18. Preisverleihung

Die Preise wurden am 30.11.2018 in der Akademie der Künste verliehen.

Preisträger

Preis für das filmkünstlerische Lebenswerk

Helga Schütz

Helga Schütz

© Reinhardt & Sommer

Liebe Helga, liebe Damen und Herren,

das wurde aber auch Zeit, dachte ich, als mir irgendwann im Sommer eine Mail in den Computer flatterte, die mitteilte, dass Dir die DEFA-Stiftung einen Preis verleihen würde. Das wurde aber auch Zeit. Wenn man sich nirgendwo in den Vordergrund spielt und keine Moden mitmacht, wird man leicht und lange übersehen.  
 
Aber es ist ja nicht irgendeiner, sondern der Hauptpreis. Also ist vielleicht gerade diese Zurückhaltung, dieses unbeirrbare Weitermachen honoriert worden, und zwar von den eigenen Kollegen.

29 Drehbücher zähle ich auf Wikipedia, und das sind nur die realisierten. In drei Jahrzehnten sind danach Filme entstanden, die nicht nur in den kleineren deutschen Nachkriegsstaat, sondern tief in die deutsche, ja europäische Geschichte führen. Immer geht es um Utopien, private, soziale, religiöse, um Illusionen, Rückschläge und die eigenwilligen Maßnahmen, die Figuren ergreifen, um sich und ihre Träume zu behaupten. Da ist nichts gefällig, manches aberwitzig, poetisch, provozierend, so provozierend, daß eine hübsche Komödie erst 1990 erheblich zerzaust aus dem Verbotskeller ans Licht kam. Wenn der Name  Helga Schütz im Vorspann auftaucht, ist das eine Empfehlung. 

Film ist ja ein merkwürdiges Gemeinschaftsunterfangen, bei dem es beflügelnd sein kann, zu einem „Schöpferkollektiv“ zu gehören, wie es in einem ihrer Romane heißt. Am Ende jedoch ist es ein Kompromissunternehmen, bestimmt nicht immer zur Zufriedenheit der Drehbuchschreiberin. Helga Schütz zog andere Seiten auf. Als Prosaautorin ist sie ihre eigene Regisseurin. Auch mit Büchern konnte man sich eine Menge Ärger einhandeln, aber sie hat wohl Glück gehabt; selbst unbekümmerte Frechheiten über das Land mit „siebzehn Millionen sesshafter, streng behauster Bürger“, über die ich heute staune, ließ man ihr durchgehen.  
 
14 Bücher hat sie veröffentlicht, keines scheint mir verfilmbar. In fast allen spielen immer neu arrangierte und variierte autobiographische Elemente mit: eine schlesische Kindheit, die Bombennacht in Dresden, Spaten, Pikierbesteck und Filmreferenzen. Wenn man genau hinsieht, wimmelt es von Filmbezügen, und in dem wundervollen Roman „Sepia“ stehen die Filmhochschule und weinrote Kinosessel sogar im Zentrum. Die Hauptperson Eli, den Gesellenbrief als Gärtnerin in der Tasche, beschließt, ein „Kulturmensch“ zu werden und zu diesem Behufe Kinematographie zu studieren, bei Potsdam, weil es dort die vielen königlichen Gärten gibt. Beide Argumente scheinen gleichrangig zu sein. 

Die eigentliche Konstante im Leben der Autorin ist nämlich das Gärtnern, die beste Schule, um Geduld, Belastbarkeit, Resolutheit und Sehen zu lernen. „Die Schere ist des guten Gärtners wichtigstes Werkzeug“, schreibt sie. Eli wiederum - jene „proletarische Perle in der goldenen Krawattennadel“ der Filmstudenten – bessert ihr Stipendium damit auf, dass sie in Sanssouci Reben herunterschneidet. Bis auf drei Augen, „Feigheit gilt nicht“. Sie hat Schuldgefühle danach, aber die Rebstöcke gedeihen und tragen sogar Trauben. Das ist die Art von Beherztheit, die es im Film und im Roman gleichermaßen braucht. 
 
In einem Interview wurde Helga Schütz gefragt, wie sich die Filmarbeit zum Prosaschreiben verhält. – Die Antwort war gewohnt lakonisch: Beim Filmen kommt man halt rum.  
 
Danke, dass Du Zuschauer wie Leser mitgenommen hast in Zeiten, Gegenden, Milieus und dass Du ihnen Figuren voll Eigensinn, Phantasie, Bodenhaftung und Mutterwitz vorführst. Wie heißt es über Eli (mit der Du natürlich keinesfalls identisch bist): „Sie ist unerschrocken in ihrem Weltbild. Sie kommt aus Sachsen. Eine autonome Erscheinung.“

Laudatorin: Angela Drescher


DEFA-Filmografie Helga Schütz:

Preis für herausragende Leistungen im deutschen Film

Tamara Trampe

Tamara Trampe

© Reinhardt & Sommer

Liebste Tamara!  Liebe Gäste,

bei unserem allerersten Arbeitstreffen gabst du mir einen Glücksstein und einen Gedanken mit auf den Weg. Damals arbeiteten wir in Abchasien, einem Land, in dem die Spuren des Krieges nach 25 Jahren noch immer sichtbar sind. Tamara sagte: „So wie die zerstörten Gebäude, sind dort auch die Menschen vom Trauma der Gewalt und des Hasses gekennzeichnet. Suche die Risse in den Menschen“. Tamaras Gedanke wurde existenziell wichtig für unseren Film. Übrigens jedes Mal, wenn ich zur Arbeit aufbreche, bekomme ich einen Glücksstein von ihr. Für mich und für alle anderen Regisseure, die Tamara als Dramaturgin begleitete, ist sie ein Glücksbringer, weil sie ihr Augenmerk besonders darauf legt, Mut zu haben, die Welt größer zu sehen, zu fassen und zu interpretieren. Dabei bleibt die Aufmerksamkeit immer auf den einzelnen Menschen gerichtet.  Unter ihrem klaren, genauen und auch streitbaren Blick liegt immer ihre gebende Hand. Sie weiß, wie wichtig es ist, uns Regisseure zu schützen und zu stützen.  Sie betreute als Dramaturgin viele junge Autoren und Regisseure: 20 Jahre lang bei der DEFA für Spielfilm, seit dem Mauerfall 28 Jahre freischaffend. Das sind ja mittlerweile sicher drei oder vier Filmgenerationen. Sie gehört zu den ganz wenigen, denen es gelungen ist, über all die Jahre immer eine Brücke zu den folgenden Generationen zu schlagen.  
 
Aber eigentlich muss man bei Tamara im Winter 1942 anfangen. Auf einem Schneefeld an der ukrainischen Front: da kommt Sie zur Welt. Zwischendrin und mitten im Krieg. Die ersten 11 Monate an der Front, die frühen Kinderjahre in der Ostukraine. „Die Wärme der Großmutter und den Hunger vergisst man nie“, wird sie später sagen. Mit sieben kommt sie mit der Familie aus der Sowjetunion nach Ostberlin. Tamara, das Russenkind, die Fremde. In den Siebzigerjahren wird Sie dreimal von der Stasi angeworben. Beim letzten Mal wird ihr gedroht, dass ihr Kind ins Heim käme, wenn sie eine Zusammenarbeit verweigere. Doch am Ende ist es die Stasi, die an ihr scheitert. Aus diesem Boden an Erfahrung und Schmerz wird sie später ihre eigenen Filme schöpfen. Der Krieg und die Kindheit sind zu ihrem Hauptthemen geworden.  
 
Doch bevor sie beginnt, selbst Filme zu machen, kommt es in ihrem Leben zu einer wichtigen Begegnung. Auf dem Festival in Leipzig lernt sie 1983 den Kameramann und Regisseur Johann Feindt kennen. Beide leben in Berlin, er im Westen, sie im Osten. Erst der Mauerfall bringt die beiden so richtig zusammen. Von nun an sind sie Weggefährten, wie sie selbst sagt, „die sehr ähnlich sehen und einander blind vertrauen“. Bislang schufen Sie gemeinsam vier abendfüllende Dokumentarfilme. Sie fanden auf Festivals, unter anderem der Berlinale, große Beachtung und wurden mehrmals ausgezeichnet. Filme, die einen zutiefst berühren, die Spuren hinterlassen und zum Nachdenken anregen. Die Filme der beiden leben von Tamaras persönlichen Erfahrungen, aber auch von ihrer einfühlsamen Direktheit, ihrer Nähe und dem Vertrauensverhältnis, das sie zu ihren Protagonisten entwickelt. Ich habe das so im Dokumentarfilm nur selten erlebt.  
 
Tamara, du bist ein außergewöhnlicher Mensch. Dein Charisma, deine Wärme, dein Temperament, dein wunderschöner Humor und deine Selbstironie sind nicht nur Teil deines Schaffens: sie prägen doch auch dein Leben mit deiner geliebten Familie, mit Frido, deinem Lebensgefährten und uns allen, deinen treuen Freunden. 
 
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Preis!

Laudatorin: Elwira Niewiera

Förderpreis für junges Kino

Jan Zabeil

Jan Zabeil

© Reinhardt & Sommer

Der Preis der DEFA-Stiftung für junges Kino geht in diesem Jahr an den Regisseur, Autor, Produzent und Kameramann Jan Zabeil. Herzlichen Glückwunsch, Jan.
 
Jan Zabeil studierte bis 2009 an der HFF Konrad Wolf Kamera und hat während des Studiums auch schon einige kürzere Filme unter eigener Regie realisiert. Ich habe Jan im Januar 2011 kennengelernt, erstmal nur per email, es war bitter für mich, deshalb kann ich mich noch sehr genau daran erinnern. Sein erster langer Spielfilm „Der Fluss war einst ein Mensch“ war in einer noch sehr rohen Schnittfassung bei der Berlinale eingereicht, und ich hatte das Privileg, als eine der ersten diesen Film sehen zu können. Was für ein außergewöhnliches Werk! Ich war absolut begeistert! Dieser Film vermittelte eine der extremsten Erfahrungen, die Kino bieten kann – ohne selbst in Lebensgefahr zu sein. Auf der Leinwand verlor sich dort jemand (Schauspieler Alexander Fehling) im Okavango-Delta in Afrika – und ich verlor mich mit ihm im Berlinale-Sichtungskino. Ich rief sofort den Produzenten an, dass ich verliebt bin in diesen Film, und fragte, ob er denn auch rechtzeitig zur Berlinale fertig würde. Ein zögerliches Abwägen überhörte ich einfach und schickte prompt eine schriftliche Einladung an den Regisseur Jan Zabeil.  
 
Einen Tag später bekam ich eine der nettesten und unwiderruflichsten Absagen, die mich im Laufe meiner kuratorischen Arbeit je erreicht haben. Zum Glück gibt es diese mail von Jan noch, sie erzählt mehr über seine Arbeitsweise und sein Denken über Film als all meine Worte das zusammenfassen könnten. Ich erlaube mir zu zitieren. „Liebe Linda Soeffker, nach längerem für und wider haben wir uns entschieden, die Einladung der PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO nicht anzunehmen. In den letzten Wochen kamen gute, neue Ideen auf, die ausprobiert werden müssen. Nun habe ich das Gefühl, dass der Film offene Potentiale in sich trägt, die ich bis zur Berlinale nicht zu 100% ausschöpfen könnte. Vielleicht würden wir es schaffen den Feinschnitt zu meiner Zufriedenheit zu beenden, aber dann müssten wir grobe Kompromisse in der Ton- und Musikgestaltung machen. Ich habe das Gefühl, dass dieser labile Film auf internationaler Bühne nur dann bestehen kann, wenn er nicht schon mit Kompromissen ins Rennen geht. Um das zu vermeiden, muss ich die Konsequenzen ziehen, weiter daran arbeiten und auf eine tolle Premiere in der Perspektive verzichten. Ich hoffe auf dein Verständnis. Jan Zabeil.“
 
Wuff. Harter Schlag. Klare Ansage. Aber ich war begeistert von so viel Entschiedenheit, von diesen 100%.
 
„Der Fluss war einst ein Mensch“ feierte seine Premiere dann ein halbes Jahr später auf dem Filmfest München, ich saß im Publikum und konnte auf der Bühne nun endlich das Gesicht zur zitierten mail ausmachen. Sein Debüt wurde gefeiert, und ich war glücklich, dabei zu sein. Am Ende gewann Jan zurecht den Förderpreis Deutscher Film und drei Monate später beim Film Festival in San Sebastian noch den begehrten New Directors Award. In den nächsten Jahren arbeitete Jan vor allem als Kameramann an verschiedenen Dokumentarfilmen und realisierte den Kurzfilm „We will stay in touch about it“ (2014), der auf vielen Festivals auf der ganzen Welt zu sehen war. Beim Internationalen Film Festival in Locarno stellte Jan letztes Jahr schließlich seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm „Drei Zinnen“ auf der Piazza vor. Er erzählt eine Geschichte über eine Patchwork-Familie, in der die unter der Oberfläche verborgenen Probleme im Angesicht einer gewaltigen Naturkulisse zum Ausbruch kommen und bleibt damit seinem bildgewaltigen Kino treu. 
 
Wiederbegegnet sind Jan und ich uns letztes Jahr bei den Hofer Filmtagen, wo „Drei Zinnen“ als Eröffnungsfilm seine Deutschland-Premiere feierte. Auf der Rückfahrt von Hof nach Berlin hatte ich das große Vergnügen mit Jan und seiner wunderbaren Frau, der Dokumentarfilmerin Veronika Kaserer, drei Stunden zusammen im Auto zu verbringen und beide endlich etwas ausführlicher kennenzulernen. Sie fuhren mich bis vor die Haustür im Wedding – und dann kam der Anruf aus Hof: Jan, du musst sofort zurückkommen, du gewinnst den Förderpreis Deutsches Kino, der mit 10.000 € dotiert ist… 
 
Lieber Jan, Danke nochmal, dass Du diesen kleinen Schlenker von … Kilometern gemacht und mich kurz nach Berlin gefahren hast, bevor Du in Hof Deinen verdienten Preis entgegen nehmen konntest.  
 
Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft – und die besten Bedingungen fürs unabhängige Filmemachen. Herzlichen Glückwunsch.

Laudatorin: Linda Söffker

Programmpreise

Burg Theater

Bernd Goldbach

© Reinhardt & Sommer

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich gratuliere der DEFA-Stiftung auch als Aufsichtsratsvorsitzender der eben erst 20jährigen Mitteldeutschen Medienförderung zum 20. und freue mich, heute die Laudatio auf einen der Preisträger zu halten. Nicht zufällig beginnt sie mit einem Zitat von Clausewitz, der in Burg geborenen worden ist und auch ein Philosoph war. Er postulierte: „Alles Denken ist Kunst. […] wo das Urteil anfängt: da fängt die Kunst an. Aber nicht genug: selbst das Erkennen des Geistes ist ja schon wieder Urteil und folglich Kunst, und am Ende auch wohl das Erkennen durch die Sinne.“

Sicheres Urteilsvermögen in Fragen der Filmästhetik und das Nachdenken über die Relevanz von Filmstoffen sind wichtige Voraussetzungen für die Gestaltung von Kinoprogrammen. Insofern sind auch Betreiber von Filmkunsttheatern Künstler, und ganz gewiss die Kinobetreiber des Burg Theaters. Sie werden heute mit dem Programmpreis ausgezeichnet. Inspiration von außen und eigene Ideen schufen diesen besonderen Ort.

Burg ist nicht nur der Geburtsort Clausewitz‘, sondern auch von Brigitte Reimann, deren Briefwechsel mit ihren Geschwistern und mit dem Erfolgsautor Wolfgang Schreyer aus Magdeburg gerade publiziert worden sind. Ihre Werke gaben viel Anregung für Filmschaffende. Denken Sie an die Verfilmung ihrer Tagebücher oder ihrer Erzählung „Die Frau am Pranger“. Bereits Anfang der achtziger Jahre war ihre „Franziska Linkerhand“ Vorlage für den DEFA-Film „Unser kurzes Leben“. Als der Film 2018 im Burg Theater wiederaufgeführt wurde, fand er ein reges Interesse.

Für Kino-Enthusiasten war die Stadt schon lange eine sehr gute Adresse. Hier wurde im Juni 1911 der erste deutsche Kino-Zweckbau, das „Lichtspiele/Palast-Theater“ eröffnet, das seinerzeit größte und modernste Spezial-Lichtspiel-Theater der Provinz Sachsen. Das war mehr als nur ein Ereignis, es war eine Zäsur. Das Kino bot damals, wie heute „Humor, Gefühl, Angst und peinigende Andeutungen. In gewissem Sinne hat das Kino nie etwas anders gezeigt. Alles Weitere war allenfalls Detail“, wie der aus Berlin stammende und 2015 in den USA verstorbene Kulturhistoriker Peter Gay in seiner Geschichte der Moderne schrieb.

Das Kino als solches hat sich ebenso behauptet wie das Lichtspielhaus in Burg. Heute trägt es den Namen Burg Theater und wird vom Verein Weitblick e.V. ehrenamtlich betrieben. Unsere Demokratie lebt von Menschen, die bereit sind, an ihrer Gestaltung aktiv mitzuwirken und dafür Zeit zu opfern. Dafür danke ich allen Mitgliedern des Vereins Weitblick und dem Vorsitzenden Bernd Goldbach ganz herzlich. Ihre Arbeit wird wahrgenommen und trägt Früchte. Sie haben die traditionsreiche Burger Kinogeschichte fortgeschrieben. Das Programm ist weitsichtig und klug konzipiert. Im Spielplan finden sich Arthouse-Filme, Blockbuster, Dokumentarfilme und gelegentlich DEFA-Filme. Derzeit gibt es sogar eine ambitionierte Veranstaltungsreihe „DEFA-Film im Gespräch“ mit Filmen, wie „Levins Mühle“ oder „ die Abenteuer des Werner Holt“. Dass so bekannte Filme heute wieder öffentlich gezeigt und diskutiert werden, ist ein großes Prä des Burg Theaters. Hier haben sie einen festen Platz in der ersten Reihe.

Die Filmgespräche und kulturellen Programme stehen für „nachhaltiges, regionales, gemeinnütziges, generationsübergreifendes Denken, Handeln und Arbeiten“. Vom Verein wird nicht nur Kino-Kunst für Burg und das Jerichower Land angeboten, sondern auch Lesungen, Diskussionsrunden, Konzerte und andere Formate, und nicht zuletzt ist das Burg Theater auch ein Ort der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche. Das Burg Theater vertritt mithin eine besondere Philosophie, eine Vision Kino, die unbedingt erhalten bleiben muss. Deswegen haben wir es auch bei der Digitalisierung unterstützt.

Es ist ein Kino mit Charme und Kultur; es hat Flair, es ist Kino und Kulturzentrum in einem, und das findet man in Deutschland nur selten. Es gab also für die Jury viele gute Gründe, das Burg Theater nach dem Kinoprogrammpreis Mitteldeutschland der MDM nun auch mit dem DEFA- Programmpreis auszuzeichnen.

Dem Burg Theater und dem Verein Weitblick gratuliere ich ganz herzlich zu dieser weiteren bedeutenden Auszeichnung.

Laudator: Rainer Robra

Museumskino Ernemann VII B - Technische Sammlungen Dresden

Maren Dose

© Reinhardt & Sommer

Das zu ehrende Kino in Dresden trägt den Namen des wohl berühmtesten in der Elbestadt gebauten Filmprojektors. Es befindet sich in dem ebenso berühmten, in moderner Stahlbetonarchitektur errichteten Fabrikgebäude der Ernemann-Werke. Dort liefen ab 1937 der Projektor und später auch die DDR-weit bekannten Praktica-Kameras vom Band, bei Quelle als „RevueFlex“ verkauft.

1992/93 sind hier die Technischen Sammlungen und das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) eingezogen – mit dem Ziel, diese Dresdner Spezial-Geschichten zu bewahren und zu zeigen: Medien-Technik und Trickfilm (der DEFA, aber auch der jüngeren Zeit). Oben, von der Kuppel des Ernemann-Baus aus, genießen Besucher*innen den Blick über die weite Dresdner Kulturlandschaft.

Dazu gesellt sich, neben den Ausstellungsräumen, ein kleines Kino: 78 historische Klappstühle (gerettet aus den ehemaligen Lichtspielen in Königstein); hinten eine Sichtscheibe mit Blick in den Vorführraum und auf den besagten (und betagten) Dresdner 35mm-Projektor, der noch oft in Betrieb genommen wird.

Seit fast 20 Jahren laufen an diesem besonderen Ort regelmäßig Filme, ein- bis zweimal wöchentlich, in intimer Klub-Atmosphäre. Durchschnittlich 50 Personen pro Vorstellung finden den Weg hinaus nach Striesen. Das braucht Engagement, Durchhaltevermögen, ein gezieltes kuratorisches Programm und... Herzblut – denn der Ort liegt abseits der touristischen Adern. Publikum stellt sich hier nicht automatisch ein, zumal zwei ebenso rege Programmkinos in der Nähe für Konkurrenz sorgen.

Zweimal im Jahr erscheint ein Flyer, ein neues Programm. Immer gibt es einen thematischen Schwerpunkt, „Klappen“ genannt: Klassiker der Filmgeschichte und DEFAProduktionen, beides neu und überraschend gemischt – so lässt sich das Konzept umreißen: Retrospektiven zu Roland Gräf und Frank Beyer, zum frühen Manfred Krug, zu Ernst Lubitsch und Ingmar Bergman stehen neben Reihen über „Diven auf der Leinwand“, mit russisch/sowjetischen Literaturverfilmungen, zur „Eisenbahn im Film“ oder zur philosophischen Frage: „Wem gehört die Welt?“ Und natürlich nutzt das Kino seine „Filet -Lage“ in einem Technik-, Film- und Kunst-Museum: Es begleitet Ausstellungen, aktuell die zu Jürgen Böttcher und zur Mode-Zeitschrift „Sibylle“. Im besten Sinne intermedial wirkt es dabei schon seit langem – seitdem das DIAF hier ausstellt. Animationsfilme, deren Zeichnungen bzw. Puppen unbelebt in Rahmen und Vitrinen arrangiert sind, können im Kino sozusagen „in voller Größe“ erlebt werden.

Weitere Facetten kamen hinzu. Mittlerweile drei Ausgaben der „Dresdner Stummfilmtage“ mit deutschen und internationalen Klassikern gingen seit 2016 im wörtlichen Sinne über die Bühne, denn die Live-Begleitung, nicht nur am Klavier sondern auch mit Saxophon, Violine oder elektronischen Sounds machten die Tage zu einem besonderen Event. Schließlich eröffnete das DIAF 2017 die Reihe ANIMANIA, die Animationsfilm weiter fasst als es die Ausstellungen im Hause können – mit Künstlern wie Lutz Dammbeck, Jochen Ehmann, den Talking Animals und den DEFATrickfilmgründern „Wir fünf“. 

Was können wir 2019 erwarten? Natürlich die 4. Dresdner Stummfilmtage und ein Special zum 90. Geburtstag des so früh verstorbenen Heiner Carow: ein sehr spezielles Konzert zu „Paul und Paula“; seien Sie also gespannt. 

Einen Programmpreis der DEFA-Stiftung erhält das Museumskino „Ernemann VII B“ der Technischen Sammlungen Dresden. Der Dank gilt der Programm-Macherin Maren Dose und der „Kino-Gruppe“ mit der Dramaturgin Sabine Scholze, der Regisseurin Marion Rasche, dem Medienpädagogen Karsten Fritz und dem Vorführer Wolfgang Gauß. Herzlichen Glückwunsch!

Laudator: Ralf Forster

Freunde der Freilichtbühne Weißensee e.V.

Robert Haag & Andreas Heinze

© Reinhardt & Sommer

In diesen Sommer kam für die Kinos einiges zusammen. Nicht nur, dass die Hitze die Leute unentwegt ins Freie trieb. Es gab 2018 für Kinobetreiber viele Gründe, die Flinte ins Korn zu werfen und den Projektor zum Trödler zu bringen. Einige Kollegen legten Sommerpausen ein oder übertrugen Ballspiele auf ihre Leinwände. Filmvorführungen unter freiem Himmel scheinen einen Ausweg zu bieten: hier könnte sich das luftige Sommergefühl durchaus mit kultureller Vermittlung und klingender Kasse verbinden. Allerdings nehmen nur wenige Anbieter die Möglichkeit einer anspruchsvollen Programmierung wahr. Auf den meisten Open-Air-Bühnen Berlins reproduziert sich bestenfalls der gehobene Mainstream der normalen Kinos. Mit dem Freilichtkino Weißensee gibt es eine Ausnahme. Das Areal an der Großen Seestraße, unmittelbar am Weißen See gelegen - welcher wiederum dem gesamten Stadtbezirk seinen Namen gibt - blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. In den 50er Jahren im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerkes“ für knapp 5000 Zuschauer als Ost-Berliner Gegenstück zur Waldbühne errichtet, fanden hier Estradenprogramme, Konzerte und Filmvorführungen statt. In den beginnenden 90ern schien eine große Zukunft als Veranstaltungsplattform für ganz Berlin bevorzustehen. Daraus wurde nichts. Die derzeitigen Betreiber vermeiden den Streit mit den klagewütigen Anwohnern und ziehen sich mit ihren anspruchsvollen Programmen auf die Kleine Bühne zurück - eigentlich der Hinterhof der einstigen Großbühne. Was hier angeboten wird, rechtfertigt den Kompromiss. Gezeigt werden neben anspruchsvollen aktuellen Produktionen wöchentlich auch handverlesene DEFA-Filme, die man ja auch nicht mehr so einfach zu sehen bekommt. So liefen hier u.a. Werke von Helke Misselwitz, Jürgen Böttcher, Roland Gräf, Egon Günther, Volker Koeppoder Herrmann Zschoche. Daneben gibt es Stummfilme, Konzerte. Lesungen und Kindertheater. Bitte weiter so! 

Laudator: Claus Löser

Preisverleihung 2018

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