Gerhard Bienert

Biografie

geb. am 8. Januar 1898 in Berlin, gest. am 23. Dezember 1986 in Berlin (West)

Der Sohn eines Buchhalters studierte nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg Germanistik und fing in einem Studententheater Feuer für den Schauspielerberuf. An der Schauspielschule des Deutschen Theaters nahm er Unterricht und konnte schon bald in kleinen Rollen in Max Reinhardts Inszenierungen auf der Bühne stehen. An kleineren Berliner Bühnen spielte er sich frei und gründete 1928 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Reinhold Bernt die „Gruppe junger Schauspieler“, die sich vor allem mit sozialkritischen Stücken einen Namen machte und auch in der Sowjetunion gastierte. Auch im Film spielte Bienert seit Ende der zwanziger Jahre zahlreiche kleine und mittlere Rollen in ähnlichen Stoffen, darunter dem proletarischen Stummfilm „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ (1929) und der Literaturadaption „Berlin – Alexanderplatz“ (1931).

Obwohl er ab 1933 wegen seiner linken Gesinnung Verdächtigungen ausgesetzt war, konnte er im angestammten Fach (Polizisten, Kleinkriminelle, Berliner Typen und Intriganten) bis in die vierziger Jahre in zahlreichen weiteren Filmen spielen. Der Pächter Schlieker in der Fallada-Verfilmung „Altes Herz geht auf die Reise“, als den wir ihn im Januar an der Seite von Maly Delschaft sehen konnten, zählt dazu. In dem Film „Das Mädchen von Fanö“ (1941) konnte er ein weiteres Mal eine schöne Charakterstudie in der Verfilmung eines realistischen Autors liefern.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Bienert zunächst in Brechts Berliner Ensemble, ehe er am Deutschen Theater in Ostberlin seine endgültige Theaterheimat fand, wo er bis zu seinem Tode Ensemblemitglied blieb. Er gastierte aber auch bei Peter Stein an der Westberliner Schaubühne.

Bienert, der stets in Westberlin lebte, übernahm einige wenige kleine Filmrollen in der Bundesrepublik und gastierte beim Bayrischen Rundfunk und im ZDF. Viele wesentliche Film- und Fernsehrollen spielte er jedoch in der DDR bei Regisseuren wie Erich Engel, Martin Hellberg, Konrad Wolf, Kurt Jung-Alsen und Egon Günther. Bemerkenswert war seine Hauptrolle des Johann Hardekopf in der mehrteiligen Willi-Bredel-Verfilmung „Verwandte und Bekannte“ (1971). Er wurde in der DDR zweimal mit dem Nationalpreis ausgezeichnet.


Emilia Galotti D 1957, 94 Min, Schwarzweiß

Regie und Drehbuch: Martin Hellberg, Vorlage: gleichnamiges Stück von Lessing, Produktion: DEFA-Studio für Spielfilme, Verleih: Stiftung Deutsche Kinemathek, Kamera: Günter Eisinger, Musik: Ernst Roters, Darsteller: Karin Huebner, Gerhard Bienert, Maly Delschaft, Hans-Peter Thielen, Eduard v. Winterstein, Horst Schulze, Gisela Uhlen u. a.

Inhalt: Um Adelsdünkel, Ehre und Moral geht es in dem Stück, das in einem kleinen italienischen Staat angesiedelt ist. Der herrschende Prinz von Guastalla will Emilia Galotti, ein Bürgermädchen, kurz vor deren Heirat verführen und erobern. Um der Schmach zu entgehen, bittet sie ihren Vater, sie zu töten.

Info: Seiner Vorliebe für die klassische Literatur nachkommend, inszenierte Hellberg seine Lessing-Adaption durchaus mit filmischen Mitteln. Ab 1958 wurde jedoch der ideologische Spielraum in der Kunst kleiner, und Hellberg sah sich seitens der SED schwerer Kritik ausgesetzt: „Uns gefällt jedoch an den Filmen Der Richter von Zalamea und Emilia Galotti nicht, dass Hellberg in seiner Gestaltungsweise unter dem bürgerlich-revolutionären Niveau der klasssischen Originalwerke blieb und nicht in historisch-konkreter Sicht ihre Wahrheit auf der neuen Stufe unserer Zeit reproduzierte.“ (Alexander Abusch, stellv. Kulturminister)


Das Mädchen von Fanö D 1940, 97 Min, Schwarzweiß

Regie: Hans Schweikart, Drehbuch: Kurt Heuser, Lit. Vorlage: gleichnamiger Roman von Günther Weisenborn, Produktion: Bavaria Filmkunst GmbH, Kamera: Carl Hoffmann & Heinz Schnackertz, Musik: Alois Melichar, Darsteller: Brigitte Horney, Joachim Gottschalk, Gustav Knuth, Paul Wegener, Gerhard Bienert, Viktoria v. Ballasko, Isa Vermehren u. a.

Inhalt: Eine Frau zwischen zwei Männern im Milieu dänischer Fischer. Das Mädchen Pat verliebt sich in Ipke, der jedoch verheiratet ist, und sie bleibt bei Ipkes Freund Frerk. Dabei kommt es zu Rivalitäten und Gefühlsverwirrungen, die vor der Küste des Hafens von Fanö auf hoher See eskalieren.

Info: An dem im ersten Kriegsjahr u. a. auf Hiddensee gedrehten Film wirkten mehrere Nazi-Gegner mit. Autor Günther Weisenborn war im Widerstand und hatte zeitweiliges Arbeitsverbot, ebenso wie Schauspielerin Isa Vermehren. Hauptdarsteller Joachim Gottschalk wurde schikaniert, weil er sich von seiner jüdischen Frau nicht trennte. Wenige Monate nach der Filmpremiere nahm er sich mit seiner Familie das Leben. Der Münchner Regisseur Hans Schweikart setzte Gottschalks Schicksal in einer Novelle um, die 1947 von der DEFA als „Ehe im Schatten“ verfilmt wurde.

Biografie und Filminformationen als Download: Filmblatt Gerhard Bienert

 


 

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