Gunter Friedrich

Regisseur

* 1. August 1938 in Zwickau

Biografie

Gunter Friedrich

Gunter Friedrich bei der DEFA-Preisverleihung 2016 (Fotograf: Johannes Roschlau)

An mehr als 30 abendfüllenden Kinofilmen beziehungsweise Fernsehproduktionen ist Gunter Friedrich beteiligt. Er übernimmt Rollen als Schauspieler, schreibt Drehbücher und arbeitet als Regisseur. Mit UNTERNEHMEN GEIGENKASTEN und HASENHERZ führt er die Kinderfilm-Tradition der DEFA Mitte der 1980er Jahre fort.

Gunter Friedrich wird am 1. August 1938 in Zwickau geboren. Sein Vater ist Studienrat Dr. phil., seine Mutter Hausfrau. Die Familie zieht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Berlin, wo sein Vater als Dolmetscher für Englisch arbeitet und Gunter Friedrich sowie seine Schwester in Berlin-Friedrichshagen die Schulausbildung absolvieren. Bereits in der Schule ist er künstlerisch tätig: Er spielt Marionettentheater und äußert den Wunsch, später Schauspieler zu werden. Bei der Aufnahmeprüfung fällt er allerdings durch. Er beginnt nach dem bestandenen Abitur ein Studium an der Ingenieurschule für Filmtechnik in Potsdam-Babelsberg und beendet dieses mit dem Abschluss als Filmökonom. Danach ist er kurze Zeit als Aufnahmeleiter beschäftigt, arbeitet dann als Regie-Assistent beim Deutschen Fernsehfunk und absolviert parallel zu seiner Tätigkeit von 1962 bis 1965 ein Schauspielstudium im Nachwuchsstudio des Senders (unter anderem mit Angelika Waller) und an der Hochschule für Schauspiel "Ernst Busch". Er schließt es mit der Bühnenreife ab.

Zunächst wendet sich Gunter Friedrich der Theaterbühne zu, von 1965 bis 1970 ist er als Schauspieler an verschiedenen Theatern beschäftigt, unter anderem in Prenzlau und Neustrelitz. Er übernimmt zunehmend Regieaufgaben, inszeniert unter anderem das Märchen "Der fliegende Teppich". Von 1970 bis 1974 ist er als freier Regisseur in der Kinderfilm-Dramaturgie beim Deutschen Fernsehfunk angestellt, von 1975 bis 1991 ist er fest im Bereich Dramatische Kunst beschäftigt und dreht in dieser Zeit zahlreiche Kinderfilme für das Fernsehen. Er inszeniert zudem einige Folgen der populären Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort". Gunter Friedrich arbeitet als Regisseur, Autor und tritt immer wieder als Schauspieler auf, etwa in dem Kinderfilm TRINI (1979) und dem Märchenfilm DER FROSCHKÖNIG (1986).

Seine erste Regiearbeit für die DEFA wird UNTERNEHMEN GEIGENKASTEN (1985). Dabei handelt es sich um eine Detektivgeschichte für Kinder. Der vor Ideen sprühende Ole ist begeistert von Sherlock Holmes, für ihn ist der englische Meisterdetektiv ein Vorbild. Gemeinsam mit seinem Freund Andreas (der die Rolle des Dr. Watson übernimmt) kommt er einem Verbrechen auf die Spur. Ein geklebter Bart, ein Geigenkasten sowie Mütze und Pfeife sind wichtige Elemente bei der Suche nach dem Dieb, der nach einigen Abenteuern gefasst wird. Die Spannung und der Witz des Films werden bei dem Plädoyer für die Fantasie von den damaligen Kritikern hervorgehoben. Zudem wird eine Arbeitsweise des Filmemachers deutlich: Genau werden die jugendlichen Darsteller ausgewählt und im Arbeitsprozess als echte Partner behandelt. Er belehrt nicht, sondern findet gemeinsam mit ihnen Lösungen, um die Szenen zu gestalten.

Zwei Jahre später folgt HASENHERZ (1987). Erzählt wird von der 13-jährigen Janni, die klein und schmächtig, in ihrer Klasse Schwierigkeiten hat. Dann erhält sie auf einmal die Hauptrolle in einem Märchenfilm und soll den Prinzen verkörpern. Die Rolle eines Jungen möchte sie aber nicht spielen, denn es glauben sowieso alle, dass sie einer ist. Schließlich überwindet Janni ihre Angst und gewinnt Selbstvertrauen. Bei der Premiere ist sie ein anderes Mädchen. HASENHERZ wird als Kinderfilm vielfach gelobt, erhält Auszeichnungen beim Kinderfilmfestival in Gera und bei der Berlinale 1988. Einfühlsam, ernsthaft und unterhaltsam blickt der Film auf die Probleme junger Menschen und liefert keine vorgefertigten Antworten auf die Herausforderungen beim Erwachsenwerden.

Sein letzter Film als Regisseur für die DEFA wird DIE SPRUNGDECKELUHR (1991), der zugleich einer der letzten DEFA-Filme wird. Der historische Stoff erzählt von zwei Geschwistern, deren Eltern nach der Machtergreifung Hitlers vor der Gestapo fliehen müssen. In einer Taschenuhr versteckt sich eine Botschaft, die Hansi retten kann. Die Geschwister versuchen, zu ihren Eltern zu gelangen und können der Gestapo häufig entkommen. Der Film will unterhaltsam, spannend und mit allerlei Abenteuer versehen das Thema Nationalsozialismus Kindern nahe bringen. Einige Kritiker bezeichnen ihn als schlicht und naiv, mit deplatzierten Slapstick-Momenten. Andere schätzen ihn als soliden Kinder-Krimi ein, der ohne Didaktik und Pathos Kinder für das Thema sensibilisiert. Der Film wird auf Festivals in Italien, Amsterdam, Chicago und Indien gezeigt.

Seit 1992 ist Gunter Friedrich als freiberuflicher Regisseur und Drehbuchautor tätig. Er ist Mitglied der Deutschen Filmakademie sowie Mitglied des Bundesverbandes Regie. Er ist an einigen Serie für die ARD, das ZDF, für RTL und SAT1 tätig. Als Regisseur dreht er zahlreiche Folgen der populären Fernsehserie "Für alle Fälle Stefanie". An Serien und Soaps wie "Marienhof", "Samt und Seide" sowie "Sturm der Liebe" wirkt er ebenfalls mit. Seine Erfahrungen gibt der Filmemacher auch an die nachfolgende Generation weiter: Von 2012/2013 lehrt er Camera-Acting an der Internationalen Akademie für Filmschauspiel in Berlin.

Gunter Friedrich lebt in Berlin. Er ist mit der Schauspielerin Renate Heymer verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Söhne, die ebenfalls im künstlerischen Bereich tätig sind. Der ältere ist als Bühnentechniker an der Deutschen Staatsoper tätig, der jüngere arbeitet als Schauspieler.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: Januar 2015)

Trailer zu "Hasenherz" (R: Gunter Friedrich, 1987)

Auszeichnungen

  • 1975: WARUM KANN ICH NICHT ARTIG SEIN - Kinder- und Jugendfilmwoche der DDR: 1. Hauptpreis des Ministers für Kultur
  • 1983: PIANKE - Kinder- und Jugendfilmwoche der DDR: Preis
  • 1983: Kritikerpreis Verband der Film- u. Fernsehschaffenden / Für das Gesamtschaffen im Kinder- und Jugendfilm-Bereich
  • 1985: UNTERNEHMEN GEIGENKASTEN - Kinderfilmfestival Gera: Goldener Spatz
  • 1988: HASENHERZ - Kinderfilmfestival Gera: Goldener Spatz
  • 1988: HASENHERZ - Berlinale: Preis der Kinderjury
  • 1988: HASENHERZ - Berlinale: Preis der UNICEF
  • 1988: HASENHERZ - Wiener Filmfest: Hauptpreis
  • 1989: Heinrich-Greif-Preis
  • 1990: DER STAATSANWALT HAT DAS WORT: BLAUE TAUBE SOLL FLIEGEN - Festival Shanghai: Bester Darsteller

Literatur

  • Angelika Mihan: "Ich vertrete oft die Schwachen" - Interview, in: Union, 05.01.1988.
  • Günter Friedrich: Vollkommen erlogene Geschichte - Filme für Kinder - Vom Wirklichkeitsausschnitt zur Kunstwirklichkeit, in: Film und Fernsehen, 01/1980.
  • Günter Friedrich: Mehr Schein als Sein? Betrachtungen zu neueren tschechoslowakischen Kinderfilmen, in: Film und Fernsehen, 08/1981.
  • Günter Friedrich: Im Bild vorgestellt - Das große Abenteuer des Kaspar Schmeck, in: Film und Fernsehen, 08/1981.
  • Günter Friedrich: Die kleine große Welt. Eindrücke vom Internationalen Fernsehfestival für Kinder- und Jugendprogramme in Bratislava, in: Film und Fernsehen, 03/1982.

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