zitromax costo zitromax 500 mg pris zitromax bivirkninger
desloratadin stada desloratadin i loratadin desloratadin cortison
desloratadin stada desloratadin actavis desloratadin cortison
pramipexol nebenwirkungen pramipexol orion pramipexol precio
DEFA - Stiftung - Karmakar, Romuald

Romuald Karmakar

Romuald Karmakar wurde am 15. Februar 1965 in Wiesbaden (Hessen) als Sohn einer französischen Mutter und eines iranischen Vaters geboren. Aufgewachsen in Athen, siedelte er 1982 nach München um. Die bayrische Landeshauptstadt und deren Subkultur prägten ihn nachhaltig. Er kam in Kontakt mit dem Freundeskreis des legendären Werkstattkinos und deren Netzwerk „Freizeit 81“ (Doris Kuhn, Erich Wagner, Wolfgang Bihlmeir, Florian Süßmayr, Anatol Nitschke). Karmakar erhielt dort seine filmische und politische Sozialisierung, hörte Punk und spielte Fußball im Club „FC/DC“. Bald entstanden erste Filme auf Super-8. 1985 drehte er „Eine Freundschaft in Deutschland“ (mit sich selbst in der Rolle des Adolf Hitler) und 1987, während seines Grundwehrdienstes in der französischen Armee, „Coup de boule“. Er war in einer Garnison bei Wittlich (nahe Trier) stationiert, konnte als Bataillonsfotograf seine Schmalfilmkamera in die Kaserne mitbringen und so die Freizeitrituale seiner Kameraden dokumentieren. Spätestens mit dem 1989 entstandenen „Hunde aus Samt und Stahl“, über Kampfhunde und deren Halter, wurden die Filmkritiker Frieda Grafe und Enno Patalas auf den jungen Mann aufmerksam und begannen, ihn ideell zu unterstützen. Im selben Jahr fand im Münchner Filmmuseum eine erste Retrospektive mit Werken des gerade einmal 24-jährigen statt.

Obwohl „Eine Freundschaft in Deutschland“ ein (sehr unkonventioneller) Spielfilm war, wurde Karmakar zunächst mit dokumentarischen Arbeiten bekannt. „Erst als ich ’87 ‚Coup de Boule’ gedreht habe, habe ich irgendwie für mich gemerkt, dass ich das Filmemachen, und alles was damit in technischer Hinsicht verbunden ist, erst einmal über den Dokumentarfilm erlernen muss.“[1] Zum frühen Kulminationspunkt seiner dokumentarischen Phase wurde der 1992 veröffentlichte, fast dreistündige „Warheads“ - ein Gruppenporträt von Söldnern, die vor der Kamera unbekümmert über ihre Intentionen plauderten. Karmakar zeigte, dass auch nach dem Ende des Kalten Krieges militärische Gewalt zum alltäglichen Weltgeschehen gehören würde.

1995 legte der Regisseur mit „Der Totmacher“ seinen ersten abendfüllenden Spielfilm vor – einen historischen Justizfilm, der auf den originalen Vernehmungsprotokollen des Serientäters Fritz Haarmann basierte, verkörpert von Götz George, beruhte. 1998 folgte der einstündige, im Mikrokosmos eines „Büdchens“ im Ruhrpott spielende „Das Frankfurter Kreuz“ und ein Jahr später der gemeinsam mit dem Schriftsteller Bodo Kirchhoff entwickelte „Manila“, der auf dem Festival in Locarno mit dem „Silbernen Leoparden“ geehrt wurde. 2004 kam auf der Berlinale „Die Nacht singt ihre Lieder“ zur Premiere, nach einem Stück des norwegischen Dramatikers Jon Fosse, sein vorerst letzter gremiengeförderter Spielfilm. Seit dem Jahr 2000 und dem „Himmler-Projekt“ (über die berühmt-berüchtigte „Posener Rede“ des SS-Reichsführers) hat Karmakar eine Reihe von dokumentarisch-fiktionalen Hybridfilmen gedreht, die sich, mit geringem Budget in Eigenproduktion entstanden, mit der (Nicht-)Darstellbarkeit von Gewalt an der Schnittstelle von Bild und Sprache beschäftigen. Zu dieser Werkgruppe gehören bislang neben dem „Himmler-Projekt“ auch die Filme „Hamburger Lektionen“ (2006) und „Angriff auf die Demokratie - Eine Intervention“ (2012). „Land der Vernichtung“ (2004) entstand im Rahmen der Recherchen zu einem noch nicht realisierten Spielfilm über den Holocaust. Eine besondere Vorliebe verbindet den Filmemacher mit Randbereichen der populären Musik, die sich in dokumentarischen Skizzen wie „196 bpm“ (2003), „Between the Devil and the Wide Blue Sea“ (2005) oder „Villalobos“ (2009) niederschlug. 2013 wurde Romuald Karmakar eingeladen, neben Ai Weiwei, Santu Mofokeng und Dayanita Singh den Deutschen Pavillon bei der Kunst Biennale von Venedig mitzugestalten. Bis Anfang 2014 absolvierte er als Fellow am Radcliffe Institute (Harvard University Cambridge, Massachusetts) einen mehrmonatigen Aufenthalt. Der Künstler lebt mit Frau und Kind in Berlin.

[1] Romuald Karmakar im Gespräch mit Steffen Schäffler, in: „Neun Interviews“, München 2002

Literatur

  • Romuald Karmakar / Bodo Kirchhoff, Manila: Ein Filmtagebuch, Frankfurt am Main 2000, 143 S., 8,20 € (ISBN 3-518396-60-9)
  • Claus Löser, Filme aus Samt und Stahl - Das Kino des Romuald Karmakar, in: apropos: Film 2002. Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung, Berlin 2002, S. 200-210 (ISBN 3-929470-23-3)
  • Tobias Ebbrecht, Bilder hinter den Worten: Spurensuche im Zwischenraum: Der Filmemacher Romuald Karmakar, Berlin 2010, 100 S., 13 € (ISBN 3-940426-38-5)
  • Olaf Möller / Michael Omasta, Romuald Karmakar, Wien 2013, 256 S., 20 € (ISBN 3-901644-34-2)

Stand: November 2014, verfasst von Claus Löser


Romuald Karmakar auf der Preisverleihung der DEFA-Stiftung im November 2014
Foto: Reinhardt & Sommer

Filmografie

  • 1984: Candy Girl (Kurzspielfilm)
  • 1984: Adelheid und Konrad (Kurzspielfilm)
  • 1985: Eine Freundschaft in Deutschland (mittellanger Spielfilm)
  • 1987: Coup de boule (kurzer Dokumentarfilm)
  • 1988: Gallodrome (kurzer Dokumentarfilm)
  • 1988: Hellman Rider (kurzer Dokumentarfilm)
  • 1989: Hunde aus Samt und Stahl (mittellanger Dokumentarfilm)
  • 1990: Sam Shaw on John Cassavetes (kurzer Dokumentarfilm)
  • 1991: Demontage IX – Unternehmen Stahlglocke (Experimentalfilm)
  • 1992: Warheads (Dokumentarfilm)
  • 1994: Der Tyrann von Turin (Experimentalfilm)
  • 1994: Infight (kurzer Dokumentarfilm)
  • 1995: Der Totmacher (Spielfilm)
  • 1998: Das Frankfurter Kreuz (mittellanger Spielfilm)
  • 2000: Manila
(Spielfilm)
  • 2000: Das Himmler-Projekt (szenischer Dokumentarfilm)
  • 2003: Die Nacht von Yokohama (Kurzfilm)
  • 2003: 196 bpm (Musikdokumentation)
  • 2004: Die Nacht singt ihre Lieder (Spielfilm)
  • 2004: Land der Vernichtung (Dokumentarfilm)
  • 2005: Between the Devil and the Wide Blue Sea
  • 2006: Hamburger Lektionen (szenischer Dokumentarfilm)
  • 2009: Ramses (dokumentarischer Kurzfilm, Teil des Episodenfilms Deutschland 09)
  • 2009: Villalobos (Musikdokumentation)
  • 2010: Ein Mann unseres Vertrauens (dokumentarischer Kurzfilm)
  • 2010: Esel mit Schnee (dokumentarischer Kurzfilm)
  • 2011: Die Herde des Herrn (dokumentarischer Kurzfilm)
  • 2012: Angriff auf die Demokratie - Eine Intervention (szenischer Dokumentarfilm)