Einleitung: Thema: 60 Jahre DEFA


Runde Geburtstage sind Anlass zu Festen, bei denen man das Geburtstagskind hochleben lässt, Vergangenes launig resümiert und eine Laudatio auf das Erreichte anstimmt. 60 Jahre DEFA machen es schwer, allzu hymnisch an dieser Gepflogenheit festzuhalten – zu widersprüchlich ist die Geschichte der am 17. Mai 1946 gegründeten „Deutschen Filmaktiengesellschaft“ der DDR, die nach der Wende zunächst von der Treuhand verwaltet wurde und deren Erbe seit 1999 von der DEFA-Stiftung gepflegt wird. Ideologisch geknebelt, bisweilen aber auch hellsichtig und sehr genau in der Beobachtung des Alltagslebens, Propaganda-Instrument, aber auch Heimat für markante Künstlerpersönlichkeiten: das alles und mehr war die DEFA. Was ist von diesem ebenso heilen wie kostbaren Erbe geblieben? Haben DEFA-Filme über das historische Interesse hinaus heute noch eine Relevanz? Etwa für junge Filmemacher, die sich zwischen Traditionen, eigenen Erfahrungen und wirtschaftlichen Zwängen ihren künstlerischen Weg bahnen müssen? Was ist aus DEFA-Filmemachern nach der Wende geworden? Diesen und anderen Fragen widmet sich unser Themenheft. Es soll zu einer frischen Auseinandersetzung animieren, die nicht nur die Vergangenheit, sondern vor allem auch die Zukunft des deutschen Kinos im Auge hat.

Ein Geschenk gibt es im übrigen auch zum Geburtstag: Diesem Themenheft liegt eine DVD mit Peter Kahanes „Die Architekten“ (vgl. Artikel S. 45) und dem Special „60 Jahre DEFA“ bei.

(film-dienst Sonderheft 10/2006)

Hinweis: Der FILM-DIENST hat sich häufig mit Aspekten des DEFA-Filmschaffens beschäftigt. Eine Übersicht aller Artikel, Porträts und Bestandsaufnahmen bieten wir im Internet (www.film-dienst.de).