Francesco Stefani

Regisseur

* 25. Januar 1923 in Offenburg; † 11. November 1989 in München

Biografie

Setfoto zu "Das singende, klingende Bäumchen"

Francesco Stefani

bei den Dreharbeiten zu DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN (R: Francesco Stefani, 1957) Fotograf: Kurt Schütt

Francesco Stefani entwickelte in seinem kleinen Œuvre einen besonderen Blick für Ausstattung und visuelle Plastizität. In den Filmen des studierten Kunsthistorikers lassen sich immer wieder Anklänge an die Formensprache des Barock und des Rokoko finden – sein bekanntester Film, DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN ist dadurch Kult geworden. Ab den 1960er Jahren war der Regisseur primär als Redakteur beim Bayerischen Rundfunk beschäftigt.

Francesco Stefani wird am 25. Januar 1923 im badischen Offenburg geboren. Seine Eltern sind nach dem Ersten Weltkrieg aus Südtirol nach Deutschland ausgewandert, der Vater führt in Offenburg ein Warenhaus. Nach dem sogenannten Notabitur wird Stefani mit 17 Jahren zum Armeedienst eingezogen und ist unter anderem in Russland stationiert. Nach dem Krieg beginnt er 1947 ein Studium der Kunstgeschichte sowie der Theaterwissenschaft, der Geschichte und der Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er wird wissenschaftlicher Assistent des Kunsthistorikers Carl Lamb (1905 – 1968), der neben seiner Lehrtätigkeit als freiberuflicher Kunstfotograf arbeitet. Bereits 1936 drehte Lamb den Lehrfilm RAUM IM KREISENDEN LICHT in der Wieskirche. In den 1950er Jahren inszeniert er eine Reihe von Kulturfilmen im Dienste der Kunstgeschichte, eine Reihe, die mit BUSTELLI – EIN SPIEL IN PORZELLAN beginnt. In einem Schattenspiel wird das Leben auf Schloss Nymphenburg im 17. Jahrhundert nachgestellt, in dessen Mittelpunkt 16 Porzellan-Figurinen der Commedia dell’Arte stehen. Statt einer stringenten Biografie von Franz Bustelli, einem Porzellan-Meister des Rokoko, gestaltet Lamb mit den Kunstwerken bildnerische Effekte und kommt so deren Charakteristika entgegen. Durch Lichteffekte werden die Gesten und Gebärden der Figuren hervorgehoben, der Film verbietet sich eine statische Blickweise auf die Figuren und die Farbe vergegenwärtigt die Pracht des Barock. Stefani assistiert Lamb bei diesem mehrfach ausgezeichneten Film sowohl bei der Regie und bei dem Drehbuch und steht auch vor der Kamera. Zeitgleich verfasst Stefani für den Bayerischen Rundfunk das Bustelli-Hörspiel „Das Streichquartett“.

Stefani beweist auch in seinem Debutfilm, der Hauff-Adaption ZWERG NASE, ein Gespür für plastische Bildwirkung. Der Film ist überwiegend en plein air gedreht, unter anderem vor und in den barocken Gebäuden des Klosters Ottobeuren, die die Kulisse für den herzoglichen Hof bilden, an dem der titelgebende Zwerg Nase als Koch arbeitet, nachdem eine Kräuterfee ihn in einen Zwerg verwandelt hat. Die Kritikerin Ponkie hebt an dem Märchenfilm die Ausstattung und die Mise en scène hervor, die „schöne Sorgfalt im Szenenaufbau“ und das „Bemühen um reizvolle fotografische Stimmung“.

Auf ZWERG NASE folgt 1956 mit MAX UND MORITZ eine weitere Literatur-Adaption für Kinder, für die er gemeinsam mit dem Komponisten Norbert Schultze, der zuvor die Musik zu ZWERG NASE schrieb, das Drehbuch verfasst und Regie führt. Zu Beginn des Films wird ein Buch aufgeblättert: darin die Eröffnungstitel des Films. Auch der Film insgesamt wirkt wie ein aufgeschlagenes Buch. Die beiden Regisseure folgen in ihrer visuellen Gestaltung der kolorierten Fassung der Bildergeschichte von Wilhelm Busch. Nicht nur die Kulissen sind lebhaft-bunt, auch die Kostüme und die Schminke überzeichnet die Figuren sowohl ins Märchenhafte als auch ins Karikaturistische.

Seinen bekanntesten Film dreht Stefani 1957 für die DEFA: DAS SINGENDE, KLINGENDE BÄUMCHEN (1957). Für das Märchen nach Motiven der Brüder Grimm über eine selbstsüchtige Prinzessin, die durch die Liebe eines Prinzen verwandelt wird, entwickelt der Regisseur wieder, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Szenographen Erich Zander, eine aufwendige Fantasiewelt. Anders als in seinen vorherigen Filmen verzichtet Stefani hier vollkommen auf Außenaufnahmen und dreht ausschließlich in Ateliers. Das betont artifizielle Szenenbild, die monochromen Flächen des Schlosses, der Prinzessin und die originelle Farbgewalt des Reichs des bösen Gnoms werden von der Kritik lobend hervorgehoben. So schreibt Charlotte Cygan: „[A]uf das Kind wirken zunächst Farbigkeit, großflächige Bilder, Pomp und Putz, all das Phantastische, das zum Märchen gehört. Es ist in diesem Film, bis auf die wenig fröhliche Allgemeinstimmung, auch großartig gestaltet.“ (Czygan 1957) Zugleich wird Stefani vorgeworfen, kein sozialistisches Lehrstück für Kinder, sondern einen „revisionistischen“ Film gedreht zu haben, der „voll verlogener Märchenromantik“ (Ewald 1958) sei. Dem westdeutschen Gast-Regisseur wird vorgeworfen, bürgerliche Wertvorstellungen in eine Produktion der DEFA geschmuggelt zu haben. So fällt der betont naive Film in die Zeit der Kulturkonferenz der ZK 1957, der Gründung der Kulturkommission im ZK und der sogenannten „Zweiten Filmkonferenz“ 1958 zusammen, Bestrebungen, die sich gegen eine wie auch immer definierte „bürgerliche Dekadenz“ stellen und den „Sozialistischen Realismus“ als künstlerischen Leitlinie festschrieben.

Seine letzte filmische Arbeit dreht Stefani 1963 für das Versuchsprogramm des ZDF. Noch bevor die großen Karl-May-Verfilmungen in Jugoslawien in Angriff genommen wurden, dreht er dort mit einem bescheidenden Etat die Serie „Mit Karl May im Orient“ angelehnt an Motive der Romane des sogenannten „Orientzyklus“ Mays. Ab 1963 arbeitet Stefani unter dem Namen Franz Stefani für den Bayerischen Rundfunk und entwickelt dort die erfolgreichen und markenbildenden Sendungen „Jetzt red i“ und „BR unterwegs“. Von 1974 bis 1989 ist er Redaktionsleiter.

1965 heiratet Stefani Hannelore Klein, mit der er zwei Kinder hat. Am 11.11.1989 stirbt Stefani in München.

Zusammengestellt von Stephan Ahrens (April 2018)

Trailer zu "Das singende, klingende Bäumchen" (R: Francesco Stefani, 1957)

Auszeichnungen

  • 1980: Bundesverdienstkreuz am Band
  • 1983: Bayerischer Verdienstorden

Literatur

  • Czygan, Charlotte: Kritik DAS SINGENDE; KLINGENDE BÄUMCHEN, BZ am Abend, 17.12.1957.
  • Ewald, Charlotte: Zwei neue Kinderfilme der DEFA, Deutsche Filmkunst, 1/1958.

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung stimmen Sie der Verwendung zu. Datenschutzhinweise

Verstanden
menu arrow-external arrow-internal camera tv print arrow-down arrow-left arrow-right arrow-top arrow-link sound display date facebook facebook-full range framing download filmrole cleaning Person retouching scan search audio twitter cancel youtube instagram