Filmstill zu "Einfach Blumen aufs Dach"

Thomas Plenert

Kameramann

* 1. Februar 1951 in Nauen

Biografie

Thomas Plenert

bei der 8. Preisverleihung der DEFA-Stiftung (2008) Fotografen: Reinhardt & Sommer

Kameramann Thomas Plenert will wahrhaftige Bilder vom Leben und vom Menschen finden. Er arbeitet mit Spiel- und Dokumentarfilmregisseuren zusammen, die den Bildern mehr vertrauen als den Worten. Er führt intensive Arbeitsbeziehungen, mit Regisseuren wie  Jürgen Böttcher,  Volker Koepp,  Helke Misselwitz und  Lothar Warneke. Dabei entwickelt der Kameramann einen sensiblen Blick und eine besondere Verantwortung für Situationen, die in ihrer Subjektivität Grundsätzliches verdeutlichen.

Thomas Plenert wird am 1. Februar 1951 in Nauen geboren. Er beginnt seine Karriere als Volontär beim Fernsehen der DDR. Von 1972 bis 1976 studiert er an der Hochschule für Film und Fernsehen  Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg sowie kurze Zeit als Stipendiat an der renommierten Filmhochschule im polnischen Łódź. Bereits während der Hochschulzeit entstehen Arbeitsbeziehungen zu weiteren Filmschaffenden wie beispielsweise Jörg Foth. Plenert arbeitet mit Foth an BLUMENLAND (1976), einem Porträt über die sächsische Stadt Sebnitz, in der Kunstblumen hergestellt werden und an PROZESS (1976), dem Diplomfilm von Jörg Foth. Letzterer erzählt von einem polnischen Arbeiter, der in der DDR mit manchen Gegebenheiten nicht zurechtkommt.

Filmstill zu "Die Beunruhigung"

Lothar Warneke (auf dem Schrank sitzend) und Thomas Plenert bei den Dreharbeiten zu DIE BEUNRUHIGUNG (R: Lothar Warneke, 1981) Fotografen: Dieter Lück, Norbert Kuhröber

Filmstill zu "Blonder Tango"

Doris Borkmann (durch die Kamera schauend) und Thomas Plenert bei den Dreharbeiten zu BLONDER TANGO (R: Lothar Warneke, 1985) Fotografen: Dieter Lück, Waltraut Pathenheimer

Nach Abschluss des Studiums beginnt Thomas Plenert als fester Kameramann beim Dokumentarfilmstudio der DEFA zu arbeiten. Zunächst ist er in der Gruppe um  Eduard Schreiber tätig. Mit seinen Arbeiten folgt Plenert dem Weg des Kameramanns  Christian Lehmann, der einen ganz eigenen Kamerastil entwickelt. Dieser zeichnet sich durch ein besonderes Gespür für das Optische im Dokumentarischen aus. Vielen seiner Filme ist ein subjektiver Zugang zu Menschen und Landschaften gemein. Ideologiefrei werden DDR-Alltag und individuelle Geschichten gezeigt.

Eine intensive Arbeitsbeziehung entsteht mit dem Filmemacher Jürgen Böttcher. In ihrer ersten Zusammenarbeit IM LOHMGRUND (1976/77) werden zwei Bildhauer im Spannungsfeld des subjektiven Blicks und der gefundenen Realität porträtiert. Die Bilder, die das Filmteam findet, sind intensiv beobachtend und filtern das Lebensgefühl der Zeit heraus. RANGIERER (1984) zeigt alltägliche Tätigkeiten auf dem größten Rangierbahnhof der DDR Dresden-Friedrichstadt. Die Bilder von Thomas Plenert tragen dazu bei, den Arbeitsrhythmus der Rangierer mit dem Takt des Films zu verknüpfen. Nach dem Fall der Mauer im November 1989 dreht Jürgen Böttcher DIE MAUER (1990). Der Film ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern fängt Augenblicke und Eindrücke der Zeit ein. 2000/01 entsteht der vorerst letzte gemeinsame Film KONZERT IM FREIEN. Die Dokumentation zeigt Aufnahmen von der Entstehung des Marx-Engels-Forum aus den Jahren 1981 bis 1986.

Filmstill zu "Rangierer"

RANGIERER (R: Jürgen Böttcher, 1984) Fotograf: Thomas Plenert

Filmstill zu "Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann"

WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN (R: Helke Misselwitz, 1989) Fotograf: Heiko Koinzer

In Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Helke Misselwitz entsteht ein wichtiges DDR-Arbeiterporträt: WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN (1989) schaut auf eine private Kohlenhandlung in Ost-Berlin. Das Filmteam begleitet die Arbeiter bei der täglichen Knochenarbeit, lässt sie über ihr Leben und Themen wie Republikflucht, Gefängnis, Alkoholismus berichten. Kameramann Thomas Plenert vermittelt die körperlichen Schwierigkeiten dieses Jobs in harten Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Daraus entsteht ein sensibles, unsentimentales und ideologiefreies Arbeiterporträt über Menschen, die bis dahin noch nicht in den Fokus der DEFA-Kameras gerückt sind. Gemeinsam realisieren Regisseurin und Kameramann auch
WINTER ADÉ (1988), einer der wichtigsten Filme über Frauen in der DDR. Lyrische und reportagehafte Sequenzen wechseln sich ab, assoziativ entstehen Zusammenhänge. Die Bilder enthüllen Dinge hinter dem Gezeigten.

1988 arbeitet Thomas Plenert an dem Kurzdokumentarfilm FEUERLAND (1987) von Volker Koepp mit. Auch dieses Projekt ist der Beginn einer langjährigen, kreativen Zusammenarbeit. Fast alle Filme, die Volker Koepp seitdem dreht, werden von Plenert fotografiert. Maßgeblich sind die Produktionen von Plenerts lyrischen, oft in schwarz-weiß gehaltenen Bildern geprägt. Ihre gemeinsame Arbeit KALTE HEIMAT (1994/95) wird mit dem Deutschen Filmpreis für die Beste Kamera ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm über die Menschen und die Landschaft Ostpreußens ist eine sinnliche, poetische Reise ins Herz der dort lebenden Menschen. Gemeinsam bereisen Regisseur und Kameramann mehrfach Ostpreußen. In KURISCHE NEHRUNG (2000/01) geben Menschen der kleinen Halbinsel Auskunft über die wechselhaften politischen und privaten Situationen. In poetischen Bildern zeigt das Filmteam die Schönheit der Landschaft und übersetzt spannungsvoll die unbeständige Geschichte dieser deutsch-litauisch-russischen Gegend in Bilder.

Als Kameramann arbeitet Thomas Plenert während seiner DEFA-Zeit für verschiedene Arbeitsgruppen des Studios und kann sich dadurch ausprobieren. Dieses Prinzip wird er während seiner weiteren Laufbahn beibehalten. Regisseur Lothar Warneke sieht einen in schwarz-weiß gedrehten Dokumentarfilm über Wieland Förster von Eduard Schreiber, bei dem Thomas Plenert die Kamera führt, und holt ihn daraufhin für seinen Spielfilm DIE BEUNRUHIGUNG (1981) ans Spielfilmstudio. Warneke geht es bei der Produktion über eine krebskranke Frau insbesondere um Authentizität und ein genaues Abbild ihrer Lebenssituation. Gedreht wird in Schwarzweiß und mit kleinem Drehstab an Originalschauplätzen. Das Gespann versucht den Erfolg des Films  kurze Zeit später mit EINE SONDERBARE LIEBE (1984) zu wiederholen. Eine weitere Zusammenarbeit folgt mit BLONDER TANGO (1985). Erneut dokumentiert Thomas Plenert unprätentiös mit intensiven Bildern und vermeidet übliche Alltagsbeschreibungen, die der Geschichte nichts hinzufügen.

Filmstill zu "Blonder Tango"

Alejandro Quintana Contreras und Karin Düwel in BLONDER TANGO (R: Lothar Warneke, 1985) Fotografen: Dieter Lück, Waltraut Pathenheimer

Filmstill zu "Die Beunruhigung"

Christine Schorn in DIE BEUNRUHIGUNG (R: Lothar Warneke, 1981) Fotografen: Dieter Lück, Norbert Kuhröber

Mit dem Regisseur Jan Schütte arbeitet Plenert an FETTE WELT (1997/98), einer Milieustudie über einen Obdachlosen. Neben der darstellerischen Leistung von Jürgen Vogel wird besonders die naturalistische Kamera gelobt. Thomas Plenert gelingt es, die emotionalen Befindlichkeiten der Figur einzufangen, zum Beispiel mittels verwaschener Handkamerabilder und kalter Neonleuchten in Bahnhofspassagen. Bernd Böhlich (DU BIST NICHT ALLEIN),  Peter Kahane (MEINE SCHÖNE NACHBARIN) und Werner Schroeter (DIESE NACHT) holen ihn für ihre Filme in den Filmstab.

Die Fähigkeiten des Kameramanns finden im Laufe der Schaffenszeit mehr und mehr beim Fernsehen Anklang. Thomas Plenert arbeitet unter anderem an mehreren Folgen der Reihen „Die Kommissarin“, „Stubbe - Von Fall zu Fall“ und „Polizeiruf 110“ mit.

Seit 1997 ist Thomas Plenert Mitglied der Berliner Akademie der Künste, Sektion Film- und Medienkunst. Der Kameramann ist mit der Schnittmeisterin Gudrun Steinbrück-Plenert verheiratet. Er lebt in Mecklenburg-Vorpommern.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: November 2013)

Trailer zu WINTER ADÉ (R: Helke Misselwitz, 1988)

Auszeichnungen

  • 1982: DIE BEUNRUHIGUNG - Nationales Spielfilmfestival der DDR: Preis für Kamera
  • 1994: Hessischer Kamerapreis
  • 1996: KALTE HEIMAT - Deutscher Filmpreis: Beste Kamera
  • 2006: POLIZEIRUF 110, EPISODE: "Kleine Frau" - Adolf Grimme Preis
  • 2008: Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst der DEFA-Stiftung

Literatur

  • Thomas Plenert: Die filmische Einstellungsgröße der Totale betrachtet im Zusammenhang mit der Bildenden Kunst und dem polnischen Spielfilm Eine Perle in der Krone, Diplomarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam-Babelsberg im Fachbereich Kamera 1976.
  • Caroline M. Buck: Herr Plenert und Herr Koepp, in: Film & TV, Kameramann 02/2000.
  • Peter Badel: Ein Film mit Jürgen Böttcher ist wie ein Ritterschlag – Interview, in: Peter Badel: DEFA-Kameraleute im Gespräch, Schriftenreihe der DEFA-Stiftung 2007.

DEFA-Filmografie

Eine erweiterte Filmografie können Sie unter filmportal.de einsehen.

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