zitromax costo zitromax 500 mg pris zitromax bivirkninger
desloratadin stada desloratadin i loratadin desloratadin cortison
desloratadin stada desloratadin actavis desloratadin cortison
pramipexol nebenwirkungen pramipexol orion pramipexol precio
DEFA - Stiftung - Goette, Aelrun

Goette, Aelrun


„Ich finde nichts faszinierender als menschliche Abgründe, die in Extremsituationen zum Vorschein kommen, wenn der Mensch nicht mehr auf seine Erfahrungen und sein Wertesystem zurückgreifen kann,“ fasst Aelrun Goete die rote Linie in ihrer Arbeit zusammen. Die Verletzungen der kindlichen Seele durch das Fehlverhalten von Erwachsenen und Grenzerfahrungen in der Konfrontation mit Gewalt und der Tod sind die Themen, die die Filmemacherin nicht loslassen. Wobei sie stets genau hinschaut, das Handeln des Einzelnen als Kontext aus Prägung und gesellschaftlichem Umfeld begreift.
Sie fragt nach Verantwortung, für sich und für andere, in der Familie, in der Nachbarschaft und der Gesellschaft. Sie setzt sich mit dem Tod auseinander, den die moderne Gesellschaft gerne verdrängt, der zugleich aber über die mediale Berichterstattung ständig präsent scheint. „Ich will meine wohl behütete Insel immer wieder verlassen, will mich unbekannten Welten aussetzen und empfinde es als eine Herausforderung, über den Einzelfall hinaus nach dem Systemimmanenten zu suchen.“
Die Filmemacherin ist mit ihren Filmen da, wo Andere sensationsheischende Schlagzeilen verbreiten, aber schnell wieder verschwinden, weil sie nicht den Mut und die Ausdauer haben, genauer hinzugucken, sich den Menschen und ihren widerstreitenden Gefühlen zu widmen. "Die Intensität des Lebens kann man in der Auseinandersetzung mit Gewalt entdecken.“
In ihren Dokumentarfilmen spürt der Zuschauer die Haltung der Regisseurin, aber zugleich auch den unbedingten Willen, sich vorurteilsfrei und genau mit der Motivation ihrer Protagonisten zu beschäftigen. Sie beschädigt sie nicht oder stellt sie aus, sondern lässt ihnen Raum, ihre Gefühle und Gedanken zu entwickeln. „Dokumentarfilme haben für die Gezeigten immer Konsequenzen. Als Regisseurin übernehme ich deshalb nicht nur die Verantwortung für das Thema, sondern auch für die Protagonisten."
Auch in ihren, tief in der gesellschaftlichen Realität wurzelnden Spielfilmen nimmt sie Themen auf, die Grenzen überschreiten, die Fragen stellen, ohne sie vordergründig beantworten zu können und die eine produktive Beunruhigung beim Betrachter hinterlassen, die lange nachwirkt.

Aelrun Goette ist in Berlin geboren. Ihre Eltern streben eine überdurchschnittliche Förderung innerhalb des Bildungswesens der DDR an, daher wechselt sie ab der 3. Klasse auf die „Schule der deutsch-sowjetischen Freundschaft“, eine Schule mit erweitertem Russisch-Unterricht. Sie wird getauft und besucht als Gegengewicht zur staatlichen Förderung die Christenlehre der Evangelischen Kirche. Religiös ist sie bis heute nicht.
Der obligatorische Übergang in die Abiturklasse wird ihr verwehrt, da sie „keine reife sozialistische Persönlichkeit“ sei. Sie war mit dem Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ am Mantel erwischt und verhaftet worden – das Zitat aus der Bibel unter einem Denkmal aus Moskau ist das Leitmotiv der kirchlichen Friedensbewegung Anfang der 80er Jahre in der DDR. Diese Erfahrungen beschreibt sie mit Bezug auf das Jugendweihe-Buch „Sozialismus. Deine Welt“ an der Wandzeitung der Schule. Daraufhin schlägt man ihr vor, den Beruf der Zerspanungsfacharbeiterin zu lernen.
Stattdessen beginnt Aelrun Goette ein Fachschulstudium als Krankenschwester für Neurologie und Psychiatrie. Parallel jobt sie als Model. Sie ist 20, als sie als Kostümbildnerin an das Landestheater Altenburg geht, das unter Leitung des Schwiegersohns von Harry Kupfer stand. „Wir hatten Narrenfreiheit, haben Gegenwartsstücke von DDR-Autoren aufgeführt, die wo anders kaum gespielt werden durften. Das war eine tolle, sehr wache Zeit voller kämpferischer Auseinandersetzung mit den Stücken und dem Publikum.“
Die Wende in der DDR eröffnet Aelrun Goette neue Chancen. „Ich hatte Glück, für mich fiel die Mauer zum richtigen Zeitpunkt“. Sie holt das Abitur nach und inszeniert ihr erstes Stück, die Komödie „Butterbrot“, im „Theater unterm Dach“ in Berlin. „Da habe ich gemerkt, dass die Form des Theaters, wie ich es geliebt habe, nicht mehr gefragt war. Statt einer Plattform für grenzüberschreitende Auseinandersetzung suchte das Publikum im Theater vor allem Zerstreuung.“
Anfang der 90er Jahre arbeitet sie für mehrere TV-Sender und beginnt ein Studium der Philosophie. „Es war eine Zeit des Nachdenkens, um die Welt und meinen Platz in ihr zu verstehen.“ 1995 wechselt Aelrun Goette an die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg um Filmregisseurin zu werden. „Ich wollte mich ausprobieren, mich von der Bühne lösen und das filmische Erzählen lernen, deshalb habe ich Spiel- und Dokumentarfilme gedreht, ausschlaggebend war das Thema.“ Ein Wechsel, den sie bis heute beibehält.
Um sich den Lebensunterhalt während des Studiums zu finanzieren, arbeitet sie als Schauspielerin in der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Eine Entscheidung, die nicht nur bei ihren Kommilitonen verwunderte Gesichter auslöst. „Die Reaktionen haben mich völlig überrascht. Diese Haltung: wie kann man sich als Student einer künstlerischen Hochschule in solch niederen Gefilden bewegen, fand ich völlig schwachsinnig. Es ist der Dünkel, der mich bis heute nervt. Diese Herablassung, die einem verbieten will, Erfahrungen zu machen, in dem man andere Welten kennen lernt. 

An der HFF entsteht ihr erster, viel beachteter Dokumentarfilm „Ohne Bewährung – Psychogramm einer Mörderin“, in dem sie sich einfühlsam der 15jährigen Jeannette S. nähert, die eine 13jährige zu Tode gequält hatte und als Mörderin verurteilt wurde. Den Kontakt zu der jugendlichen Täterin hatte Goette bereits vor ihrem Studium aufgenommen. Sie wurde Vollzugsbetreuerin von Jeannette S. und begleitete sie über 6 Jahre bis zu ihrer Entlassung. Vielleicht ist es dieser Verbindung zu verdanken, dass der Film so authentisch ist. Die Regisseurin schaut hinter die Klischees, weist keine Schuld zu und findet ambivalente Antworten, die im Betrachter lange nachhallen.

In ihrem ersten Film sind bereits die Themenkomplexe angelegt, die das Oeuvre von Goette bis heute bestimmen: Sie beschreibt sehr genau psychische Ausnahme- und Grenzsituationen, die in ihren Filmen meist mit Gewalt und dem Tod von Menschen verbunden sind.
Diesen Grenzsituationen bleibt sie auch in  „Keine Angst“, 2009, treu. Der Film unterscheidet sich aber in einem Punkt: Er bietet ein kleines Happy End, ein Stück Hoffnung durch die Liebe von zwei Teenagern. „Meine Perspektive auf die Welt verändert sich und das spiegelt sich in meinen Filmen wieder. Durch meine Kinder lerne ich die andere Seite kennen: ich bin plötzlich in der Rolle des "Bewahrers" und damit auch des potentiellen Täters: Ich kann das Beste wollen und trotzdem werden mich meine Kinder später vielleicht zur Rede stellen, was ich in ihren Augen alles falsch gemacht habe. Diese Rolle ist neu für mich. "

2001 dreht Aelrun Goette „Feldtagebuch – Allein unter Männern“. Sie folgt mit ihrem Team zwei Monate lang vier Frauen, die sich zur Bundeswehr verpflichtet hatten und dort attraktive Berufschancen erwarteten. „Es war spannend und oft komisch, dem Mit- und Gegeneinander der Männer und Frauen in dem System Bundeswehr zu folgen." 
Sehr genau zeigt der Film, dass die Frauen physisch und psychisch nicht auf die Grundausbildung in einem Panzergrenadierregiment vorbereitet sind, bei der für sie die gleichen Bedingungen gelten wie für die Männer. Sie leiden auch unter den alten Männlichkeitsidealen und dem rauen Umgangston. Nach der Premiere sprach der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags in seinem Jahresbericht 2002 auch von unangemessenen Führungsverhalten von Vorgesetzten, die zu zwei Disziplinarverfahren führten. Darüber hinaus beschäftigte der Film einen Untersuchungsausschuss im  Bundesrat und wird inzwischen Bundeswehr-intern als Lehrfilm unter der Überschrift eingesetzt: welche Berichterstattung wir nie wieder zulassen dürfen.

2003 folgt „Die Kinder sind tot“, ein unter die Haut gehender Dokumentarfilm über eine junge, überforderte Mutter aus Frankfurt/Oder, die ihre kleinen Söhne alleine in der Wohnung zurückließ, wo sie qualvoll verhungerten und verdursteten. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen, der öffentliche Druck auf das Gericht war so groß, dass gegen Daniela J. die höchste Haftstrafe ausgesprochen wurde, die ein Gericht jemals in einem solchen Fall verfügt hat.
Aelrun Goette rekonstruiert das unfassbare Versagen von verschiedenen Seiten: die Seite der Mörderin, die ohne erwachsen zu sein und das Vermögen, Verantwortung für sich zu übernehmen, selbst Mutter wurde. Die kein Selbstvertrauen hatte, ihr eigenes Leben zu gestalten, sondern stets hoffte, der nächste Mann werde alles richten. Daniela J. hat sich gegenüber Aelrun Goette geöffnet und versucht, Erklärungen für das eigene Handeln zu finden. 
Und sie zeigt die andere Seite, die Nachbarn, die Umgebung, die nach dem Verbrechen akribisch jeden Zeitungsausschnitt sammeln, aber zuvor die hilflosen Kinder während der letzten Lebenstage am Fenster beobachtet haben. Sie zeigt das personell unterbesetzte und daher überforderte Jugendamt, das mit vielen, ähnlich gelagerten Problemfamilien konfrontiert ist.

Ihr Spielfilmdebüt gibt sie 2005 mit „Unter dem Eis“, in dem sie im Vergleich zu „Die Kinder sind tot“ radikal das gesellschaftliche Umfeld wechselt. Sie führt in eine normale, gut situierte, bürgerliche Familie, in deren Mitte ein Kind wohl behütet aufwächst. Und in die die Gewalt mit aller Macht einbricht und alles in Frage stellt, als die Nachbarstochter beim gemeinsamen Spiel mit dem siebenjährigen Sohn zu Tode kommt. Ein Unfall, an dem das Kind vielleicht nicht unschuldig ist? Um ihren Sohn zu schützen, schärft ihm die Mutter ein, die Wahrheit über jenen Nachmittag zu verheimlichen. Vor Freunden, Großeltern und selbst vor dem eigenen Vater, der als Ermittler bei der Polizei alles dransetzt, um die Umstände des Todes des Mädchens aufzuklären.
Bei der Premiere in Hof spaltete das Psychodrama das Publikum, wahrscheinlich auch, weil es über den extremen Einzelfall hinaus viel über das allgemeine Phänomen erzählt, dass Eltern heute bemüht sind, ihre Kinder zu sehr zu beschützen. Und dabei den Fehler begehen, ihre Kinder nicht auf das Leben vorzubereiten und durch die Übertragung ihrer eigenen Ängste, durch ihr eigenes Fehlverhalten die Seele ihrer Kinder nachhaltig beschädigen.
Der Film löst Ängste in einer Welt aus, in der auf der einen Seite viele Eltern ihren Ehrgeiz in das Streben nach dem perfekten Kind setzen. Und auf der anderen Seite Kinder stehen, die vielleicht nicht die angeborene Resillenz einer Becky habe, um sich selbst aus sozialer Verwahrlosung zu befreien.

2008 inszeniert Aelrun Goette den Tatort „Der glückliche Tod“ mit Ulrike Folkerts als ermittelnde Kommissarin Lena Odenthal. „Ich wollte einen `Tatort` drehen, weil ich das Genre interessant finde. Außerdem mag ich Ulrike Folkerts als Lena Odenthal. Ich wollte ausprobieren, wie weit sie mit ihrer Figur gehen will.“ Der Film beginnt wie immer mit einer Leiche. Die Tote ist Mitarbeiterin des Schweizer Sterbehilfeverein Charontas, der in Deutschland in illegale Sterbehilfegeschäfte verwickelt ist.
Offensichtlich hat sich auch Katja Frege in ihrer Verzweiflung an die umstrittene Institution gewandt, deren neunjährige Tochter an MS leidet und qualvoll sterben wird.
Der Krimi besticht durch seine unglaubliche Intensität, zum einen, weil Ulrike Folkerts endlich die Chance erhält, verletzliche Seiten ihrer über Jahre etablierten Figur herauszukitzeln. Zum anderen durch Susanne Lothar, die die Rolle der mit dem qualvollen Sterben eines geliebten Menschen konfrontierten Mutter wenige Wochen nach dem Tod ihres Lebenspartners Ulrich Mühe spielt. Und nicht zuletzt durch die Kinder, die für das schwierige Thema Krankheit und Tod von der Regisseurin so sensibilisiert wurden, dass sie glaubhaft spielen. „Es war eine besondere Atmosphäre am Set. Das Filmemachen wurde zur Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod und dabei traten Eitelkeiten, Rivalitäten und Grabenkämpfe in den Hintergrund."

Ihr dritter Spielfilm „Keine Angst“ wirkt auf den ersten Blick wie eine Beschreibung des Zustands einer überforderten, allein erziehenden, alkoholabhängigen Mutter mit vier Kindern, die mit jedem neuen Freund im siebten Himmel ist, aus der Sicht ihrer ältesten Tochter. Nur dass die Teenagerin Becky alt und reif genug ist, um die Verantwortung für die jüngeren Geschwister und den Haushalt zu übernehmen. Sie wimmelt auch die Mitarbeiter des Jugendamts ab. Das fragile System muss zusammen brechen, als sich ihre beste Freundin von ihr abwendet und in einer machohaften Gang aufgeht, die Schwächere drangsaliert. Darunter einen Jungen, Bente, der gerade in die Gegend gezogen ist und in den sich Becky verliebt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Gymnasiast Opfer von Gewalt wurde. Seine Eltern, die seine Freundschaft zu der Hauptschülerin sowieso kaum zu tolerieren bereit sind, sehen nur die Chance, ihn ins Internat zu schicken.
„Das Drehbuch zu `Keine Angst` war stark, deshalb wollte ich den Film inszenieren, obwohl ich die inhaltlichen Parallelen zu `Die Kinder sind tot` gesehen habe. Das Abenteuer bestand für mich darin, hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen zu drehen, auf deren Schultern die Hauptverantwortung für den Film lag. Und ich habe mich gefreut, diese fast märchenhafte Liebesgeschichte zwischen Becky und Bente zu erzählen, das Prinzip Hoffnung eben".

Zwei Drehbücher hat Aelrun Goette derzeit in Arbeit. "Es hat sich so ergeben, da waren einerseits die Themen, die mich nicht losgelassen haben und andererseits das Vertrauen der Sender. Es macht Spaß zu schreiben. Aber ich freue mich schon wieder darauf, am Set zu stehen."
Sie lässt sich Zeit für Recherche und Stoffentwicklung, auch „um mal herauszutreten und sich von außen zu betrachten“. Sie will offen und wach bleiben, durchlässig, und sich nicht rhythmisieren lassen vom Druck, jedes Jahr einen Film vorzulegen. „Veränderungen sind doch die einzige Möglichkeit lebendig zu bleiben. Denn wenn man sich in seinem Leben mit wichtigen Dingen beschäftigt, ändert sich ständig alles. Und wenn sich nichts ändert, bist Du ein Idiot. Sagt Eco“.

Stand: Dezember 2009
Autorin: Katharina Dockhorn