Johannes Arpe

Schauspieler

* 29. Juli 1897 in Hamburg; † 3. Oktober 1962 in Kleinmachnow

Biografie

Johannes Arpe in DER HAUPTMANN VON KÖLN

Johannes Arpe

in DER HAUPTMANN VON KÖLN (Slatan Dudow, 1956) Fotograf: Heinz Wenzel

Johannes Arpe ist über einen Zeitraum von zehn Jahren überaus häufig vor der DEFA-Kamera präsent. Von 1952 bis 1962 spielt er in zirka 30 Spielfilmen und fünf Fernsehfilmen mit, dreht gegen Ende der 1950er Jahre bis zu sechs Filme pro Jahr. Die kräftige Statur des Darstellers, gepaart mit seiner tiefen, ausdrucksvollen Stimme, prädestiniert ihn für zahlreiche Arbeiterfiguren und Respektpersonen. In vielen Fällen stellt er Ingenieure, Redakteure, Bürgermeister, Betriebsleiter oder einfache Arbeiter dar. Zweimal arbeitet er für die DEFA auch als Regisseur.

Johannes Arpe wird am 29. Juli 1897 in Hamburg als Johannes Leopold Martin Arpe geboren. Über seine familiäre Herkunft ist derzeit nichts bekannt. Nach seiner Schulausbildung lässt er sich bei Leopold Jessner an der Hamburger Schauspielschule ausbilden. Bereits mit 18 Jahren debütiert er auf der Theaterbühne, spielt unter anderem am Hamburger Thalia-Theater. Dann wandert er durch Deutschland, ist in Bad Wildungen, Flensburg und Görlitz zu sehen. Politisch sympathisiert Johannes Arpe mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1923 gehört er zu den Gründungsmitgliedern der ersten norddeutschen Gruppe des kommunistischen Schutzverbandes deutscher Schauspieler.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagiert sich der Schauspieler politisch. Er ist mehrere Jahre Vorsitzender des Erfurter Kulturbundes. Ende der 1940er Jahre geht er nach Chemnitz und arbeitet am dortigen Theater als Schauspieldirektor. 1950 übernimmt Johannes Arpe in der Oper Leipzig den Bereich Schauspiel, vier Jahre später wird er Generalintendant der Leipziger Bühnen und hat diese Funktion bis 1958 inne. Neben seiner administrativen Arbeit steht er auch als Schauspieler auf der Bühne und inszeniert Stücke als Regisseur.

Die Theaterarbeit lässt dem Schauspieler wenig Raum für Arbeiten vor der Kamera. Zunächst sind es kleinere aber einprägsame Rollen, in denen er auf der Leinwand einem größeren Publikum bekannt wird. Erst nach 1958, als er Leipzig verlässt, widmet er sich ganz der Filmarbeit, meist als Schauspieler, seltener wird er mit Regieaufgaben betraut. In zehn Jahren, von 1952 bis 1962 ist er in zirka 30 Spielfilmen und fünf Fernsehfilmen zu sehen. Neben seiner Schauspieltätigkeit übernimmt Johannes Arpe auch Synchronarbeiten. Er leiht unter anderem in der deutschen Synchronisation von DIE ELENDEN (1959) seine Stimme dem französischen Hauptdarsteller Jean Gabin.

Die kräftige Statur des Darstellers, gepaart mit seiner tiefen, ausdrucksvollen Stimme, prädestiniert ihn für zahlreiche Arbeiter- und Respektfiguren. Als Schmied Anselm kämpft er in dem Märchenfilm DER TEUFEL VOM MÜHLENBERG (1955) unter der Regie von Herbert Ballmann gegen die Habgier des Burgvogts und des Dorfschulzen. Als Bürgermeister Dr. Seekatz überzeugt er in DER HAUPTMANN VON KÖLN (1956) von Slatan Dudow. Einen Oberarzt verkörpert er in JAHRGANG 21 (1958) von Václav Gajer, einen Ingenieur in
SIMPLON-TUNNEL (1959) von  Gottfried Kolditz sowie einen Inspektor in NEBEL (1963) 
von  Joachim Hasler. In BEVOR DER BLITZ EINSCHÄGT (1959) von  Richard Groschopp gibt er den Chefredakteur Paul Jordan, der seinem talentierten, aber etwas oberflächlichen Reporter die Leviten liest. In dem Kurt Jung-Alsen-Film HOCHMUT KOMMT VOR DEM KNALL (1960) spielt er einen westdeutschen Kohlengroßhändler, der seine Töchter gewinnträchtig verschachern will. Eine Hauptrolle erhält Johannes Arpe von Regisseur  Frank Vogel. In dessen DIE ENTSCHEIDUNG DES DR. AHRENDT (1960) spielt er den Ingenieur Dr. Heinrich Ahrendt, der lange braucht, seine bürgerlichen Vorurteile abzubauen und gemeinsam mit den Arbeitern an Verbesserungen und Modernisierungen arbeitet. Als Produktionsleiter Kruse verpflichtet er sich etwas leichtfertig in REVUE UM MITTERNACHT (1963) von  Gottfried Kolditz, einen Revuefilm zu drehen und engagiert dafür aber dann passender Weise die richtigen Leute.

An der Seite des Regisseurs  Günter Reisch entwickelt Johannes Arpe als Dialogregisseur das Filmprojekt SHAKESPEARE DRINGEND GESUCHT nach einem Schauspiel von Heinar Kipphardt. Aber der satirische Komödienstoff erfährt keine filmische Bearbeitung, da die politisch wichtige Filmbiografie ERNST THÄLMANN - FÜHRER SEINER KLASSE (1955) unter der Regie von  Kurt Maetzig ruft und alle Kapazitäten dafür gebunden werden. Johannes Arpe agiert hier nicht nur als Schauspieler, sondern zeichnet auch für die Dialogregie verantwortlich. 1959 arbeitet er erstmals als Regisseur für die DEFA und inszeniert ERICH KUBAK (1959), einen politischen Gegenwartsstoff über einen Backerfahrer im Braunkohlenwerk (gespielt von  Raimund Schelcher), der durch eine fehlgeschlagene Verbesserungsidee längere Ausfallzeiten produziert. Erst als er sich mit dem jungen Hauptingenieur gemeinsam dem Problem annimmt, wird es gelöst.
Nochmals führt er Regie bei DER FREMDE (1961). Handlungsort ist wiederum ein Braunkohlerevier, in dem ein westlicher Agent für geschönte Produktionszahlen sorgt.

Der Theater- und Filmregisseur  Martin Hellberg ruft ihn 1962 nach Schwerin, damit er dort in der Inszenierung des "Wallenstein" nach Friedrich Schiller die Hauptrolle übernimmt. Aber Johannes Arpe erkrankt, nach kurzer Krankheit stirbt er am 3. Oktober 1962 in seinem Wohnort Kleinmachnow. Er ist 66 Jahre alt geworden. Seine Tochter Antje Arpe steht ebenfalls vor der Kamera und spielt in Filmen ihres Vaters mit.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: September 2006)

Dreharbeiten zu "Sommerwege"

Regisseur Hans Lucke und Johannes Arpe bei den Dreharbeiten zu SOMMERWEGE (1960) Fotografin: Karin Blasig

Filmstill zu "Sommerwege"

Johannes Arpe als Fritz Grimmberger in SOMMERWEGE (1960) Fotografin: Karin Blasig

Literatur

  • o. A.: Johannes Arpe [Nachruf], in: Filmspiegel 21/1962.

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