4. Preisverleihung

Die Preise wurden am 25. November 2004 im Kino Babylon verliehen.

Preisträger

Preis für die Verdienste um den deutschen Film

Kurt Weiler

Kurt Weiler

Kurt Weiler

© Sandra Bergemann

Im Januar 1939 kommt der siebzehnjährige  Kurt Weiler mit einem der letzten Transporte für jüdische Kinder nach England. Im Exil besucht er Filmclubs, studiert Malerei und Graphik und tritt in eine Trickfilmwerkstatt ein, in der auch die nichtnaturalistische Ani­mation gepflegt wird. Mit diesem Wissen und Können kehrt er 1950 nach Deutschland zurück, findet zur DEFA.

Gegen manche Widerstände entwickelt er formal ambitionierte Trickfilme mit überhöhen­den und abstrahierenden Kombinationen von Puppen und gegenständlichen Materialien aus Eisen, Porzellan, Papier. Darstellende und bildende Kunst gehen eine Einheit ein. Dafür engagiert er avantgardistische Mitarbeiter wie Achim Freyer, Ezio Toffolutti, Gabriele Koerbl, B.K. Tragelehn, Friedrich Goldmann, einmal auch Einar Schleef. Die Stoffe werden komplexer: Themen sind Krieg und Frieden, das Verhältnis der Mächtigen zum Volk, die Geschichte von Geld, Wert und Mehrwert, die Korrespondenz von Mensch und Maschine.

Wenn die deutsche Trickfilmgeschichte einmal resümiert wird, stehen Weilers Arbeiten wie "Nörgel und Söhne", "Heinrich der Verhinderte", "Rekonstruktion eines berühmten Mordfalls" und vor allem "Die Suche nach dem Vogel Turlipan" ganz vorn. Diesem Werk und seinem Schöpfer gilt eine tiefe Verbeugung.

Laudator: Ralf Schenk, Filmkritiker

Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst

Christian Petzold

Christian Petzold

Christian Petzold

© Sandra Bergemann

Der eigene Ton, das Unverwechselbare, die spezifische Handschrift: Das in deutschen Film so inständig Beschworene – hier wurde es Realität und mehr als ein schönes Ver­sprechen.

Christian Petzolds Filme – in einem noch überschaubaren Oeuvre erinnern wir an DIE INNERE SICHERHEIT, TOTER MANN und WOLFSBURG – sind Erzählungen über die Condition humaine in Deutschland, über die Fragilität menschlicher Existenz in einer Gesell­schaft der Konzepte und Kontrollen, des Kompromisses und des Konformismus.

Scheinbar wohlgeordnete  Welten geraten aus den Fugen, kontrollierte Lebensabläufe und -strukturen entziehen sich den bisherigen Regeln und Mechanismen, werden brüchig und fragwürdig. Eine unerbittliche Nemesis beginnt ihr Regiment: Schuld, Sühne, Schock und Erlösung.

Bilder und Gegenbilder in einer vollkommenen Synthese. Petzold erzählt Geschichten, die unerbittlich auf ihr Ende zulaufen und schon sehr früh die Erkenntnis vermitteln, dass es hier keine Fluchtmöglichkeiten gibt. Die perfekt kalkulierte Struktur wird zur filmischen Tugend. Doch bleiben gedankliche Zwischenräume, die im Dialog mit dem Publikum zu erblühen beginnen.

Gelegentlich durchweht der Atem surrealistischer Manifeste Petzolds filmisches Universum:

„Mit der Welt gibt es keine Verständigung, wir gehören ihr nur in dem Maße an, wie wir uns gegen sie auflehnen“ schrieben Breton, Aragon und die anderen.

Laudator: Fred Gehler, Vorsitzender des Stiftungsrats der DEFA-Stiftung

Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses

Hans Weingartner

Hans Weingartner

Hans Weingartner

© Sandra Bergemann

Nach seinem grandiosen Debüt „Das weiße Rauschen“ ruft Hans Weingartner, in „Die fetten Jahre sind vorbei?“ zur Rebellion auf. Die Welt als „Diktatur des Kapitals“ zu ändern, treibt die drei Protagonisten in Hans Weingartners Film an.

Jan, Peter und Jule sind die „neuen Erziehungsberechtigten“, Rebellen des neuen Jahrtausends, die in verwaiste Villen eindringen, satten Reichtum zu bizarren Figuren auftürmen und ihre heimkehrenden Besitzer in Verwirrung stürzen, bis es aus Leichtsinn zu einer unfreiwilligen Entführung kommt.

Das eigene Welt- und Feindbild beginnt zu bröckeln, als sich der entführte Manager Hardenberg als Alt-68er erweist und ihre Wut auf ihn - der seine Ideale verraten hat - in vorsichtige Sympathie umkippt.

Unaufgeregt, ohne Besserwisserei, dabei sehr präzise und mit ironischem Blick erzählt Hans Weingartner von (s)einer Generation, die noch Ideale hat und nach Reibung sucht. Er spiegelt damit die Stimmung in unserem Land und scheut sich dabei nicht, die Unsicherheit und Sinnsuche der Alten und der Jungen dialogreich zu belegen.

Wie schon „Das weiße Rauschen“ mit einem kleinem Team und Handkamera realisiert, gelingt Weingartner eine direkte Beschreibung von Wirklichkeit.

Laudatorin: Dorett Molitor

Programmpreise

Spatzenkino Berlin

Kathrin Hinz

Kathrin Hinz

© Sandra Bergemann

Die Einen reden fast täglich in gesetzten Worten über die Medienkompetenz von Vorschulkindern. Andere versuchen sich in kurzzeitigen teuren Pilotprojekten. Beide sollten beim Spatzenkino Berlin in die Schule gehen. Das Ergebnis spricht für sich. Und alles mit wenig Geld, doch mit großem Erfolg und seit bereits 14 Jahren. Die damaligen Vierjährigen sind heute 18 und an den Kinokassen der Multiplexe derzeit die gern gesehensten Besucher.
Doch nur Wenige danken es der Kinoinitiative Spatzenkino, die selbstlos, bescheiden und mit viel ehrenamtlichem Engagement das tut, was eigentlich noch viel mehr auch Aufgabe der Politik und der Filmwirtschaft sein müsste.
Dank also an eine Vielzahl großartiger, unbekannter Menschen, die keinen roten Teppich benötigen, die aber neben ihrer medienpädagogischen Kompetenz vor allem wissen, was kleine Zuschauer zuerst brauchen: Menschen, die Freude, Zuwendung und Geborgenheit geben können.

Laudator: Helmut Morsbach, Vorstand der DEFA-Stiftung

Metropolis Dresden

Cornlia und Frank Apel

Cornelia & Frank Apel

© Sandra Bergemann

Obwohl kein Programmkino, ist das Metropolis mehr als nur Stätte der Zerstreuung und Ort des Vergnügens. Das breit gefächerte Angebot zeigt, dass gewerbliche Notwendigkeiten sich durchaus mit kulturell anspruchsvollen und vielseitigen Programmen mischen lassen. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Animationsfilm in Dresden werden alle wichtigen Trickfilme gezeigt, mit der technischen Universität Dresden werden gemeinsame Vorlesungsreihen zu speziellen Filmthemen veranstaltet und auch das Dresdner Festival für Kurz- und Animationsfilm hat hier ein Zuhause. Osteuropäische Filme gehören ebenso zum Programm wie Filmreihen zum DEFA-Film.
Der Zuschauer fühlt sich wohl im Metropolis. Zum anspruchsvollen Programm kommen eine kulturvolle Atmosphäre und eine vorbildliche Gastronomie. Zumindest jeder Dresdner Kinogänger sollte wissen: der etwas weitere Weg lohnt sich. Das Metropolis ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. An ihrer Spitze steht mit Cornelia und Frank Apel ein Team, dessen Kreativität überzeugt.

Laudator: Helmut Morsbach, Vorstand der DEFA-Stiftung

Internationales Filmfest Braunschweig

Volker Kufahl

Volker Kufahl

© Sandra Bergemann

Kaum ein anderes deutsches Festival hat sich über einen so langen Zeitraum mit dem Kinofilm der DDR und seinen Protagonisten beschäftigt. Bald zwei Jahrzehnte bemühten sich die Verantwortlichen ein Bild der gesamtdeutschen Filmlandschaft auf ihrem Festival entstehen zu lassen. In Werkschauen, Filmreihen und Gesprächen haben Schauspieler, Autoren und Regisseure des ostdeutschen Kinos eine Wertschätzung erfahren, die sie gern nach Braunschweig reisen ließ. Und es war viel Neugier, ein große Offenheit und eine liebevolle Präsentation, die Projekte möglich machte, die eigentlich nicht zu finanzieren waren.

Laudator: Helmut Morsbach, Vorstand der DEFA-Stiftung

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