Kurt Barthel

Regisseur

* 30. Januar 1931 in Berlin; † 3. Januar 2014 in Potsdam

Biografie

Filmemacher Kurt Barthel beginnt Mitte der 60er Jahre eine erfolgsversprechende Karriere im DEFA-Studio für Spielfilme. Er arbeitet als Regie-Assistent bei Konrad Wolf, bekommt schnell eine eigene Regie angeboten. Doch der Film FRÄULEIN SCHMETTERLING (1965) wird im Zuge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED verboten. Danach stockt seine berufliche Karriere, er wechselt ins DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, produziert als Regisseur und Drehbuchautor bis heute eine Vielzahl von Kurz- und Dokumentarfilmen.

Kurt Barthel wird am 30. Januar 1931 in Berlin geboren. Seine Mutter, Alice Flegel, ist bis 1933 Sekretärin in der Russischen Handelsvertretung in Berlin. Sein Vater Curt Barthel ist ebenfalls hier beschäftigt. Die Ehe scheitert, Kurt Barthel wächst bei seiner Mutter auf. 1938 wird Erwin Flegel, Werkzeugmacher, sein Stiefvater. Bereits während seiner Kindheit entdeckt er sein Interesse für den Film, assistiert einem Freund im kleinen Kino, der "Flohkiste", in der Nachbarschaft. Nach seiner Schulausbildung absolviert er von 1946 bis 1949 eine Lehre als Autoschlosser. Danach findet er Arbeit als Fräser, Transportarbeiter und Traktorist. Neben seiner Arbeit holt er das Abitur nach, macht 1956 seinen Abschluss an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Potsdam. Danach studiert er bis 1961 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg. Eine seiner Studentenarbeiten ist KRAFT (1958), in der die Stärke der Arbeiterklasse thematisiert wird.

Danach wird Kurt Barthel als Regie-Assistent im DEFA-Studio für Spielfilme angestellt. Er assistiert unter anderem bei den Regisseuren Heinz Thiel und Joachim Hasler. Er arbeitet bei dem Regisseur  Konrad Wolf, wirkt im Team mit Christa Wolf und Gerhard Wolf, Konrad Wolf und Willy Brückner an dem Drehbuch zu DER GETEILTE HIMMEL (1964) mit. Schnell bekommt er seine erste Regie-Arbeit übertragen, arbeitet an dem Film FRÄULEIN SCHMETTERLING (1965), der minimal mit 900.000 Mark budgetiert, als experimenteller Versuch von der DEFA-Leitung beobachtet wird. Erzählt wird ein poetisches Gegenwartsmärchen, welches auf das Lebensgefühl junger Menschen blickt und ihren Traum vom Glück. Die Selbstverwirklichung einer jungen Frau wird thematisiert, die nach ihren eigenen Vorstellungen leben will und sich der staatlichen Bevormundung widersetzt. Am 4. Februar 1966, kurz nach dem berüchtigten 11. Plenum des Zentralkomitees der SED, wird die Rohschnittfassung vor einem Gremium hochrangiger DDR-Kulturfunktionäre vorgeführt. Daraufhin werden alle Arbeiten an dem Film eingestellt, das moderne Märchen wandert, da es nicht dem gewünschten Bild des real existierenden Sozialismus entspricht, in den Tresor. Erst 1990 wird dem Regisseur die Möglichkeit geboten, bei der Restaurierung und Vollendung des Films mitzuwirken. Nach Sichtung des Materials lehnt er allerdings ab, da er keine Möglichkeit sieht, seine damaligen Ideen und Intentionen deutlich zu machen. Der Film wird 2005 in einer rekonstruierten Fassung in den Kinos gezeigt.

Für Kurt Barthel ist die junge Karriere im DEFA-Studio für Spielfilme beendet. Nicht hergestellt wird unter anderem der Stoff einer Gespenstergeschichte zwischen Ost und West, die er gemeinsam mit dem Schriftsteller Claus-Ulrich Wiesner bearbeitet hat. Nach ersten Sondierungen kommt ein negativer Bescheid für die Herstellung des Films. Auch andere Ideen kommen über ein früheres Stadium nicht hinaus. Ihm wird die Regie für den Kinder- und Jugendfilm DIE NACHT IM GRENZWALD (1968) angetragen, der eine Geschichte über den illegalen Widerstandskampf gegen die Nazis im Deutschland der 30er Jahre schildert. Die zwei Jungen Lutz und Harald kämpfen auf ihre ganz eigene Art gegen die Nazis. Danach stockt die berufliche Karriere von Kurt Barthel beim DEFA-Studio für Spielfilme. Der Regisseur arbeitet zeitweise für die FDJ bei Großveranstaltungen mit. Der damalige Leiter des DEFA-Studios Albert Wilkening will ihn wieder als Regie-Assistenten einsetzen - Kurt Barthel lehnt ab.

Seit 1970 arbeitet der Kurt Barthel freiberuflich als Autor, wird später im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme fest angestellt. Zunächst arbeitet er als Autor, später produziert er als Regisseur in den 70er und 80er Jahren eine Vielzahl von Kurz- und Dokumentarfilmen. Von 1976 bis 1991 ist er im Dokfilmstudio fest angestellt, mit der Abwicklung der DEFA arbeitet er wieder freischaffend. Die Palette seiner Filme ist umfangreich. Es entstehen Filme für das Beiprogramm in den Kinos, Sendungen für das Fernsehen der DDR und Filme im Auftrag verschiedener Institutionen und Organisationen, unter anderem fungieren als Auftraggeber der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) oder die UNO. Mit besonderem Interesse verfolgt der Regisseur wissenschaftliche Themen, die er publizistisch aufbereitet.

Ein für DDR-Verhältnisse seltener Film ist MENSCH, HALT DICH FEST (1979). Der 11-minütige Kurzfilm bietet Slapstick zum Thema Arbeitsschutz. Es geht um Fehlverhalten auf der Baustelle, welches durch Situationskomik entlarvt wird. Originell arbeitet der Beitrag mit für das Thema ungewöhnlichen Mitteln: Sprechblasen kommentieren die Situationen, Zirkusmusik untermalt die falschen Handlungsweisen. Nochmals seinen schwarzen Humor zeigt der Regisseur in ZUG UM ZUG (1982), einem sarkastischen Antiraucherfilm. Mit originellen und äußerst einprägsamen Mitteln werden die schädlichen Folgen des Rauchens vor Augen geführt.

Seit Anfang der 80er Jahre gerät das Thema Ökologie und Umweltschutz in den Blickpunkt der DEFA-Dokumentarfilmer. In OSTSEE. EIN GESCHÜTZTES MEER (1988), der anlässlich einer Konferenz der sieben Ostsee-Anrainerstaaten entsteht, veranschaulicht der Regisseur die Entstehung des Meeres und mit welchen Problemen es zu kämpfen hat. Das Thema beschäftigt Kurt Barthel auch weiter. Die RUPPINER SCHWEIZ – AM ENDE EINES SOMMERS (1989) zeigt er zunächst als idyllische Landschaft, touristisches Erholungs- und Urlaubsgebiet, um dann den sorglosen Umgang mit der Natur zu thematisieren. Nach der Abwicklung des DEFA-Studios für Dokumentarfilme arbeitet Kurt Barthel freischaffend. Es entsteht unter anderem 1991 eine sechsteilige Serie über Märkische Herrenhäuser.

Kurt Barthel ist verheiratet. Seine zweite Ehefrau Petra Barthel (geb. 1950) lernt er als Schnitt-Assistentin im Fernsehstudio Adlershof kennen. Heute ist die studierte Schnittmeisterin Leiterin der Produktionsfirma ProBat Video und Film in Potsdam, die Industrie- und Werbefilme für Fernsehanstalten, kleine und mittlere Unternehmen und private Auftraggeber herstellt. Aus erster Ehe stammen die Söhne Stephan, der als Kunstmaler tätig ist, und André (geb. 1960), der als Requisiteur beim Film arbeitet. Seine Tochter aus zweiter Ehe Judith (geb. 1978) studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen im Fachbereich Produktion. Die Familie lebt in Teltow bei Potsdam.

Kurt Barthel stirbt am 3. Januar 2014 in Potsdam-Babelsberg.

Zusammengestellt von Ines Walk. (Stand: März 2018)

Trailer zu "Der geteilte Himmel" (R: Konrad Wolf, 1964)

Auszeichnungen

  • 1976: MONOLOG ÜBER EINEN UNFALL - Arbeitsschutzfilm-Festival: Hauptpreis
  • 1976: HALLE-NEUSTADT - Filmfest Ostrava: Hauptpreis
  • 1976: GEPLANTE LANDSCHAFT - Filmfest Ostrava: Sonderpreis
  • 1977: DIE HAND - Arbeitsschutzfilm-Festival der sozialistischen Länder Warna: Hauptpreis
  • 1981: KOSMOS - VORSTELLUNG UND REALITÄT - Jena - Diplom AISF
  • 1982: HOLZ WÄCHST AN HOLZ -Filmfest Ostrava: Sonderpreis
  • 1983: ZUG UM ZUG - Ronda: Diplom AISF
  • 1984: WAS HAT DER MENSCH VOM TIER ERERBT? - Preis der AICSF
  • 1986: ACHTUNG! KINDER! - Filmfestival Karlovy Vary: Sonderpreis Verkehrserziehung

Literatur

  • Kurt Barthel: Die Filmkunst im Zeichen der Literatur - Über die Möglichkeiten des epischen Films, Diplomarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, 1961.

DEFA-Filmografie

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