommunist im sowjetischen Exil tätig war.

Nach dem Krieg blieb Eduard v. Winterstein im Osten, wurde als der große „Nathan, der Weise“ im Deutschen Theater gefeiert. Von Beginn seiner Laufbahn an hatte er den Ruf als großer Lessing-Schauspieler, den er allerdings im Film nur in Nebenrollen in „Das Fräulein von Barnhelm“ (1940) und „Emilia Galotti (1958) beweisen konnte.

In der DDR wurde Winterstein als der „Nestor der deutschen Schauspielkunst“ gefeiert und dreimal mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Der erstaunlich agile Mime spielte im 9. Lebensjahrzehnt bis zuletzt in DEFA-Filmen aller Genres – Zeitstücken, historischen Filmen, Literatur-Adaptionen, Komödien und im Science-Fiction-Film.


"Das Mädchen von Moorhof" - D 1935, 82 Min., Schwarzweiß

Regie: Douglas Sirk (Detlef Sierck) - Drehbuch: Ph. L. Mayring - Vorlage: Novelle von Selma Lagerlöf - Produktion: Ufa - Verleih: Murnau-Stiftung - Kamera: Willy Winterstein - Musik: Hans Otto Borgmann - Darsteller: Hansi Knoteck, Friedrich Kayßler, Eduard v. Winterstein, Ellen Frank, Kurt Fischer-Fehling u.a.

Filminhalt: Karsten Ditmar, ein junger Bauer, holt Helga, eine ledige Dienstmagd mit Kind, auf seinen Hof, weil ihm ihre Haltung imponiert, ihren Dienstherrn nicht wegen der Vaterschaft zu verklagen. Er ist mit einer Amtsmannstochter verlobt, doch beim Polterabend kommt es zu einer Rauferei, bei der ein Mann erstochen wird. Als er seinen Rausch ausgeschlafen hat, hält sich Karsten für den Täter und begeht Selbstanzeige. Daraufhin wendet sich seine Braut von ihm ab. Helga hat jedoch den Beweis, dass Karsten nicht der Täter ist.

Info: Für den vom Theater stammenden Regisseur Detlef Sierck, der schon 1937 ins amerikanische Exil ging und sich Douglas Sirk nannte, war dies der zweite abendfüllende Spielfilm. Sein Ruf als Spezialist für Melodramen hat sich bis heute erhalten. Die schwedische Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf hatte die Vorlage geliefert, und in dieser Fassung wurde die Handlung in die Moor- und Heidelandschaft bei Worpswede verlegt.


"Die Sonnenbrucks" - DDR 1950/51, 99 Min., Schwarzweiß

Buch u. Regie: Georg C. Klaren - Vorlage: Schauspiel von Léon Kruczkowski - Produktion: DEFA Studio für Spielfilme - Verleih: Deutsche Kinemathek - Kamera: Fritz Lehmann - Musik: Ernst Roters - Darsteller: Eduard v. Winterstein, Maly Delschaft, Ursula Burg, Raimund Schelcher, Irene Korb u.a.

Filminhalt: Professor Sonnenbruck ist Wissenschaftler und die Politik nicht sein Metier. Auch die Begegnung im Jahre 1943 mit seinem ehemaligen Assistenten Peters ändert ihn nicht. Er verrät den aus einem KZ Geflohenen nicht, aber das ist für ihn schon genug. Nach dem Krieg gerät Sonnenbruck dann doch in einen Gewissenskonflikt. Er glaubte, daß die Wissenschaft endlich wieder frei von Politik sei und muß an seiner Universität in Göttingen das Gegenteil erleben. Ein medizinischer Kongreß in der DDR führt ihn mit Peters zusammen, der dort an einem großen Forschungsauftrag arbeitet. Sonnenbruck entschließt sich, zu Peters zu gehen.

Info: Für den Film wurde das 1949 in der DDR erfolgreich erstaufgeführte antifaschistische Bühnenstück des damaligen Vorsitzenden des polnischen Schriftstellerverbandes bearbeitet. Regisseur Klaren legte einen stärkeren Akzent auf die ersten Nachkriegsjahre, um die restaurativen Tendenzen in der jungen Bundesrepublik zu brandmarken, was dem Film nicht gut tat. Eduard v. Winterstein erhielt auf dem Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary 1951 den Preis als bester Darsteller.


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Das Mädchen von Moorhof
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Das Mädchen von Moorhof
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Das Mädchen von Moorhof
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Die Sonnenbrucks
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Die Sonnenbrucks
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