Werner Wolfgang Wallroth

Regisseur

* 28. Februar 1930 in Erfurt; † 9. August 2011 in Potsdam

Biografie

Werner Wolfgang Wallroth

bei den Dreharbeiten zu HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE (R: Werner Wolfgang Wallroth, 1968) Fotograf: Heinz Wenzel

Der Regisseur Werner W. Wallroth arbeitet seit den 1960er Jahren für die DEFA. Während seiner mehr als 20jährigen Arbeit für das Spielfilm-Studio führt er bei elf Kinofilmen Regie. Dabei ist er keinem Genre verpflichtet: dreht historische und Gegenwartskomödien, einen Abenteuer- und einen Indianerfilm sowie ein Filmmusical. Sein wohl erfolgreichster Film an den Kinokassen ist HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE (1968), der den Starruhm von  Manfred Krug mitbegründet.

Werner W. Wallroth wird am 28. Februar 1930 in Erfurt geboren. Sein Bruder Wolfgang Wallroth wird später als Sänger arbeiten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges beendet er seine Schulausbildung und beginnt 1948 ein Studium der Germanistik und Anglistik. Danach bewirbt er sich für ein Regie-Studium an der Deutschen Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg, erlernt das Handwerk von 1954 bis 1959. In Anschluss ist er für zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent an der Hochschule beschäftigt.

1961 debütiert Werner W. Wallroth als Regisseur; es entsteht DAS RABAUKEN-KABARETT (1961), in dem eine junge Kabarett-Truppe einen thüringischen Schieferbau-Betrieb wieder in Schwung bringt. Vor der Kamera stehen einige Jungschauspieler, die das Gesicht der DEFA in späteren Jahren mitprägen werden, unter anderem  Ernst-Georg Schwill Peter Reusse Günter Junghans und Peter Sindermann. Nach seiner Arbeit Mord in Gateway (1962) für das Fernsehen entsteht mit ALASKAFÜCHE (1964) nach einem Roman von Wolfgang Schreyer ein politischer Abenteuerfilm. Bei Aufklärungsflügen über sowjetischem Gebiet im Polarmeer muss eine US-amerikanische Maschine notlanden; das Leben der Insassen rettet ein sowjetisches U-Boot. Politisch korrekt im Sinne der DDR-Verantwortlichen wird der amerikanische Kapitän in seiner Heimat wegen unamerikanischen Verhaltens verhaftet. Der Film überzeugt besonders in seiner Kameraarbeit von Otto Merz, die brillante Flugszenen liefert.

Nach der Erzählung "Die Winternachtsabenteuer" von Joachim Kupsch dreht Werner W. Wallroth HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE (1968), der mit Verwechslungsjagden und Gefechten, Tortenschlachten und Slapstick-Nummern auf abenteuerliche und witzige Attraktivität im 70mm-Format setzt. Erzählt wird von einem Soldaten, der sich 1813 in Wien mit List, Glück und Degen seinen Sold aus dem Befreiungskrieg ertrotzt. Besonders die darstellerische Leistung von Manfred Krug, der seine Rolle mit Geist und Witz verkörpert, wird von den Kritikern gelobt. Der Film, an den Kinokassen ein Erfolg, wird zum Start seiner erfolgreichen Schauspieler-Karriere. Nochmals wendet sich der Regisseur dem Thema der Befreiungskriege gegen Napoleon zu. In LÜTZOWER (1972) nach dem gleichnamigen Schauspiel von Hedda Zinner schildert er eine Begebenheit um die Freiwilligeneinheit "Lützower Jäger" des preußischen Heeres. Der Film, ebenfalls in 70mm gedreht und mit attraktiven Schauwerten versehen, bleibt allerdings hinter seinem Vorgänger zurück.

Im Jahr darauf dreht Werner W. Wallroth die deutsch-deutsche Komödie SEINE HOHEIT - GENOSSE PRINZ (1969). Der Schauspieler  Rolf Ludwig gibt den ostdeutschen Außenhandelskaufmann Kaspar Mai, der plötzlich als Prinz westlichen Grund und Boden erbt. Der Darsteller ist für diese Komödie genau die richtige Besetzung - liebevoll, schelmisch und häufig ungewollt clever. Das Filmteam nutzt mit der Geschichte die Chance, ironische Seitenhiebe auf beide deutsche Staaten zu verteilen und hat dabei einige Schwierigkeiten mit dem Staatsapparat der DDR; es wird unter den Mühlen der Zensur fast zerrieben. Der Regisseur und sein Drehbuchautor Rudi Strahl werden mehrfach, bis zum Minister hinauf, mit zahlreichen Listen zu streichender Wörter und Sätze versehen; damit nimmt der Biss der Komödie mehr und mehr ab.

Mit DU UND ICH UND KLEIN-PARIS (1970) inszeniert Werner W. Wallroth eine Liebes-Komödie. In dem heiteren und unbeschwerten Film spielen  Jaecki Schwarz und Evelyn Opoczynski die Hauptrollen. Nach dem gleichnamigen Buch von Ludwig Turek entsteht unter seiner Regie die Komödie LIEBESFALLEN (1976), vier szenisch miteinander verbundene Episoden zum Thema Liebe und Liebeswirren aus den 1970ern. Er geht um die Kunst, den richtigen Partner ins Bett zu ziehen. Besonders die Episode mit dem ungleichen Paar Marianne Wünscher und Fred Delmare, die ins Eheglück fallen, findet bei den Zuschauern regen Zuspruch.

Auf der Welle der DDR-Indianerfilme schwimmend, schreibt Werner W. Wallroth gemeinsam mit Wolfgang Ebeling und dem Schauspieler  Dean Reed das Drehbuch für den Film BLUTSBRÜDER (1975), bei dem er auch Regie führt. Erzählt wird die Geschichte des Soldaten Harmonika, der sich mit den Indianern anfreundet und sich an den Weißen rächt, die seine indianische Ehefrau ermordet haben. Mitte der 70er Jahre ist das Genre des Indianerfilms bei der DEFA bereits ausgeschöpft, der Film wird als spannungsarm und eher mäßig eingeschätzt. Trotzdem zählt er mit mehr als 1,6 Millionen Zuschauer zu den erfolgreichsten Werken des Jahres.

Werner W. Wallroth legt mit ZILLE UND ICK (1983) nach dem Bühnenstück "Der Maler von Berlin" von Dieter Wardetzky und Peter Rabenalt das letzte Filmmusical der DEFA vor. Ursprünglich sollte der Regisseur Horst Bonnet, bereits erfolgreich mit der ironischen Operettenverfilmung ORPHEUS IN DER UNTERWELT (1973), die Regie führen, doch er tritt 1979 von dem Projekt zurück, da es ihm zu realistisch ausgerichtet ist. Die Biografie des Malers ist in eine Geschichte um eines seiner Modells eingebunden, zudem reich an atmosphärischem Berliner Milieu. Gassenhauer, Hinterhofgesänge und Tanzszenen werden in die Handlung eingeflochten. Der Film, der auch im Panorama-Programm der Internationalen Filmfestspiele von Berlin läuft, erreicht an den Kinokassen nicht den erhofften Erfolg; die Erwartungshaltung des Publikums wünscht Berliner Heiterkeit. Das nächste musikalische Projekt mit dem Arbeitstitel "Treppe zum Himmel" wird aufgrund des Flops an den Kinokassen abgebrochen.

Sein letzter Film für die DEFA entsteht Mitte der 1980er Jahre. Die Liebeskomödie DER DOPPELGÄNGER (1985) erzählt eine klassische Geschichte, in der eine Ehe mit Hilfe eines Doppelgängers gerettet wird. Der Film floppt an den Kinokassen. Danach kann Werner W. Wallroth keine weiteren Filmprojekte mehr realisieren.

Werner W. Wallroth stirbt am 9. August 2011 in Potsdam.

Verfasst von Ines Walk. (Stand: August 2006, aktualisiert im September 2011)

Trailer zu "Lützower" (R: Werner Wolfgang Wallroth, 1972)

Literatur

  • Werner W. Wallroth: Über das Komische und das Lachen, in: Horst Knietzsch (Hrsg.): Kino- und Fernseh-Almanach: Prisma 05, Henschel Verlag Berlin 1974.
  • Martin Mund: Exponent des Heiteren. DEFA-Regisseur Werner W. Wallroth zum 70., in: Neues Deutschland, 28.02.2000.
  • W. N. Berger: Hauptmann Florian von der Mühle [Interview], in: Berliner Zeitung 01.10.1976.

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