GISELA UHLEN

Biografie
Gisela Uhlen (eigtl. Gisela Friedlinde Schreck)

*16. Mai 1919 in Leipzig, 16. Januar 2007 in Köln

Die Tochter eines Opernsängers nahm Tanzunterricht in Leipzig und Schauspielunterricht in Berlin. Hier wurde sie auch 1936 für ihren ersten Film „Annemarie“ entdeckt. Nach zwei Jahren in Bochum holte Heinrich George sie nach Berlin, wo sie neben ihrer Theaterarbeit neben einigen der bedeutenden Darsteller jener Jahre auch vor der Kamera stand, wie Gustaf Gründgens, Emil Jannings, Ewald Balser und auch Heinrich George. Gisela Uhlen war leidenschaftliche Schauspielerin und gab sich unpolitisch. So übersah sie nicht, daß einige dieser Filme die NS-Propaganda bedienten.

In der Bundesrepublik versuchte sie mit mäßigem Erfolg, an die früheren Filmerfolge anzuknüpfen. Nach einem Sorgerechtsstreit mit ihrem dritten Mann, dem Regisseur Hans Bertram, siedelte sie 1954 mit ihrem vierten Ehemann, dem Schauspieler Wolfgang Kieling, in die DDR über. Am Deutschen Theater, bei der DEFA und im Deutschen Fernsehfunk konnte sie einige bemerkenswerte Rollen spielen, bevor sie 1959 mit ihrem fünften Mann, dem Regisseur Herbert Ballmann, in die Bundesrepublik zurückkehrte. Während sie am Berliner Schillertheater und anderen Bühnen, darunter einem von ihr gegründeten Tournee-Theater viele große Rollen der Weltliteratur spielte, hatte sie bei Film und Fernsehen vor allem mit Kriminalfilmen (Edgar Wallace, Tatort) und Familienserien („Der Landarzt“, „Forsthaus Falkenau“) viel Erfolg. Zweimal spielte Gisela Uhlen unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder und erhielt für ihre Mutterrolle in seinem Film „Die Ehe der Maria Braun“  (1979) den Bundesfilmpreis in Gold. Gelegentlich trat sie auch zusammen mit ihren Töchtern Barbara Bertram und Susanne Uhlen auf. Ihre Erinnerungen legte sie in drei Büchern nieder und übergab ihren Vorlaß Gisela Uhlen zwei Jahre vor ihrem Tod dem Filmmuseum Potsdam.

"Der stumme Gast" - D 1945, 92 Min., Schwarzweiß

Regie: Harald Braun - Drehbuch: H.B., Kurt Heynecke - Vorlage: Novelle von Theodor Fontane, "Unterm Birnaum" - Produktion: Ufa - Verleih: Murnau-Stiftung - Kamera: Robert Baberske - Musik: Werner Eisbrenner - Darsteller: Gisela Uhlen, René Deltgen, Rudolf Fernau, Carsta Löck, Josef Sieber, Willi Rose, Herbert Hübner u.a.

Filminhalt: In einem Dorf irgendwo zwischen Neumark und Prignitz übernimmt sich junge Gastwirt Raschek finanziell, um seiner Frau jeden Wunsch zu erfüllen. Sein Gläubiger ist Kampmann, ein skrupelloser Geschäftemacher und Frauenheld, der ein Auge auf Rascheks Frau geworfen hat. Bei einem zügellosen Kartenspiel verliert Raschek seinen Gasthof an Kampmann, der zu Hilda Raschek zudringlich wird. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung, nach der Kampmann tot aufgefunden wird. Der Verdacht der Dorfbevölkerung fällt auf Hans Raschek, doch eine Untersuchung kann ihm nichts nachweisen.

Info: Theodor Fontane veröffentlichte seine Novelle 1885 zunächst in der Zeitschrift „Gartenlaube“. Harald Braun (1901-1960), der seit 1942 als Regisseur arbeitete, gehörte im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik auch als Produzent zu den einflußreichen Persönlichkeiten des deutschen Films, verfilmte zwei Romane von Thomas Mann und brachte zeitkritische Stoffe auf die Leinwand. Gisela Uhlen und ihr Luxemburger Kollege René Deltgen kannten sich, seit sie 1937 gemeinsam auf einer Sommerbühne „Romeo und Julia“ spielten. Fontanes Stoff wurde als „Unterm Birnbaum“ 1973 bei der DEFA ein zweites Mal für die Leinwand adaptiert. Unter Ralf Kirstens Regie spielten Angelica Domröse und Erik S. Klein.

 
"Der Prozess wird vertagt" - DDR 1958, 97 Min., Schwarzweiß

Buch u. Regie: Herbert Ballmann - Vorlage: Novelle von Leonhard Frank, "Michaels Rückkehr" - Produktion: DEFA Studio für Spielfilme - Verleih: Stiftung Deutsche Kinemathek - Kamera: E.W. Fiedler, Otto Hanisch - Musik: Jean Kurt Forest - Darsteller: Gisela Uhlen, Raimund Schelcher, Gerhard Bienert, Gerry Wolff, Friedrich Richter, Waltraut Kramm, Kurt Steingraf

Filminhalt: Mitte der fünfziger Jahre kehrt der jüdische Emigrant Michael Vierkant in die Bundesrepublik Deutschland zurück, um die Verurteilung von Dr. Korn zu erwirken, der für die Ermordung seiner Schwester verantwortlich war. Korn ist wieder in Amt und Würden; Michaels Bemühungen bleiben erfolglos. Bei einer Auseinandersetzung zwischen beiden, wird Korn in Notwehr von Micheal erschossen. Auf der Flucht wird er von der Künstlerin Maria Jäger versteckt. Als die Polizei ihn gestellt hat, wird er des vorsätzlichen Mordes angeklagt. Der Kriminalpolizei wird der Fall vom Verfassungsschutz aus der Hand genommen, der einen politischen Racheakt in kommunistischem Auftrag konstruiert. Michael gelingt es, aus dem Gefängnis zu entkommen.

Info: Das Werk des großen Romanciers Leonhard Frank, der nach Flucht und Verfolgung durch die Nazis in München ansässig war, fand in der DDR stärkere Verbreitung als in der Bundesrepublik. In Ballmanns Adaption von Franks 1954 geschriebener Erzählung wird der gezielte Schuß auf den Denunzianten in eine Tat im Affekt umgeändert. Das nahm dem Konflikt die Schärfe und entsprach nicht den Intentionen des Autors.

 


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