Joachim Hasler

Drehbuchautor, Kameramann, Regisseur

* 28. April 1929 in Berlin; † 25. Januar 1995 in Berlin

Biografie

Joachim Hasler

bei den Dreharbeiten zu HEISSER SOMMER (1967) Fotograf: Detlef Hertelt, Herbert Kroiss

Als Kameraassistent beginnt Joachim Hasler seine Karriere bei der DEFA. Zunächst arbeitet er mit berühmten Kameramännern wie Reimar Kuntze, Karl Plintzner und Bruno Mondi zusammen. Dann steigt er zum Kameramann auf und überzeugt mit visuell ausgefeilten Schwarz-Weiß-Bildkompositionen. Er besitzt einen untrüglichen Blick für die Wirkung von Bildern und Spannung. Dieses Talent nutzt er auch für jene Filme, bei denen er als Regisseur fungiert.

Joachim Hasler wird am 28. April 1929 in Berlin geboren. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges absolviert er eine Ausbildung als Kopierfacharbeiter und eine Sonderschulung bei der Agfa Wolfen. Mit seinen Fähigkeiten ist er nach dem Ende des Krieges ein Fachmann für die DEFA, die den jungen Mann als Kameraassistenten einstellt. Er lernt bei berühmten Kameramännern sein Handwerk, arbeitet unter anderem bei Reimar Kuntze, Karl Plintzner und Bruno Mondi.

Mit dem Kameramann Bruno Mondi verbindet ihn eine längere Arbeitsbeziehung. Es entstehen die unterschiedlichsten Filme. Das Werk WOZZECK (1947) unter der Regie von  Georg C. Klaren enthält deutliche Anleihen an den deutschen Expressionismus. Gedreht wird der Film ausschließlich im Studio, erstmals vollständig mit Magnettongeräten. In seiner symbolischen Bildsprache ist das Werk überaus stark, wird aber wegen seines Stils anfangs als „bürgerlich, dekadent und reaktionär“ eingeschätzt. UND WIEDER 48 (1948) von  Gustav von Wangenheim ist einer der wenigen deutschen Spielfilme, die sich mit der Märzrevolution von 1848 auseinandersetzen. Das Agitprop-Stück wird mit großem Aufwand produziert, unter anderem wurde das Innere der Frankfurter Paulskirche im Atelier nachgebaut. Gemeinsam arbeiten sie auch an dem ersten Farbfilm der DEFA, dem Märchenfilm DAS KALTE HERZ (1950) von Paul Verhoeven. Bruno Mondi verlässt Anfang der 1950er Jahre die ostdeutsche Produktionsfirma in Richtung Hamburg. Joachim Hasler folgt ihm, kehrt aber nach kurzer Zeit zurück und beginnt eine eigenständige Karriere bei der DEFA.

Zunächst ist es  Arthur Pohl, mit dem Joachim Hasler zusammenarbeitet. Gemeinsam entstehen die Filme DIE UNBESIEGBAREN (1953), POLE POPPENSPÄLER (1954) und KEIN HÜSUNG (1954). Joachim Hasler überzeugt durch visuell ausgefeilte Inszenierungen. Die Unbesiegbaren schaut auf die frühen Jahre der deutschen Sozialdemokratie. In dem Film stehen sich opulent inszenierte Massenszenen und intime Momente aus dem Alltag einer Arbeiterfamilie gegenüber. Bemerkenswert ist seine Schwarz-Weiß-Fotografie, die etwa die herbe Stimmung in KEIN HÜSUNG einfängt und die Landschaft zum weiteren Akteur des Films macht. Ihr letztes gemeinsames Werk wird der Farbfilm SPIELBANK-AFFÄRE (1957), an welchem auch westdeutsche Schauspieler mitarbeiten. Schauplatz ist das Spielcasino eines westdeutschen Kurortes, in dem verschiedene Personen auf das schnelle Geld aus sind. Das Projekt steht unter keinem guten Stern, der Regisseur verunglückt während der Dreharbeiten. Joachim Hasler inszeniert den Film zu Ende, „frei nach Schnauze“ wie es heißt, denn Arthur Pohl hat das Drehbuch eigenständig während des Drehs verändert. Bei den Funktionären kommt das fertige Produkt nicht gut an, es wird als bürgerlich-dekadent angesehen („Es ist schädlich, dass durch einen DEFA-Film die ganze Vorstellung vom goldenen Westen noch unterstützt wird.“), in Westdeutschland dagegen wegen antikapitalistischer Propaganda abgelehnt.

Setfoto zu "Hiev up"

Joachim Hasler (Mitte) bei den Dreharbeiten zu HIEV UP (1977) Fotograf: Jörg Erkens, Dietrich-Werner Fabienke

Dreharbeiten von "Die Reise ins Ehebett"

Joachim Hasler (li.) und Günther Simon (re.) bei den Dreharbeiten zu REISE INS EHEBETT (1966) Fotograf: Herbert Kroiss

Mit GEJAGT BIS ZUM MORGEN (1957) legt Joachim Hasler seinen ersten eigenen Regie-Film vor. Er schildert das Leben einer Arbeiterfamilie zum Ende des 19. Jahrhundert, welche unter Entbehrungen und Schicksalsschlägen zu leiden hat. Für ein atmosphärisch dichtes, gefühlsbetontes und expressives Debüt wird der Filmemacher gelobt, seine Schwarz-Weiß-Bilder fangen das Milieu des alten Berlin gekonnt ein. In der Folge fungiert er weiter als Regisseur, übernimmt bei den meisten eigenen Filmen auch die Kamera. Danach dreht er WO DER ZUG NICHT LANGE HÄLT (1960) über eine Liebesgeschichte um einen Kranführer, der sein Leben in geregelte Bahnen bringen muss. Der Film kann an seinen Regie-Erstling nicht anknüpfen. Kritiker bezeichnen ihn als blass und pädagogisierend.

Neben seinen eigenen Arbeiten ist Joachim Hasler auch als Kameramann für Kollegen tätig. Seine Erfahrungen fließen in die Farbfilm-Entwicklung der DEFA ein; er gilt als Spezialist für das Totalvision-Verfahren. Joachim Hasler führt die Kamera unter anderem bei der Verfilmung ZAR UND ZIMMERMANN (R: Hans Müller, 1955) und bei dem Science-Fiction-Film DER SCHWEIGENDE STERN (1959) unter der Leitung von  Kurt Maetzig.

Unter der Regie von Joachim Hasler entsteht der Kriminalfilm DER TOD HAT EIN GESICHT (1961). Chemiker entdecken in einem Konzern, der schon an der Herstellung von Giftgas für die Nationalsozialisten beteiligt war, ein neues Gift, welches Leben zerstört, ohne materielle Güter anzugreifen. Die westdeutsche Konzernleitung will sofort eine Probe, aber nach einem Unfall ist die Ampulle verschwunden. Ein Junge stirbt, ein Umweltskandal ist nicht mehr aufzuhalten. Gelobt wird, wie der Filmemacher durch seine Bilder und Verkürzungen Kinowirkung erzeugt. Er setzt auf starke Untersichten und Tiefenschärfen, bekennt sich damit zur Tradition des Expressionismus und spricht das Publikum an. Allerdings wird ein Film, der sich mit dem Leben hinter der ostdeutschen Grenze beschäftigt, von den Funktionären argwöhnisch begutachtet.

Auch in seinem nächsten Film setzt sich der Filmemacher mit beunruhigenden Tendenzen in der westlichen Gesellschaft auseinander. NEBEL (1962) blickt auf die Hintergründe eines deutschen Kriegsverbrechens aus dem Jahre 1942. Ein Schiff mit Kindern an Bord auf dem Weg nach Kanada wurde vor der Küste eines englischen Ortes von einem deutschen U-Boot versenkt. Der Kapitän des U-Boots kehrt in den 1960er-Jahren im Auftrag der NATO zum Schiffswrack zurück, um dort einen Flottenstützpunkt zu bauen. Aber die Geschichte holt ihn ein. Kritiker heben die Spannung des Films hervor, die Auflösung der Geschichte bleibt für den Zuschauer lange im Ungewissen. Zugleich wird das Publikum berührend und emotional mit dem Schiffsuntergang konfrontiert.

Mit CHRONIK EINES MORDES (1964) nach der Erzählung „Die Jünger Jesu“ von Leonhard Frank bleibt Joachim Hasler bei dem Thema.  Angelica Domröse gibt die junge Jüdin Ruth Bodenheim, die in ein Wehrmachtsbordell verschleppt wird und nach ihrer Rückkehr miterlebt, wie der Mörder ihrer Eltern zum neuen Bürgermeister der westdeutschen Kleinstadt aufsteigt. Sie ermordet den Bürgermeister und beharrt auf einem öffentlichen Prozess, um die Öffentlichkeit mit der Vergangenheit zu konfrontieren. Joachim Hasler beginnt die Geschichte mit dem Mord und führt dem Zuschauer dann die Zwangsläufigkeit des Geschehens vor Augen. Dem Regisseur gelingt durch eine intensive Schauspielführung und seinen experimentierfreudigen visuellen Stil ein eindringlicher, erschreckender Beitrag über die Aufarbeitung von nationalsozialistischer Geschichte in der Bundesrepublik.

Überraschenderweise wendet sich Joachim Hasler ab Mitte der 1960er Jahre einem völlig anderem Genre zu: Er inszeniert Schlagerfilme, die zu den erfolgreichsten Filmen der DEFA zählen: REISE INS EHEBETT (1966), HEISSER SOMMER (1967) und NICHT SCHUMMELN, LIEBLING! (1972). Mit dem Schlagerstars Frank Schöbel und Chris Doerk gelingen ihm Filme, die auch heute noch Kultstatus besitzen. Unbeschwert wird jugendliches Leben gezeigt, schwungvolle Unterhaltung und leichte Kost steht im Vordergrund. Ein Kritikererfolg wird MEINE STUNDE NULL (1970) mit  Manfred Krug in der Hauptrolle, in dem er das Ende des Zweiten Weltkriegs mit komödiantischen Mitteln thematisiert. Mit Filmen wie HIEV UP (1977), KOMÖDIANTEN-EMIL (1979) und DER MANN MIT DEM RING IM OHR (1983) erreicht er Kritiker wie Publikum nur noch bedingt.

Mitte der 1980er Jahre zieht sich Joachim Hasler aus dem aktiven Filmgeschäft zurück. Sechs Jahre später wird er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Im Januar 1995 stirbt er im Alter von 65 Jahren in Berlin.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: Januar 2015)

Trailer NICHT SCHUMMELN, LIEBLING! (R: Joachim Hasler, 1972)

Auszeichnungen

  • 1959: DAS LIED DER MATROSEN - Nationalpreis II. Klasse (im Kollektiv)
  • 1969: HEISSER SOMMER - Internationales Filmfestival Phnom Penh: Goldene Aspara

Literatur

  • Kasjanowa, Ludmilla; Karawaschkin, Anatoli: Begegnungen mit Regisseuren. Kurt Maetzig, Günter Reisch, Joachim Hasler, Konrad Wolf. Berlin: Henschelverlag, 1974. [Aus d. Russ. übers., bearb. u. hrsg. von Christiane Mückenberger]
  • Ursula Fröhlich: Heiteres im Kino macht vielen Spaß - Interview, in: Neues Deutschland, 14.07.1978.
  • Horst Knietzsch: DDR - mon amour und Heiteres in der sozialistischen Filmkunst - Interview, in: Neues Deutschland, 06.12.1980.
  • Georg Seeßlen: Spielbank-Affäre [Kritik], in: epd Film, 10/1993.
  • Ralf Schenk: Joachim Hasler, in: Film-Dienst 04/1995.

DEFA-Filmografie

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