Zum Gedenken an Doris Borkmann (1935–2017) und Roland Gräf (1934–2017)

Das Filmmuseum Potsdam und die DEFA-Stiftung präsentieren am Sonnabend, dem 28. Juni ab 14:30 Uhr zum Gedenken an Roland Gräf und Doris Borkmann auf einer gemeinsame Veranstaltung die Filme "Sommer vorm Balkon" und "Bankett für Achilles".

Es lässt sich nicht fassen und wir müssen es dennoch hinnehmen, dass zwei so große, wunderbare Menschen und Filmschaffende uns verlassen haben.

Roland Gräf – einer der erfolgreichsten und individuellsten Regisseure der DEFA – ist am 11. Mai 2017 von uns gegangen. Das Filmmuseum Potsdam und die DEFA-Stiftung trauern um ihn. Er war dem Filmmuseum und der Stiftung seit Jahrzehnten verbunden: 2004 wurde er zum 70. Geburtstag mit einer Ausstellung geehrt, 2009 und 2013 zeigten wir seine Fläming-Bilder, poetische Fotografien dieses Landstrichs und seiner Menschen. Von 1999 bis 2003 war Gräf als stellvertretender Vorsitzender Mitglied im Stiftungsrat und erhielt 2012 für sein Lebenswerk den Preis für die Verdienste um den deutschen Film. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit dem Band „Meine Last Picture Show“ ein bildkünstlerisches Vermächtnis.

Roland Gräf hatte nach 1992 leider keine Förderer für seine Filmprojekte gefunden, so verschrieb er sich (glücklicherweise) der Fotografie. Zuvor stach er mit Filmen wie „Fallada – letztes Kapitel“ (1987), „Das Haus am Fluss“ (1985), „Märkische Forschungen“ (1981), „Die Flucht“ (1977) oder „Bankett für Achilles“ (1975) aus dem DEFA-Schaffen hervor. Er arbeitete mit Schauspieler/innen wie Katrin Saß, Erwin Geschonneck  oder Armin Müller-Stahl zusammen. Als Autorenfilmer mit besonderem Blick für soziale Realitäten gelang es Roland Gräf, der auch ein äußerst sensibler Kameramann gewesen ist, wahres Leben einzufangen – und das unter den schwierigen Bedingungen einer staatlich gelenkten Filmproduktion. Nicht zu vergessen sein Engagement im „Künstlerischen Rat“ der DEFA, der unter seinem Vorsitz in den 1980er Jahren mehrfach kulturpolitische Öffnungen angemahnt hat. Roland Gräf bleibt für uns ein Mensch mit Herz und Ehrlichkeit und lebendig unserer Erinnerung.

28.05.2017, 17:00 Uhr „Bankett für Achilles“, Regie: Roland Gräf, Kamera: Jürgen Lenz, Darsteller: Erwin Geschonneck, Elsa Grube-Deister, DDR, 1975 , 89 Min.

Einführung: Ralf Schenk (DEFA-Stiftung)

Karl Achilles, 65 Jahre alt und dreißig Jahre Arbeiter und Meister im Chemie-Kombinat Bitterfeld, geht in Rente. Nach Empfang von Prämie und Urkunde und vor der von seiner neuen Lebensgefährtin organisierten Abschiedsfeier geht Achilles, dessen Häuschen direkt neben dem Werk liegt, noch einmal durch den Betrieb, den er seit 1945 mit aufgebaut hat. Er spricht im Park mit zwei Rentnern, zerstört sein Blumenbeet neben der Industriehalde und flüchtet von der Familienfeier. Am nächsten Morgen richtet er das Blumenbett wieder her.

Doris BorkmannIm Gemeinschaftswerk ist Fachwissen in allen Bereichen gefragt – auch und gerade hinter den großen Namen. Doris Borkmann war eine bescheidene, dabei hoch professionelle und äußerst produktive Frau, die dem Namen Regieassistentin alle Ehre machte. Doris Borkmann ist am 12. Mai 2017 zu plötzlich für uns verstorben. Wir trauern um sie.

 In einer über 65-jährigen beruflichen Laufbahn hat sie das organisatorische und künstlerische Filmhandwerk von der Pike auf gelernt und angewendet: Filmfotografin, Cutterin, Regieassistentin. 1951 fing sie bei der DEFA an, arbeitete mit Kurt Maetzig („Der schweigende Stern“, „Schlösser und Katen“) genauso zusammen wie mit Frank Beyer („Der Bruch“), Lothar Warneke („Blonder Tango“), Roland Gräf, Rainer Simon usw. 18 Jahre währte die Zusammenarbeit mit Konrad Wolf mit Filmen wie „Ich war 19“ und „Solo Sunny“. Nach 1990 bildete sie oft mit Andreas Dresen ein Team: „Halbe Treppe“, „Nachtgestalten“, „Sommer vorm Balkon“ – um nur einige Erfolgsfilme zu nennen. Assistenzregisseurin war die genauere Bezeichnung für ihre anerkannte Tätigkeit.

 Ein gutes „Händchen“ bewies sie beim Casting, bei der Rollenbesetzung. Der Schauspielernachwuchs interessierte sie ganz besonders, für nicht wenige Neuentdeckungen war sie verantwortlich.

2014 erhielt sie den Preis der DEFA-Stiftung für das künstlerische Lebenswerk.

28.05.2017 um 14:30 Uhr „Sommer vorm Balkon“, Regie: Andreas Dresen, Darsteller: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, D 2005, 110 Min.

Ein heißer Sommer in Berlin: Nike und Katrin wohnen im gleichen alten Mietshaus im Osten Berlins und sind die besten Freundinnen. Nike trägt ihr Herz auf der Zunge und hat immer einen flotten Spruch parat – auch bei ihrer Arbeit als Altenpflegerin. Katrin ist geschieden, sucht seit Jahren einen Job und kümmert sich um den pubertierenden Sohn Max. Die lauen Nächte verbringen die Freundinnen auf Nikes Balkon – sie trinken, lachen, lästern und sind füreinander da. Bis der Trucker Ronald in ihr Leben kommt.

Filmmuseum Potsdam
Breite Str. 1a/ Marstall
14467 Potsdam
Kartenreservierung: 0331-2718112,
ticket@filmmuseum-potsdam.de
www.filmmuseum-potsdam.de

Eintritt frei

Sonntag, 28.05.
14:30 Uhr
„Sommer vorm Balkon“

Einführende Worte:
Peter Hartwig
(Produzent)

17:00 Uhr
„Bankett für Achilles“

Einführende Worte:
Ralf Schenk
(DEFA-Stiftung)

Kleiner Empfang zwischen den Filmen

Roland Gräf in der DEFA-Filmküche am 4. Juni 2007 Foto: Michael ReinhardtRoland Gräf in der DEFA-Filmküche am 4.6.2007 Foto: Michael Reinhardt

Doris Borkmann

Doris Borkmann während der Preisverleihung am 14.11.2014 Foto: Reinhardt & Sommer