Armin Georgi

Regisseur, Autor, Dramaturg

* 15. Juni 1927 in Leipzig; † 25. April 2013 in Potsdam

Biografie

Armin Georgi

Armin Georgi

1990, Quelle: Filmmuseum Potsdam/Nachlass Yvonne Merin

Armin Georgi ist ein deutscher Regisseur, Autor und Dramaturg. Er führt zwischen 1957 und 1990 Regie in circa 50 Dokumentarfilmen.

Armin Georgi, geboren am 15. Juni 1927 in Leipzig, legt 1943 die mittlere Reife ab und ist bis Kriegsende Luftwaffenhelfer und Marinesoldat. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft arbeitet er ab 1946 in Leipzig als Former bei den VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerken. 1947 bis 1950 studiert er an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät und der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig mit dem Abschluss als Diplom-Landwirt. Von 1951 bis 1954 arbeitet er in der Zentralstation „Junger Naturforscher“ in Berlin.[1]

Im August 1954[2] beginnt Georgi in Potsdam-Babelsberg seine Tätigkeit im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme (später umbenannt in DEFA-Studio für Dokumentarfilme)[3] zunächst als Dramaturg für Landwirtschaft und Biologie, später als Hauptdramaturg. Ab 1969 führt er Regie bei 48 Dokumentarfilmen, darunter bei zehn Filmen für den deutschen Fernsehfunk.

In den Jahren bis 1964 entstehen überwiegend populärwissenschaftliche Filme zum Thema Naturschutz sowie 1957 in der kurzen Zeit der internationalen Öffnung des Studios vier Filme über Landschaften Jugoslawiens. 1964 schreibt er gemeinsam mit  Kurt Tetzlaff das Drehbuch zu ES GENÜGT NICHT, 18 ZU SEIN, der Anfang 1966 wegen „Verunglimpfung der Arbeiterklasse“ verboten wird. [4], [5] In den folgenden Jahren erweist sich Georgi als Talent des filmischen Feuilletons, „der pointiert die vom Autor vorbedachten komischen Wirkungen stilistisch sicher auf die Leinwand bringt.“[6]

Er dreht ab 1970 neun Filme der Reihe KULTURHISTORISCHE RANDNOTIZEN (Sonstiger Titel: Kulturschätze), die sich durch hervorragendene Sprecher wie  Manfred Krug, Hannjo Hasse, Manfred Uhlig und  Herwart Grosse auszeichnen. Hervorzuheben ist SCHEIN-BARES (1977), eine bittere Persiflage auf das deutsche Inflationsgeld.[7] Sehr am Herzen liegt dem Regisseur der 1982 gedrehte Film FÜNF ARGUMENTE FÜR DAS AUTO, der humorvoll Verhaltensmuster, Denkschemata und Ansprüche um das Automobil zeigt.

Nicht alle seine Filme können überzeugen. So lassen TAGE AUF DEM LANDE [8] (1975) und teilweise auch BOXBERGER SKIZZEN (1974) den Eindruck entstehen, dass hier der von der Partei vorgegebene Weg illustriert werden soll. Letzterer zeigt zunächst mit faszinierenden Bildern die Montage der Turbinen. „Um diesen Vorgang herum erzählt er, wie sich in täglicher Arbeit die deutschen und russischen Kollegen näherkommen… Alltägliches wird zu Bedeutendem aufgeblasen.“ [9]

EIN MANN MIT ÜBERBLICK (1976) ist dagegen „eine Momentaufnahme mit Sinn für filmische Möglichkeiten. Bewußt nimmt Georgi die Spontanität in Kauf und verzichtet auf eine Verdichtung. Er beobachtet, ist aber auch nicht genötigt, sich mit seinem Autorenstandpunkt in den Vordergrund zu drängen.“[10] 1978 muss Georgi nach dem ersten Drehtag die Arbeiten an dem Film DAMIT DIE NACHT NICHT WIEDERKEHRE (Kristallnacht) abbrechen. „Damalige Äußerungen und die von Hager vorgebrachte Entschuldigung lassen eine Einmischung der sowjetischen Botschaft vermuten.“[11]

Filmstill aus "Boxberger Skizzen"

BOXBERGER SKIZZEN (R: Armin Georgi, 1974) Fotograf: Franz Thomas

Filmstill aus "Ludwigslust - Kulturhistorische Randnotizen"

LUDWIGSLUST - KULTURPOLITISCHE RANDNOTIZEN (R: Armin Georgi, 1977) Fotograf: Karl Farber

Ab 1984 arbeitet Georgi überwiegend für den Deutschen Fernsehfunk und dreht zunächst Filme über Altes und Neues in historischen Städten in der DDR. Mit leichter Hand erzählt er Geschichten u.a. über Quedlinburg, Leipzig, Halberstadt und Weimar. Allerdings stoßen auch diese Filme an die politischen Grenzen des Erzählbaren. Abbildungen des allmählichen Verfalls der Bausubstanz sind nicht erwünscht.

So wird im vorletzten Abnahmeprotokoll von QUEDLINBURG - GESICHTER EINER MITTELALTERLICHEN SCHÖNEN (1984) konstatiert: „Der Film hat einen hohen Schauwert. Die Problematik einer Stadt, die unter Denkmalsschutz steht, ist politisch richtig eingeordnet worden. Dies wird deutlich in der abgewogenen Betrachtung der Rekonstruktion des alten Stadtkerns und des Neubaugebietes, das sich organisch in das Gesamtbild einfügt. Die Frage, wie lebt es sich in dieser Stadt, wird von den Einwohnern selbst positiv beantwortet. Gespräche und gute Kameraführung machen deutlich, daß die Stadtväter nach einem festen Konzept arbeiten, dieses schrittweise durchsetzen und dabei von den Bürgern unterstützt werden. Einige Stellen im Text müssen überarbeitet werden, da sie nicht pointiert genug z.B. die Leistungen der volkseigenen Baubetriebe ausdrücken…“[12]

Ein letzter Höhepunkt in Georgis Schaffens ist der Film zum 100. Todestag Heinrich Schliemanns, EIN GRIECHE AUS MECKLENBURG (1989), der im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks in Koproduktion mit dem griechischen Fernsehen ERT produziert wird. Georgi dreht ab 1989 an Originalschauplätzen in Troja, Athen und Mykene. Am 26. Dezember 1990 wird der Film im Deutschen Fernsehfunk ausgestrahlt.[13]

Georgi ist in erster Ehe mit der Regieassistentin Hanna Georgi und in zweiter Ehe mit der Schauspielerin und Dramaturgin Yvonne Merin-Georgi verheiratet. Er stirbt am 25. April 2013 in Potsdam.

Verfasst von Claudia Köpke. (Stand: September 2019)

Anmerkungen

[1] Armin Georgi: Lebenslauf 1976, Archiv des Filmmuseums Potsdam. Filmmuseum. Potsdam

[2] Ebenda

[3] Günter Jordan: Film in der DDR, Filmmuseum Potsdam 2013, S. 145ff

[4] Filmdatenblatt der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2016 https://www.berlinale.de/external/programme/archive/pdf/201602829.pdf 

[5] Chris Wahl: Die Jungend von damals. Kurt Tetzlaffs ES GENÜGT NICHT 18 ZU SEIN in Andreas Kötzing, Ralf Schenk (Hg.):  Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum. DEFA-Stiftung Berlin 2015, S. 407 - 427

[6] Gerhard Knopfe: Kalendarium einer deutschen Spezies in Günter Jordan, Ralf Schenk (Red.): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam und Jovis Verlagsbüro Berlin 1996, S. 324

[7] Ebenda, S. 324

[8] Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. In: Günter Jordan, Ralf Schenk (Red.): Schwarzweiß und Farbe, ebenda, S. 153

[9] Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. ebenda, S. 142

[10] Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. ebenda, S. 167

[11] Elke Schieber: Im Dämmerlicht der Perestroika 1980 bis 1989. ebenda, S. 228

[12] Elke Schieber: Im Dämmerlicht der Perestroika 1980 bis 1989. ebenda, S. 197f

[13] Filmbibliografischer Jahresbericht 1990. Henschel Verlag 1994, S. 138f

Literatur

Eigene Texte:

  • Armin Georgi: Lebenslauf 1976, Archiv des Filmmuseums Potsdam. Filmmuseum Potsdam

Fremde Texte:

  • Eduard Schreiber: Zeit der verpassten Möglichkeiten. In: Günter Jordan, Ralf Schenk (Hrsg): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme von 1946–1992. Filmmuseum Potsdam und Jovis Verlagsbüro Berlin 1996
  • Elke Schieber: Im Dämmerlicht der Perestroika 1980 bis 1989 in Günter Jordan, Ralf Schenk (Red.): Schwarzweiß und Farbe DEFA-Dokumentarfilme von 1946–1992. Filmmuseum Potsdam und Jovis Verlagsbüro Berlin 1996
  • Gerhard Knopfe: Kalendarium einer deutschen Spezies in Günter Jordan, Ralf Schenk (Red.): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946-92. Filmmuseum Potsdam und Jovis Verlagsbüro Berlin 1996
  • Filmmuseum Potsdam (Hg): Kurzbiografie Yvonne Merin und Armin Georgi. Archiv des Filmmuseums Potsdam. Filmmuseum. Potsdam 2013

DEFA-Filmografie

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