Maly Delschaft

Biografie

geb. 4.12.1898 in Hamburg als Martha Amalia Delschaft, gest. 20.8.1995 in Berlin

Die Tochter eines Kunsthandwerkers spielte bereits 1907 den Sohn in einer Dramatisierung der „Anna Karenina“ am Hamburger Thalia Theater. Ihre eigentliche Laufbahn begann sie 1917 in Bremen und kam über Breslau schnell nach Berlin, wo sie an verschiedenen Theatern spielte und Anschluss an den Film fand. An der Seite von Emil Jannings begründete sie 1924 und 1925 in den Filmen „Der letzte Mann“ und „Varieté“ ihren internationalen Ruf und trat auch in französischen und schwedischen Filmen auf. Als ihren wichtigsten Stummfilm sah sie selbst den gegen den Paragraphen 218 gerichteten Streifen „Kreuzzug des Weibes“ von Martin Berger an, in dem sie an der Seite von Conrad Veidt und Werner Krauß spielte. Der „Film-Kurier“ schrieb dazu 1926: „Ein leises Zucken ihrer Mundwinkel, ein müdes Heben ihrer Schultern ist eindrucksvoller als ein Tränenausbruch so mancher ‚Diva‘. Ihre Übergänge vom Schmerz zur Freude, vom Weinen zum Lachen sind menschlich ergreifend. Nirgends ein falscher Ton.“

In der Folgezeit wurden ihr keine so guten Rollen mehr geboten, obwohl sie auch im frühen Tonfilm bestehen konnte. Ihr Comeback hätte die Rolle der Mali Schlieker in der Fallada-Verfilmung „Altes Herz geht auf die Reise“ werden können, aber der Film wurde 1938 verboten. Maly Delschaft spielte Theater und mußte sich mit unbedeutenden Filmrollen begnügen.

Einen erneuten Ruf als Filmschauspielerin erlangte sie erst bei der DEFA, bei der sie zwischen 1948 und 1960 in sechzehn Streifen vielbeachtete Nebenrollen und gelegentlich auch Hauptrollen spielte. Bis Herbst 1961 trat sie an der Volksbühne am Luxemburgplatz auf und war im Fernsehen der DDR präsent. Nach dem Mauerbau vor die Alternative gestellt, in die DDR überzusiedeln oder ihre Verträge zu kündigen, entschloß sich die Westberlinerin für die Weiterarbeit im Westen. Nach unbefriedigenden Aufgaben zog sie sich in den sechziger Jahren ins Privatleben zurück.


Altes Herz geht auf die Reise D 1938, 92 Min, Schwarzweiß

Regie: Carl Junghans, Buch: C.J., Felix Lützkendorf, Lit. Vorlage: Hans Fallada, Kamera: Herbert Körner, Musik: Werner Egk, Produktion: Georg-Witt-Film für Ufa, Verleih: F. W. Murnau-Stiftung, Darsteller: Eugen Klöpfer, Helga Marold, Maly Delschaft, Gerhard Bienert, Jaspar von Oertzen, Ernst Legal, Elsa Wagner

Inhalt: Gotthold Kittgus, ein gutherziger, aber weltfremder Professor, will seinem verwaisten, minderjährigen Patenkind Rosemarie helfen, den ererbten Gutshof gegen den Willen des Pächterehepaars Schlieker, das nur in die eigene Tasche wirtschaftet, in ihre Hände zu nehmen. Eine Gruppe von Kindern hilft dabei ebenso, wie der junge Landarzt Wolters.

Info: Der sozialkritisch eingestellte Regisseur Carl Junghans inszenierte eine vom Propagandaministerium nicht genehmigte Drehbuchfassung. Er erhielt noch in der Drehphase die Anweisung, bestimmte Sujets zu ändern. So war Mali Schlieker (Maly Delschaft), die Frau des Pächters, bei Fallada als Epileptikerin angelegt. In der neuen Fassung hatte sie allerdings nur an Unwohlsein aufgrund einer Schwangerschaft zu leiden. Trotz der Änderungen wurde der Film verboten und erlebte erst 1974 seine deutsche Erstaufführung.


Familie Benthin DDR 1950, 98 Min, Schwarzweiß

Regie: Ein Kollektiv und Slátan Dudow und Kurt Maetzig, Buch: Johannes R. Becher, Slatan Dudow, KuBa, Ehm Welk, Kamera: Robert Baberske, Karl Plintzner, Walter Roßkopf, Musik: Ernst Roters, Produktion: DEFA Spielfilmstudio, Verleih: Stiftung Deutsche Kinemathek, Darsteller: Maly Delschaft, Hans-Georg Rudolph, Werner Pledath, Charlotte Ander, Brigitte Conrad, Ottokar Runze, Harry Hindemith, Peter Dornseif

Inhalt: Die Geschichte der Unternehmer-Familie Benthin und der Naumanns, deren Sohn Peter bei Benthin als Chauffeur arbeitet. Die beiden Brüder Benthin, einer im Osten, einer im Westen des gerade geteilten Deutschlands ansässig, leben gut vom Schmuggel. Ein dritter Bruder leitet eine Klinik im Osten, die durch Schiebereien nicht voll arbeitsfähig ist. Es kommt zu dramatischen Wendungen, in deren Verlauf Annemarie Naumann (Maly Delschaft) zwei Söhne verliert.

Info: Der Film wurde als Prestige-Projekt anläßlich der Volkswahlen von 1950 konzipiert und schilderte die Situation im Kalten Krieg aus östlicher Warte. Die verschiedenen Handlungsstränge, von vier Autoren geschrieben, waren nicht aus einem Guß und zeigten plakative Lösungen. Die DEFA-Spitzenregisseure Slatan Dudow und Kurt Maetzig teilten sich die Regie mit dem Newcomer Richard Groschopp, der bislang im Kulturfilm tätig war.


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