Rolf Losansky

Regisseur

* 18. Februar 1931 in Frankfurt (Oder); † 15. September 2016 in Potsdam

Der Regisseur Rolf Losansky ist einer der prominentesten Regisseure der DEFA für Kinderfilme. In 26 Jahren hat er 20 Spielfilme vorgelegt, die mehrfach mit Preisen - national wie international - ausgezeichnet worden sind. Der Regisseur beweist gleichermaßen pädagogisches wie künstlerisches Einfühlungsvermögen, er nimmt Kinder wie Erwachsene sehr ernst. Viele seiner Filme setzen Maßstäbe und gehören mittlerweile zu Klassikern des Genres. Millionen Kinder und Jugendliche haben seine Filme gesehen.

Rolf Losansky wird am 18. Februar 1931 in Frankfurt, an der Oder geboren. Sein Vater arbeitet als Schriftenmaler, seine Mutter ist Krankenschwester. In seiner Heimatstadt und im schwäbischen Krumbach besucht er die Schule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt er eine Buchdruckerlehre, die er 1949 abschließt. Danach besucht er bis 1953 die Arbeiter- und Bauern-Fakultät in Berlin. Er kann sich in seiner Berufswahl nicht entscheiden, studiert einige Semester Medizin, arbeitet als pädagogischer Mitarbeiter im Pionierpark in der Berliner Wuhlheide.

Von 1955 bis 1960 absolviert er ein Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg in der Fachrichtung Regie. Schon während seines Studiums arbeitet er bei verschiedenen Filmprojekten mit. Er unterstützt Wera Küchenmeister und Claus Küchenmeister bei dem Dokumentarfilm TRÄUMT FÜR MORGEN (1956), assistiert dem Regisseur Andrew Thorndike und Annelie Thorndike bei UNTERNEHMEN TEUTONENSCHWERT (1958) und den Regisseuren Joachim Hadaschik und Ivo Toman bei einer Dokumentation über die 1. Sommerspartakiade in Leipzig. Der Dokumentarfilm SOLDAT UND SPORTLER (1959) wird sein Abschlußfilm an der Hochschule.

Zunächst arbeitet Rolf Losansky als Regie-Assistent bei Frank Beyer an dessen Film KÖNIGSKINDER (1962) und bei Günter Reisch an dem Film ACH, DU FRÖHLICHE (1962) mit. Dann legt er mit GEHEIMNIS DER 17 (1963) seinen ersten Film vor. Erzählt wird die Geschichte einiger Pioniere, die den archäologischen Nachweis erbringen, daß die Stadtburg einst von Hussiten gestürmt worden ist. Bereits bei seinem Debüt hinter der Kamera entscheidet sich Rolf Losansky für ein traditionsreiches Genre, den Kinder- und Jugendfilm. Ebenfalls bei seinem ersten Film sammelt er feste Mitarbeiter um sich, die in den nächsten Jahre mehrfach an seinen Filmprojekten beteiligt sein werden: die Drehbuchautor Günther Mehnert und Gerd Gericke, die Dramaturgin Gudrun Deubener, der Kameramann Klaus Neugebauer, später die Kameramänner Helmut Grewald und Peter Süring und die Szenaristin Christa Kozik.

Ersten großen Erfolg feiert der Regisseur bereits mit seinem zweiten Film, dem Kriminalfall DIE SUCHE NACH DEM WUNDERBUNTEN VÖGELCHEN (1964) nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Franz Fühmann. Aus dem Kinderheim "Sonnenschein" in Käsebrot ist das wunderbunte Vögelchen gestohlen worden. Die Kinder und die Polizei machen sich auf die Suche nach dem Dieb, den sie auf dem Rummelplatz in Butterberg entdecken. Der Erfolg bringt dem jungen Regisseur einen Regie-Vertrag beim DEFA-Studio für Spielfilme ein. Es folgt der Jugendfilm DER REVOLVER DES KORPORALS (1967) sowie die Komödien IM HIMMEL IST DOCH JAHRMARKT (1969) und HUT AB, WENN DU KÜSST (1971), mit denen der Regisseur nicht an den früheren Erfolg anschließen kann.

Erst mit EUCH WERD ICH'S ZEIGEN (1972) wendet sich Rolf Losansky wieder dem Kinderfilm zu und konzentriert sich in der Folge auf dieses Genre. Der 13jährige Bernd Gaedke zieht von Rostock in eine Kleinstadt und muß sich dort das Vertrauen und die Achtung seiner Mitschüler und Eltern erkämpfen. Zwei Jahre später folgt der Jugendfilm ... VERDAMMT ICH BIN ERWACHSEN (1974), in dem sich der Regisseur mit den Problemen des 15jähriger Klaus Kambor, genannt Kurbel, auseinandersetzt, der sich in der Erwachsenen-Welt erst zu recht finden muß. Nochmals wendet sich Rolf Losansky einem realistischen Stoff in ACHILLESFERSE (1978) zu. Hier berichtet er von der 17jährigen Susanne, die als Turnerin hart trainiert. Sie befindet sich gerade in einer schwierigen Zeit, gerät in einen Konflikt zwischen junger Liebe und zeitintensiven Leistungssport. Einfühlsam setzt sich der Regisseur mit den Problemen pubertierender Jugendlicher auseinander.

Immer wieder inszeniert der Regisseur auch märchenhafte Stoffe, die angereichert sind mit phantastischen Elementen. In BLUMEN FÜR DEN MANN IM MOND (1975) erzählt er ein modernes Märchen. Adam Ledermann will Blumen für den Mann im Mond züchten, alle halten ihn für einen Spinner. Er aber findet Partner und zieht eine wunderschöne Mondblume heran. Erwachsenen und Kindern erteilt er eine Lektion in Sachen Phantasie. In EIN SCHNEEMANN FÜR AFRIKA (1977) transportiert ein Matrose Karli auf der MS Wismar über den Äquator ein Geschenk für das kleine farbige Mädchen Asina. Es ist ein Schneemann, der auch noch lebendig wird. In DER LANGE RITT ZUR SCHULE (1982) versetzt sich der 10jährige Alex auf seinem Schulweg immer wieder in die Rolle seines geliebten Western-Helden (gespielt von Gojko Mitic) und erlebt so einige aufregende Abenteuer. Allen Filmen ist gemeinsam, daß sie sich mit Witz, Leichtigkeit und viel Phantasie den Problemen der Kinder annehmen. Der Regisseur beweist gleichermaßen pädagogisches wie künstlerisches Einfühlungsvermögen.
Weil der 9jährige Moritz in MORITZ IN DER LITFAßSÄULE (1983) so langsam und verträumt ist, bringt er alle um ihn herum zur Verzweiflung. Also versteckt er sich in einer Litfaßsäule und lernt dort eine wundersame, sprechende Katze kennen, die ihm hilft, sich seinen Problemen zu stellen. In dem poetischem Kinderfilm WEIßE WOLKE CAROLIN (1985), der am Greifswalder Bodden spielt, schildert der Regisseur die erste Liebe zwischen dem 11jährigen Hannes und seiner gleichaltrigen Klassenkameradin Carolin.

Eine weitere Gemeinsamkeit seiner Filme ist die Anwendung von Animationstechniken, die die phantastischen Elemente in die Erzählhandlung integrieren. In DAS SCHULGESPENST (1987) geht es um Carola, die ein Gespenst erfindet, mit dem sie die Rollen tauscht. Fortan ist sie eine gute Schülerin, stiftet aber als Gespenst zahlreichen Unsinn. Als sie die Rollen wieder tauschen will, weigert sich das Gespenst und erst Willi, der Freund von Carola, kann ihr helfen. Wie fast alle seine Filme, läßt sich der Regisseur auf die Situationen und Phantasien der jungen Protagonisten und der Zuschauer ein, inszeniert mit viel Sympathie für die Figuren seine Geschichten. Leitgedanke des Regisseurs und seiner Filme ist die Phantasie. Sie hilft in vielen Lebenslagen, Probleme zu bewältigen und ihren Weg in der Gesellschaft zu finden. 
Nach dem Zusammenbruch der DDR hat der Regisseur wie viele seiner anderen Kollegen Schwierigkeiten, Filme zu realisieren. Er setzt einen der letzten DEFA-Filme ZIRRI, DAS WOLKENSCHAF (1993) in Szene. Erzählt wird von dem kleinen Mädchen Christine aus Potsdam, die auf dem Lande dem Wolkenschäfchen Zirri begegnet, das sich gegen die schwarzen Wolken behaupten muß. Mit vereinten Kräften kann das Schäfchen gerettet werden. 1996 folgt der phantasievolle Kinderfilm FRIEDRICH UND DER VERZAUBERTE EINBRECHER (1997), in dem ein 9jähriger Junge einen Einbrecher mit seiner Liebe zu Büchern zum Guten bekehren und mit seiner Leidenschaft für "Robin Hood" überzeugen kann. Der derzeit letzte Kinofilm des Regisseurs ist die Verfilmung des Grimmschen Märchens HANS IM GLÜCK (1999).

Rolf Losansky reist mittlerweile mit seinen Filmen durch die ganze Welt. So tourt er mit seinem letzten DEFA-Film ZIRRI, DAS WOLKENSCHAF (1993) durch ganz Deutschland und ist mit ihm auf vielen internationalen Festivals präsent. Er spricht mit den jugendlichen Zuschauern in Moskau, Stockholm, Kairo oder in China. Nebenbei inszeniert der Regisseur am Theater, unter anderem "Zwerg Nase" an Bühnen in Altenburg und Gera. Außerdem leitet er Drehbuchseminare.

Rolf Losansky stirbt am 15.9.2016 nach schwerer Krankheit in Potsdam.

Zusammengestellt von Ines Walk.

Auszeichnungen

  • 1972: EUCH WERD ICH'S ZEIGEN  - Medaille der Pionierorganisation Ernst Thälmann in Gold
  • 1972: EUCH WERD ICH'S ZEIGEN  - Kinderfilmwoche Erfurt: 1. Preis
  • 1975: VERDAMMT, ICH BIN ERWACHSEN - Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Gijon: Preis
  • 1976: VERDAMMT, ICH BIN ERWACHSEN - Heinrich-Greif-Preis II. Klasse im Kollektiv
  • 1978: EIN SCHNEEMANN FÜR AFRIKA - Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Gijon: Auszeichnung
  • 1979: EIN SCHNEEMANN FÜR AFRIKA - 1. Nationales Festival für Kinderfilme der DDR Gera: Ehrenpreis der Kinderjury
  • 1979: Nationalpreis II. Klasse im Kollektiv des DEFA-Studios für Spielfilme auf dem Gebiet des Kinder- und Jugendfilms
  • 1983: ACHILLESSFERSE - Kunstpreis des DTSB gemeinsam mit Günther Mehnert
  • 1983: Nationales Festival für Kinderfilme der DDR: Ehrendiplom der Fachjury für beispielgebendes Bemühen um den Unterhaltungsfilm für Kinder
  • 1984: MORITZ IN DER LITFASSÄULE - Kritikerpreis
  • 1986: MORITZ IN DER LITFASSÄULE - Nationales Festival für Kinderfilme der DDR: Ehrenpreis der Kinderjury
  • 1986: MORITZ IN DER LITFASSÄULE - Sonderpreis des Ministers für Volksbildung
  • 1987: DAS SCHULGESPENST - Nationales Festival für Kinderfilme der DDR: Ehrenpreis der Kinderjury
  • 1987: DAS SCHULGESPENST - Sonderpreis des Ministers für Volksbildung
  • 1987: DAS SCHULGESPENST - Kinderfilm-Festival Essen: Blauer Elefant der Kinderjury
  • 1988: DAS SCHULGESPENST - Kritikerpreis
  • 1988: Artur Becker Medaille in Silber

Literatur

  • Rolf Losansky: Kritik am Bürgertum mit den spezifischen Mitteln der Filmsatire, Diplomarbeit an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg in der Fachrichtung Regie, 1960.
  • Rolf Losansky, Günter Mehnert, Klaus Richter de Vroe: Der Kinderfilm und sein Publikum Gedanken und Erfahrungen, in: Aus Theorie und Praixs des Films, Nr. 04/1976.
  • Hans-Dieter Tol: Rolf Losansky. Von der Schönheit und Schwierigkeit, erwachsen zu werden und erwachsen zu sein, in: Rolf Richter (Hrsg.): DEFA-Spielfilm-Regisseure und ihre Kritiker, Band 1. Henschel Verlag Berlin 1981.
  • Ingeborg Zimmerling: Wunderalter sind mir die liebsten, in: Filmspiegel, Nr. 13/1987.
  • Wolfgang Fischer: "Kinder können besser lachen" - Gespräch mit Rolf Losansky, Regisseur von Filmen über die Kindheit, in: Film & TV Kameramann 04/1994.
  • Barbara Felsmann: Der weite Weg ins neue Vaterland – Nach dem Ende der DEFA (3): Die Situation der Kinderfilmregisseure, in: film-dienst 13/1996.
  • Krü: Rolf Losansky dreht "Hans im Glück" im Brandenburgischen, in: Berliner Morgenpost, 21.04.1998.

DEFA-Filmografie

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