Jörg Schüttauf

Schauspieler

* 26. Dezember 1961 in Chemnitz

Biografie

Jörg Schüttauf

in ARCHITEKTEN (R: Peter Kahane, 1990) Fotografin: Christa Köfer

Der Schauspieler Jörg Schüttauf ist häufig auf die Rolle des kleinen Mannes abonniert. Je eindrucksvoller er die kleinen Leute spielt, desto größere Rollen kleiner Leute werden ihm angeboten. Genauso oft spielt er auch Antihelden - Gangster, Triebtäter, Mörder, Geisteskranke. Nicht nur das Publikum ist von dem Schauspieler, der authentisch und lebensnah wirkt und seine Rollen aus dem Bauch heraus spielt, begeistert. Zahlreiche Auszeichnungen - unter anderem viermal den Adolf Grimme Preis - hat er mittlerweile erhalten.

Jörg Schüttauf wird am 26. Dezember 1961 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren. Sein Vater erlernt den Beruf des Konditor, arbeitet aber als Heizer, seine Mutter ist Krankenschwester. Zur Familie gehören noch zwei Schwestern. Schon als kleiner Junge spielt er Theater am Pioniertheater der Stadt, gibt unter anderem das Rumpelstilzchen und diverse Märchenprinzen. Nach seiner Schulausbildung absolviert er eine Lehre als Tischler, arbeitet unter anderem als Dekorationstischler am Stadttheater. Nach seiner Fachausbildung und dem obligatorischen Wehrdienst bewirbt er sich an der Theaterschule in Leipzig und wird angenommen. Dort absolviert er sein Schauspielstudium, das er 1986 beendet.

Nach dem Studium erhält er sein erstes Engagement am Hans Otto-Theater in Potsdam. Hier spielt er die Hauptrolle in "Amadeus", gibt den "Revisor". Nach fünf Jahren wechselt er ans Maxim Gorki Theater in Berlin, ist dort unter anderem in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" sowie in dem Einpersonenstück "Kafka" zu sehen. Derzeit tritt er in dem Haus in der Johanna Schall-Inszenierung der "Dreigroschenoper" nach Bertolt Brecht auf. Gefeiert und prämiert wird das Stück "Besuch bei Mr. Green", welches 2004 in Lüdenscheid aufgeführt wird. Dort spielt Jörg Schüttauf an der Seite von Alexander May in dem Zweipersonen-Stück, das durch beider Interpretationen zu einem hochkarätigen Theatererlebnis wird. Außerdem ist Jörg Schüttauf mit Susann Uplegger in der Neuen Schaubühne in München in dem Stück "Der Tagträumer" von William Mastrosimone zu sehen.

Noch während seiner Studienzeit erhält Jörg Schüttauf in der Komödie ETE UND ALI (1985) unter der Regie von
 Peter Kahane seine erste Hauptrolle. Er gibt in dem ungleichen Paar Ete, der gemeinsam mit seinem Freund Ali (gespielt von Thomas Putensen) gerade den Wehrdienst beendet hat. Seine Ehe ist kaputt, seine Frau hat einen anderen und Ali überredet ihn, sie zurück zu erobern. Der Komödie wird Realitätsbezug in der Widerspiegelung eines Stücks DDR-Alltag und Glaubwürdigkeit in der Personenzeichnung bescheinigt. Jörg Schüttauf gilt daraufhin als Schauspieltalent. Danach ist er in dem Kinderfilm DER DRACHE DANIEL (1989) zu sehen.

Nochmals spielt er unter der Regie von Peter Kahane in DIE ARCHITEKTEN (1990), einem der letzten DEFA-Filme. Der Film beschreibt Hoffnungen und Sehnsüchte einer Gruppe junger Architekten, die mit einem Großprojekt betraut sind. Der Schauspieler Kurt Naumann gibt die Hauptfigur, Jörg Schüttauf spielt seinen Kollegen Wilfried Berger. Im Laufe der Erzählung müssen immer mehr Kompromisse geschlossen werden, Ideen fallen dem Rotstift zum Opfer, schöpferische Arbeit ist unmöglich. Nach langer Vorbereitung darf der Film 1988 endlich realisiert werden, in ihm kündigt sich deutlich mit beklemmenden, traurigen, verzweifelten Bildern das Ende der DDR an.

Nach dem Zusammenbruch der DDR sind Kinoangebote rar. Jörg Schüttauf konzentriert sich auf seine Theaterarbeit und wird im gesamtdeutschen Fernsehen ein bekannter Fernsehschauspieler. Seine Rolle als Telefonmörder in "Mit dem Anruf kommt der Tod" im Rahmen der Kriminalserie "Polizeiruf 110" macht ihn bereits 1991 einem größeren Publikum bekannt. Der Regisseur  Egon Günther besetzt den jungen Schauspieler als Jakob Michael Reinhold Lenz in dem TV-Film "Lenz. Ich aber werde dunkel sein" (1992), in dem der früh verstorbene Poet auf den großen Johann Wolfgang von Goethe trifft und nicht nur den Adel sondern auch das unterwürfige Bürgertum angreift. Er balanciert zwischen Liebe und Hass, zwischen Genie und Wahnsinn hin und her, bis er wirklich wahnsinnig wird. Jörg Schüttauf bietet hier eine großartige darstellerische Leistung, die hochgelobt und mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet wird. Nochmals arbeiten Regisseur und Schauspieler in dem Kinofilm DIE BRAUT (1999) zusammen, der die Liebesgeschichte zwischen der 23jährigen Christiane Vulpius und dem Dichter und Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe schildert. Hier spielt Jörg Schüttauf vier verschiedene Diener.

1992 nimmt der Schauspieler die Rolle des Kriminalpolizisten von Klaus Wennemann in der vorabendlichen ARD-Krimiserie "Der Fahnder". Er wird einem gesamtdeutschen Publikum bekannt. Nach 46 Folgen und 4 Jahren gibt er die Rolle ab, will sich auf Neues konzentrieren. In zahlreichen TV-Filmen und Serie ist der Schauspieler präsent. Neben den Gastauftritten in TV-Serien - unter anderem ist er in den populären Serien "Wolfs Revier", "Doppelter Einsatz", "Siska", "Bella Block" und "Der Alte" zu sehen - wirkt Jörg Schüttauf auch in anspruchsvoller TV-Unterhaltung mit. Unter der Regie von Nico Hoffmann steht er in "Der große Abgang" (1995) vor der Kamera. Er gibt mitreißend den unberechenbaren, drogenabhängigen Gangster Axel Bode, einen ebenso prahlsüchtigen wie verunsicherten Serienkiller mit menschlichen Zügen. Der Regisseur Jo Baier besetzt ihn in dem erfolgreichen TV-Dreiteiler "Der Laden" (1998) nach Erwin Strittmatter. In der Familiensaga, zu der neben Jo Baier auch  Ulrich Plenzdorf das Drehbuch schreibt, gibt Jörg Schüttauf den Vater Matt, den mürrischen Bäcker, der einen Laden in der Niederlausitz betreibt. Mit einem wunderbaren Darstellerensemble und Bildern auf Kinoniveau gelingt dem Regisseur ein anspruchsvolle Literaturverfilmung.

Im selben Jahr spielt er in der Boulevard-Komödie "Viel Spaß mit meiner Frau" (1998) von Peter Welz den Dresdener Weinvertreter Fiebelkorn, der seinen betrunkenen Freund bei einem Bewerbungsgespräch vertritt und die Stelle eines Managers erhält. Die Verfilmung lebt vom Spiel der Darsteller, neben Jörg Schüttauf agieren unter anderem  Jörg Gudzuhn und Sophie Rois. In "Warten ist der Tod" (1998) von Hartmut Schoen ist er der Gauner Mike, der den drei ehemaligen Bundeswehrpiloten (Ulrich Tukur, Thomas Thieme und  Henry Hübchen) hilft. Die drei finden sich im bürgerlichen Leben nicht zurecht und planen den Coup ihres Lebens: Während einer Flugschau auf ihrem Stützpunkt wollen sie die Kasse mit den Eintrittsgeldern rauben. Die Darstellungen in beiden Filmen überzeugen nicht nur das Publikum, auch die Jury des Adolf Grimme-Preises ist beeindruckt und zeichnet Jörg Schüttauf für beide Filme mit dem Darstellerpreis aus.

Zwischen seiner Fernseharbeit erhält der Schauspieler auch wieder Kinoangebote. In dem Debütfilm BERLIN IS IN GERMANY (2000) von Hannes Stöhr spielt er den freigelassenen Häftling Martin Schulz. Zehn Jahre hat er hinter Gefängnismauer verbracht und die Wende nur im Fernsehen wahrgenommen. Nun versucht er, in der neuen Welt zurecht zu kommen. Auf der Suche nach seiner Frau und seinem Sohn wird er mit den gewaltigen Veränderungen konfrontiert, die durch die Maueröffnung entstanden sind. Der Film balanciert gekonnt zwischen Sarkasmus und Menschlichkeit, vermeidet typische Klischees der Wendezeit. Jörg Schüttauf vermittelt in einer brillanten Mischung aus Neugier und kindlicher Entschlossenheit das Lebensgefühl des Haftentlassenen derart überzeugend, so daß es besonders seine schauspielerische Leistung ist, die den Film trägt. Im Panorama auf der Berlinale wird der Film mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Gemeinsam mit der Schauspielerin Andrea Sawatzki agiert Jörg Schüttauf seit 2002 als Tatort-Ermittlerteam. Er ist der Kommissar Fritz Dellwo in Frankfurt, am Main, Polizist mit Leib und Seele, konzentriert, sachlich und kollegial, aber auch ein bißchen mufflig. Aktuell ist der Darsteller in dem Debütfilm NACHBARINNEN (2003) von Franziska Meletzky im Kino zu sehen. Erzählt wird die Geschichte einer Liebe zweier Frauen (gespielt von  Dagmar Manzel und Grazyna Szapolowska). Jörg Schüttauf gibt den schüchternen, aber treuen Nachbar und Freund Conny, der in die weibliche Hauptfigur verliebt ist, sie aber nicht erreichen kann.

Jörg Schüttauf ist verheiratet. Seine Tochter Anna wird 1993 geboren. Die Familie lebt in Caputh bei Potsdam.

Zusammengestellt von Ines Walk.

Trailer zu "Die Architekten" (R: Peter Kahane, 1990)

Auszeichnungen

  • 1995: DER GROßE ABGANG - Fernsehspielpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste: Darstellerpreis
  • 1998: VIEL SPAß MIT MEINER FRAU - Adolf Grimme Preis als Bester Darsteller
  • 1998: VIEL SPAß MIT MEINER FRAU - Bayrischer Fernsehpreis als Bester Darsteller
  • 1999: DER LADEN - Adolf Grimme Preis in Gold für das Kollektiv
  • 2000: Deutscher Fernsehpreis für seine Rollen in WARTEN IST DER TOD (1998) und ICH HABE NEIN GESAGT (1998)
  • 2001: BERLIN IS IN GERMANY - Publikumspreis auf der Berlinale 2001
  • 2002: BERLIN IS IN GERMANY - Preis als "Bester Schauspieler" vom Verband deutscher Filmkritiker
  • 2005: TATORT, Episode "Herzversagen" - Adolf Grimme Preis gemeinsam mit Andrea Sawatzki, Thomas Freundner und Stephan Falk
  • 1993: LENZ - Adolf Grimme Preis als Bester Darsteller (gemeinsam mit Egon Günther)
  • 1986: ETE & ALI - Filmfest in Koszalin (Polen): Darstellerpreis

Literatur

  • Ute Fischer: Ist er bald der Kriminaler vom Dienst? Klaus Wennemann nahm den Hut; jetzt fandet Jörg Schüttauf am Vorabend, in: Die Welt, 16.07.1992.
  • Stefanie Hoffmeister: "Ich habe Angst, mich zu verändert". Potsdamer Schauspieler Jörg Schüttauf ist der neue "Fahnder" in der ARD-Krimiserie, in: Berliner Zeitung, 29.10.1992.
  • Christian Schröder: Wer hat Angst vor Jörg Schüttauf – Heute Maxim Gorki Theater, morgen der ARD-"Fahnder": ein Schauspieler zwischen Medien und Zeiten, in: Der Tagesspiegel, 10.11.1992.
  • Henner Bechtle: Ein neuer Fahnder aus Sachsen.. Jörg Schüttauf übernimmt die Rolle von Klaus Wennemann in der ARD-Krimiserie, in: Die Welt, 03.01.1994.
  • o. A.: Der neue "Fahnder" ist noch unzufrieden. Jörg Schüttauf beerbt Klaus Wennemann, in: Berliner Morgenpost, 13.01.1994.
  • Eckard Presler: Jetzt jagt Schüttauf Ganoven. Der Potsdamer Schauspieler ist der neue "Fahnder" der ARD-Serie, in: Berliner Zeitung, 13.01.1994.
  • Christian Schröder: Endlich darf er mal sympathisch sein. Der neue "Fahnder" in der ARD: Ein Gesrpäch mit Jörg Schüttauf in Potsdam, in: Süddeutsche Zeitung, 20.01.1994.
  • Christa Hasselhorst: "Ich bin doch abonniert auf kaputte Typen". Jörg Schüttauf dreht in Berlin gleich zwei Filme: "Blutsbrüder" ist eine ZDF-Produktion – DIE BRAUT ein Kinofilm, in: Die Welt, 01.08.1998.
  • Torsten Wahl: "Ich muß spielen, sonst versacke ich" – Jörg Schüttauf sucht sich authentische Rollen – jetzt wagt er sich wieder ins Kino, in: Berliner Zeitung, 07.11.2001.
  • Thomas Winkler: Leise Überraschungen. Ein bißchen staunend und ein bißchen zurückgelehnt. In Hannes Stöhrs Film BERLIN IS IN GERMANY spielt Jörg Schüttauf einen DDR-Bürger, der zehn Jahre nach dem Fall der Mauer aus dem Gefängnis entlassen wird – und als deutsch-deutscher Simplicissimus durch eine fremde Welt läuft, in: Die Tageszeitung, 31.10.2001.
  • Uwe Ebbinghaus: Ich war doch früher der Prolet vom Dienst. Selbstzweifler, Verstellungskünstler, Dichter, Bauer, Kommissar – Jörg Schüttauf spielt, was kommt, und macht das Beste draus, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2002.
  • Frank Junghänel: Auf Heimaturlaub. Der Schauspieler Jörg Schüttauf kommt aus Chemnitz. Im Fernsehfilm "Liebesau" begegnet er einer Welt, die er mal kannte, in: Berliner Zeitung, 05.04.2002.

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