Roland Dressel

Kameramann

* 26. April 1932 in Meerane

Biografie

Filmstill zu "Zünd an, es kommt die Feuerwehr"

Roland Dressel

während der Dreharbeiten zu ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (R: Rainer Simon, 1978)

Roland Dressel, einer der künstlerisch erfolgreichsten Kameramänner der DEFA, verbindet durch seine Arbeit die Werke unterschiedlicher Regisseurinnen und Regisseure. Seine visuellen Ideen prägen deren Filme entscheidend – doch ganz bei sich ist er vor allem in seiner Zusammenarbeit mit  Rainer Simon und Roland Gräf.

Dressel wird am 26. April 1932 in Meerane geboren. Mit 19 Jahren beginnt er eine Lehre zum Fotografen in Glauchau. Zeitgleich bewirbt er sich bei der DEFA – es ist die Zeit vor der Gründung der Deutschen Hochschule für Filmkunst – für einen Kameralehrgang. Seine Ausbildung zum Kameramann erfolgt im externen Studium an der Betriebsakademie der DEFA, zum anderen durch eine Praxis, die unterschiedliche Assistentenarbeiten einschließt. Dressel arbeitet als Standfotograf, Schärfeassistent und schließlich auch als Kameraassistent bei  Werner Bergmann während des Drehs von  Konrad Wolfs EINMAL IST KEINMAL (1955). Dressel nennt Bergmann später eine „Vaterfigur“ für seine Arbeit. Wichtig ist auch die Prägung durch den tschechischen Kameramann Jan Čuřík, dem er bei  Gerhard Kleins DER FALL GLEIWITZ (1961) assistiert. Čuříks Zusammenarbeit mit Regisseuren wie František Vláčil, Zbyněk Brynych oder Vera Chytilová ist wesentlich für den realistisch-lyrischen Stil der Neuen Welle im Kino der Tschechoslowakei der 1960er Jahre. Die Wucht seiner Landschaftsaufnahmen findet sich auch in Dressels Kamerastil.

Indes wird Dressel bereits nach seinem Debüt DAS ZWEITE LEBEN DES FRIEDRICH WILHELM GEORG PLATOW (1973) gehemmt. Zusammen mit Regisseur  Siegfried Kühn gestaltet er eine komplexe Kontrastdramaturgie zwischen Schwarzweiß und Farbe, die zwar nicht zum Stein des Anstoßes zum Fast-Verbot des Films wird, aber die Verleihsperre für das Ausland und den eingeschränkten Verleih in der DDR rechtfertigen soll. Offiziell wird dem Kameramann vorgeworfen, Material zu liefern, das nicht duplizierbar sei, sodass der Film nur in ein paar Kinos starten könne. Dressel ist „Sündenbock“ für den äußerst zurückhaltenden Einsatz dieser DDR-Gegenwartssatire, der freilich filmpolitisch motiviert ist.

 Dreharbeiten zu "Die Besteigung des Chimborazo"

Rainer Simon und Roland Dressel während der Dreharbeiten zu DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO (R: Rainer Simon, 1988 - 1989) Fotografen: Wolfgang Ebert, Dietram Kleist

Dreharbeiten zu "Wengler & Söhne - Eine Legende"

während der Dreharbeiten zu WENGLER & SÖHNE - EINE LEGENDE (R: Rainer Simon, 1986) Fotograf: Wolfgang Ebert

Dressel wird von der Kinoproduktion abgezogen und dem Fernsehen der DDR zugeteilt, wo sich Manfred Wekwerth für ihn stark macht und ihn für seine künstlerisch engagierten TV-Produktionen verpflichtet. So findet Dressel schließlich den Weg zu Rainer Simon, mit dem er ab ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (1978) zusammenarbeitet. In Dressel entdeckt Simon den perfekten Kameramann für seine Vorstellungen vom Film auf zwei Ebenen, vom visuellen Abgrenzen zweier Schichten durch Farbe und Licht. Die beiden Filmemacher machen den visuellen Doppelcharakter von Wirklichkeit und Imagination in DAS LUFTSCHIFF (1982) oder von Gegenwart und Vergangenheit in JADUP UND BOEL (1980/81) transparent. Obgleich JADUP UND BOEL zunächst verboten wird, ist Dressel in den 1980er Jahren nicht mehr der geschasste Kameramann, sondern ein häufig ausgezeichneter Mitarbeiter des DEFA-Studios für Spielfilme. Dabei bieten sich bei Simon auch wieder Möglichkeiten, mit dem Kontrast von Farbe und Schwarzweiß zu spielen, so wie im Schlussbild von DER FALL Ö. (1990): Obwohl dem Motiv bestimmte Töne entzogen werden und es schwarzweiß wirkt, mangelt ihm nichts, sondern es gewinnt vielmehr eine eigene poetische Kraft der Schwermut hinzu.

Auch in Filmen von Roland Gräf, der – neben  Evelyn Schmidt,  Ulrich Weiß und  Iris Gusner – ein weiterer wichtiger künstlerischen Partner für Dressel wird, beweist sich dessen Anspruch, immer wieder nach Bildern zu suchen, die „nicht ausstauschbar“ sind. In Gräfs DAS HAUS AM FLUSS – LETZTES KAPITEL ist Dressels Kunst auf der Höhe der Zeit und wird auch international wahrgenommen, so während des Wettbewerbs der Berliner Filmfestspiele. Gräfs DIE SPUR DES BERNSTEINZIMMERS (1991/92) ist Dressels letzte Arbeit für die DEFA; seit deren Auflösung ist er als freischaffender Kameramann tätig und erhält 1994 das Filmband in Gold für seine Kameraführung in Michael Gwisdeks zweitem Spielfilm ABSCHIED VON AGNES.

Seine bisher letzte künstlerisch anspruchsvolle Arbeit realisiert Dressel 1997 mit Helma Sanders-Brahms. Tatsächlich ist MEIN HERZ - NIEMANDEM die Summe seiner Kamerahandschrift. Er beherrscht sowohl Farbe als auch Schwarzweißfilm, evoziert durch Lichtgebungen die emotionalen Zustände der Protagonisten und der Zeit und weiß um die Möglichkeiten der grafisch-expressionistischen Kameraarbeit. Eine vergleichbare Chance, seine Kunst für die Wirkung auf der großen Kinoleinwand einzusetzen, bietet sich ihm seit diesem Projekt nicht mehr.     

2017 zeichnet die DEFA-Stiftung Roland Dressel mit dem Preis für das künstlerische Lebenswerk aus.

Zusammengestellt von Stephan Ahrens. (Stand: August 2019)

Trailer zu DAS LUFTSCHIFF (R: Rainer Simon, 1982)

Auszeichnungen

  • 1976: DIE UNHEILIGE SOPHIE - Heinrich-Greif-Preis II. Klasse
  • 1984: DAS LUFTSCHIFF - Kamerapreis beim 3. Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Karl-Marx-Stadt
  • 1986: DIE FRAU UND DER FREMDE - Heinrich-Greif-Preis
  • 1986: DIE FRAU UND DER FREMDE - Kamerapreis beim 4. Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Karl-Marx-Stadt (auch für DAS HAUS AM FLUSS)
  • 1988: WENGLER & SÖHNE und FALLADA - LETZTES KAPITEL - Kamerapreis beim 5. Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Karl-Marx-Stadt
  • 1994: ABSCHIED VON AGNES - Filmband in Gold (Kamera)
  • 2017:  Preis für das künstlerische Lebenswerk der DEFA-Stiftung

Literatur

  • Axel Geiß: Keine Konfektion. Kamermann Roland Dressel in Gespräch, in: Film und Fernsehen, 5/1990.
  • Hans Günther Dicks: Die Ansprüche hoch gesetzt, in: Film- und TV-Kameramann 9/1993.
  • Hans-Dieter Schütt: „Das war wie ein glücklicher Schreck“, Interview mit Roland Dressel, in: Neues Deutschland, 20.06.1994.
  • Ralf Schenk: Erinnerungen an starke, schöne Bilder, in: Neues Deutschland, 26./27.04.1997.
  • Badel, Peter:  Kamera läuft. DEFA-Kameraleute im Gespräch, DEFA- Stiftung, Berlin, 2007 [Schriftenreihe der DEFA- Stiftung, Bd. 1 und 2]

DEFA-Filmografie

Eine erweiterte Filmografie können Sie unter filmportal.de einsehen.

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