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DEFA - Stiftung - Domröse, Angelica

Domröse, Angelica

Wie Paula wollten Millionen sein: Selbstbewusst, stark, romantisch, schlagfertig, klug, das Leben und die Liebe bejahend. Und sie hätten gerne einen Paul gehabt, einen Mann, der seine Karriere opfert, um der Liebe seines Lebens eine Chance zu geben - die Millionen Frauen in der DDR, die offiziell gleichberechtigt waren, Beruf und Familie unter einen Hut bringen sollten, aber auf viele Widerstände stießen und tausende Kompromisse eingehen mussten.

Nicht so Paula. Ihr Gesicht bleibt das von Angelica Domröse. Ihre Rolle in DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA machte sie selbst zur Legende. Diese Paula überstrahlt beinahe all die glanzvollen Auftritte der zierlichen Schauspielerin - auf der Leinwand, dem Bildschirm und auf der Bühne. Vielleicht ist diese Festlegung ein Grund, warum die Berlinerin nicht gerne auf diesen Film angesprochen wird.  

Mehr als 50 Filme prägt Angelica Domröse mit ihrer unverwechselbaren Präsenz. Kindfrau hat sie sich selbst eingestuft, da könne man 100 werden und hat doch ein Gesicht, als gucke die kindliche Seele da raus. Den daraus resultierenden äußeren Eindruck von Verletzbarkeit durch innere Stärke zu überwinden, wird das Markenzeichen vieler Rollen der Domröse.

Keine Arbeit zu haben, wäre für sie ein halber Tod, denn sie ist ihr Lebenselixier. Sie liebt die Bücher und das Reisen. Wie ihre Paula meistert Angelica Domröse persönliche, gesundheitliche und berufliche Krisen. Und wie Paula hat sie seit 1976 einen Mann an ihrer Seite, der immer zu ihr hält. Die Ehe mit Hilmar Thate ist eine wichtige Konstante in ihrem Leben – sei es bei der Überwindung ihrer Alkoholsucht in den 1980er und 1990er Jahren, nach der Ausbürgerung aus der DDR im Jahr 1980 oder dem Leben mit ihrer irreversiblen Erkrankung. 

Ihren 2003 erschienenen Lebenserinnerungen „Ich fang mich selbst ein – Mein Leben“ stellt sie ein Gedicht von Sarah Kirsch voran: Ich bin ein Tiger im Regen…

Angelica Domnröse wird am 4. April 1941 in Berlin-Weißensee geboren. Ihre Kindheit ist überschattet von den Repressalien ihres Stiefvaters Otto Domröse, den ihre Mutter heiratete, um die Geburt der Tochter zu legalisieren. Nach der Schule absolviert sie eine Ausbildung zur Stenotypistin beim Außenhandel der DDR.

Für den Film entdeckt sie der Regisseur Slatan Dudow unter 1500 Bewerberinnen und besetzt die 17jährige für die Hauptrolle in VERWIRRUNG DER LIEBE. Parallel zu den Dreharbeiten beginnt Angelica Domröse ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg, das sie 1961 abschließt.

Schon während der Ausbildung wird sie in der TV-Produktion PAPAS NEUE FREUNDIN und in deren Fortsetzung VIELGELIEBTE STERNCHEN besetzt. 1962 folgen OH DIESE JUGEND,  sowie DIE LIEBE UND DER CO-PILOT“. Kontinuierlich nimmt sie weitere attraktive Angebote wahr: Sie spielt die Liane in WENN DU ZU MIR HÄLST (1962), ist die Teenagerin Annegret in DIE AUS DER 12B (1962) und wird von Kurt Maetzig in AN FRANZÖSISCHEN KAMINEN (1962), besetzt. Erik Klein vertraut ihr ein Jahr später die Hauptrolle in SONNTAGSFAHRER (1963) an. Neben Jutta Hoffmann brilliert sie in JULIA LEBT (1963). Helga Göring ist ihre Partnerin in ENTLASSEN AUF BEWÄHRUNG (1964). Auch bei dem TV-Mehrteiler DREI KRIEGE (1965) ist sie dabei. 

Ebenso schnell erobert Angelica Domröse die Bühne. 1961 wird sie am Berliner Ensemble engagiert, wo sie als Polly in Brechts DREIGROSCHENOPER, und als Babette in DIE TAGE DER COMMUNE beeindruckt. Weiterhin ist sie in Helmut Baierls FRAU FLINZ und SCHWEYK IM ZWEITEN WELTKRIEG zu sehen und wird von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert und verehrt. 1966 wechselt sie an die Berliner Volksbühne, wo sie bis 1979 bleibt und die fruchtbaren Jahre unter Benno Besson mit gestaltet. Sie spielt Shakespeare, Ibsen, Shaw und Peter Hacks.

1966 wird die erst 25jährige erstmalig zur Schauspielerin des Jahres gekürt – bis 1975 wird sie dreimal als DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres ausgezeichnet. Der Wechsel vom heiteren Fach zur Charakterdarstellerin in Liebes- und Ehedramen gelingt ihr scheinbar mühelos. Unvergessen ihre Leistung in Leonhard Franks CHRONIK EINES MORDES (1965) als Deutsche jüdischen Glaubens und in der Verfilmung von Dieter Nolls DIE ABENTEUER DES WERNER HOLT (1965). Zwei Jahre später folgt EIN LORD VOM ALEXANDERPLATZ (1967). Auch auf dem Bildschirm spielt sie in legendär gewordenen Projekten. Nach SCHATTEN ÜBER NOTRE-DAME (1966) ist es vor allem der Mehrteiler WEGE ÜBERS LAND, mit dem sie die Herzen erobert.

Ihr privates Glück findet sie zunächst mit Jiri Vrstála, der neben ihr in CHRONIK EINES MORDES und ALS HITLER DEN KRIEG ÜBERLEBTE (1969) vor der Kamera steht. Die Ehe wird jedoch bald von der Alkoholabhängigkeit des tschechischen Künstlers überschattet.

Beruflich eilt die Domröse von Erfolg zu Erfolg. In der TV-Version von EMILIA GALOTTI übernimmt sie 1967 die Titelrolle. Es folgen die Mehrteiler WEGE ÜBERS LAND und KRUPP & KRAUSE. Dazwischen liegen die Filme ALCHIMISTEN (1968) und DIE ZEICHEN DER ERSTEN (1969). Wolfgang Luderer vertraut ihr 1970 die Rolle der EFFI BRIEST an, Theodor Fontanes nach wahren Begebenheiten gestaltete Abrechnung mit den Konventionen der adligen Gesellschaft. Der Part der jung in eine Ehe gezwungenen preußischen Adligen, die nach einer leidenschaftlichen Affäre Ehe, Kind und Haus verliert, scheint der zierlichen Schauspielerin auf den Leib geschneidert zu sein. Sie wisse den Ton der Spanne zwischen der noch halb kindlichen Effi, der unbedacht Verliebten und der von Enttäuschung und Resignation, aber zugleich auch von Einsicht Gezeichneten zu treffen, lobt selbst der Westberliner „Tagesspiegel“.

Drei Jahre später folgt dann Paula, das ideale Gegenmodell sozialistischer Prägung zur Effi. Dabei ist es gerade Effi Briest, die Heiner Carow beinahe davon abhält, den Star der DDR zu besetzen. „Sie erschien uns zu vornehm, zu aristokratisch für die Rolle. Außerdem glaubten wir, sie wäre schon zu alt. Sie war gerade 30 geworden.“ Wochenlang testet der Regisseur in Babelsberg vergeblich Hunderte junger Frauen, die gerne Paula spielen wollen - vergeblich. Zum Glück hat er das Drehbuch auch seiner Wunsch-Paula geschickt, die ihn schließlich beim Casting sofort überzeugt. „Sie war Paula. Überzeugend durch die Ehrlichkeit ihrer Gefühle. Ein Mädchen, das auf dem Berliner Hinterhof aufgewachsen war, eine junge Frau vom Kiez, die tagsüber zur Arbeit ging und sich abends mit ihren Freundinnen traf. Sie brauchte sich nur an ihre Kindheit und frühe Jugend zu erinnern und diese Erinnerungen in sich selbst wieder lebendig zu machen.“ 

Nach Carows Herz erobert die Domröse das von Millionen Menschen. Die Geschichte eines modernen, selbstbewussten Aschenbrödels, für das der Prinz alles über Bord schmeißt - umgesetzt in einer Mischung aus romantischer Liebesgeschichte und poetischem Märchen nach dem Buch von Ulrich Plenzdorf - trifft den Nerv der Zeit. Millionen wünschen sich solch eine bedingungslose Liebe und eine Beziehung, frei von gesellschaftlichen Konventionen, die unausgesprochen auch die DDR prägen. Einen Paul, der ein solches Charisma besitzt, seine Karriere in Partei und Staat sausen lässt, hat es so noch nicht in der Kunst gegeben.

DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA wird ein Kultfilm. Und stellt die anderen Werke der Domröse bei der DEFA und dem Fernsehen der DDR – ARZT WIDER WILLEN und ARTUR BECKER (beide 1971), die Verfilmung von Fontanes UNTERM BIRNBAUM (1972), DIE BRÜDER LAUTENSACK nach Lion Feuchtwanger (1973), den Zweiteiler EVA & ADAM (1973), MEIN LIEBER MANN UND ICH (1975), sowie den Mehrteiler DANIEL DRUSKAT und ABSCHIED VOM FRIEDEN (1976) - in der Wahrnehmung der Zuschauer in den Schatten.

In den 1970er Jahren ist Angelica Domröse noch einmal in aller Munde. In der Adaption von Dinah Nelkens FLEUR LAFONTAINE durch Horst Seemann gestaltet sie an der Seite Hilmar Thates ein Frauenschicksal über mehrere Jahrzehnte. Im Jahr seiner Ausstrahlung, 1978, feiert auch Angelica Domröses letzter großer DEFA-Film Premiere, den sie wieder mit Heiner Carow gedreht hat. BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET, der die junge Katrin Saß bekannt macht, erzählt vom Scheitern einer Ehe an den unterschiedlichen Glücksvorstellungen beider Partner, und ist inhaltlich und in seiner schonungslosen Aufdeckung zutiefst menschlicher Gefühle auch eine Art Fortsetzung der Legende von Paul und Paula.   

Während sie mit den anderen feiern, sollte es nach dem Willen der DDR-Oberen bereits still um Domröse und Thate geworden sein. Wie viele Kollegen, Schriftsteller und andere Intellektuelle der DDR unterschreiben sie 1976 eine Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und weigern sich, ihre Unterschrift zurückzuziehen. Beide leiden unter den staatlichen Repressalien, zu denen auch eingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten gehören. Die Stars werden von den Theatern bezahlt, dürfen aber kaum noch auftreten. Auch beim Fernsehen und bei der DEFA gibt es ein ungeschriebenes Gebot, sie nicht zu besetzen, dem sich nur wenige widersetzen. TRILOGIE 1848 – DIE GALGENSTEIGER (1978), ABSCHIED VOM FRIEDEN (1977) und AM GRAUEN STRAND, AM GRAUEN MEER (1980) werden ihre letzten Arbeiten in der DDR. 1980 verlassen Angelica Domröse und Hilmar Thate ihre Heimat.

DIE ZWEITE HAUT vom ebenfalls aus der DDR stammenden Frank Beyer wird 1981 der erste Film Domröses in der BRD. Eine neue künstlerische Heimat findet das Paar am Westberliner Schiller-Theater, zu dessen Ensemble die Domröse zunächst bis 1984 und schließlich noch einmal von 1990 bis zur Schließung des Hauses 1994 gehört. Sie ist die Helena in Boy Goberts Inszenierung von Goethes FAUST II, die Cecile in seiner STELLA. Für die Rolle der Charlotte in Lars Nordens NACHTWACHE wird sie 1986 zur Schauspielerin des Jahres gekürt. Gastspiele führen sie nach Stuttgart, Hamburg, Bochum und Wien.

Das Kino der Bundesrepublik und Angelica Domröse bleiben sich jedoch fremd. Nur wenige Angebote scheinen der Schauspielerin reizvoll. In den 1980er Jahren dreht sie nur RANDALE (1983) und DIE SKORBIONFRAU (1989). Auch Fernsehauftritte sind rarer als früher, doch wenn sie auftritt, prägt sich dies ein. Claudia Holddack vertraut ihr in DON QUICHOTTES KINDER (1981), Marianne Lüdcke in FLÜCHTIGE BEKANNTSCHAFTEN (1982). In Bezug auf die Berücksichtigung bei guten Rollen kann sie sich vor allem auf die verlassen, die mit ihr die DDR verlassen: Egon Günther inszeniert mit Angelica Domröse HANNAH VON ACHT BIS ACHT (1983) und MAMAS GEBURTSTAG (1985) nach Büchern von Klaus Poche.

Michael Haneke kann sie für sein Debüt FRAULEIN (1985) gewinnen. In der Kult-Serie „Kir Royal“ (1986) ist sie Peggy Kaufmann und mehrmals spielt sie in Episoden der Krimireihe „Der Alte“ mit. Eine Glanzrolle hat sie an der Seite ihres Mannes in HURENGLÜCK (1990). Im gleichen Jahr steht sie für die Siegfried Lenz Adaption TOTE BRIEFE vor der Kamera.

In der DDR wurden die Filme von Hilmar Thate und Angelica Domröse in den 1980er Jahren nur noch in Ausnahmefällen gezeigt. Trotzdem werden die beiden nie vergessen. Nahtlos könnten sie nach der Wende an das Erreichte anknüpfen, doch nach den ersten Versuchen wird klar, dass die Bedingungen andere geworden sind. Noch einmal arbeitet die Schauspielerin 1991 mit Heiner Carow zusammen. DIE VERFEHLUNG, die Geschichte einer ost-west-deutschen-Beziehung, wird einer der letzten DEFA-Filme.

Um eigene Erfahrungen weiterzugeben, nimmt Angelica Domröse 1992 einen Ruf als Dozentin an die Schauspielschule „Ernst Busch“ an. Die Schauspielerin führt im selben Jahr bei der Inszenierung von Matthias Zschokkes BRUT das erste Mal selbst Regie, am Studiotheater BAT in Berlin und am Meininger Theater. Den Brettern, die die Welt bedeuten, bleibt sie weiterhin treu. An der Komödie am Ku´damm feiert sie an der Seite ihres Mannes Triumphe als gealterte Diva Maria Callas in JOSEF & MARIA nach Peter Turrini. Weitere Engagements folgen, bis sie durch eine Inszenierung wieder die Schlagzeilen erobert: 2008 gelingt es dem Potsdamer Hans-Otto-Theater das "Legenden-Traumpaar" Angelica Domröse und Winfried Glatzeder gemeinsam für eine vergnügliche Version von PHILOMENA zu verpflichten, in der die Helden nicht mehr jung und verliebt, sondern in 53 Ehejahren alt und grau geworden sind. „Das ist ein wunderbares Arbeitsverhältnis, aber auch sehr, sehr schwierig, weil wir beide Egozentriker und Perfektionisten sind“, äußert sich Glatzeder. 

Das Fernsehen adelt Angelica Domröse 1994 mit der Rolle der Kommissarin Vera Bilewski für die Reihe „Polizeiruf 110“. Bis 1998 ermittelt sie dreimal auf dem Bildschirm. Für die Öffentlichkeit eine weitere Facette ihres Könnens, die sie im Gegensatz zu einigen Kolleginnen aber nie einengt. 1994 stand sie für das TV-Drama DIE LETZTE ENTSCHEIDUNG neben Michael Degen vor der Kamera. In Carl Schenkels Thriller KALTE KÜSSE hat sie 1997 eine ihrer wenigen Nebenrollen.

2003 steht sie das vorerst letzte Mal vor der Kamera. TAL DER AHNUNGSLOSEN der in Berlin lebenden nigerianischen Regisseurin Branwen Okpako erzählt von der Suche einer Kommissarin nach ihren familiären Wurzeln und der eigenen Identität. Das einstige Heimkind entdeckt in ihrer Stasi-Akte, dass sie aus der Beziehung eines afrikanischen Studenten in der DDR und einer Professorengattin stammt. Ihre in Dresden lebende Mutter wurde gezwungen, das Kind wegen seiner Hautfarbe wegzugeben. Jetzt stellt sie ihre Mutter zur Rede. Die Domröse zeichnet sie mit beeindruckender Intensität als gebrochene Frau, die versucht hat zu verdrängen, aber uneingestanden ihr gesamtes Leben unter diesem Schritt gelitten hat.

Eine Rolle, die unter Klischees hätte ersticken können. Aber nicht bei Angelica Domröse. Sie gibt dieser Frau Würde, lässt sie bei allen Schuldgefühlen um ihren Lebensentwurf kämpfen. Dies ist wohl ein Nenner, auf den sich die Mehrzahl ihrer unvergessenen Auftritte bringen lässt: Ob Effi, Paula, oder andere, stets blickt sie hinter die Fassade und schenkt diesen Frauen die Courage und Kraft, trotz vieler Niederlage zu ihren Träumen und ihrem Leben zu stehen.



Foto: DEFA-Stiftung/Michael Reinhardt
Angelica Domröse in "Die Legende von Paul und Paula" (1972)