Außer DEFA: Selbstständige Produktion

Agenda

260: Außer DEFA: Selbständige Filmproduktion

Selbständige Filmproduktion außerhalb DEFA vollzieht sich in Filmfirmen, die vor oder neben der DEFA über eine Produktionslizenz der SMAD bzw. der Hauptverwaltung Film im Ministerium für Kultur verfügen und wirtschaftsrechtlich selbständig sind.

Struktur

261  Artis
262  Film-Union GmbH
263  Deutsche Zeichenfilm G.m.b.H.
264  Tobis Filmkunst G.m.b.H.
265  Phönix-Film
266  Studio H&S OHG
269   Neugründungen
269.1  Filmproduktionsbetriebe
269.2  Filmproduzentenverbände

Legende

Entstehungsgeschichte

Die DEFA ist nicht die einzige Filmproduktionsfirma mit sowjetischer Lizenz. Für einen begrenzten Zeitraum existieren vor bzw. neben der DEFA die Firmen Artis, Film-Union (SMA-Lizenz für Synchronisation im zum Synchron-Atelier umgebauten ehemaligen Ufa-Kostümlager), Phönix (Britische Lizenz 1945, SMA-Lizenz (7.1947)) sowie die Zeichenfilm GmbH (ohne Lizenz). In Berlin werden Produktionsstätten der Tobis wiederhergestellt, so dass Synchronisationsarbeiten als Auftragsarbeiten vorgenommen werden können. In Dresden wird das Atelier der Boehner-Film von Mitarbeitern wieder hergerichtet. In beiden Fällen unterstehen die Unternehmungen der Treuhandverwaltung durch die öffentliche Hand. In Halle/S. wird mit Förderung und unter Aufsicht der Provinzialregierung eine Filmproduktion neu aufgebaut. Die SMA-Länder-Lizenz für die Produktionsstätten in Dresden und Halle/S. wird erteilt, als die Betriebe der DEFA angeschlossen werden. Das Johannisthaler Tobis-Atelier wird von der DEFA in Pacht genommen. Artis gibt auf.

Entsprechend dem > SMAD-Befehl Nr. 51/46 zur Feststellung der personellen und materiellen kulturellen Gegebenheiten gehen alle Informationen bei der ZVV und damit beim Film-Aktiv in Berlin ein. Das Film-Aktiv veranlasst die Sicherstellung ausgelagerten Ufa-Betriebsvermögens. In Vorbereitung und zur Stärkung der eigenen Filmproduktion werden Produktionskapazitäten vertraglich oder administrativ an die DEFA gebunden. Das gilt für die Produktionen in Dresden und Halle/S. Die Zeichenfilm GmbH wird in die DEFA als Abt. Zeichenfilm integriert (1.4.1946). Am Jahresende wird die Abteilung geschlossen und die Zeichenfilmproduktion eingestellt. Berlin-Film wird die Lizenz wieder entzogen; sie wird der Babelsberger Produktionsstätte der DEFA unterstellt.

Status

Genannte Firmen sind lizenzierte Kapital- bzw. Personengesellschaften.

Produktion

Phönix hat den längsten und nennenswerten Firmenbestand. Die Synchron-Produktion von Phönix findet sogar Aufnahme in die Festschrift zum fünfjährigen Bestehen der DEFA. Auf Beschluss des ZK der SED wird Phönix in die Abt. Synchronisation der DEFA eingegliedert, zunächst als eigenständige Synchron-Gruppe (B), die noch im gleichen Jahr mit der Stammgruppe (A) vereinigt wird (1951). Die Eingliederung ist begleitet von einer Auseinandersetzung über Status und Arbeitsweise der DEFA und die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der Existenz und Kooperation zweier unabhängiger Filmfirmen in der DDR.

Studio H&S nimmt eine Sonderstellung ein. Die DEFA-Gruppe 11 (auch: Gruppe Heynowski) erhält zunächst einen Sonderstatus im VEB DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme (1966), wird dem Direktor direkt unterstellt und bezieht separate Arbeitsräume, bevor sie in Studio H&S umgewandelt, aus Dokumentarfilmstudio und DEFA-Verbund ausgegliedert, außerhalb der Strukturen des Filmwesens verfasst und dem MfK direkt unterstellt wird (1969).

Das Studio H&S ist aus Gründen der Selbständigkeit im internationalen Rechts- und Wirtschaftsverkehr als OHG verfasst. Filme des Studios sind keine Auftragsproduktionen für das Fernsehen, sondern gehören urheber- und wirtschaftsrechtlich dem Studio H&S und werden dem > Fernsehen der DDR und PROGRESS Film-Verleih mit Lizenzvertrag zur Nutzung verkauft. Der Export der Filme wird ohne Zwischenschaltung eines AHB der DDR vom Studio H&S selbständig durchgeführt. Erhalt und Abführung von Valuta an den Staatshaushalt sind vertraglich und prozedural geregelt. Das Studio ist technisch autark.

Bedingt durch seine politisch intendierte Gründung (1969) und eine veränderte politische Einschätzung seiner Wirksamkeit und Notwendigkeit (1982), befördert durch eine personalpolitische Maßnahme, wird die Auflösung des Studios H&S als selbständige OHG vom ZK der SED veranlasst (1982) und von der HV Film im MfK vorgenommen. Heynowski und Scheumann sowie die Mitarbeiter werden in das > DEFA-Studio für Dokumentarfilme re-integriert (1983), zunächst als Gruppe Kronenstraße, dann als Gruppe H&S, schließlich als Werkstatt H & S (1986-1990).

Rechtsfragen

Selbständigen Filmproduktionen sind nach (bürgerlichem) Gesellschaftsrecht verfasst und selbständig vertragsfähig.

Das Zulassungs- und Lizenzrecht der DDR verschafft dem Staat die Möglichkeit, eigenständige Filmproduktionsfirmen, die nicht von Entscheidungsträgern (ZK der SED, SFK, MfK) vorgesehen sind und sich ihrem direkten Zugriff entziehen, zu verhindern. Von dieser Kompetenz wird restriktiv Gebrauch gemacht.

Nach 1990

Nach der Wende gründen ehemalige DEFA-Mitarbeiter – noch vor dem Aus der DEFA-Studios – eigene Filmproduktionsunternehmen bzw. übernehmen die Leitung ostdeutscher Betriebsteile westdeutscher Unternehmen: in Brandenburg 14,  Mecklenburg-Vorpommern 4, Sachsen 11, Sachsen-Anhalt 4, Thüringen 3 Firmen (Trotz 1996). Im Zusammenhang damit entstehen Produzentenverbände in Brandenburg und in Mitteldeutschland.

Quellen

Bestände

  • BArch  Ministerium für Kultur (DR 1)
  • DEFA (DR 117)
  • DEFA-Studio für Dokumentarfilme (DR 118)
  • Phönix (DR 126)
  • SAPMO-BArch  SED (DY 30)
  • Phönix (DY 30/J IV 2/3/195)
  • Studio H&S (DY 30/IV A2/9.02/71,-122; IV A2/2.024/35; IV B2/9.96/81; IV 2/2.037/72, 73; IV 2/2.039/273)
  • SAdK/Verwalt.-archiv  Bestand Sektion Darstellende Kunst: H&S

Rechtsvorschriften

  • VO vom 15. Januar 1976 über die Lizenz- und Zulassungspflicht im Filmwesen (GBl. I Nr. 6 S. 102)
  • Weisung des MinfK zur Auflösung des Studios H&S als selbständige OHG im MfK und Eingliederung in das DEFA-Studio für Dokumentarfilme (1983) (SAPMO-BArch, DY 30/vorl. SED/32718)

Beschlüsse

  • Eingliederung der Phönix-Filmgesellschaft in die DEFA. Sekretariat des ZK der SED, Protokoll Nr. 68 vom 10.5.1951, Punkt 6 (SAPMO-BArch, DY 30/J IV 2/3/195)
  • Regelung der Arbeit der Gruppe Heynowski & Scheumann beim Defa-Dokumentarfilm. Sekretariat des ZK der SED, Protokoll Nr. 16 vom 1.3.1967 (SAPMO-BArch, DY 30/J IV 2/3/1282)
  • Weisung des MinfK zur Auflösung des Studios H&S als selbständige OHG im MfK und Eingliederung in das DEFA-Studio für Dokumentarfilme, 1983 (SAPMO-BArch, DY 30/vorl. SED/32718)

Berichte

  • Henze, Prüfbericht, 25.5.1946; Kriegbaum, Gutachten, 23.9.1946; Gutachten in der Angelegenheit UFA–Film-Union (1946) (BArch, DR 117/v.S 279, v.S 6)
  • Übergabe der Einrichtungen und Materialien an die DEFA als Betriebsnachfolgerin der Film-Union (1946), verfügt von der SMA an die DEFA als „Alleinbegünstigte“ („Vorbericht“) (BArch, DR 117/v.S 6,  v.S 436)
  • Zeichenfilm/Fieber an ZVV/Volkmann, 31.10.1946; Dr. Wilkening, Aktennotiz, 29.11.1946; Bergmann an Vorstand, 30.12.1946 (BArch, DR 117/v.S 436, v.S 162; DR 2/8268)

Phönix:

  • Übernahmeverhandlungen DEFA-Phönix; Übernahme in DEFA-Synchronisationsabteilung (1.7.1951) (BArch, DR 117/21710; v.S 69)

H&S:

  • Prädikatisierung der Filme des Studios H&S (DRA, Bestand Fernsehen HA Ökonomie, Planunterlagen 1978-1987)

Übersichten

  • Karteikartensammlung der Filmfirmen in den Sektoren von Berlin (BArch, DR 117/v.S 292)

Literatur

  • Auf neuen Wegen, Berlin 1951
  • Michel, Robert: Werkstatt Studio H&S. Information 6/1976
  • Michel, Robert: Auftakt 1978 – Studio H&S. Alle Filme, Filmspiegel 3/1978
  • Steinmetz, Rüdiger / Prase, Tilo: Dokumentarfilm zwischen Beweis und Pamphlet. Heynowski & Scheumann und Gruppe Katins, Leipzig 2002
  • Schier, Corinna/Böttcher, Claudia/Kretzschmar, Judith: Walter Heynowski und Gerhard Scheumann – Dokumentarfilmer im Klassenkampf. Eine kommentierte Filmographie, Leipzig 2003
  • Dokumentation: Neue Produzenten, F&F Nr. 1/1992
  • Wilkening, Thomas: Verband der Filmproduzenten Brandenburg e.V. – Die erste Bilanz, in: Kulturelle Filmförderung Brandenburg 1991-1992, Potsdam 1992
  • Unternehmen für Film- und Fernsehproduktion in Mitteldeutschland, Mitteldeutscher Film- und Fernsehproduzentenverband, Dresden 1994; 1996; 1998
  • Trotz, Lydia: Filmförderung in den neuen Bundesländern. Eine vergleichende Analyse. BFF Bd. 48 (1996)

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