Raimund Schelcher

Biografie

geb. am 27. März 1910 in Daressalam, gest. am 27. März 1972 in Berlin

Mit 14 Jahren kam Raimund Schelcher aus der einstigen Kolonie Deutsch-Ostafrika nach Deutschland und verbrachte prägende Jahre in Köln. Sein Vater, ein deutscher Eisenbahningenieur, hatte in Daressalam eine Zeitlang die „Deutsch-Ostafrikanische Zeitung“ geleitet. In Köln nahm Raimund Schelcher Schauspielunterricht und feierte ab 1930 in Gießen, Frankfurt/Main, Hamburg und Leipzig große Bühnenerfolge. Heinrich George, damals Intendant des Berliner Schillertheaters, sieht ihn und holt ihn 1938 nach Berlin. Hier dreht Schelcher seine ersten beiden Filme, die 1939 erscheinen und in denen er die größten Charakterdarsteller der Zeit als Partner hat: in „Robert Koch, der Bekämpfer des Todes“ sind es Emil Jannings und Werner Krauß, in „Das unsterbliche Herz“ Heinrich George und Paul Wegener. Schelcher erlaubt sich mehrfach Disziplinlosigkeiten und äußert sich abfällig über das Nazi-Regime. Dadurch wird er noch vor Kriegsausbruch in ein Bewährungsbataillon eingezogen und später an der Ostfront mehrfach verwundet.

Aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft, wo er sich im Lagertheater engagierte, kehrt Schelcher zunächst zurück nach Bremen, wo 1949 sein erster Nachkriegsfilm entsteht. Schon 1950 wechselt er nach Berlin und spielt im Ostteil am Deutschen Theater, ehe 1953 Brechts Berliner Ensemble für mehr anderthalb Jahrzehnte seine Hauptwirkungsstätte wird. Gemeinsam mit der Prinzipalin Helene Weigel wird er 1961 mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Da gilt er auch schon lange als einer der großen Charakterdarsteller des DEFA-Films. Als Arbeiterpersönlichkeit in den beiden „Thälmann“-Filmen (1954/55) und in „Das Lied der Matrosen“ (1958), als verständnisvoller Volkspolizist in „Berlin – Ecke Schönhauser“ (1957) wie auch als jüdischer Emigrant in der Leonard-Frank-Verfilmung „Der Prozeß wird vertagt“ (1958) zeigt er differenzierte, überzeugende Leistungen. Seine zweifellos beste Filmrolle spielt Schelcher 1956 als „der krumme Anton“ in Kurt Maetzigs Zweiteiler „Schlösser und Katen“.

Aufgrund seines sich verstärkenden Alkoholismus werden Schelchers Auftritte in den sechziger Jahren seltener. Seine letzte Hauptrolle spielt er 1970 in dem Fernsehfilm „Steinreich“ nach einer Vorlage von Theodore Dreiser. Er stirbt 1972 in Berlin an seinem 62. Geburtstag.

 

Schlösser und Katen Teil 1: Der krumme Anton DDR 1956, 104 Min, Schwarzweiß

Regie und Drehbuch: Kurt Maetzig, Szenarium: KuBa (Kurt Barthel), Produktion: DEFA-Studio für Spielfilme, Kamera: Otto Merz, Musik: Wilhelm Neef, Darsteller: Raimund Schelcher,  Karla Runkehl, Erwin Geschonneck, Harry Hindemith, Angelika Hurwicz, Erika Dunkelmann, Dieter Perlwitz

Inhalt: 1945 ist der gräfliche Gutsherr eines mecklenburgischen Dorfes in den Westen geflohen. Unter den gebliebenen Landarbeitern befindet sich auch der „krumme Anton“, der ehemalige Kutscher des Grafen. Er besitzt ein Schriftstück des Grafen, das Antons Tochter Annegret bei ihrer Hochzeit 5000 Mark und ein halbes Dutzend Bettbezüge garantiert. Als das bekannt wird, beginnt ein böses Intrigenspiel, das Annegret aus der Heimat vertreibt.

Info: Da Hauptdarsteller Raimund Schelcher wegen seiner Alkoholkrankheit stark gefährdet war und die Gefahr seines Totalausfalls bestand, drehte Kurt Maetzig in der ersten Drehphase alle Szenen mit dem „krummen Anton“ auch mit Hans Hardt-Hardtloff, um den Film dann retten zu können. Für Raimund Schelcher war diese Tatsache jedoch ein Ansporn zum Durchhalten. Die Anekdote bildete das Grundmotiv des Films „Whisky mit Wodka“, den Wolfgang Kohlhaase schrieb und Andreas Dresen 2009 inszenierte.


Robert Koch, der Bekämpfer des Todes D 1939, 113 Min, Schwarzweiß

Regie: Hans Steinhoff, Drehbuch: C.H. Diller (Lotte Neumann), Walter Wassermann, Gerhard Menzel, Vorlage: Roman von Hellmuth Unger, Produktion: Tobis Filmkunst GmbH, Kamera: Fritz A. Wagner & Karl Plintzner, Musik: Wolfgang Zeller, Darsteller: Emil Jannings, Werner Krauß, Raimund Schelcher, Viktoria v. Ballasko, Hilde Körber, Eduard v. Winterstein, Paul Bildt u. a.

Inhalt:Als Landarzt erlebt Robert Koch in jungen Jahren den Tod vieler Menschen, darunter auch Kinder, an der Tuberkulose. Er beginnt fieberhaft, den Krankheitserreger aufzuspüren und zu erforschen. Koch hat sich vieler Neider und Gegner zu erwehren, unter ihnen der Wissenschaftler und Politiker Rudolf Virchow. Unbeirrt forscht Koch mit seinem Assistenten Gaffky (Raimund Schelcher) weiter und wird schließlich nach Berlin gerufen, um dort seine Forschungsergebnisse vorzustellen.

Info: Im Sinne der NS-Politik idealisierte der Film des Nazi-treuen Regisseurs Hans Steinhoff Robert Koch als unbeirrt an seine Ideale glaubende starke Persönlichkeit im Konflikt mit dem freisinnig-liberalen Skeptiker Rudolf Virchow.


Biografie und Filminformationen als Download: Filmblatt Raimund Schelcher


 

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