13. Preisverleihung

Die Stiftungspreise wurden am 14.11.2013 im Kosmos verliehen.

Preis für das filmkünstlerische Lebenswerk

Günter Reisch

Günter Reisch

Günter Reisch

© Reinhardt & Sommer

Im Jahr 2000 bin ich für mein Studium nach Weimar gegangen. Ich bin in West-Berlin groß geworden. Von der DEFA hatte ich zuvor nie etwas gehört. Von  Günter Reisch auch nichts.

Als ich an der Uni in seinen Kurs ging, der die Grundlagen der Regie vermittelte, traf ich einen liebenswürdigen älteren Mann, der von seiner Vergangenheit äußerlich schwer gezeichnet war und doch eine Jugend in seinen Augen ausstrahlte, die, wie sich mir später offenbarte, ein Strahlen, ein Feuer der Leidenschaft war, jungen Menschen etwas von dem auf den Weg zu geben, was sein Leben war, ist und immer sein wird: FILM.

Und dann saß ich in Günters Kurs und er machte uns mit Filmen vertraut, die ich, wie die meisten anderen Studenten, nie zuvor gesehen hatte. Viele, sehr viele davon waren DEFA-Filme. Und obwohl es mir bei einigen Filmen wirklich schwer fiel, weil sie doch auf eine völlig andere Weise als mein damals bekanntes Hollywoodkino erzählten, machte es Günter möglich, sie zu verstehen. Unter anderem dadurch, dass er sie uns aus seiner Sicht erklärte. Ich durfte durch seine Augen schauen und sehen wie er Film sieht: mit einer warmen herzlichen Weltsicht.

Film wurde für mich ab da mehr als reine Unterhaltung. Denn Günter weckte in uns einen Anspruch. Er regte uns an, mit unseren Filmen eine Haltung zur Gegenwart zu zeigen, er schärfte unseren Blick auf die Figuren, machte uns begreiflich was ein Charakter ist, hob immer den Zeigefinger, dass wir unsere Figuren nicht verraten sollen, pochte immer wieder auf die Exposition, die Verabredung mit dem Zuschauer, den man im Film nie vergessen darf... Das war es, was Günter nicht nur uns, sondern seit 1955 Generationen von Filmschülern lehrte. Dass das erfolgreich war, versteht, wer seine Schüler kennt, denn dazu gehören u.a. Rolf Losansky, Hans-Dieter Grabe und sein Meisterschüler Andreas Dresen.

Günters tiefes Verständnis für Film entstammte natürlich einer intensiven Beschäftigung mit Film, vor allem aber der eigenen jahrzehntelangen Arbeit als Autor und Regisseur. Seine Komödien und Lustspiele amüsierten Millionen von Kinobesuchern. In „Maibowle“ und „Silvesterpunsch“, in „Nelken in Aspik“ und „Junges Gemüse“ und ganz besonders in „Anton der Zauberer“ fand sich sein Publikum wieder. Es sah den eigenen Alltag auf vergnügliche Weise aufs Korn genommen. Für Günter lag der große Reiz im Aufdecken von Widersprüchen als für ihn wichtigste Grundfrage aller künstlerischen Gestaltung. Diese Filme waren seine Auseinandersetzung mit den so menschlichen Schwächen und auch den Widersprüchen innerhalb der DDR. Günters Komödien waren nicht gewollt subversiv, sie waren nie zynisch. Sie waren ein augenzwinkerndes, liebevolles aber genaues Hinschauen auf das Leben der Menschen in dieser Gesellschaft und auch der Wunsch, Menschen zum Lachen zu bringen.

Als wir 2002 einen Dokumentarfilm über Günter drehten, sagte er im Interview sehr nachdenklich: „Über die DDR habe ich immer Komödien gemacht, solange es sie gab und heute würde ich versuchen sehr ernsthafte Filme darüber zu machen. Nachdenkliche. Um zu sehen, warum ist das alles so gegen den Baum gegangen“. Es ist schade, dass ein solcher Film von Günter nicht mehr entstanden ist. Seine Spurensuche hätte gewiss viele interessiert. So bleiben Günters ernsthafte Filme ausschließlich als eine Beschäftigung mit der Historie, mit der Zeit vor der Gründung der DDR. Diese Filme sind der andere Teil des künstlerischen Werkes von Günter.

Als er 1948 zur DEFA kam, hatte er Lehrer wie Gerhard Lamprecht und Martin Hellberg. Sein wichtigster Mentor aber wurde Kurt Maetzig. Als sein Regieassistent hat Günter an den ganz großen Historiendramen mitgewirkt, um dann später selbst solche zu drehen. Zuerst noch gemeinsam mit Kurz Maetzig „Das Lied der Matrosen“ und später allein die beiden Liebknechtfilme „Trotz alledem“ und „Solange Leben in mir ist“. Seine wahrscheinlich wichtigsten Filme aber waren „Wolz – Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“ und der gemeinsam mit Günter Rücker gedrehte Film „Die Verlobte“. Wer diese Filme gesehen hat, wird sie nicht vergessen. Geschichte im Film, das war und ist Günter wichtig. Sie soll nicht einfach bebildert werden, sie soll sich widerspiegeln in der im Schicksal des Einzelnen erlebten Geschichte. Im „Wolz“ und der „Verlobte(n)“ hat er das auch künstlerisch meisterhaft umgesetzt.

Aber Günter beherrscht neben der Kunst des Filmemachens und der des Unterrichtens und Inspirierens von jungen Leuten noch eine dritte Kunst und sogar bei dieser stand die DEFA im Mittelpunkt. Denn sein ganzes Leben lang hat Günter geschrieben, fotografiert und gefilmt. Und er hat das alles aufbewahrt. Vom Keller bis zum Dachboden lagerten im Hause Reisch diese ungeheuren Schätze. Sie alle gehen nun, aufbereitet von Günter, in die Sammlung Reisch und werden als größte Einzelsammlung der DEFA für immer öffentlich Zeugnis ablegen: von Günters Geschichte, von Günters Kunst und zugleich immer auch von der Geschichte der DEFA.

Günter, wir alle freuen uns aus tiefstem Herzen mit Dir über den Preis der DEFA-Stiftung für Dein künstlerisches Lebenswerk. Herzlichen Glückwunsch, Günter!

Laudatoren: Wolfgang und Yvonne Andrä (Filmemacher und Schüler Günter Reischs)

Preis für herausragende Leistungen im deutschen Film

Monika Schindler

Am Anfang ein paar Sätze, die ziemlich theoretisch klingen – muss aber sein…

Filme – zumal wenn sie gelungen sind - entziehen sich der Beschreibung, Filme m u s s man sehen. Natürlich kann man ihre Handlung nacherzählen, oder - wenn sie einfacher gestrickt sind - auch ihre Absichten formulieren – was aber ihre Wirkung eigentlich ausmacht, lässt sich nicht mit Worten, sondern nur visuell, nur durch den Fluss ihrer Bilder erleben und begreifen.

Das Paradoxon besteht darin, dass der Filmregisseur, um diesen Bilderfluss entstehen zu lassen, zuerst eine ganze Weile nichts anderes zur Verfügung hat als eben dieses Mittel der wörtlichen Beschreibung.

Vom Exposé bis zum Rohdrehbuch muss er gewissermaßen literarisch formulieren, was er optisch meint, und erst das Regiedrehbuch bekommt vielleicht einen Anstrich von Bildhaftigkeit, indem er seine Geschichte in Einstellungen aufteilt, Abbildungsgrößen benennt und womöglich sogar noch ein Storyboard anfertigt. Er macht damit so etwas wie eine allererste - hypothetische - Montage, die ihm seinem Ziel auch etwas näher bringt, aber wie der spätere Film wirklich aussehen wird, vermag weder er noch irgend ein anderer zuverlässig zu sagen.

Erst das Drehen selbst macht dann aus den Worten Bilder. Ist d a s nun der Moment, in dem sich das Literarische ins Filmische möglichst wunschgemäß verwandelt? In den allermeisten Fällen wohl eher nicht, es entstehen nur Einzelteile, gelungene, halbgelungene, auch missratene. Ein unterschiedliches Gemenge, bei dem er, so gut er kann, versuchen muss, eingetretene Verluste an anderer Stelle wieder zu kompensieren.

Der Witz dabei ist aber, dass er natürlich eigentlich nicht genau weiß, ob das, was er als Mangel empfindet, weil er es an seinen vorgefassten Absichten misst, vielleicht in Wirklichkeit nicht nur kein Mangel, sondern womöglich sogar eine neue, nur eben eine a n d e r e Qualität ist, aus der sich am Ende für den Film mehr herausholen lässt als mit seinen ursprünglichen, ‚literarischen‘ Entwürfen.

Mit dieser Unsicherheit landet er dann im Schneideraum. Hier muss sich nun alles beweisen. Ab jetzt hat alles Literarische seinen Sinn verloren. Jetzt gilt nicht mehr, was im Buche steht; es gilt, was der Schneidetisch hergibt, was das Material mehr oder weniger deutlich zu erkennen gibt: das rohe Gefüge des Filmes und – wenn man Glück hat – da und dort auch Bruchstücke seines Untertextes, also Teile von dem, was später seine eigentliche Wirkung ausmacht, seinen Sog, seine Faszination – eben das, was nonverbal ist und eigentlich auch unsichtbar.

Und erst jetzt, wenn der Film auf diese Weise sein Eigenleben beginnt, beginnt auch seine visuelle Sprache sich wirklich zu formen. Ihr Geburtsort ist der Schneideraum, ihre Geburtshelferin ist die Schnittmeisterin.

Monika Schindler also… Was hat mich dazu gebracht, nachdem Monika meinen ersten Film geschnitten hatte, auch bei allen anderen, die noch kommen sollten, immer wieder mit ihr zusammenzuarbeiten?

Natürlich ihre handwerklichen und organisatorischen Fähigkeiten: ihr sicheres Gespür für Rhythmus. Ihre Musikalität. Ihre unglaubliche Virtuosität in allen manuellen Verrichtungen (als wir angefangen haben, wurde im Schneideraum noch geschabt und geklebt). Ihr Sinn für Genauigkeit bis ins letzte Detail. Ihr souveräner Überblick über alles, was dazugehört: Bild, Sprache, Geräusche, Musik. Und nicht zuletzt: ihr Einfallsreichtum, wenn es darum ging, aus Notlösungen noch das Bestmögliche zu machen; in meiner Erinnerung leider kein ganz seltener Vorgang.

Aber eben noch viel wichtiger als dies alles: Monikas vollständige Abwesenheit von Eitelkeit im Hinblick auf ihre Arbeit. Ihr verinnerlichtes Wissen darum, dass nicht der Film der beste ist, der besonders perfekt geschnitten, fotografiert oder inszeniert ist, sondern der, der seine Sache am aufrichtigsten und wahrhaftigsten erzählt.

Nicht das Handwerk – und sei es noch so gekonnt – gibt dem Film seine Tiefe, sondern Sensibilität, Intuition und Leidenschaft. Nicht der äußere Ablauf eines Filmes - auch wenn es oft so aussieht – bestimmt am Ende seine Wirkung, sondern seine innere Zwangsläufigkeit, sein innerer Fluss, seine innere Montage.

Ich kenne nicht allzu viele Filmemacher, die dieses Wissen so beharrlich und dazu so erfolgreich praktiziert haben wie Monika.

Vor drei Jahren war ich das letzte Mal in Köln. Das, was ich eben hier gesagt habe, war in etwa meine Laudatio für Monika, die dort auf dem Schnitt- und Montagefestival einen Ehrenpreis für ihr Lebenswerk in Empfang genommen hat.

Ich will meine Verbeugung vor ihr auch heute mit denselben Worten beenden wie damals:

Es ist bewundernswert und wohl auch ziemlich einmalig wie die Schnittmeisterin Monika Schindler auch in der zweiten Hälfte ihres Arbeitslebens allen Herausforderungen standgehalten hat – neuen Möglichkeiten und neuen Zwängen. Sie ist heute so unermüdlich und kreativ wie eh und je… und ein Ende? Ein Ende ist nicht abzusehen…

Laudator: Roland Gräf

Förderpreis für junges Kino

David Sieveking

David Sieveking

David Sieveking

© Reinhardt & Sommer

Ich freue mich sehr, dass die DEFA-Stiftung ihren Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses in diesem Jahr an David Sieveking vergibt.

Es gibt viele Dinge, durch die sich David VOR anderen Filmemachern, auch Nachwuchsfilmemachern, auszeichnet. Vor allem macht er herausragende Filme, originell und mit einer ganz persönlichen, künstlerischen Handschrift. Man erkennt jeden seiner Filme als SEINEN Film, auch wenn David gerade nicht im Bild ist…

In seinem ersten – nach der Regie-Ausbildung an der dffb – gedrehten Film „David wants to fly“ sagt David über sich: „Ich wollte eigentlich abgründige Filme machen wie mein großes Vorbild David Lynch. Aber irgendwie fehlten mir die Abgründe…“ Heute, nachdem ich fast alle Filme von David gesehen habe, kann ich sagen: es gibt sie, die Abgründe in seinem Leben und ich bin dankbar, dass er uns davon erzählt.

David ist ein richtiger Typ! Sehr speziell, so ein RICHTIGER TYP eben! Das fällt auf. Es sind erstmal die augenscheinlichen Dinge, die ihn auszeichnen: seine Art sich zu kleiden – er trägt gerne Hut und Anzug, er trägt keinen Schmuck, auch keine Uhr, dafür aber Hosenträger… – Er hat einen ausgesprochen höflichen Umgang mit Freunden und Kollegen – er sieht dir in die Augen, wenn er mit dir spricht, er kann gut zuhören und nimmt sich Zeit. Mancher würde „oldschool“ sagen, ich sage eher: „gute alte Schule“.

Und es ist seine Art zu denken: engagiert, gesellschaftskritisch und immer geradeaus. So sind auch seine Filme! Sein Produzent Martin Heisler von Lichtblick Media, mit dem er seine letzten beiden Filme „David wants to fly“ und „Vergiss mein nicht“ gedreht hat, sagt sinngemäß über David: „Wenn man sich einen idealen Regisseur ‚backen‘ wollte, mit dem man gut arbeiten kann: kreativ, aber zuverlässig und pünktlich…, kritikfähig und die einzelne Leistung jedes Teammitglieds schätzend…, immer auf der Suche und trotzdem in sich ruhend - dann würde man David Sieveking erhalten…“ Was für ein Kompliment!

Ich habe David Sieveking kennengelernt als er noch an der dffb studierte und im Regie- Seminar bei Andreas Dresen den Film „Die amerikanischen Botschaft oder Warum wir uns bewegen“ gedreht hat. Ich habe es von Anfang an so empfunden, dass David sehr persönliche Filme über sich und sein Umfeld macht und dabei aber ein Bild über die ganze Welt entwerfen kann. Man glaubt, keinen deutschen Filmemacher so gut zu kennen wie ihn: Seine Schwester, seine Mutter, sein Vater, seine Freundin – oder besser: seine Ex-… alle sind uns schon in sehr privaten und emotionalen Bild-Erzählungen begegnet. Aus „Vergiss mein nicht“ weiß ich, dass David das Nesthäkchen der Familie ist, und dass er seinen Lieblings-Nachtisch „Milchreisauflauf“ nennt … Und dass er – jedenfalls 2010 noch – seine Miete immer noch nicht selbst zahlen konnte, sondern seine Eltern beispringen mussten – das verrät er uns in „David wants to fly“…

David ist mit seinen Geschichten gnadenlos, und das ist gut so.

Lieber David! Ich wünsche Dir für Deine Arbeit alles Gute, dass Du weiter Dich und die Welt befragst und dass Du auch zukünftig mit Leuten zusammen arbeiten kannst, die an Dich glauben, Dich unterstützen und Deine Visionen auf die Leinwand bringen.

Herzlichen Glückwunsch zum Förderpreis der DEFA-Stiftung!

Laudatorin: Linda Söffker

Programmpreise

Kino im KAFFE

Uwe Noske und Tina Wolter

Uwe Noske und Tina Wolter

© Reinhardt & Sommer

Manchmal kommt eins zum anderen, und auf einmal ergibt sich daraus eine Logik, die nie eine andere hätte sein können. Zuerst war da ein Kreis von Leuten, die sich einmal in der Woche trafen, um nicht nur zu reden und zu trinken, sondern einen konkreten Film zum Anlass nahmen, zusammen zu kommen. Dabei stießen sie irgendwann, vielleicht eher zufällig, auf einen DEFA-Film– und schon war das Interesse nach mehr geweckt. Aus den informellen Treffen erwuchs das Bedürfnis, ein breiteres Publikum mit der eigenen Lust anzustecken. In dem Café KAFFE, einer gemütlichen Lokalität in der Immanuelkirchstraße, fanden sie den idealen Ort in der richtigen Größe und Unkompliziertheit, die sie unbedingt beibehalten wollten. Was lag näher, als irgendwann nach den Schöpfern hinter den Filmen zu fragen? So luden die Betreiber Roland Gräf, Rolf Losansky, Hermann Beyer, Jörg Foth, Christel Bodenstein, Angelika Waller, Rainer Simon und viele viele andere ein. In nunmehr vier Jahren wurde aus dem Freundeskreis eine kleine „DEFA-Familie“, wie sie selbst sagen, und der wünschen wir, dass sie immer größere Kreise zieht... Klein, aber fein – und unbedingt preiswürdig, das KAFFE.

Laudatorinnen: Cornelia Klauß und Katrin Schlösser

Programmkino Ost

Sven Weser

Sven Weser

© Reinhardt & Sommer

Die Säle des Programmkinos Ost heißen Gloria, Olympia, Capitol und Scala, sie sollen an längst geschlossene Kinos in Dresden erinnern. Dabei ist Dresden gar keine Stadt, die sich beklagen kann. Unter den neuen Bundesländern verzeichnet Dresden neben Berlin die höchste Dichte an interessanten und agilen Arthouse-Kinos. Das Programmkino Ost mit seinen 5 Sälen leistet für diesen Ruf seinen Beitrag. Ob mit Schnuller- Frühstyx-(mit X) und Knirpsenkino, wenn das Programm schon in der Früh beginnt, oder mit Cinema Lokal, wenn die Filmemacher aus der Region ans Haus gebunden werden. Mit Veranstaltungen wie der Kleinen Filmakademie unter Leitung des Experten Dr. Karsten Fritz und den Animationsfilmprogrammen, die gemeinsam mit dem DIAF, dem Deutschen Institut für Animationsfilm, organisiert werden, verwandelt sich das Kino in eine Lehranstalt im allerbesten Wortsinne für Kinder wie Erwachsene. Das Programm des Programmkinos verrät, dass keine Bemühung unterlassen wird, das Publikum zu animieren, anzulocken, zu ködern, kurzum so interessant zu sein, dass die Dresdner den Weg nach Osten nicht scheuen. Das Gebäude ist schon über hundert Jahre alt, das Publikum ein sich immer wieder verjüngendes. Und das ist gar nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis von viel Arbeit und großer Umtriebigkeit.

Herzlichen Glückwunsch!

Laudatorinnen: Cornelia Klauß und Katrin Schlösser

Real Fiction – Verleih aus Köln

Joachim Kühn

Joachim Kühn

© Reinhardt & Sommer

Es zeugt schon von einer gewissen Tollkühnheit, wenn Joachim Kühn 1996 einen Verleih gründet, der sich auf die Fahnen schreibt, in erster Linie Dokumentar-und künstlerisch ambitionierte Filme ins Kino zu bringen. Ein Geschäftsmodell ist das nicht wirklich, eher eine Leidenschaft, mit deren Triebkraft er immer wieder versucht, den Markt zu überlisten, eine Lücke zu finden oder gegen alle Trägheitsgesetze den Zuschauer dennoch ins Kino zu locken, dies mal mit langsamen oder verwirrenden, mal mit spröden oder verspielten Werken. Um wie vieles ärmer wäre unsere Filmlandschaft, wenn ein Dokumentarfilm wie „Die Frau mit den 5 Elefanten“ von Vadim Jendrejko nicht den Weg ins Kino gefunden hätte. Seither ist klar, dass man Dostojewski nur in der Übersetzung von Swetlana Geier lesen kann. Oder „Tabu“ von Miguel Gomes, der sich traute, einen modernen Stummfilm zu kreieren, um nur zwei Beispiele aus einem reichen Repertoire herauszuheben, das von großer Geschmackssicherheit und fundierter Filmkenntnis zeugt. Real Fiction versucht aus Utopie Realität zu machen. Dafür gebührt Joachim Kühn und seinem Team Hochachtung und ein Preis.

Laudatorinnen: Cornelia Klauß und Katrin Schlösser

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