Filmstill zu "Einfach Blumen aufs Dach"

Ingrid Reschke

Regisseurin

* 13. März 1936 in Berlin; † 5. Mai 1971 ebenda

Biografie

Filmstill zu "Kennen Sie Urban?"

Ingrid Reschke

bei den Dreharbeiten zu KENNEN SIE URBAN? (R: Ingrid Reschke, 1970) Fotograf: Klaus Mühlstein

Ingrid Reschke gehört neben  Hannelore Unterberg,  Evelyn Schmidt und  Iris Gusner zu den wenigen Spielfilmregisseurinnen der DEFA in den 1960er und 1970er Jahren. Trotz ständig propagierter, formaler Gleichstellung schaffen es auch in der DDR nur wenige Frauen auf den Regie-Stuhl. Vier Filme inszeniert die junge Frau in sieben Jahren. Viel zu früh stirbt sie mit 35 Jahren an den Folgen eines Autounfalls.

Ingrid Reschke wird am 13. März 1936 als Ingrid Meyer geboren. Sie studiert von 1959 bis 1963 an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg im Fach Regie. Danach geht die Absolventin als Regie-Assistentin zum DEFA-Studio für Spielfilme.

Ihr Debüt als Regisseurin gibt sie mit dem Kinderfilm DANIEL UND DER WELTMEISTER (1963), den sie nach dem gleichnamigen Buch von Wera und Claus Küchenmeister in Szene setzt. Erzählt wird vom kleinen Daniel, der einmal wie Täve Schur Radrennweltmeister werden will, aber keine Milch trinken möchte. Außerdem glaubt er nicht, dass Weltmeister überhaupt Milch trinken. Also macht er sich auf den Weg und nach einigen bestandenen Abenteuern trifft er den Rennfahrer, der nach dem Sieg zur Milchflasche greift.

Filmstill zu "Daniel und der Weltmeister"

DANIEL UND DER WELTMEISTER (R: Ingrid Reschke, 1963) Fotograf: Max Teschner

Filmstill zu "Daniel und der Weltmeister"

DANIEL UND DER WELTMEISTER (R: Ingrid Reschke, 1963) Fotograf: Max Teschner

Danach braucht es einige Zeit, bis Ingrid Reschke ihren nächsten Film vorlegen kann. Zwischendurch arbeitet sie gemeinsam mit Helmut Grewald, Alfred Hirschmeier und Hanus Burger an dem Drehbuch der musikalischen Literaturverfilmung NICHTS ALS SÜNDE (1965) unter der Regie von Hanus Berger. Die Vorlage für das turbulente Verwechslungsspiel bildet William Shakespeares „Was ihr wollt“.

Mit WIR LASSEN UNS SCHEIDEN (1967) legt die Regisseurin ihren zweiten Film vor. Der achtjährige Manni erlebt die Auseinandersetzungen seiner Eltern. Sie trennen sich und so lebt er zunächst vier Wochen beim Vater, dann bei der Mutter. Manni nutzt die unterschiedlichen Erziehungsauffassungen seiner Eltern großzügig aus und verschafft sich zahlreiche Vorteile. Bald kommen die Eltern zu der Erkenntnis, dass nur eine vereinte Erziehung sinnvoll ist. Die ernste Problematik von leichter Hand inszeniert, blickt aber auch nachdenklich, anspruchsvoll und einfühlsam auf das Thema.

Filmstill zu "Wir lassen uns scheiden"

WIR LASSEN UNS SCHEIDEN (R: Ingrid Reschke, 1967) Fotograf: Horst Blümel

Filmstill zu "Wir lassen uns scheiden"

WIR LASSEN UNS SCHEIDEN (R: Ingrid Reschke, 1967) Fotograf: Horst Blümel

In DER WEIHNACHTSMANN HEISST WILLI (1969) verlieren die Brüder Peter und Hans das Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern. Von ihrem letzten Geld kaufen sie auf dem Weihnachtsmarkt ein Los und gewinnen tatsächlich eine Waschmaschine. Ein Weihnachtsmann (gespielt von   Rolf Herricht) verspricht, ihnen die Maschine nach Hause zu bringen, aber er entpuppt sich als Gelegenheitsdieb. So scheint auch das zweite Geschenk zu verschwinden. Überaus liebevoll inszeniert die Regisseurin die Geschichte, erzählt sie gradlinig und spannend. Verfolgungsfahrten gehören ebenso dazu wie Humor und eine lehrreiche Botschaft über das weihnachtliche Gemeinschaftsgefühl.

Filmstill zu "Wir lassen uns scheiden"

Ingrid Reschke bei den Dreharbeiten zu WIR LASSEN UNS SCHEIDEN (R: Ingrid Reschke, 1967) Fotograf: Horst Blümel

Filmstill zu "Der Weihnachtsmann heißt Willi"

DER WEIHNACHTSMANN HEISST WILLI (R: Ingrid Reschke, 1969) Fotografen: Peter Bernhardt, Eberhard Daßdorf

Mit dem Gegenwartstreifen KENNEN SIE URBAN? (1970) legt Ingrid Reschke ihren erfolgreichsten Film vor. Erstmals arbeitet sie mit dem Drehbuchautor  Ulrich Plenzdorf zusammen. Beide entwickeln den Stoff anhand der „Berichte aus den 60er Jahren“ in der „BZ am Abend“ von Gisela Karau. Erzählt wird vom straffällig gewordenen Hoffi, der sich - aus dem Gefängnis entlassen - auf die Suche nach dem Vermessungsingenieur Urban begibt, in dem er ein Vorbild gefunden hat. Zwar wird er ihn nicht auftreiben können, aber seine Suche ist ein Weg zu sich selbst; er findet ein neues Umfeld und eine berufliche Zukunft. Gelobt wird die unterhaltsame und lockere Art, mit der die Regisseurin ein ernsthaftes Thema inszeniert.

Die Zusammenarbeit mit Ulrich Plenzdorf setzt die Regisseurin fort. Nach einem Szenarium von ihm entsteht 1972 die Vorlage zu DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1972). Ingrid Reschke kann die Arbeit nicht vollenden. Sie stirbt am 9. Mai 1971 an den Folgen eines Autounfalls. Der Regisseur  Heiner Carow übernimmt Reschkes letztes Filmprojekt nach ihrem Tod.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: August 2005)

Trailer zu KENNEN SIE URBAN? (R: Ingrid Reschke, 1970)

Auszeichnungen

  • 1971: KENNEN SIE URBAN? - Heinrich-Greif-Preis 1. Klasse gemeinsam mit Ulrich Plenzdorf
  • 1971: KENNEN SIE URBAN? - Kunstpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) im Kollektiv

Literatur

Eine erweiterte Filmografie können Sie unter filmportal.de einsehen.

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