HENNY PORTEN

Biografie

* 7. Januar 1890 in Magdeburg, 15. Oktober 1960 in Berlin

Die Tochter eines Opernsängers kam 1906 durch Vermittlung des Vaters zum Film. Henny Porten spielte bei Oskar Messter zahlreiche kleine Filme, darunter auch „Tonbilder“, frühe Tonfilme, die mit synchron laufenden Schallplatten funktionierten. Erst nachdem der Film etwa ab 1912 durch Mitwirkung namhafter Künstler an Ansehen gewonnen hatte, wurde auch die bisher anonyme Henny Porten als Zugpferd von Filmserien berühmt und schnell vor dem und im Ersten Weltkrieg der erste Star des deutschen Films. Der Porten wurden zunächst nur tränenreiche, tragische und entsagungsvolle Rollen abverlangt, die ihr allerdings eine enorme Popularität beim Publikum brachten. Nach dem Krieg, als sie sich stärker auf Mütterrollen verlegte, gelang es ihr, auch in anspruchsvollen Rollen Fuß zu fassen und gelegentlich selbstironisch komisch aufzutreten. Bei Beginn der Tonfilmzeit übernahm sie auch Rollen in Literatur-Adaptionen. Mit Machtübernahme der Nazis brach ihre Karriere weitgehend ab, weil sie sich weigerte, sich von ihrem Mann, dem jüdischen Arzt Dr. von Kaufmann, scheiden zu lassen. Aufgrund ihrer nicht nachlassenden Popularität überließ man ihr jedoch einige wenige Rollen in untergeordneten Produktionen. Noch 1941 wurde ihr die Hauptrolle in G.W Pabsts Film „Komödianten“ entzogen, und sie übernahm eine kleinere Rolle in diesem Film. Erst in der Mitte des Krieges nutzte man ihre Popularität erneut in volkstümlichen Rollen aus, darunter als Mutter Buchholzen in der Verfilmung von Julius Stindes altberliner Romanen. Mit diesen Arbeiten konnte sie auch ihren jüdischen Ehemann schützen.

Als nach Kriegsende Rollenangebote im westdeutschen Film weitgehend ausblieben, nahm Henny Porten die Gelegenheit dankbar wahr, bei der DEFA wieder vor die Kamera zu treten. Sie starb in Westberlin fünf Jahre nach ihrem letzten Film nach schwerer Krankheit.


"Wenn der junge Wein blüht" - D 1943, 80 Min., Schwarzweiß

Regie:Fritz Kirchhoff, Drehbuch: Per Schwenzen, Vorlage: Lustspiel von Björnstjerne Björnson, Produktion: Terra Filmkunst, Verleih: Murnau-Stiftung, Kamera: Herbert Körner, Musik: Georg Haentschel, Eduard Künneke, Darsteller: Henny Porten, Otto Gebühr, Marina v. Ditmar, Geraldine Katt, Else v. Moellendorff, René Deltgen u.a.

Filminhalt: In einem kleinen norwegischen Ort zur Zeit um 1900 hat das Ehepaar Arvik drei Töchter, die verheiratet werden sollen. Mutter Arvik ist bei der Auswahl der Bräutigame sehr eifrig, ohne auf die Interessen der Töchter zu achten. Im Hintergrund, aber mit Bedacht, beginnt nun Vater Arvik die Fäden zu ziehen. Nach einer Ehekrise, in der er das Haus verläßt, wird er schließlich sowohl den Töchtern gerecht und stellt mit Geschick auch seine Frau zufrieden, die meint, ihre Ansichten durchgesetzt zu haben.

Info: In den Kriegsjahren, in denen die Bevölkerung an der „Heimatfront“ bei Laune gehalten werden sollte, griff der deutsche Film wieder auf Henny Porten zurück, die in unterhaltender Form an die Werte der Gründerzeit anknüpfen sollte. Die Vorlage des norwegischen Nobelpreisträgers von 1903 war ein Alterswerk (1910 entstanden). Obwohl er ein progressiver Autor war, knüpfte die NS-Kulturpolitik wegen seines Pangermanismus gern an sein Werk an.


"Das Fräulein von Scuderi" - DDR/Schweden 1955, 100 Min., Schwarzweiß

Regie: Eugen York, Drehbuch: Joachim Barckhausen, Alexander Graf Stenbock-Fermor, Vorlage: Novelle von E.T.A. Hoffmann, Produktion: DEFA-Spielfilmstudio Berlin u. Babelsberg, in Koproduktion mit Pandora-Film, Stockholm, Verleih: Deutsche Kinemathek - Kamera: Eugen Klagemann, Musik: Walter Sieber, Darsteller: Henny Porten, Willy A. Kleinau, Anne Vernon, Roland Alexandre, Barbro Hiort af Ornäs u.a.

Filminhalt: Im 17. Jahrhundert wird Paris von einer Mordserie in Angst und Schrecken versetzt, bei der es der Täter auf den wertvollen, vom Meister Cardillac gefertigten Schmuck abgesehen hat. Mit einer nächtlichen Ausgangssperre soll die Serie beendet, und einige aufsässige Adlige damit außer Gefecht gesetzt werden. Als die gewitzte Hofdichterin Madeleine de Scuderi mit ihren Spottversen die Anordnung zu Fall bringt, bedankt sich der Mörder anonym bei ihr. Letztlich wird sie zur Schlüsselfigur bei der Aufklärung des Falles.

Info: In ihrem zweiten DEFA-Film, der auch der letzte Spielfilm in ihrer Laufbahn werden sollte, spielte Henny Porten in der Hoffmann-Adaption eine historisch verbürgte Gestalt. Mit der Finanzkraft eines westlichen Ko-Produzenten im Rücken stand sie bei der DEFA an der Spitze einer internationalen Besetzung. Die DDR-Kritik bemängelte jedoch an dem opulenten Kostümfilm, dass die Hofgesellschaft zu sympathisch und der „Sonnenkönig“ zu jovial dargestellt wurden.




 

Text

 

 

 

 

Wenn der junge Wein blüht
Wenn der junge Wein blüht




Wenn der junge Wein blüht
Wenn der junge Wein blüht

 

 

 

Das Fräulein von Scuderi
Das Fräulein von Scuderi



 

Das Fräulein von Scuderi
Das Fräulein von Scuderi