Konrad Petzold

Regisseur

* 26. April 1930 in Radebeul; † 12. November 1999 in Kleinmachnow

Regisseur Konrad Petzold ist immer an publikumswirksamen Stoffen interessiert, die er spannend und unterhaltsam in Szene setzt. Märchen, Gegenwarts- sowie Kriminalgeschichten für Kinder und Erwachsene sowie Indianerfilme inszeniert der Filmemacher. Einer seiner besten Filme wird die politische Satire DAS KLEID (1961) nach dem Hans Christian Andersen-Märchen "Des Kaisers neue Kleider". Der Film gelangt allerdings erst dreißig Jahre später zur Aufführung.

Konrad Petzold wird am 26. April 1930 in Radebeul, Sachsen geboren. Sein Vater verdient den Lebensunterhalt für die achtköpfige Familie als Dreher, seine Mutter ist Hausfrau. Er ist das jüngste Kind. Die politische Ausrichtung der Familie ist links. Seine älteren Geschwister sind Mitglieder eines linken Laienkabaretts und im sozialistischen Jungendbund aktiv, bis die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 dem ein Ende setzt. 1936 wird sein Vater aufgrund öffentlicher Missbilligung deutscher Kriegsvorbereitungen durch die Nationalsozialisten zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Während des Zweiten Weltkriegs besucht er die Schule. Nach einer Berufsausbildung als Mechaniker ist er ebenfalls auf der Theaterbühne aktiv und organisiert auf der Jugendbühne Radebeul Auftritte einer Laientheatergruppe.

1949 besteht Konrad Petzold die Aufnahmeprüfung beim DEFA-Nachwuchsstudio in Berlin und beginnt ein Studium an der Schauspielschule. 1952 schließt er es bei seinem zweiten Versuch erfolgreich ab. Bereits während seines Studiums tritt er in kleineren Rollen vor die Kamera, unter anderem in FAMILIE BENTHIN (1950) und DIE JUNGEN VOM KRANICHSEE (1950). Zudem arbeitet er als Regieassistent am Staatstheater Dresden, wo er den Regisseur Martin Hellberg unterstützt. Zwischenzeitlich ist er am Theater der Jungen Generation in Dresden engagiert.

1952 erhält Konrad Petzold von der Landesregierung Sachsen eine Delegation nach Prag an die Filmhochschule FAMU. Dort studiert er bis 1956 im Fachbereich Regie; seine Mitstudenten sind unter anderem Frank Beyer und Ralf Kirsten. Zusätzlich zu seinem Studium ist er als Regie-Assistent bei der DEFA tätig, arbeitet unter anderem mit Martin Hellberg und Carl Ballhaus zusammen. Sein Diplomfilm wird der Kinderfilm DIE FAHRT NACH BAMSDORF (1956). Der Film um die zwei Geschwister Toni und Rita, die allein mit der Bahn zu ihren Großeltern reisen dürfen und sich zwischenzeitlich verlieren, ist derart erfolgreich an den Kinokassen, dass mit ABENTEUER IN BAMSDORF (1958) ein Nachfolger entsteht. Da er in seiner Geschichte die Pionierorganisation außen vor lässt, gerät der Filmemacher in die Kritik. Der Jugendfilm DER MOORHUND (1960) kommt nicht so unbeschwert wie seine Vorgänger daher. Hier geht es um den 12-jährigen Klaus, der seine Ferien bei seinem Vater in einer Grenzkompanie an der innerdeutschen Grenze verbringt und mit seinem Freund einem Agenten auf die Spur kommt.

Zwischen den Arbeiten für ein jugendliches Publikum entsteht DAS KLEID (1962), mit welchem Konrad Petzold ins Visier staatliche Funktionäre rückt. In der Literaturverfilmung des Hans Christian Andersen-Märchens "Des Kaisers neue Kleider", welches von Egon Günther adaptiert wird, sehen Verantwortliche Regimekritik. Der Film macht sich über die Selbstherrlichkeit und Leere des Kaisers und seines Hofstaates lustig, untergräbt so die Autoritäten. Die politische Satire mit brisantem Gegenwartsbezug überzeugt mit brillanten Darstellern und humoristischen Übertreibungen. Nach mehreren Schnittauflagen werden Endfertigung und Premiere des Films endgültig verboten. DAS KLEID wird erst 1991 nach einer Restauration durch den Regisseur uraufgeführt, kommt aber nicht ins Kino.

In der Folge bleibt Konrad Petzold zunächst dem Kinderfilm treu. So inszeniert er mit DIE JAGD NACH DEM STIEFEL (1962) nach einer Erzählung des Schriftstellers Max Zimmering eine kriminalistische Suche im Berlin von 1932. Der 12-jährige Jack beweist die Unschuld seines Vaters, der als Mörder verdächtigt wird und überführt gemeinsam mit seinen Freunden aus der Pioniergruppe einen SA-Mann als Täter. Konrad Petzold gelingt durch eine Mischung von Humor, Abenteuer und Milieu unterhaltsames und actionreiches Kino: Kritiker loben die exzellenten Darsteller, die erzählerische Dichte sowie die temporeiche Montage. Eine typische Heldenverehrung dagegen wird Das LIED VOM TROMPETER (1964), der die Geschichte des Arbeiterjungen Fritz Weineck erzählt, der mit seiner Trompete Ernst Thälmann vor der Verhaftung rettet, selbst aber bei dieser Aktion ums Leben kommt. Dazwischen inszeniert er JETZT UND IN DER STUNDE MEINES TODES (1963). Der Kriminalfilm erzählt von einer westdeutschen Journalistin, die durch ihre Recherchen auf Naziverbrecher stößt, welche in der Bundesrepublik wieder politische Machtpositionen innehaben.

Einer seiner größten Erfolge im Kinderfilm-Bereich wird ALFONS ZITTERBACKE (1966) nach der Vorlage von Gerhard Holtz-Baumert. Der aufgeweckte Alfons wird von seinen Schulkameraden nicht nur wegen seines Namens gehänselt: Er träumt etwas viel und mit seinen originellen Einfällen, die darauf abzielen, später als Kosmonaut tätig zu sein, kommt auch nicht jeder klar. Nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED gerät der Film in die Kritik: Mehrere Szenen sollen entfernt werden. Konrad Petzold fügt sich, entfernt aber seinen Namen aus dem Vorspann. Mehr als 2,5 Millionen Zuschauer sehen bis 1998 den Streifen, der episodenhaft die Abenteuer von Alfons und seiner Freundin Micki schildert.

Danach realisiert der Regisseur vier DEFA-Indianerfilme: WEISSE WÖLFE (1968), TÖDLICHER IRRTUM (1970), OSCEOLA (1971) und DER SCOUT (1984), bei denen er auch am Drehbuch beteiligt ist. In allen Fällen ist Gojko Mitic der Hauptdarsteller, der als positiver und gerechter Held auftritt – entschlossen, furchtlos und hartnäckig. Der Erfolg der Indianerfilme und seines Hauptdarstellers nährt sich auch aus diesem reinen und unschuldigen Image. Unterstützt wird es durch die Authentizität, die sich in der fast anthropologisch korrekten Rekonstruktion indianischen Lebens zeigt. Die Drehbuchautoren sind interessiert an authentischen Fakten. Kritiker loben besonders TÖDLICHER IRRTUM, der spannend und unterhaltsam Gesellschaftskritik einbringt.

Abenteuer stehen bei Konrad Petzold hoch im Kurs. In DIE HOSEN DES RITTERS VON BREDOW (1973) überzeugt Rolf Hoppe als Komiker, der als stolzer Besitzer einer Hose aus Elchleder unverwundbar scheint. Rüpelhaft, klamaukig und derb kommt der Film daher. Ähnlich in Szene gesetzt, aber in einem anderen Milieu spielend, wird KIT & CO (1974) nach Jack London. Danach hat es Konrad Petzold schwer, Projekte umzusetzen bzw. Zuschauer zu finden. Eine geplante Ko-Produktion mit dem Barrandov-Studio über den Dichter Kuba kommt nicht in die Produktion. Ebenso scheitert ein Film über die Kolonialzeit in Afrika. Seine Filme FÜR MORD KEIN BEWEIS (1978) über einen in der DDR untergetauchten SS-Arzt, DIE SCHMUGGLER VON RAJGROD (1979) über zwei Schmuggler an der russisch-preußischen Grenze Anfang des 19. Jahrhunderts und STARTFIEBER (1984) über junge Skisportler, die in der Nordischen Kombination um einen Platz in der Junioren-Nationalmannschaft kämpfen, können an seine früheren Erfolge nicht anschließen. Erfolgreicher ist er beim Fernsehen der DDR, etwa mit den Agnes Kraus-Komödien OH, DIESE TANTE (1978), ALMA SCHAFFT ALLE (1980), MARTIN XIII. (1981) und MENSCH, OMA! (1984), die ganz auf das komödiantische Geschick der Hauptdarstellerin setzen.

1988 inszeniert Konrad Petzold seinen letzten Film: die Verfilmung des Grimmschen Märchens "Die Gänsemagd" unter dem Titel DIE GESCHICHTE VON DER GÄNSEPRINZESSIN UND IHREM TREUEN PFERD FALADA (1988). Der kindgerechte Streifen ist in der klassischen DEFA-Tradition in Szene gesetzt, glaubwürdig, geradlinig und sorgfältig inszeniert. Nach der Wiedervereinigung kann Konrad Petzold keine Filme mehr realisieren.

Konrad Petzold stirbt am 12. November 1999 in Kleinmachnow. Er litt lange Zeit an der Parkinsonschen Krankheit.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: Januar 2015)

Auszeichnungen

  • 1960: DER MOORHUND - Artur-Becker-Medaille
  • 1964: Das Lied vom Trompeter - Artur-Becker-Medaille
  • 1970: WEISSE WÖLFE - Banner der Arbeit im Kollektiv
  • 1971: Heinrich-Greif-Preis II. Klasse

Literatur

  • Ralf Schenk: Einfach mal auf die Pauke hauen. Zum Tod des DEFA-Regisseurs Konrad Petzold, in: Berliner Zeitung, 17.11.1999.
  • Martin Mund: Handwerk mit Sinnesfreude. Zum Tod des DEFA-Regisseurs Konrad Petzold, in: Neues Deutschland, 17.11.1999.
  • Ralf Schenk: Konrad Petzold, in: film-dienst, 25/1999.
  • Ulrike Odenwald: Konrad Wolf. Regisseur für Kinder-, Jugend-, Indianerfilme bei der DEFA, in: Film und Fernsehen 01/1999.
  • Ralf Schenk: Konrad Petzold, in: cinegraph, Loseblattsammlung.
  • Wilfriede Eichler: Ein Tag an der Seite von Konrad Petzold, in: Nationalzeitung, 28.06.1976.

Diese Webseite verwendet Cookies. Mit der Nutzung stimmen Sie der Verwendung zu. Datenschutzhinweise

Verstanden
menu arrow-external arrow-internal camera tv print arrow-down arrow-left arrow-right arrow-top arrow-link sound display date facebook facebook-full range framing download filmrole cleaning Person retouching scan search audio twitter cancel