Norbert Christian

Schauspieler

* 5. Dezember 1925 in Berlin; † 18. Dezember 1976 in Berlin

Biografie

Norbert Christian

in MIR NACH, CANAILLEN! (R: Ralf Kirsten, 1964) Fotograf: Horst Blümel

Norbert Christian ist einer der vielen Chargen der DEFA und des Fernsehens der DDR, der selten eine größere Hauptrolle erhält. Obwohl er sich als Charakterdarsteller mit zahlreichen kleineren Rollen einen Namen macht, mit seiner Darstellung den Figuren eine unverwechselbare, persönliche Note verleiht, bleiben ihm größere Hauptrollen verwehrt. Seine Sorgfalt bei der Darstellung noch so kleinster Rollen sticht besonders hervor; er gibt den Figuren durch seine Liebe zum Detail ein ganz eigenes Profil.

Norbert Christian wird am 05. Dezember 1925 in Berlin als Christian Hengst geboren. Seine Schulausbildung absolviert er an einem humanistischen Gymnasium, schließt es mit dem Abitur ab. Bereits während seiner Schulzeit zeigt er Interesse und Talent für die Darstellende Kunst, besucht nach dem Schulabschluss die Schauspielschule Helene Lackner in Berlin.

Sein Debüt gibt Norbert Christian 1943 am Stadttheater Greifswald. Hier sammelt er Erfahrungen in klassischen Rollen, spielt unter anderem den Wurm in "Kabale und Liebe" nach Friedrich Schiller, ist als Babberly in "Charleys Tante" von Brandon Thomas zu sehen. 1949 wechselt der Schauspieler ans Volkstheater Rostock, übernimmt dort auch erstmals Regie. Wieder sind es klassische Stücke, in denen er bis 1952 auf der Rostocker Bühne zu sehen ist; er gibt den Hamlet und den Franz Moor. Von 1952 bis 1971 arbeitet Norbert Christian am Berliner Ensemble. Unter der Regie von  Bertolt Brecht, Benno Besson und  Erich Engel wird er ein angesehener Darsteller der Brecht-Schule. Gastspiele gibt er auch an anderen Berliner Bühnen, der Volksbühne und dem Deutschen Theater.

Besonders in Erinnerung bleibt sein Lehrer in "Die Mutter" nach Maxim Gorki, inszeniert von Bertolt Brecht und Manfred Wekwerth. Er gibt den Kardinalinquisitor in "Das Leben des Galilei", spielt den Peachum in der "Dreigroschenoper", den Menenius Agrippa in "Coriolan".

Nachdem Norbert Christian nach Berlin gesiedelt ist, arbeitet er auch beim Film. Seine erste Rolle vor der Kamera spielt er in DIE UNBESIEGBAREN (1953) von  Artur Pohl. Er gibt den schmächtigen, schüchternen Eisenbahnarbeiter Krause. Zahlreiche Angebote kommen von der Produktionsgruppe "Das Stacheltier", wo Norbert Christian zwischen 1953 und 1960 in mehreren satirischen Kurzfilmen auftritt. Unter anderem arbeitet er mehrmals mit den Regisseuren Hans-Dieter Mäde und  Richard Groschopp zusammen. Die satirische Reihe macht ihn einem großen Publikum bekannt.

Eine größere Aufgabe erhält der Darsteller erstmals von Regisseur  Konrad Wolf. Bereits bei dessen Abschlussfilm an der Deutschen Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg EINMAL IST KEINMAL (1955) haben beide zusammengearbeitet. In seinem SONNENSUCHER (1958) spielt er Josef Stein. Nochmals steht er unter dem Regisseur vor der Kamera in LEUTE MIT FLÜGELN (1960) und MAMA, ICH LEBE (1977). Außerdem entdecken andere Regisseure der DEFA das Potential des Schauspielers, der neben seiner Ernsthaftigkeit auch über komödiantische Fähigkeiten verfügt. In GESCHWADER FLEDERMAUS (1958) ist es Regisseur  Erich Engel, der ihn als wortkargen und lässigen amerikanischen Chefpiloten Terry Varney besetzt. Außerdem arbeitet er mit
 Joachim Kunert,  Ralf Kirsten,  Heiner Carow und  Günter Reisch zusammen. Obwohl er sich als Charakterdarsteller mit zahlreichen kleineren Rollen einen Namen macht, mit seiner Darstellung den Figuren eine unverwechselbare, persönliche Note verleiht, bleiben ihm größere Hauptrollen verwehrt. Seine Sorgfalt bei der Darstellung noch so kleinster Rollen sticht besonders hervor; er gibt den Figuren durch seine Liebe zum Detail ein ganz eigenes Profil.

Beim Fernsehen der DDR, den Norbert Christan seit 1971 als Ensemblemitglied angehört, wird er in den 60er und 70er Jahren zu einem der meistbeschäftigsten Darsteller. In vielen klassischen Bühnenstücken, die für das DDR-Fernsehen aufbereitet werden, ist er zu sehen. Unter anderem spielt er in MINNA VON BARNHELM ODER DAS SOLDATENGLÜCK (1969) und EGMONT (1974) mit. Außerdem steht er wie viele seiner Kollegen bei den populären TV-Serien "Polizeiruf 110" und "Fernseh-Pitaval" mehrmals vor der Kamera. In gehobener Fernsehunterhaltung ist Norbert Christian ein vielbeschäftigter Schauspieler. In Lothar Bellags Dreiteiler DIE ZEICHEN DER ERSTEN (1969) nach Benito Wogatzki spielt er den Werkleiter Polenz, einen typischen Revolutionär der Zeit. Er gibt den Schleusenwärter und Vater von ROTFUCHS (1973), einen Vater, der oft genug über seine lebenslustige Tochter (gespielt von Angelika Waller) den Kopf schüttelt. Er spielt den Parteisekretär Gomolla in dem fünfteiligen Fernsehroman DANIEL DRUSKAT (1976) nach Helmut Sakowski.

Die einschneidende Stimme von Norbert Christian macht ihn zu einem besonderen Sprecher. Er arbeitet intensiv im Synchron-Studio der DEFA, spricht Hörspiele beim Rundfunk ein, ist auf Schallplatten zu hören und übernimmt auch Sprecher-Arbeiten beim Dokumentar-filmstudio.

In erster Ehe ist der Darsteller mit der Schauspielerin und Autorin Myriam Sello-Christian verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Michael Christian (geb. 1947) wird später ebenfalls als Schauspieler und Synchronsprecher arbeiten. In zweiter Ehe heiratet er seine Kollegin, die Schauspielerin Erdmute Schmidt-Christian. Norbert Christian stirbt am 18. Dezember 1976 in Berlin bei den Dreharbeiten zu dem dreiteiligen Fernsehfilm ABSCHIED VON GESTERN (1976) unter der Regie von Hans-Joachim Kasprzik. Er ist erst 51 Jahre alt. Seine Rolle wird von
 Erwin Geschonneck übernommen.

Zusammengestellt von Ines Walk. (Stand: Mai 2006)

Norbert Christian (m.) in "MIR NACH, CANAILLEN!" (1964) Fotograf: Horst Blümel

Auszeichnungen

  • 1961: Kunstpreis der DDR
  • 1976: Nationalpreis II. Klasse

Literatur

  • Christian Funke: Norbert Christian, in: Renate Seydel: Schauspieler, Henschel Verlag Berlin 1966.
  • o. A.: Norbert Christian, in: o. A.: Unsere Filmsterne, Verlag Junge Welt Berlin 1962.
  • Peter Berger: Er gab eine Fülle von Charaktern Gestalt. Zum Tode des Schauspielers Norbert Christian, in: Neues Deutschland, 21.12.1976.
  • Hans Michael Bock, Hannelore Fischer: Norbert Christian, in: cinegraph, Loseblattsammlung.

DEFA-Filmografie

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