Manfred Krug

Schauspieler

* 8. Februar 1937 in Duisburg; † 21. Oktober 2016 in Berlin

Biografie

Manfred Krug

in FRAU VENUS UND IHR TEUFEL (R: Ralf Kirsten, 1967) Fotograf: Dieter Jaeger

Als Manfred Krug stirbt, würdigen ihn sowohl Medien in Ost- als auch in West-Deutschland mit ausführlichen Nachrufen. Mit seinen männlichen, ruppigen, direkten Charakteren ist Krug zu einem Publikumsliebling geworden und zählt zu den populärsten Schauspielern der deutschen Film- und Fernsehgeschichte.

Krug wird am 8. Februar 1937 als Sohn eines Eisenhütten-Ingenieurs in Duisburg geboren. Von dort aus zieht die Familie über Georgsmarienhütte bei Osnabrück nach Henningsdorf. Später, als 66-jähriger, bezeichnet Krug in seinem Buch „Mein schönes Leben“ seine Kindheit als ein einziges „Sich-auf-und-davon-Machen“. Es ist nicht nur der Beruf des Vaters, der das Leben so unstet werden lässt, sondern auch der Krieg. Die Mutter schickt den Jungen zunächst nach Duisburg zur Großmutter, holt ihn nach einigen Bombennächten zurück nach Henningsdorf, lässt ihn aber dann, als die Rote Armee dort stationiert ist, wieder nach Duisburg fahren. Mit seinem Vater kehrt er zurück zur Mutter, die Eltern lassen sich scheiden, er geht mit dem Vater nach Leipzig, fängt auf dessen Drängen eine Lehre als Stahlschmelzer an und arbeitet schließlich im Stahl- und Walzwerk Brandenburg an der Havel. Der junge Facharbeiter, dem die Gelegenheit gegeben wird, an einer Abendschule das Abitur zu machen, sieht sich im Kino DEFA-Produktionen sowie sowjetische Filme an. Später erinnert sich Krug, er habe sich entschlossen, Schauspieler zu werden, nachdem er Rollen aus einem sowjetischen Agentenfilm nachspielte, weil er die Leistungen der Schauspieler als ungenügend empfand.

Er bewirbt sich an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin, wird zum Unverständnis des Vaters angenommen, muss das Studium aber nach drei Semestern wegen „disziplinarischer Schwierigkeiten“ beenden. Als Kleindarsteller geht er zunächst zum Berliner Ensemble und schließlich zur DEFA, wo er in verschiedenen Nebenrollen auftritt. Doch bieten ihm diese Rollen – er spielt etwa den Gitarrensänger in der Zensurversion von DIE SCHÖNSTE (1957-59) und den Rocker in VERGESST MIR MEINE TRAUDEL NICHT (1957) – bereits die Möglichkeit, gesanglich hervorzutreten. Jenseits der Filmstudios lernt Krug jene Musiker kennen, die sich wenig später zu den Jazz-Optimisten zusammenschließen. Er lebt in einer Wohngemeinschaft mit dem gleichaltrigen Philosophiestudenten Jurek Becker, mit dem er eine Freundschaft fürs Leben schließt. Krug gehört zu einer Bohème im östlichen Berlin, die sich für eine Kunst einsetzt, die nicht vom Gedanken eines Sozialistischen Realismus geleitet ist und sich auch nicht aus einem falschen Verständnis heraus selber beschränkt.Entscheidend werden für Krug die Begegnungen mit den Regisseuren  Frank Beyer und  Ralf Kirstens. Beyer, nur fünf Jahre älter als Krug, gibt dem Schauspieler in FÜNF PATRONENHÜLSEN (1960) viel Raum, auch für improvisiertes Spiel. Kirsten dreht mit Krug zunächst den biografischen Film AUF DER SONNENSEITE (1961), die Geschichte eines jungen Facharbeiters, der Schauspieler werden will. Die Musik stammt von Krug und den Jazz-Optimisten. Unter der Regie Kirstens findet Krug schließlich in BESCHREIBUNG EINES SOMMERS (1962) zu dem Rollenprofil, das zu seinem Markenzeichen wird und zu einer ständigen Identifizierung der Figuren Krugs mit dem Privatmann Krug in der Öffentlichkeit führen soll: der Unangepasste, dem man recht geben will; der Bärbeißige, der auch feinfühlig sein kann; der Mutige, der bodenständig bleibt. Ob in historischem Gewand (MINNA VON BARNHELM ODER DAS SOLDATENGLÜCK, 1962; MIR NACH, CANAILLEN!, 1964; HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE, 1968)), ob im Gegenwartsfilm (DER KINNHAKEN, 1962), ja sogar im Märchen (KÖNIG DROSSELBART, 1962) – Krug entwickelt ein für ihn charakteristisches Rollenbild. Paradigmatisch ist sein Brigadier Balla in Beyers SPUR DER STEINE (1966), dessen herablassend-schnodderige Art wohl wesentlich zum Verbot des Films beigetragen hat.

Filmstill zu "Fünf Patromemhülsen"

Manfred Krug in FÜNF PATRONENHÜLSEN (R: Frank Beyer, 1960) Fotograf: Eberhard Daßdorf

Filmstill zu "Mir nach, Canaillen!"

Monika Woytowicz und Manfred Krug in MIR NACH, CANAILLEN! (R: Ralf Kirsten, 1964) Fotograf: Horst Blümel

Gehört zu einem Krug-Film immer auch eine Musikeinlage, so nimmt die Musik auch außerhalb der DEFA für ihn eine wichtige Rolle ein. Er tourt mit den Jazz-Optimisten und der Modern Jazz Big Band. Zwischen 1970 und 1976 nimmt er für Amiga sechs Alben mit Günther Fischer auf.

Die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 hat auch für Krug gravierende Folgen. Er unterzeichnet die Protestnote gegen staatlichen Willkürakt, wird politisch massiv bedrängt, weigert sich die Unterschrift zurückzunehmen und stellt schließlich einen Ausreiseantrag. 1977 geht Krug mit seiner Familie in die BRD. Die DEFA verliert einen ihrer populärsten Schauspieler. Der Film DAS VERSTECK (1977), den er gerade zusammen mit Beyer dreht, kommt nur zögerlich in die Kinos. Später, nach 1989, veröffentlicht Krug seine Tagebücher aus dieser Zeit sowie die Aufzeichnung einer von ihm heimlich mitgeschnittenen Unterredung mit Offiziellen. Diese erpressen ihn und seine Familie, sich von ihrem Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung zu distanzieren – eindrückliche Dokumente eines Schauspielers, der aufrichtig geblieben ist.

Im Westen gelingt es ihm, sich im Fernsehen durch die Vorabendserien AUF ACHSE und LIEBLING KREUZBERG (die sein Freund Jurek Becker für ihn schreibt) sowie TATORT zu etablieren. All diese Rollen sind für Krug Abwandlungen des Rollenbildes, das er sich bei der DEFA aufzubauen verstand: Er bleibt ungeschliffen und aufrichtig.

Seit 1963 ist Manfred Krug mit Ottilie verheiratet, zusammen haben sie drei Kinder. Nachdem er seine Tatort-Arbeit eingestellt hat, schreibt er Bücher und tritt nur gelegentlich öffentlich auf. Am 21. Oktober 2016 stirbt Krug in Berlin.  

Zusammengestellt von Stephan Ahrens. (Stand: August 2019)

Trailer zu FEUER UNTER DECK (R: Herrmann Zschoche, 1977)

Auszeichnungen

  • 1962: AUF DER SONNENSEITE - Heinrich-Greif-Preis I. Klasse (im Kollektiv)
  • 1963: BESCHREIBUNG EINES SOMMERS - Erich-Weinert-Medaille (mit Christel Bodenstein)
  • 1968: WEGE ÜBERS LAND - Nationalpreis der DDR I. Klasse (im Kollektiv)
  • 1971: Nationalpreis der DDR II. Klasse
  • 1972: DIE GESTOHLENE SCHLACHT - Ehrende Anerkennung beim Filmfestival der Werktätigen der ČSSR
  • 1973: Verdienstmedaille der DDR
  • 1979: Goldene Europa der Europawelle Saar
  • 1984: Goldener Bambi
  • 1986: LIEBLING KREUZBERG - Goldener Gong
  • 1987: LIEBLING KREUZBERG - Adolf-Grimme-Preis mit Gold (zusammen mit Jurek Becker und Heinz Schirk)
  • 1988: LIEBLING KREUZBERG - Adolf-Grimme-Preis mit Silber (zusammen mit Jurek Becker und Heinz Schirk)
  • 1990: Goldene Kamera
  • 1990: LIEBLING KREUZBERG - Bayerischer Fernsehpreis
  • 2001: Goldene Kamera (zusammen mit Charles Brauer, Götz George und Eberhard Feik)
  • 2006: Platin-Romy für das Lebenswerk
  • 2010: Goldener Ochse beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern
  • 2013: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
  • 2015: Europäischer Kulturpreis für sein künstlerisches Lebenswerk
  • 2016: Paula-Preis des Progress Film-Verleih für seine Verdienste um den deutschen Film

Literatur

Eigene Texte:

  • Manfred Krug: 66 Gedichte – was soll das?, Econ München 1999
  • Manfred Krug: Abgehauen, Ullstein Taschenbuch Verlag 2003
  • Manfred Krug: MK Bilderbuch - Ein Sammelsurium. Handsigniert von Manfred Krug, Schwarzkopf&Schwarzkopf 2012
  • Manfred Krug: Mein schönes Leben, Ullstein Taschenbuch Verlag 2005
  • Manfred Krug: Schweinegezadder. Schöne Geschichten. Ullstein Verlag Berlin 2008

Fremde Texte:

  • J. R.: Manfred Krug. In: Neues Deutschland. Vorwärts. 25.01.1960.
  • M. H.: Manfred Krug. In: Filmspiegel 26/1960.
  • Manfred Haedler: Manfred Krug. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin 1972.
  • Berndt Schulz: Manfred Krug, Bastei Lübbe Bergisch Gladbach 1989.
  • Heiko R. Blum: Manfred Krug – Seine Filme, sein Leben, Heyne Verlag München 1993.
  • Meike Winnemuth: Liebling Deutschland. In: Neue Berliner Illustrierte, Nr. 46/90, 8.11.1996.
  • Ralf Schenk (Hg.): Manfred Krug. Die großen Kinofilme. Parthas Berlin 1997.
  • Jurek Becker: Jurek Beckers Neuigkeiten an Manfred Krug und Otti. Ullstein Verlag Berlin 2003.

DEFA-Filmografie

Eine erweiterte Filmografie können Sie unter filmportal.de einsehen.

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