Manfred Krug

Schauspieler

* 8. Februar 1937 in Duisburg; † 21. Oktober 2016 in Berlin

Biografie

Manfred Krug

in FRAU VENUS UND IHR TEUFEL (R: Ralf Kirsten, 1967) Fotograf: Dieter Jaeger

Nach der Scheidung der Eltern zog der 1937 in Duisburg geborene Manfred Krug 1949 zu seinem Vater, der im Stahl- und Walzwerk Brandenburg arbeitete, und absolvierte dort eine Lehre als Schmelzer. Nach der Exmatrikulation an der Schauspielschule Berlin-Schöneweide wurde er Eleve am Berliner Ensemble und konnte die Bühnenreifeprüfung ablegen. Krug arbeitete von Anfang an freischaffend für das Fernsehen, wo ihm größere Rollen übertragen wurden, und die DEFA, wo er anfangs auf den »Halbstarken« festgelegt war. Eine erste große Filmrolle erhielt Krug als polnischer Interbrigadist Oleg in FÜNF PATRONENHÜLSEN (1960) von  Frank Beyer. Der Durchbruch beim breiten Publikum gelang ihm 1962 mit  Ralf Kirstens Gegenwartskomödie um Schauspielstudenten AUF DER SONNENSEITE, angereichert mit autobiografischen Elementen. Von nun an ist er ein Kassenmagnet. Das verstärkt sich durch seine jazzigen Chansoninterpretationen, mit denen er auf Tourneen geht und die auf insgesamt zehn Langspielplatten erscheinen.

Krug spielte verwegene Helden in der Tradition der Mantel- und Degenfilme, aber auch immer wieder in Gegenwartsfilmen. Er gab Parteisekretäre und andere Funktionäre oder deren Gegenspieler, trat in Episodenrollen von Literaturadaptionen auf. Seine Wirkung erklärt die Kritikerin Rosemarie Rehahn 1995 aus dem »lässig gehandhabten Widerspruch zwischen mächtig auftrumpfender Männlichkeit und einer Seele, die auf Zehenspitzen geht«. In einer seiner wichtigsten Filmrollen war er nur wenige Tage zu sehen, bevor SPUR DER STEINE
( Frank Beyer, nach Erik Neutsch) 1966 für knapp zweieinhalb Jahrzehnte verboten wurde. Krug spielte den Brigadier Balla mit Hang zum Anarchismus, der gute Arbeit leistet, sich aber kollektiven Bemühungen nicht unterordnen will. Eine öffentliche Diskussion, die der Film hätte auslösen können, war für die maßgeblichen Funktionäre undenkbar.

Krug spickt seine Figuren mit Ironie und komödiantischer Verve, wenn er zum Beispiel in dem Lustspiel MIT MIR NICHT, MADAM! (1968/69) in mehreren Rollen auftritt. Mitunter ist in einigen Filmen nur seine Stimme zu hören, wenn er jazzige Lieder beisteuert, wie in dem Erfolgslustspiel DER MANN, DER NACH DER OMA KAM (1971). Der populäre Künstler wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter zwei Mal mit dem Nationalpreis und mit der Verdienstmedaille der DDR. Als Manfred Krug zusammen mit anderen Künstlern im Spätherbst 1976 gegen die Ausbürgerung des Dissidenten und Liedermachers Wolf Biermann protestiert, werden seine fertigen Filme nicht abgenommen, Dreharbeiten weiterer Produktionen annulliert, seine Konzerte boykottiert. Er entschließt sich 1977, mit seiner Familie in den Westen überzusiedeln.

In der BRD setzte Krug seine Gesangskarriere zunächst nicht fort. Erfolg hatte er aber als Schauspieler, drehte populäre Fernsehserien und -filme, ist ab 1984 der Tatort-Kommissar Stoever, ab 1987 ein Berliner Rechtsanwalt in der langlebigen Serie LIEBLING KREUZBERG. Ende 1989 konnte er in Ostberlin der zweiten Premiere seines Films SPUR DER STEINE beiwohnen, der 1990 erfolgreich in deutschen Kinos läuft. Nach einem überstandenen Herzinfarkt zog sich Krug zur Jahrtausendwende von der Schauspielerei zurück. Er veröffentlichte neue erfolgreiche CDs, auf denen der auch gemeinsam mit seiner Tochter, der Schauspielerin Fanny Krug, singt, spricht Hörbücher und schreibt Bücher. Manfred Krug, der auch vielfach in Werbefilmen auftritt, schrieb über seine Erlebnisse nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns das Buch Abgehauen, das 1997 durch Frank Beyer verfilmt wurde.

Verfasst von Frank-Burkhard Habel aus „Was ich von der DEFA wissen sollte“, DEFA-Stiftung Berlin 2008

Trailer zu "Feuer unter Deck" (R: Herrmann Zschoche, 1977)

Literatur

  • Manfred Krug: 66 Gedichte – was soll das?, Econ München 1999
  • Manfred Krug: Abgehauen, Ullstein Taschenbuch Verlag 2003
  • Manfred Krug: MK Bilderbuch - Ein Sammelsurium. Handsigniert von Manfred Krug, Schwarzkopf&Schwarzkopf 2012
  • Manfred Krug: Mein schönes Leben, Ullstein Taschenbuch Verlag 2005
  • Berndt Schulz: Manfred Krug, Bastei Lübbe, 1989
  • Heiko R. Blum: Manfred Krug – Seine Filme, sein Leben, Heyne Verlag München 1993

DEFA-Filmografie

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