Rudolf Forster

Biografie

geb. 30. Oktober 1884 in Gröbning (Steiermark), gest. 25. Oktober 1968 in Bad Aussee (Steiermark)

Der Sohn eines Finanzbeamten ließ sich schon früh in Wien zum Schauspieler ausbilden und trat 1903 in Graz sein erstes Engagement an. Nach kleineren Engagements kam er 1909 nach Wien, wo er sich vorerst etablieren konnte. Kurz vor Kriegsausbruch übernahm er seine erste Kinorolle in einem zweiteiligen Detektivfilm. Nach Kriegsende verschlägt es ihn nach Berlin, wo er schnell einer der gefragtesten Schauspieler seiner Generation wird. Neben der Theaterarbeit, u.a. bei Leopold Jessner, Berthold Viertel und Max Reinhardt setzt er sich auch im Film durch. Eine der bemerkenswertesten Stummfilmrollen wird der Dr. Alwa Schoen in Jessners Wedekind-Verfilmung „Erdgeist“ (1923).

Sein erster Tonfilmerfolg wird der Mackie Messer in G.W. Pabsts Adaption von Brechts „Dreigroschenoper“ (1931). Nach der Machtübernahme der Nazis arbeitet Forster in seiner österreichischen Heimat. Seine hier entstandenen Filme, darunter der gegen Zwangsherrschaft gerichtete Streifen „… nur ein Komödiant“ (1935), kommen auch in deutsche Kinos. Rudolf Forster emigriert schon vor dem „Anschluß“ Österreichs in die USA, spielt am Broadway und in einem Hollywood-Film an der Seite von Anthony Quinn. Aus persönlichen Gründen kehrt Forster 1940 nach Deutschland zurück und muss zur Rückkehr auf die Leinwand in einem Propagandafilm die Rolle des antisemitischen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger übernehmen („Wien 1910“, 1943).

Nachdem Forster in den 40er Jahren in Berlin und Wien vorrangig Theater gespielt hat, übernimmt er ab 1950 – nun deutlich gereift – zahlreiche Väter- und Großväterrollen im deutschen und österreichischen Film. Zweimal gastiert er auch in der DDR: in der verkappten deutsch-deutschen Ko-Produktion „Spielbank-Affäre“ spielt er einen Casino-Besitzer, und als Freund des Berliner Ensembles übernimmt er ein Jahr vor seinem Tod neben Helene Weigel eine Rolle in dem Brecht-Stück „Die Gesichte der Simone Machard“ (1967/68) in einer Inszenierung des Deutschen Fernsehfunks.


Die Gräfin von Monte Christo D 1932, 95 Min, Schwarzweiß
Regie: Karl Hartl, Drehbuch: Walter Reisch, Kamera: Franz Planer, Musik: Allan Gray, Artur Guttman, Produktion: Ufa, Berlin, Verleih: Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung
Darsteller: Brigitte Helm, Rudolf Forster, Gustaf Gründgens, Mathias Wieman, Lucie Englisch, Oskar Sima, Theo Lingen u.a.

Inhalt: Zwei Filmkomparsinnen, Jeanette und Mimi, brechen aus ihrem als eintönig empfundenen Leben aus, mieten sich hochstapelnderweise in einem mondänen Wintersporthotel ein, wo sie ins Visier zwielichtiger Gestalten geraten, die sich gegenseitig auszutricksen trachten. Dabei verliebt sich der Gentleman-Verbrecher Rumowski in Jeanette. Deren Verlobter Stephan ist Journalist und wittert hier die Chance für eine große Story.

Info: Drehbuchautor der turbulenten Komödie war der Österreicher Walter Reisch, der kurz darauf in Deutschland als Jude verfolgt wurde, in die USA emigrierte und hier äußerst erfolgreiche Drehbücher schrieb. Auch die Filmkomponisten Allan Gray und Artur Guttmann entkamen nach Amerika, wo besonders Gray sich im Film stark durchsetzen konnte. Rudolf Forster, der nach seinem Mackie Messer eine andere Variante des Verbrechers als Grandseigneur zeigte, erhielt beste Kritiken.


Spielbank-Affäre DDR/Schweden 1956/57, 95 Min, Schwarzweiß und Farbe, Totalvision u. Normalformat
Regie und Drehbuch: Arthur Pohl, Vorlage: Roman von Hans v. Oettingen, Co-Regie und Kamera: Joachim Hasler, Musik: Martin Böttcher, Produktion: DEFA-Spielfilmstudio, Babelsberg, mit A.B. Pandora-Film, Stockholm, Verleih: Deutsche Kinemathek,
Darsteller: Gertrud Kückelmann, Jan Hendriks, Rudolf Forster, Peter Pasetti, Willy A. Kleinau, Barbro Hiort af Ornäs u.a.

Inhalt: Die Bühnenelevin Sybille ist häufiger Gast im Casino eines westdeutschen Kurbads, um ihr Studium zu finanzieren. Dr. Busch, ein dubioser Rechtsanwalt, nutzt ihre Naivität aus, um falsche Jetons in Umlauf zu bringen und damit das Casino und seinen Besitzer Gallinger zu ruinieren. Als sich Sybille mit dem jungen Journalisten Gerhard Fischer anfreundet, durchschaut der das Spiel und versucht, das Komplott an die Öffentlichkeit zu bringen.

Info: Der Kolportage-Autor Hans von Oettingen war zur Entstehungszeit des Films Pressesprecher einer Wiesbadener Spielbank. 1966 siedelte er in die DDR über. Das Prestigeprojekt entstand vorgeblich in Ko-Produktion mit einer schwedischen Filmfirma, hinter der sich aber ein westdeutscher Filmkaufmann verbarg, so daß es sich um eine verkappte deutsch-deutsche Ko-Produktion handelte. Nach Fertigstellung des Films durch den Kameramann Jo Hasler (weil Arthur Pohl während der Dreharbeiten schwer verunglückte) erschien das westliche Milieu (Außenaufnahmen entstanden u.a. in Italien und der Schweiz) den DDR-Filmfunktionären zu verlockend, so daß der Film in der DDR als Schwarzweißkopie in die Kinos kam, während die Exportfassung „Parkplatz zur großen Sehnsucht“ in Farbe verliehen wurde.

Biografie und Filminformationen als Download: Filmblatt Rudolf Forster

 


 

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 Rudolf Forster Spielbank Affäre

 








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Die Gräfin von Monte Christo

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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