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DEFA - Stiftung - Flörchinger, Martin

Flörchinger, Martin

 

Der Schauspieler Martin Flörchinger zählt zu den Könnern seiner Zunft. Mehr als 50 Jahre steht er auf der Theaterbühne, brilliert in Leipzig, Berlin und München. Geschätzt wird seine präsize Darstellung in deutschen Klassikern. Ab den 50er Jahren ist Martin Flörchinger häufig in DEFA-Filmen und TV-Spielen zu sehen. Auch hier wird sein intensiver Blick auf das soziale und historische Umfeld der zu verkörpenden Figuren gelobt. Dadurch wirken seine Figuren immer glaubwürdig und eindringlich.


Martin Flörchinger in
"Reserviert für den Tod" (1963)
Foto: DEFA-Stiftung/Fotograf unbekannt

Martin Flörchinger wird am 09. Oktober 1909 in Geisenhausen bei München als Martin Paintner geboren. Beide Elternteile sind Schauspieler, Vater Ernst Flörchinger und Mutter Anna Paintner. Nach seinem Abitur beginnt er 1929 ein Schauspiel-Studium in Leipzig beginnt. Er schließt es 1931 ab und debütiert in der Stadt auch auf der Theaterbühne, spielt unter anderem den Ferdinand in "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. In der Folge wandert der junge Schauspieler durch die Provinz, steht in Gera, Stettin, Königsberg und in Darmstadt, Frankfurt am Main und Dortmund auf der Bühne; erarbeitet sich ein umfangreiches Repertoire im Rollenfach des jugendlichen Helden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, den er in Gefangenschaft erlebt, spielt Martin Flörchinger in Ellwangen/Jagst und Darmstadt Theater. 1947 entscheidet er sich, in die sowjetische Besatzungszone überzusiedeln. Am Theater in Leipzig wird er bald ein anerkannter Darsteller, der besonders in klassischen Stücken auffällt. Er spielt die deutschen Traditionsstücke von Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Internationales Aufsehen erzielt der Schauspieler mit der Darstellung des Robespierre in dem gleichnamigen Theaterstück von Romain Rolland. Danach ruft Berlin in Gestalt des damaligen Intendanten des Deutschen Theaters Wolfgang Lamghoff und des Leiters des Berliner Ensembles Bertolt Brecht. Ab 1956 spielt er als Ensemble-Mitglied am BE in zahlreichen Stücken. Gelobt wird sein kluger, angstvoller Sagredo in "Das Leben des Galilei". Er gibt den Volkstribun in "Coriolan" und den Pierpont Mauler in "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Als witzige Hauptfigur in "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" von Bertolt Brecht brilliert er. Mehr als 500mal steht er mit dieser Rolle auf der Bühne und überzeugt Kritiker wie Publikum. Mehrfach führt der Darsteller auch Regie, zählt zu den Stützen der Theaterhäuser im Ostteil Berlins. Er arbeitet mit den Regisseuren Wolfgang Langhoff, Erich Engel, Peter Palitzsch, Manfred Wekwerth und Ruth Berghaus zusammen.

Bereits 1951 debütiert der Schauspieler bei der ostdeutschen Produktionsfirma DEFA. Sein erster Film wird DIE MEERE RUFEN (1951) unter der Regie von Eduard Kubat. In der Folge spielt Martin Flörchinger zahlreiche kleinere und wenige größere Rollen. Unter anderem ist er in den ERNST THÄLMANN-Filmen von Kurt Maetzig als Karl Liebknecht zu sehen. Als Heinrich Pfeifer überzeugt er in THOMAS MÜNTZER (1956) an der Seite von Wolfgang Stumpf und Wolf Kaiser. Positiv hervorgehoben wird sein intensiver Blick auf das soziale und historische Umfeld der erkörperten Figuren. Dadurch ist er als Darsteller in der Lage, den Sozialcharakter einer Figur mit großer Genauigkeit zu zeichnen, seine Darstellung wirkt so immer glaubwürdig und eindringlich. Mehrfach wird der Schauspieler ausgezeichnet, unter anderem mit dem Nationalpreis der DDR II. und III. Klasse.

Martin Flörchinger wird auch in Gegenwartsstücken der DEFA eingesetzt. Er spielt unter der Regie von Joachim Kunert jeweils zwei seiner wichtigsten Hauptrollen. In EHESACHE LORENZ (1959) ist er der Ehemann Willi Lorenz, der nach 24 Jahren Ehe seine Frau betrügt. Zu einer Scheidung kommt es nicht, weil sich das Ehepaar versöhnt und sich für ihr gemeinsames Leben entscheidet. Als Kriminalkommissar Albert Schirding überzeugt der Darsteller in SEILERGASSE 8 (1960). Hier spiegelt der Mord an einer Nachbarin den Konflikt mit dem Sohn wider, der als Täter in Frage kommt. Nach erfolgreicher Ermittlung des Täters, dem Freund des Sohnes, steht der Versöhnung zwischen Vater und Sohn nichts mehr im Wege.

Häufig wird der Schauspieler in wichtigen Nebenrollen besetzt, in denen er immer wieder nachdrücklich seine Fähigkeiten unter Beweis stellt. Er arbeitet unter anderem mit den Regisseuren Konrad Wolf, Kurt Jung-Alsen, Joachim Hasler, Frank Vogel und Jànos Veiczi zusammen. Er gibt den Vater des Chemikers Manfred Herrfurth in DER GETEILTE HIMMEL (1964), ist König Löwenzahn in dem Märchenfilm KÖNIG DROSSELBART (1965).

Martin Flörchinger mit Karin Ugowski in
"König Drosselbart" (1965)
Foto: DEFA-Stiftung/Fotograf unbekannt

Bereits ab 1956 spielt Martin Flörchinger auch für das Fernsehen der DDR. Unter der Regie von Hans-Erich Korbschmitt agiert er erstmals in einem TV-Spiel, in "Joe Hill, der Mann der niemals starb" (1956). Danach ist er immer wieder im Fernsehen zu sehen, ist an wichtigen Produktionen beteiligt wie dem Vierteiler "Flucht aus der Hölle" (1960), dem Fünfteiler "Dr. Schlüter" (1965) oder dem populären Siebenteiler "Stülpner-Legende" (1973).

In den 70er Jahren siedelt Martin Flörchinger in seinen Heimatort Geisenhausen über. Er plant, sich von der Schauspielerei zurückzuziehen und sich auf seine zweite Leidenschaft, das Zeichnen, zu konzentrieren. Aber den Schauspieler hält es nicht lange zu hause. Er spielt an den Münchner Kammerspielen. Stücke von Frank Wedekind und Bertolt Brecht stehen auf dem Spielplan, genauso wie wieder die Klassiker von William Shakespeare. In der Folge ist der Darsteller auch im westdeutschen Fernsehen präsent. Er arbeitet unter anderem mehrfach mit Hans W. Geißendörfer zusammen. Sein ehemaliger DEFA-Kollege Frank Beyer holt ihn nach dem Zusammenbruch der DDR für seinen TV-Film "Sie und Er" (1991) ins gesamtdeutsche Fernsehen.

Neben seiner Tätigkeit für Bühne und Film ist Martin Flörchinger auch als Dozent für Schauspiel tätig. Während seines Engagements in Dortmund von 1936 bis 1939 betätigt er sich erstmals in diesem Bereich. Von 1948 bis 1953 arbeitet er in Leipzig an der Theaterhochschule. In Berlin unterrichtet er an der Staatlichen Schauspielschule. Außerdem leiht Martin Flörchinger unzähligen Hörspielfiguren seine markante Stimme. Mehrere Jahre ist der Künstler damit beschäftigt, Shakespeare-Sonette in seine Muttersprache zu übersetzen. Unter dem Titel "Und Narren urteil'n über echtes Können" sind alle 154 Sonetten in Buchform im November 2000 erschienen.

Martin Flörchinger hat eine Tochter. Wera Paintner sowie ihr Sohn Thomas Dehler arbeiten ebenfalls als Schauspieler. Der Künstler stirbt am 27. September 2004 in seiner Heimat.

(Stand: September 2013; verfasst von: Ines Walk)

Auszeichnungen

  • 1967 DIE GEDULD DER KÜHNEN
  • Nationalpreis III. Klasse
  • 1972 Nationalpreis II. Klasse für seine künstlerischen Leistungen

Ausgewählte Literatur

o. A.: Martin Flörchinger, in: o. A.: Unsere Filmsterne, Verlag Junge Welt Berlin 1962.

Renate Seydel: Martin Flörchinger, in: Renate Seydel (Hrsg.): Schauspieler. Theater - Film - Fernsehen, Henschel Verlag Berlin, 1966.

Martin Flörchinger: Mein Leipzig lob' ich mit ... zweimal fünf Jahre in der Messestadt, in: Renate Seydel (Hrsg.): ... gelebt für alle Zeiten, Henschel Verlag Berlin 1978.

Ralf Schenk, Ingrun Spazier: Martin Flörchinger, in: cinegraph, Loseblattsammlung.
Friedrich Dieckmann: Die Säule des Ensembles, in: Freitag 08.10.1999.

G. St: Arbeiter adelt. Ost-West-Passage: Schauspieler Martin Flörchinger neunzig, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.1999.

Christoph Funke: Zwischen Brecht und Dorn. Der Schauspieler Martin Flörchinger wird heute 90, in: Der Tagesspiegel, 09.10.1999.

Hans-Dieter Schütt: Ernst Kraft, stämmiger Witz. Heute wird der Schauspieler Martin Flörchinger 90 Jahre alt, in: Neues Deutschland, 09.10.1999.

Ernst Schumacher: Vom "Komedi schpuin" zu Brecht. Martin Flörchinger: Der "Schweyk" des Berliner Ensembles wird heute in München neunzig Jahre alt, in: Berliner Zeitung, 09.10.1999.

Hans-Dieter Schütt: Ein Letzter. Martin Flörchinger wird 93, in: Neues Deutschland, 09.10.2002.
Ralf Schenk: Martin Flörchinger [Nachruf], in: film-dienst 02/2005.

Filmographie

  • 1951 Die Meere rufen
    Darsteller
  • 1952 Geheimakten Solvay
    Darsteller
  • 1954 Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse
    Darsteller
  • 1955 Robert Mayer - Der Arzt aus Heilbronn
    Darsteller
  • 1955 Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse
    Darsteller
  • 1955 Hotelboy Ed Martin
    Darsteller
  • 1955 Das Stacheltier: Mein Freund Heinrich
    Kurzfilm: Darsteller
  • 1956 Thomas Müntzer
    Darsteller
  • 1956 Joe Hill, der Mann der niemals starb
    TV-Film: Darsteller
  • 1957 Polonia-Express
    Darsteller
  • 1957 Tatort Berlin
    Darsteller
  • 1957 Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
    TV-Film: Darsteller
  • 1958 Die Mutter
    Dokfilm: Darsteller
  • 1958 Die erste Reiterarmee
    TV-Film: Darsteller
  • 1958 Professor Mamlock
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1958 Caféhaus Payer
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1958 Archive sagen aus: Unternehmen Teutonenschwert
    Dokfilm: Sprecher
  • 1959 Ehesache Lorenz
    Darsteller
  • 1959 Der kleine Kuno
    Darsteller
  • 1959 Verwirrung der Liebe
    Darsteller
  • 1959 Die Spieldose
    TV-Film: Darsteller
  • 1959 Kämpfende Kunst
    Dokfilm: Sprecher
  • 1960 Die heute über 40 sind
    Darsteller
  • 1960 Flucht aus der Hölle, 4 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1960 Die Gesichte der Simone Machard
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1960 Ich klage an
    TV-Dokfilm: Darsteller
  • 1960 Seilergasse 8
    Darsteller
  • 1961 Der Tod hat ein Gesicht
    Darsteller
  • 1961 Die letzte Nacht
    TV-Film: Darsteller
  • 1961 Das Stacheltier: Es dankt Frau Schulz
    Kurzfilm: Darsteller
  • 1961 Die Salinis
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1961 Frau Filz
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1962 Mord in Gateway, 2 Teile
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1962 Martin Flörchinger
    TV-Porträt: Mitwirkender
  • 1963 Fernseh-Pitaval: Die Affäre Heyde-Sawade
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1963 Johannes R. Becher
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1963 Jetzt und in der Stunde meines Todes
    Darsteller
  • 1963 Julia lebt
    Darsteller
  • 1963 Lucie und der Angler von Paris
    TV-Film: Sprecher
  • 1963 For eyes only (Streng geheim)
    Darsteller
  • 1963 Reserviert für den Tod
    Darsteller
  • 1963 Rauhreif
    TV-Film: Darsteller
  • 1964 Chronik eines Mordes
    Darsteller
  • 1964 Doppelt oder nichts
    TV-Film: Darsteller
  • 1964 Sieh den Menschen. Eine Episode um Käthe Kollwitz
    TV-Film: Darsteller
  • 1964 Tag für Tag
    TV-Film: Darsteller
  • 1964 Der geteilte Himmel
    Darsteller
  • 1964 Die Abenteuer des Werner Holt
    Darsteller
  • 1964 Viel Lärm um nichts
    Darsteller
  • 1965 Dr. Schlüter, 4 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1965 Die Mutter und das Schweigen
    TV-Film: Darsteller
  • 1965 König Drosselbart
    Darsteller
  • 1966 Die Tage der Kommune
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1966 Meine besten Freunde
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1966 Trick 17 b
    TV-Film: Darsteller
  • 1966 Emilia Galotti
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1966 Lebende Ware
    Darsteller
  • 1966 Ohne Kampf kein Sieg
    TV-Film: Darsteller
  • 1966 Schatten über Notre Dame, 4 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1967 Meine besten Freunde, Teil 3 "Die Geduld der Kühnen"
    TV-Film: Darsteller
  • 1967 Die Fahne von Kriwoj Rog
    Darsteller
  • 1967 Die Räuber
    TV-Film: Darsteller
  • 1967 Geschichten jener Nacht, Episode 2 "Die Prüfung"
    Darsteller
  • 1967 Turlis Abenteuer
    Darsteller
  • 1968 Die Dominas-Bande, 2 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1968 Käuzchenkuhle
    Darsteller
  • 1968 Abschied
    Darsteller
  • 1969 Die Dame aus Genua, 3 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1969 Dr. med. Sommer II
    Darsteller
  • 1969 Hans Beimler, Kamerad, 4 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1969 Junge Frau von 1914, 2 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1970 Unterwegs zu Lenin Sprecher
    1971 Liebeserklärung an G. T.
    Darsteller
  • 1971 Das letzte Wort, 3 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1971 Goya
    Darsteller
  • 1972 Unterwegs nach Lenin
    Darsteller
  • 1972 Der Adjutant, 3 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1972 Zwischen Freitag und morgen
    TV-Film: Darsteller
  • 1972 Die Bilder des Zeugen Schattmann, 4 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1972 Hammer oder Amboß sein
    Darsteller
  • 1973 Stülpner-Legende, 7 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1973 Das Mädchen Krümel, 7 Folgen
    TV-Film: Darsteller
  • 1974 Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1974 Das Schilfrohr
    TV-Film: Darsteller
  • 1974 Erlesenes, Episode "Scheidung in Tennessee"
    TV-Film: Darsteller
  • 1974 Der Leutnant vom Schwanenkietz, 2 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1975 Steckbrieg eines Unerwünschten
    TV-Film: Darsteller
  • 1975 Mann gegen Mann
    Darsteller
  • 1976 Wohlverdiente Ruhe
    TV-Film: Darsteller
  • 1976 Die Wildente
    Darsteller
  • 1977 Grete Minde - Der Wald ist voller Wölfe
    Darsteller
  • 1978 Die gläserne Zelle
    Darsteller
  • 1978 Theodor Chindler, 8 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1979 Ein Kapitel für sich, 3 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1982 Die Geschwister Oppermann, 2 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1983 Angst vor dem Leben
    TV-Film: Darsteller
  • 1984 Al Kruger
    TV-Film: Darsteller
  • 1984 Soko 511, Episode "Blanker Hass"
    TV-Film: Darsteller 1984
  • Flucht nach vorn
    Darsteller
  • 1986 Irgendwie und sowieso, 12 Folgen
    TV-Serie: Darsteller
  • 1986 Lorenzaccio
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1987 Zur Freiheit, 44 Folgen
    TV-Serie: Darsteller
  • 1988 Faust
    Darsteller
  • 1991 Sie und Er, 2 Teile
    TV-Film: Darsteller
  • 1993 König Lear, 2 Teile
    TV-Spiel: Darsteller
  • 1993 Gefangene Liebe
    TV-Film: Darsteller
  • 1994 Peter Strohm: Skarabäus
    TV-Film: Darsteller
  • 1997 Doktor Knock
    TV-Film: Darsteller