DEFA-Grenzenlos: Mobilität und Raum
Internationale DEFA-Tagung an der Universität Erfurt
In einer Kooperation der DEFA-Stiftung und der Universität Erfurt fand vom 25. bis 27. März 2026 die Fachtagung „DEFA-Grenzenlos: Mobilität und Raum“ statt. Die Veranstaltung bot ein Forum, um die Zirkulation filmischer Bilder über physische und systemische Grenzen hinweg aus wissenschaftlicher Perspektive zu betrachten.
Drei Tage lang stand das DEFA-Filmerbe im Mittelpunkt eines internationalen wissenschaftlichen Austauschs, der im Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Erfurt stattfand. Die Teilnehmenden beleuchteten das Thema „Mobilität und Raum“ dabei aus zwei Perspektiven: Einerseits ging es um die inhaltliche Ebene – also Reisen und Orte als Motive im Film selbst. Andererseits wurde die institutionelle Ebene analysiert, wobei transnationale Verflechtungen sowie der grenzüberschreitende Export und Import der DEFA-Produktionen im Fokus standen.
Den feierlichen Auftakt bildete eine Grußbotschaft von Staatsministerin Elisabeth Kaiser, die als Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland die Schirmherrschaft übernommen hatte. Das Präsidium der Universität Erfurt, vertreten durch Prof. Dr. Sven Jöckel, und der Vorstand der DEFA-Stiftung, Stefanie Eckert, begrüßten anschließend die Teilnehmenden, bevor die Organisatoren, Prof. Dr. Dr. Patrick Rössler und Prof. Dr. Michael Grisko, mit ihrer Einführung den wissenschaftlichen Teil der Tagung einleiteten.
Prof. Dr. Michael Grisko und Prof. Dr. Dr. Patrick Rössler im Austausch. Foto: Universität Erfurt
DEFA-Stiftungsvorstand Stefanie Eckert während ihres Grußwortes. Foto: Universität Erfurt
Die insgesamt 22 Fachvorträge gliederten sich in verschiedene thematische Schwerpunkte. Das Spektrum reichte von der Analyse imaginärer Reiseräume und sich wandelnder Stadt- und Landschaftsbilder bis hin zur Erörterung nationaler sowie internationaler Produktions- und Distributionskontexte. Ergänzend zum Vortragsprogramm und den Fachdiskussionen hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, die Bestände der Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien an der Universität Erfurt zu besichtigen.
Dr. des. Carla Steinbrecher referierte über „Im Märzen die Bäuerin – Geschlecht, Arbeit und Repräsentation in DDR-Dokumentarfilmen über bäuerliche Lebenswelten“. Foto: Universität Erfurt
Dr. Maciej Peplinski sprach über „Ambivalente Fantasien: Raum und Zeit in den utopischen Filmen der DEFA“. Foto: Universität Erfurt
Das öffentliche Abendprogramm widmete sich dem DEFA-Spielfilm DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976), der dank des Förderprogramms Filmerbe in einer neu digitalisierten Fassung präsentiert werden konnte. Regisseur Egon Günther und Autorin Helga Schütz inszenierten den WERTHER nicht allein als Liebestragödie, sondern setzten ein dezidiert politisches Statement. In einem anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Dr. Ulrike Lorenz (Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar) und Stefanie Eckert über unterschiedliche Lesarten des Werks sowie die Aktualität Goethes in der heutigen Zeit.
Für die gelungene Ausrichtung der Veranstaltung bedankt sich die Stiftung herzlich bei den Organisatoren Prof. Dr. Dr. Patrick Rössler und Prof. Dr. Michael Grisko sowie den beteiligten Erfurter Studierenden.
Gespräch über DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS mit Stefanie Eckert, Prof. Dr. Michael Grisko und Dr. Ulrike Lorenz. Foto: Universität Erfurt
Reger Austausch im Kommunikations- und Informationszentrum der Uni zwischen den Vorträgen. Foto: Universität Erfurt
Die Stärkung des Forschungsnetzwerks und die Schaffung wertvoller Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Praxis bleiben ein zentrales Anliegen der DEFA-Stiftung. Die nächste von der DEFA-Stiftung mitinitiierte Fachtagung ist für das Jahr 2028 geplant. Für Vorab-Informationen zur nächsten Tagung und den entsprechenden Einreichfristen wenden Sie sich bitte an info@defa-stiftung.de. Wir ergänzen Ihre Kontaktdaten gerne in unserem Verteiler.
Programm
Das vollständige Tagungsprogramm ist hier als PDF-Dokument abrufbar.
Mittwoch, 25. März 2026
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- ab 10:30 Uhr: Akkreditierung
- 11:00 Uhr: Begrüßung durch das Präsidium der Universität Erfurt
- 11:10 Uhr: Grußwort von Elisabeth Kaiser, MdB und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland
- 11:20 Uhr: Grußwort von Stefanie Eckert, Vorstand der DEFA Stiftung
- 11:30 Uhr: Einführung durch Prof. Dr. Michael Grisko, Universität Erfurt
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Moderation: Prof. Dr. Dr. Patrick Rössler (Erfurt)
- 12:00 Uhr: Dr. Elizabeth Ward (Frankfurt/Oder): Prestige, Politik und problematische Protagonisten: DEFA bei internationalen Filmfestspielen im Westen
- 12:30 Uhr: Freya Glomb & Dr. Alexander Zöllner (Potsdam): In Klammerteilen um die Welt: Das „Archiv für den wissenschaftlichen Film“ als Akteur der globalen Bilder-Wanderung
- 13:00 Uhr: Dr. Anna Luise Kiss (Berlin): Borderless? The (Im)possible Pathways of Indiana Jones Reception for GDR Citizens
- 14:15 Uhr: Open Space: Berichte aus aktuellen Forschungen zur DEFA
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Moderation: Stefanie Eckert (Berlin)
- 15:00 Uhr: PD Dr. Ralf Forster (Potsdam): Ferien für Alle und Urlaub in Devisenhotels: Reisewerbefilme aus der DDR
- 15:30 Uhr: Dr. Andreas Kötzing (Dresden): Vom Abenteuer- und Sehnsuchtsort zur Grenzerfahrung: Die Ostsee im DEFA-Film und im Nachwende-Kino
- 16:00 Uhr: Prof. Dr. Sebastian Heiduschke (Oregon): Konsumware DEFA: TURLIS ABENTEUER in Amerika (online)
- 16:45 Uhr: Exkursion zur Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien (IFhM), Steinplatz 2, 99085 Erfurt, ab Uni Erfurt, max. 15 Personen, Anmeldung im Tagungsbüro
- 19:30 Uhr: Abendessen „Kromer’s Restaurant & Gewölbekeller“, Kleine Arche 4, 99084 Erfurt
Donnerstag, 26. März 2026
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Moderation: PD Dr. Ralf Forster (Potsdam)
- 9:30 Uhr: Luci Cook (Michigan): The Geography of Solidarity: Vietnam–Berlin Trajectories in Heynowski & Scheumann’s Vietnamzyklus
- 10:00 Uhr: Réka Gulyás (Berlin): Und nächstes Jahr am Balaton? Ungarn im DEFA-Kino: Zwischen Sehnsucht und sozialistischer Realität
- 11:00 Uhr: Prof. Dr. Andrzej Gwóźdź (Kattowitz): Erzwungene Immobilität – bis nach Bulgarien und nicht weiter, aber mit Kuba am Horizont
- 11:30 Uhr: Catharina Göldner (Potsdam): Ein Blick über die Grenzen in den Filmen von Iris Gusner
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Moderation: Dr. Andreas Kötzing (Dresden)
- 13:30 Uhr: Dr. Anne Barnert (Jena/Dresden): Zwischen ZDF und DEFA: Wie der Exportfilm KRISTALLNACHT (1988) in einen Erinnerungskonflikt geriet
- 14:00 Uhr: Dr. Perrine Val (Montpellier): Away from the spotlight: DEFA‘s presence in regional france
- 14:30 Uhr: Prof. Dr. Claudia Sandberg (Melbourne): Mobility, Exile, and Cultural Translation in EINE CHILENISCHE HOCHZEIT
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Moderation: Dr. Elizabeth Ward (Frankfurt/Oder)
- 15:30 Uhr: Dr. des Carla Steinbrecher (Magdeburg): IM MÄRZEN DIE BÄUERIN – Geschlecht, Arbeit und Repräsentation in DDR-Dokumentarfilmen über bäuerliche Lebenswelten
- 16:00 Uhr: Prof. Dr. Seán Allan (St. Andrews): „Ein Dorf wird Filmstar“. Conflict, Space and Displacement in DEFA’s Representations of Rural Life in the 1940s and 50s“
- 16:45 Uhr: Dr. Mariana Ivanova (Amherst): Memories of Sorbian Landscapes in DEFA films: the Politics of Mobility, Relocation and Heritage in DEFA Films, 1973–1989
- 17:15 Uhr: Dr. Victoria Rizo Lenshyn (Amherst): Bearing Witness through Film: Günter Lippmann‘s Farewell Beautiful Forest, the Anthropo(s)cene, and Censorship
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- 19:00 Uhr: Filmscreening DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976) – anschließendes Gespräch mit Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar und Stefanie Eckert, Vorstand der DEFA-Stiftung
Kommunikations- und Informationszentrum, Max-Weber-Allee 1, HS 2; Eintritt frei
- 19:00 Uhr: Filmscreening DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976) – anschließendes Gespräch mit Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar und Stefanie Eckert, Vorstand der DEFA-Stiftung
Freitag, 27. März 2026
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Moderation: Prof. Dr. Michael Grisko (Erfurt)
- 9:30 Uhr: Prof. Dr. Dennis Gräf (Passau): Lebensräume im Science-Fiction Film der DEFA. Konzeptionen von Staat, Politik und Wissenschaft in DER SCHWEIGENDE STERN (1960), SIGNALE (1970) und EOLOMEA (1972)
- 10:00 Uhr: Dr. Maciej Peplinski (Berlin): Ambivalente Fantasien. Raum und Zeit in den utopischen Filmen der DEFA
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Moderation: Dr. Anne Barnert (Jena/Dresden)
- 11:00 Uhr: Evelyn Hampicke (Berlin): Die Stalin-und Karl-Marx-Allee im DEFA Spielfilm. Fortschritte erzählen mit Frauenfiguren und Architektur
- 11:30 Uhr: Émilie Duranceau-Lapointe (Ann Arbor/Berlin): Western Heroes in a Betonwelt: Berlin-Marzahn in 1980s DEFA Films
- 12:00 Uhr: Dr. Stephan Ehrig (Glasgow): The Aufbau City and the Child Flâneur: DER TAPFERE SCHULSCHWÄNZER (1967)
- 12:30 Uhr: Schlusswort
- 13:00 Uhr: Ende der Tagung
- 13:15 Uhr: Exkursion zur Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien (IFhM), Steinplatz 2, 99085 Erfurt, ab Uni Erfurt, max. 15 Personen, Anmeldung im Tagungsbüro