14. Preisverleihung

Die Stiftungspreise wurden am 14.11.2014 in der Akademie der Künste verliehen.

Preis für das filmkünstlerische Lebenswerk

Doris Borkmann

Doris Borkmann

Doris Borkmann

© Reinhardt & Sommer

Der Abspann des Films, der früher der Vorspann war, wird immer länger und läuft immer schneller.

Jede Leistung verdient es, mit Wertschätzung erwähnt zu werden. So erfahren wir zu Recht, wenn auch unnötigerweise, wer den Hund der Hauptrolle betreut hat.

 Doris Borkmann hat mehr als hundert Mal auf einen Titel gestanden. Regieassistenz, später Assistenzregie, dazu kam als weitere Variante ihrer Karriere das Casting. In den frühen Jahren, als wir anfingen, uns das Filmemachen zuzutrauen, kam auch sie in die DEFA. Nach einem halben Jahr am Schneidetisch, hat sie gewusst, dass sie Regieassistentin werden wollte. Dieser Beruf hat feste Pflichten, aber sie hat ihn sich eingerichtet nach ihrem besonderen Format.

Es gibt Leute auf der Durchreise. Spätere Regisseure lernen bei früheren Regisseuren. Man trifft auch hängengebliebene, nörgelnde Genies. Doris aber wollte sein, was sie wurde und blieb: Assistenz der Regie.

Sie rüstete sich aus mit Handwerk und Moral.

Bei fünf Filmen war ich in ihrer Nähe. Die Mitwirkung von Doris Borkmann ist verborgen, besser gesagt, sie ist sichtbar in einer Fülle täglicher Entscheidungen. Die schönsten Filme sind ja oft die gedachten. Sie müssen nur noch gemacht werden.

Wenn Doris dazu kam, manchmal lange vor dem ersten Drehtag, war der Film nicht länger ein Projekt. Was von nun an erwogen wurde, ging nicht mehr verloren. In ihrem Drehbuch sind oft auch die Rückseiten beschrieben, Protokolle unserer genauen oder vagen Absichten.

Wir hatten eine Geschichte, wenn auch der Schluss noch unklar war, ganz abgesehen vom Anfang. Wir hatten Geld, wenn auch nicht genug. Der Kameramann war da und der Szenenbildner. Wir redeten über die Schauspieler und wir konten Doris Borkmann fragen.

Doris kennt in den umliegenden Landschaften die Talente und Gesichter einer ganzen Epoche. Dazu gehören auch wenig bekannte Leute. Es sind auch die Schauspieler in den kleinen Rollen, die einen Film reich und glaubwürdig machen. Buch und Regie schulden ihnen einen guten, bemerkbaren Auftritt. Doris weiß, wo sie zu finden sind. Und wenn aus einer Probe nicht wird, schreibt sie lange, kollegiale Briefe des Bedauerns.

Beim Film wird viel gewartet.

Oft wollten wir zunächst einen Kaffee trinken und unsere Augen richteten sich auf Doris. Natürlich wusste sie, wo es Kaffee gab. Sie war die stille Mitte unserer Tätigkeit, auch in Fragen des Wohlbefindens. Damit aus Gottes schönen Tagen gute Drehtage wurden, hat sie, neben aller Organisation, Mut verbreitet, Streit geschlichtet, Missverständnisse geklärt und unsere Hoffnungen hoch gehalten.

Vielleicht ist ihr ein altes Buch begegnet, das nicht zur Filmliteratur zählt, es heißt: Über den Umgang mit Menschen.

Es ist gut, dass die DEFA-Stiftung mit Doris Borkmann eine Person preist, die berühmt ist und fast unbekannt zugleich. So fällt eine Licht auf einen Platz in der Maschinerie der Filmproduktion, an dem mehr Frauen als Männer zu finden sind. Lebenszeit und Lebenslust stecken in ihrer solidarischen Arbeit, viel früher Morgen, viel später Abend.

Gelegentlich treffen wir uns, liebe Doris, und der Mann an deiner Seite ist Herbert Ehler, der unser Produzent war mit edler Professionalität. Manchmal reden wir von denen, die nicht mehr da sind. Was wir wollten und immer noch wollen, ist ein Kino, das tägliche Geschichten erzählt und die große Geschichte nicht aus den Augen verliert.

Und immer denken wir an Koni. Er braucht es nicht, aber uns tut es gut.

Ich gratuliere dir am heutigen Abend, liebe Doris.

Laudator: Wolfgang Kohlhaase

Preis für herausragende Leistungen im deutschen Film

Romuald Karmakar

Romuald Karmakar

Romuald Karmakar

© Reinhardt & Sommer

Lieber Romuald,

der Preis für herausragende Leistungen im deutschen Film wird Dir mit größtem Recht verliehen und ich beglückwünsche die Jury zu ihrer Wahl. Denn sie zeichnet damit ein im deutschen Film einzigartig dastehendes Werk und einen höchst eigenständigen und unabhängigen Filmemacher aus. Einen Regisseur, der seinen eigenen Weg geht – und der dabei nicht sehr oft die Unterstützung von Förderinstitutionen gefunden hat. Der zudem für seinen Weg die vermeintlich feststehende Abgrenzungen von Dokumentation und Fiktion als unsinnig erkannt hat. Romuald Karmakars Filme wollen nicht das eine oder das andere sein, sich nicht in eines dieser Kästchen einpassen, sondern sie wollen vor allem eines sein: filmisch.

Das Material dafür kann eine Erkundung im tatsächlich unbekannten Gebiet sein, die Beobachtung bei als randständig geltenden Veranstaltungen oder sie kann auch in sozusagen gewohnter Weise auf Vorlagen beruhten. Es können dokumentierte Reden sein - „Das Himmler Projekt“ und „Hamburger Lektionen“ wäre als Beispiele zu nennen - und ebenso literarische Texte – wie z. B. in „Die Nacht und ihre Lieder“. Was auf diese Weise entsteht, manchmal in der Tradition des „guerilla filmmaking“, ist im besten Sinne unvorhersehbar. Nämlich nicht in einer persönlichen Routine oder Manier erstarrt. Ich könnte es auch so sagen: Romuald Karmakars Filme haben mich immer wieder vollkommen überrascht, und das ist ja wohl das Beste, was man über seine Filmerfahrungen überhaupt mitteilen kann. Überrascht in dem Sinne von „Entdeckungen bietend“, von „Einsichten ermöglichend“. Es gibt in der deutschen Sprache wohl kein so ganz treffendes Wort dafür, mir scheint fast, dass das französische „stupéfier“ es viel besser trifft. Verblüffen, betroffen machen, in sprachloses Erstaunen versetzen kann das heißen. Es geht um das Öffnen einer neuen Perspektive, darum auch, dass man getroffen wird vom Sehen. Das vor allem verbindet sich für mich mit diesen Filmen, von Beginn an.

Diesen Beginn markiert für mich Rolf Aurichs Interview mit Dir, das im Sommer 1990 in unser sozusagen stolz dilletierenden und insofern bemerkenswert konsequenten Zeitschrift „filmwärts“ erschien. Es folgte die Vorführung Deiner ersten Filme in Hannover, von "Coup de boule", "Gallodrome" und "Hunde aus Samt und Stahl", etwas später dann ein Gespräch mit Studenten, das ich moderieren durfte. Rolfs Interview, wahrscheinlich eines der ersten publizierten mit Dir überhaupt, haben wir beide dann in einer Art Sequel anlässlich einer Werkschau, die das Festival in Pesaro 2001 zeigte, fortgeführt. Da sprachen wir auch über einige der Erfahrungen, die mir Deine Filme bedeuteten. Über den "Totmacher" und die Zusammenarbeit mit dem großartigen Kamaramann Fred Schuler, die Dir viel bedeutete. Oder über das "Das Himmler-Projekt".

Bei der Berlinale 2000 im Forum, fast am Ende des Festivals aufgeführt, war dieser Film ein Perspektivöffner. Kein Film, den ich damals sah, war auch nur annähernd so intensiv, so herausfordernd wie dieser, wenige seither. Eine scheinbar einfache Konstellation: ein Schauspieler, der großartige Manfred Zapatka, der Himmlers Posener Rede spricht – und uns, die Zuschauer des Films, zum Adressaten dieser furchtbaren Ansprache machte. Zu Zeugen eines Denkens, das in historischen Analysen der nationalsozialistischen Verbrechen zu leicht im „System“ aufzugehen droht. Betroffen vom Film, das beschreibt gut, was das Publikum empfand.

„Eine Intervention“, so lautet der Untertitel des letzten langen Film von Romuald Karmakar. Was von einer Gesellschaft in der Regel nicht gesehen wird, das ruft sein Interesse hervor. Deswegen lässt er sich ein, auf Menschen, auf Milieus, auf Geschichten. Dass man da überhaupt hinein kommt, in diese verschlossenen Welten, das allein ist bereits eine große Leistung – daraus solche beeindruckenden Filme zu machen, die andere. Denn diese Welten liegen nur scheinbar am Rande, sind vielmehr in unserer Mitte. Ungesehen von der Mehrheit vielleicht, aber sie betreffend, ja, sie manchmal bedrohend. Das legen Romuald Karmakars Filme frei. Was „draußen“ ist, das definiert eben auch das, was als „drinnen“ gilt.

Eine Intervention war auch Dein Raum bei der letzten Biennale in Venedig, mit drei Screens, auf denen verschiedene Filme liefen, darunter "Hamburger Lektionen" und "8. Mai", der Film über die NPD-Kundgebung auf dem Alexanderplatz anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes. Auf eines möchte ich in diesem Zusammenhang ganz besonders hinweisen: etwas war in diesem Raum verblüffend anders als sonst bei solchen Installationen. Der Ton war exakt auf einen bestimmten Bereich hin gerichtet, die Tonquellen störten sich nicht. Eine handwerkliche Sorgfalt, wie man sie selten findet.

Das aber ist eben auch eine Eigenart Deiner Filme, sichtbar in den Kadragen, den Kamerabewegungen, dem Rhythmus – diese Sorgfalt im Detail. Wann bewegt sich die Kamera, wo steht sie, all das spricht von der Liebe zum Film. In Manila ebenso wie in Villalobos, in den langen wie den kürzeren Filmen. Es gibt keine Hierarchie der Filme, es zählt nur, was jeder einzelne ist. Dafür ist dieser Preis eine verdiente Anerkennung.

Laudator: Rainer Rother (Direktor der Deutschen Kinemathek)

Preis für junges Kino

Johannes Naber

Johannes Naber

Johannes Naber

© Reinhardt & Sommer

Herzlichen Glückwunsch an Johannes Naber, den das Publikum vor allem als den Regisseur der beiden Spielfilme DER ALBANER und ZEIT DER KANNIBALEN kennt. DER ALBANER erlebte seine Premiere 2011 in Saarbrücken und ZEIT DER KANNIBALEN wurde dieses Jahr in der Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale als große Entdeckung gefeiert und kam im Mai in die deutschen Kinos.

Man sagt ja immer, dass der zweite lange Film eines Regisseurs der schwerste ist. Das gilt umso mehr, wenn man – wie Johannes Naber – mit dem ersten (genauer gesagt: mit seinem ersten Spielfilm) einen renommierten Preis wie den Max-Ophüls-Preis gewonnen hat. Es gibt viel Unterstützung für einen Debüt-Film und eine Reihe gut dotierter Preise, den zweiten Film zu realisieren, ist meist schwieriger. Man kämpft mit dem hohen Anspruch an sich selbst, will die Erwartungen und Hoffnungen der Produzenten und Redakteure erfüllen und die des Publikums natürlich auch.

Umso mehr freue ich mich, dass der Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses in diesem Jahr an Johannes Naber geht – nach seinem ZWEITEN langen Spielfilm.

Preise können glücklich machen. Wenn sie dotiert sind, kann man mögliche Schulden begleichen, Lebenshaltungskosten decken oder alles gleich wieder in den nächsten Film stecken, je nachdem. Auf jeden Fall verschaffen sie erstmal Aufmerksamkeit und eine Öffentlichkeit, im besten Fall öffnen sie Türen bei Redaktionen und Geldgebern. Und trotzdem wird wahrscheinlich fast jeder ehemalige Preisträger bestätigen, dass es zwar einfacher wird, aber nicht einfach. Zumal wenn man ein so radikaler und akribisch arbeitender, die Grenzen seiner künstlerischen Freiheit auslotender, Regisseur ist wie Johannes Naber. Er macht es sich nicht gern leicht!

Johannes studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg Dokumentarfilm-Regie und hat spätestens mit dem 60-minütigen Abschlussfilm POPSTAR seine Weichen gestellt. In dem Dokumentarfilm über eine Mädchenband und einen Hamburger Musiker dreht sich alles um die Frage nach den Kompromissen, die man machen muss, um als Künstler erfolgreich zu sein. Kompromisslos zu arbeiten, scheint ein Luxus zu sein, den sich nicht jeder leisten kann und will. Johannes Naber leistet ihn sich und lebt mit der Kehrmedaille, dass diese Mühlen langsamer mahlen. Fast zehn Jahre hat es gebraucht, von der Idee bis zur Premiere seines ersten Spielfilms DER ALBANER, bis Johannes allen beweisen konnte, dass er Recht hatte, so und nicht anders an seinem Vorhaben festzuhalten.

Schon seit seiner Studentenzeit arbeitet Johannes auch als (Ober-)Beleuchter am Set und verschafft sich damit eine finanzielle Grundlage, die seiner Arbeit als Regisseur mehr Spielräume lässt. Mit der Unterstützung seiner Schwester Milena Maitz, die ZEIT DER KANNIBALEN produziert hat, konnte Johannes seinem Drang zur Perfektion in jedem einzelnen Gewerk, Schauspiel, Kostüm, Szenenbild, Schnitt, vor allem im Ton, folgen und den Film zu einem der diesjährigen Höhepunkte im deutschen Kino gestalten.

Angelehnt an Fassbinders Haltung, er mache Filme, statt Bomben, labelt Johannes Naber seine Arbeiten mit „filme statt bomben“ und positioniert sich als politisch denkender Filmemacher. In einem Interview mit dem film-dienst (11/2014) wird seine Sicht auf sich und das Filmemachen wie folgt zitiert: „Ich glaube fest daran, dass Filme die Welt verändern können. (…) Film ist immer auch ein Kommentar über den Zustand der Gesellschaft und als solcher per se politisch, egal ob Komödie oder Drama. Wenn Filmemacher diese Verantwortung nicht erkennen oder annehmen wollen, dann sollten sie den Beruf wechseln.“

Das ist eine Haltung! Und ich freue mich, dass wir hier heute einen Regisseur auszeichnen können, bei dem sich diese Haltung in Filmen spiegelt, die wir lieben. Herzlichen Glückwunsch!

Laudatorin: Linda Söffker (Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale)

Programmpreise

achtung berlin e. V. – new berlin film award

Sebastian Brose und Hajo Schäfer

Sebastian Brose und Hajo Schäfer

© Reinhardt & Sommer

„Man hat mich totfotografiert“ sagte die Dietrich in einem Interview. Kann man eine Stadt tot fotografieren? Sicher nicht. Die letzten zehn Jahre haben wir, auch dank des Festivals „achtung berlin“, erstaunlich viele Beweisstücke, Berlin neu und anders zu sehen, vor Augen geführt bekommen. So wie Berlin sich immer neu erfand - architektonisch, sozial, politisch, kulturell - wurden diese rasanten Veränderungen, Verkleidungen, Verirrungen, Enttäuschungen, Niederlagen und Erfolge in Geschichten gegossen. Die Idee des Festivals ist heute so naheliegend, obwohl damals auch Stimmen da waren, die stöhnten, was brauchen wir noch ein Festival? Jetzt ist es in der Welt und das ist gut so. Formen- und Formatsprengend, ob abendfüllender Spiel- oder Dokumentarfilm, mittellanger oder kurzer Film, ob Berliner oder Brandenburger Filmproduktion, Einzel-Produzent oder Regisseur, gefördert oder nicht, mit oder ohne Drehbuch - alle Kreativen können sich beteiligen, einzige Bedingung ist, dass der Drehort Berlin-Brandenburg ist bzw. ein Bezug hergestellt wird. War das Kino Babylon am Anfang einziger Austragungsort, hat sich das Festival die Stadt bzw. die Leinwände erobert, inzwischen sind es sechs Spielstätten.

Jedes Jahr gibt es eine Retrospektive mit ausgewähltem Fokus. Dabei spielten und spielen DEFA-Filme naturgemäß eine große Rolle, so schon 2006 mit historischen Berlinfilmen. 2010 wurden in der Retro „Die A-Berufe im DEFA-Film“ Fragen nach der Darstellung bürgerlicher Berufsgruppen im DEFA-Spielfilm gestellt, 2013 standen Kinder- und Jugendfilme aus Berlin in der Retro „Emil & Co.“ im Zentrum. Ausdruck schlauer Programmpolitik ist für mich die Retrospektive 2012: Unter dem Titel „Filmland Brandenburg“ wurden Spielorte in der Region in den Blick genommen. Dreh- und Spielorte in Brandenburg an der Havel mit „Erscheinen Pflicht“, Wittenberge mit „Karbid und Sauerampfer“, Wittstock mit „Mädchen in Wittstock“ oder der Spreewald mit „Hochwaldmärchen“ vereinten ganz unterschiedliche Handschriften wie Sichtweisen und eröffnete dem Zuschauer die Möglichkeit, die Filme neu zu sehen.

Und mit Festivalende ist Gott sei Dank nicht Schluss: Entdeckungen wie aktuell „Spirit Berlin“ von Kordula Hildebrandt bekommen wie andere Filme jenseits des Festivals eine Chance in den deutschen Kinos. Irgendwie ist immer achtung-berlin-Zeit, herzlichen Glückwunsch!

Laudatorin: Dorrett Molitor (Sammlungsleiterin vom Filmmuseum Potsdam)

Industrie- und Filmmuseum Wolfen e. V.

Horst Kühn

Horst Kühn

© Reinhardt & Sommer

Dort, wo 1936 der Farbfilm erfunden wurde, wo bis Anfang der 90er Jahre Rohfilm produziert wurde, gibt es heute nur noch oder besser zum Glück ein Museum, das an Agfa und ORWO erinnert.

Das ehemalige Riesenkombinat Wolfen wurde zurückgebaut, d.h. die eigenen Mitarbeiter mussten, gedrängt in zeitlich befristete ABM-Stellen, ihre Fabrik abreißen. Parallel entstand die Idee zur Gründung eines Museums.

Träger und treibende Kraft des Vorhabens wurde der im April 1992 gegründete Förderverein „Industrie- und Filmmuseum Wolfen e. V.“. Schon im Dezember 1993 konnte das Industrie und Filmmuseum Wolfen teileröffnet werden, bauliche Erweiterungen kamen hinzu. 1998 übernahm der Landkreis das Museum vom Verein.

Die Weiterarbeit an der Erforschung der regionalen Industriegeschichte setzten die Vereinsmitglieder aber ungebrochen fort. Mit Nachdruck verfolgen sie ihr Anliegen, das Negativimage der Chemie-Region abzubauen. Neben Publikationen zur Industriegeschichte wurde 2002 die inzwischen populäre Filmreihe „Filme wiederentdeckt“ ins Leben gerufen. Seit 2011 organisiert der Verein in alleiniger Regie acht Filmveranstaltungen mit zumeist DEFA-Filmen und einem Gast. Filme wie „Märkische Forschungen“, „Die weiße Rose“, „Die Taube auf dem Dach“, „Der Untertan“, „Der Fall Gleiwitz“ kamen zur Aufführung. Regisseure wie Roland Gräf, Kurt Maetzig, Michael Verhoeven, Iris Gusner, Herrmann Zschoche, Schauspieler wie Jutta Wachowiak, Rolf Hoppe, Dieter Mann und Eva-Maria Hagen waren in Wolfen zu Gast. 120 Besucher kommen im Schnitt zu den Veranstaltungen.

Seit 2012 gibt es zudem die von Paul Werner Wagner kuratierten „Wolfener Filmtage“ zu ausgewählten Themen wie „Der Weg in die Katastrophe“, Literaturverfilmungen der DEFA und „Unangepasste Jugendliche im DEFA-Film“.

Die Vereinsmitglieder haben sich Mitstreiter gesucht. Dazu gehören die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen und nicht zuletzt die DEFA-Stiftung.

Diese kontinuierliche lebendige Erinnerungsarbeit ist preiswürdig, herzlichen Glückwunsch!

Laudatorin: Dorrett Molitor (Sammlungsleiterin vom Filmmuseum Potsdam)

Kommunales Kino mon ami Weimar

Edgar Hartung

Edgar Hartung

© Reinhardt & Sommer

„mon ami“ heißt übersetzt „mein Freund“, ist also ein Maskulinum, amie mit langem i wäre die weibliche Form. Lassen wir dahingestellt, warum vor 15 Jahren, als das Kino gegründet wurde, die männliche Form gewählt wurde. Das Kino, man darf schon sagen, thront mitten in Weimar am Goetheplatz und ist Bestandteil eines Kulturzentrums, das Konzerte, Theater, Workshops mit Schwerpunkt Jugendkultur anbietet. Neben einem großen Saal gibt es Seminarräume, ein Café, aber auch einen Tanzraum. Eine korrespondierende Verknüpfung der Angebote ist hier leicht vorstellbar. Vereine und Initiativen der Stadt nutzen das Haus, die Liste der Partner ist lang.

Nennen möchte ich hier nur die Bauhaus-Universität Weimar mit ihrem Film-Institut (BFI), das im Mai 2008 ins Leben gerufen wurde. Günter Reisch war dort Honorarprofessor für Filmgestaltung und natürlich war er auch Gast im mon ami. Kluge Kinomacher nutzen solche Fügungen.

Gewohnte Praxis sind Programme mit nationaler und Weltfilmkunst, oft in Originalfassungen mit Untertiteln und Kinderfilme. Spannend und beeindruckend in ihrer Gründlichkeit sind die thematischen Filmreihen, so etwa „Gefeiert und Missbraucht – Weimar als Instrument der Politik“, die die wechselvolle Geschichte Weimars in den Blick nimmt. Oder „Ansichtssache Erster Weltkrieg. Filmklassiker aus 100 Jahren Filmgeschichte“, wobei ausgewählte Filme für Sonder- und Schulvorstellungen angeboten werden. Überregionale Offerten, die, so ist zu hoffen, nicht nur die Bewohner Weimars interessieren.

Die wunderbare Eigenschaft, dass Filme - frei nach Goethe - unterhaltend bilden bzw. bildend unterhalten, nutzt das Kino im Rahmen der Medienbildung, gern auch in englischer oder französischer Sprache. Und, ja, es gibt auch in Weimar ein Filmfest. „Aufbruch in Unbekanntes“, so der diesjährige Titel, startet mit „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ von Edgar Reitz. Damit kommt ein ausgezeichneter Film auf die Leinwand, der diese ohne Festivals kaum erreichen würde. Und deshalb ist auch dieses Festival nötig. Einführungen und Filmgespräche ermöglichen dabei die Begegnung mit Regisseuren, Autoren, Historikern und andere Beteiligten.

Schon zehn Mal erhielt das mon ami den Kinopreis des Kinematheksverbundes. Ein Preis, der herausragende Programme und das kontinuierliche Engagement für eine anspruchsvolle und vielfältige Kinokultur würdigt. Braucht solch ein erfolgreiches Kino noch einen Preis? Eindeutig Ja. Wir wissen alle, kommunale Kinoarbeit braucht neben der Leidenschaft, dem immer wieder beschworenen Engagement auch Anerkennung. Damit kann man gegenüber den Trägern – in diesem Fall der Stadt Weimar und dem Land Thüringen – wuchern. Die mit dem Preis verbundene kleine Geldprämie kann – auch das wissen wir – nur eines der vielen Löcher stopfen.

Wir sind sicher, dass das Geld gut angelegt wird und gratulieren herzlich!

Laudatorin: Dorrett Molitor (Sammlungsleiterin vom Filmmuseum Potsdam)

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