Schmetterlinge im Regen.

Drei DEFA-Filme, die 1965/66 verboten und bis heute nicht aufgeführt wurden

von Ralf Schenk

Ende Oktober jährt sich zum fünften Mal jenes Datum, an dem der Filmverband der DDR seine ersten - damals spektakulären - praktischen Schritte in Richtung "Glasnost" ging. Während einer Vorstandssitzung wurde eine Kommission gegründet, die nach verbotenen Kino- und Fernsehfilmen der DDR forschen, sie sichten und für eine Aufführung vorbereiten sollte. Vor allem dem Engagement des (im August 1992 verstorbenen) Filmwissenschaftlers Rolf Richter war es zu danken, daß schon wenige Tage danach die erste Premiere eines 1966 abgesetzten und seither in der Öffentlichkeit streng tabuisierten DEFA-Films stattfinden konnte: "Spur der Steine". Während Frank Beyer diesen Film Mitte der 60er Jahre hatte vollenden können, lagen von den meisten anderen verbotenen Produktionen nur Arbeitsfassungen vor, oft im Rohschnitt und unsynchronisiert. Der Zustand des Materials erforderte extreme Kraftanstrengungen der Regisseure und Schnittmeisterinnen, um daraus spielbare Fassungen herzustellen. Die Aufgabe wurde gemeistert; als Nahziel galt eine Werkschau verbotener DEFA-Filme während des Internationalen Forums des Jungen Films in Berlin im Februar 1990. Plötzlich ergab sich ein völlig neues Bild der 60er Jahre, aus denen die meisten verbotenen Arbeiten stammten: Hatte dieses Jahrzehnt vorher noch als weitgehen dröge und bieder gegolten, erschien es nun als das vielleicht spannendste der DEFA-Geschichte überhaupt.

Fast eine gesamte Jahresproduktion des DDR-Filmmonopols war nach dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 mit Verdikten wie "pessimistisch" und "skeptizistisch" belegt und verboten worden. Die Filme, so der Tenor der SED-Führung, seien partei- und staatsfeindlich. Dabei hatten die Autoren und Regisseure nichts anderes im Sinn, als den "realen Sozialismus" zu "ver bessern", auf Gefährdungen der "sozialististischen Menschengemeinschaft" durch den Egoismus und Opportunismus einzelner hinweisen, nach Wurzeln für (überwindbare) Generationskonflikte zu forschen. Die Filme stellten die DDR niemals infrage, obwohl sie durchaus kritische Fragen stellten.

Acht Arbeiten, die 1965/66 in den Orkus des Vergessens und Verschweigens verbannt worden waren, kamen 1989/90 ins Kino: "Spur der Steine", "Das Kaninchen bin ich" (Kurt Maetzig), "Denk bloß nicht, ich heule" (Frank Vogel) und "Karla" (Herrmann Zschoche), "Jahrgang 45" (Jürgen Böttcher), "Berlin um die Ecke" (Gerhard Klein), "Der Frühling braucht Zeit" (Günter Stahnke) und "Wenn du groß bist, lieber Adam" (Egon Günther). Ein neunter, dem 11. Plenum zum Opfer gefallener Film - der einzige, der nicht in der Gegenwart spielte -, hatte seine Uraufführung schon 1971 in verstümmelter Form: "Der verlorene Engel" (Ralf Kirsten), eine gleichnishafte Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Macht, veranschaulicht am Leben des Bildhauers Ernst Barlach. Wenig bekannt ist indes, daß zu den Opfern des 11. Plenums drei weitere, auch nach der "Wende" nicht gezeigte DEFA-Produktionen gehören, die das Bild einer sich thematisch und formal emanzipierenden Kinematografie um singuläre Farbtöne ergänzen.

"Ritter des Regens"

Die Verbandskommission ging 1989 vielen Spuren nach, die zu Überresten von "Ritter des Regens", dem Debütfilm von Dieter Roth und Egon Schlegel, hätten führen können - doch bis auf Drehbücher blieb vermutlich nichts von diesem Projekt erhalten, weder Schnittmaterial noch Fotos. Roth und Schlegel gehörten (neben Rainer Simon und anderen) in der Babelsberger Hochschule für Filmkunst einer Gruppe an, die sich "Kollektiv 63" nannte und mit dem so aufrichtigen wie naiven Konzept antrat, Leben in der DDR so abzubilden, wie es ist. Ihr Idealismus war unter anderem gespeist von einem Jugendkommunique der SED, das von der jungen Generation kritisches Selbstbewußtsein forderte.

Dem entsprach auch die Geschichte des Abiturienten Karl, der aus den eingefahrenen gesellschaftlichen Gleisen springt, nicht studiert und stattdessen - "in schmutzig-blauer Niethose und gut sitzender, glänzender Lederjacke" - als Hilfsarbeiter auf einer Baustelle jobt. Der Film beginnt mit einem Disput zwischen Sohn und Vater, der alte Herr, einst Buchbinder und nun Philisophie-Professor, wirft dem Jungen Rücksichtslosigkeit und Ignoranz vor: "Wir alten Kommunisten zeigen Euch den Weg, aber Du willst nicht! Wir wollen Euch lehren, richtig zu leben, aber Du willst nicht! Wenn Du das, was Du heute ablehnst, mit etwas historischem Verstand erkennen würdest, wäre es nicht schwer zu begreifen, daß wir so sein müssen. Und in diesem Rahmen hast Du Deine volle Freiheit und eine Aufgabe, die Deinen Fähigkeiten entspricht und nicht zuletzt unseren Erfordernissen." Die Verbalattacke mündet in dem entlarvenden Satz: "Ich will, daß der Sohn den Vater fortsetzt."

In diesen Monolog montierten Schlegel und Roth eine der ironisch-burlesken Visionen des Films: Karl träumt, während sich der Professor in die Erschöpfung hineinredet, daß ihn der Vater "auf den richtigen Weg bringt, die Straße hinauf, auf der oben gegen den hellen Himmel eine Gruppe junger Pioniere marschiert. Karl räumt als strahlender FDJler den Schrott der Vergangenheit mit einer riesigen Raupe weg und schafft Platz für den sozialistischen Neuaufbau. Als er schließlich unter dem tosenden Beifall der Abgeordneten sich von seinem Volkskammersitz erhebt, um vom Präsidium aus zu sprechen, strahlen die verklärten Augen seines Vaters vor Verzükkung". Der Film benutzt den dramaturgischen roten Faden eines Reifeprozesses; dieser wird jedoch nicht didaktisch durch belehrende Worte des Vaters in Gang gesetzt, sondern durch die Figur eines gleichaltrigen Mädchens, in das sich Karl verliebt, aber das sich ihm verweigert: Eine Erfahrung, die sein forsches, vor allem den Frauen gegenüber ziemlich rücksichtsloses Draufgängertum bremst und ihn sensibler für Lebenshaltungen anderer werden läßt. Wie Karls Zukunft aussehen könnte, bleibt offen; deutlich ist nur, daß der Junge seinen anarchischen Stolz niemals den stalinistischen Prinzipien des Vaters opfern wird. Egon Schlegel: "Aus der Sicht des DDR-Establishments galt Karl als Verlierer. Wir sahen in ihm jedoch einen Gewinner."

"Ritter des Regens" war stilistisch vom Cinema vérité inspiriert. Gedreht wurde, mit CinemaScope-Kamera, vorwiegend an Originalschauplätzen in Halle und Umgebung und in authentischen Wohnungen in Babelsberg; die meisten Rollen waren mit Laien oder Schauspielstudenten besetzt. Da der anderthalbstündige Film das Budget der Hochschule sprengte und sich das DDR-Fernsehen nicht für das Projekt interessierte, wurde um Unterstützung durch das DEFA-Spielfilmstudio nachgesucht. Unbürokratisch stieg die von Kurt Maetzig ins Leben gerufene Künstlerische Arbeitsgruppe "Roter Kreis" als Co-Produzent ein. Zum Zeitpunkt des 11. Plenums waren von 2400 geplanten Filmmetern rund zwei Drittel abgedreht. Unmittelbar nach dem Plenum verbot die Leitung der Filmhochschule den Regisseuren weiterzumachen; die von den Maßregelungen der Partei verunsicherte DEFA-Direktion legte kein Veto ein, war sie doch auf diese Weise ein quasi "fremdes" Problemkind schnell los. Währenddessen wurden die Studenten durch einen Vertreter der SED-Kulturabteilung als "Verräter der Arbeiterklasse" beschimpft; zur Debatte stand sogar ihr Hinauswurf aus der Hochschule.

Dieter Roth und Egon Schlegel entgingen dem nur knapp. Schlegel war nach dem Studium ein Jahr arbeitslos und wurde dann von seinem Produktionsleiter Horst Hartwig als Regieassistent zur DEFA-Dokumentarfilmgruppe Thorndike geholt. Erst zehn Jahre später durfte er, als Gast, seinen ersten Spielfilm inszenieren: den Kinder-Gegenwartskrimi "Abenteuer mit Blasius". Roth gab seinen Traum vom Film auf, wurde Theaterregisseur und lebt heute als Intendant in Plauen. Das Material ihres Debüts, das sie gleichsam über Nacht komplett an der Hochschule abliefern mußten, haben sie niemals wiedergesehen.

"Fräulein Schmetterling"

Der Film "Fräulein Schmetterling" plädierte dafür, eigene Wege junger Leute in die DDR-Gesellschaft zu tolerieren und zu fördern. Die Schriftstellerin Christa Wolf. die gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard Wolf und dem Regisseur Kurt Barthel das Drehbuch geschrieben hatte, erinnerte sich später: "Was wir mit diesem Film wollten, habe ich damals in einem Satz zusammengefaßt. Man soll nicht vorzeitig seine Sehnsucht aufgeben und sich an eine platte Alltagsvernunft anpassen." Das Schriftsteller-Ehepaar erfand, inspiriert von Erlebnissen mit den eigenen Töchtern, die Figur der Helene Raupe, die nach dem Tod des Vaters gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Asta allein in einer Berliner Altbauwohnung lebt.

Der Staat schickt eine Jugendfürsorgerin, die die Waisen in "geordnete Verhältnisse" bringen soll. Asta wird der Vormundschaft einer in Potsdam wohnenden Tante unterstellt, die 18jährige Helene zur geregelten Arbeit aufgefordert. Das Mädchen, das in schöner Naivität von einer Karriere als Mannequin oder Stewardeß träumt, versucht es mit viel gutem Willen: in einem Fischladen, für den sie nach Ansicht der älteren Verkäuferin "zu fein" ist, in einem Modesalon, aus dem sie wegen Ungeschicklichkeit entlassen wird, schließlich als Straßenbahnschaffnerin. Glücklich ist sie bei all dem nicht. Schließlich erhebt sie die Begegnung mit einem Clown, der ihr eine riesengroße Sonnenblume überreicht, aus dem grauen Alltag ins Reich der Fantasie. Der Film endet mit einer Szene, in der Helene, Asta und der Clown im nächtlichen Berlin, vor einem Kino. am S-Bahnschalter und an einem Taxistand Sonnenblumen verteilen - die hastenden, mürrischen Menschen werden freundlicher, beginnen zu lächeln. Eine fantastische Vision.

Regiedebütant Kurt Barthel. der zuvor unter anderem als Assistent Konrad Wolfs an der Roman-Adaption "Der geteilte Himmel" (1964) mitgearbeitet hatte, orientierte sich unverkennbar an der Stilistik herausragender Werke der tschechischen Neuen Welle. Wie in Vojtech Jasnys "Wenn der Kater kommt" (1963) löst sich die Tristesse der Realität in spielerischer Fantastik auf. Andererseits sind die stark überhöhten, märchenhaften Szenen in eine Fülle dokumentarischer Beobachtungen eingebettet, die rund um den Alexanderplatz, zum Teil mit versteckter Kamera, fotografiert wurden (ähnlich wie in den frühen Filmen Milos Formans und Vera Chytilovás). Die Verknüpfung beider Elemente gelang freilich nur bedingt. Als künstlerisches Manko erwies sich auch die Besetzung der Helene Raupe mit einer tschechischen Pantomimin, die in den "Realszenen" ins überhöhte gestische Spiel verfiel. Die ursprünglich für die Rolle vorgesehene Jutta Hoffmann war an andere Projekte, darunter den ebenfalls verbotenen Film "Karla", gebunden.

Als Teile von "Fräulein Schmetterling" ein paar Wochen nach dem 11. Plenum intern im Filmministerium vorgeführt wurden, konstatierte der Kulturwissenschaftler und Parteifunktionär Hans Koch, dies sei von allen 1965/66 bei der DEFA gedrehten Arbeiten "die schlimmste", weil sie die absolute Kommunikationsunfähigkeit innerhalb der Gesellschaft vorführte. Zwischen den Welten der Erwachsenen und der Jugendlichen sei eine unüberwindbare Wand, "Fräulein Schmetterling" eine DDR-Variante von Ingmar Bergmans existentialistischem "Schweigen". Der Film spiegele, was in der DDR überwunden sei: Einsamkeit, Entfremdung, Hoffnungslosigkeit und denunziere die Errungenschaften des Sozialismus: Jeder freue sich über eine neue Wohnung, die Raupe-Kinder aber wollten ausgerechnet in ihrem schäbigen Altbau-Refugium bleiben, das noch dazu durch das ständige Näherkommen eines Abreißbaggers bedroht sei. Als Angriff auf die Partei- und Staatsführung galt besonders die Figur der Jugendfürsorgerin, die es "gut meint", alles zu wissen glaubt, vieles falsch macht und noch dazu den Namen "Frau Fertig" trug - eine Figur, verwandt mit dem Philosophie-Professor in "Ritter des Regens": "Ich regle alles für euch, keine Angst! Dazu bin ich ja da. Ich vertraue euch, enttäuscht mich nicht!"

Die Veränderung des Namens "Fertig" in "Frau Fenske" half dem Film ebensowenig wie das Hinzufügen eines ironischen Kommentars, den Manfred Krug sprach. Der darin leitmotivisch wiederholte Satz "Das gibt's ja gar nicht!" wurde wie die gesamte Arbeit "pur" und als Beleg für die Notwendigkeit eines Verbots genommen. Das endgültige Aus für "Fräulein Schmetterling", in den Augen der Zensoren eine "grobe Verfälschung des Lebens in der DDR" und ein Film, in dem "alle vom 11. Plenum kritisierten falschen und schädlichen Auffassungen vertreten" seien, kam im März 1966.

Für Christa Wolf, die sich hier einem ihrer Grundthemen - der Verteidigung der Subjektivität des Individuums - zugewandt hatte, war "Fräulein Schmetterling" trotz allem ein wichtiger Schritt: ihr Roman "Nachdenken über Christa T." (1968) fußt nicht zuletzt auf den Erfahrungen der Helene Raupe mit der Kulturbürokratie der DDR. Kurt Barthel, der Regisseur, drehte für die DEFA noch einen Kinderspielfilm über den antifaschistischen Widerstandskampf ("Die Nacht im Grenzwald", 1967) und arbeitete dann ausschließlich im Bereich des Kurz- und Dokumentarfilms.

"Hände hoch - oder ich schiesse!"

Daß der Kultur-Kahlschlag nach dem 11. Plenum auch ein kleines DEFA-Lustspiel treffen würde, hatte sich wohl niemand im Studio träumen lassen. Doch die Angst, die Hardliner der SED-Kulturpolitik mit "falschen" Filmen zu verärgern, machte auch vor "Hände hoch - oder ich schieße!" nicht halt. Der Dramatiker Rudi Strahl hatte das Drehbuch geschrieben; der durch die Fernseh-Mehrteiler "Gewissen in Aufruhr" (1961) und "Wolf unter Wölfen" (1964) bekannt gewordene Hans-Joachim Kasprzik führte Regie. Die Hauptrolle spielte einer der damaligen Publikumslieblinge der DDR: der mit naiv-trockenem Humor und sanftem Augenaufschlag brillierende Rolf Herricht.

Diesmal war er als Kleinstadt-Kriminalist Holms zu sehen, der von einem großen Fall träumt. Stattdessen muß er Kaninchendiebstähle aufklären, verfällt in Melancholie und verirrt sich immer mehr im Zwischenreich von Wunsch und Wirklichkeit. Ein Psychiater vermag wenig zu helfen, wohl aber ein Nachbar und Freund, der früher eine eigene Gaunerbande befehligte. Er ruft die alten Kumpane erneut zusammen und täuscht, um dem Kriminalisten seelisch zu retten, das "ganz große Ding" vor. Die illustre Bande entführt ein herzogliches Denkmal vom Marktplatz, eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, alles endet gut.

Diese ohne Ambitionen gefällig und ein bißchen träge inszenierte Komödie wurde nach einem Einspruch des Innenministeriums verboten. Als Begründung ließ man die DEFA wissen, der Film rufe "bei der gegenwärtigen Situation auf dem Gebiet der Kriminalität nicht zu einer erhöhten Wachsamkeit der Bevölkerung auf, sondern erweckt den Eindruck, als sei alles in Ordnung". War es ja auch, wenn man den offiziellen Verlautbarungen glauben wollte. Tatsächlich mag die tiefere Ursache für das Mißbehagen an "Hände hoch - oder ich schieße!" darin gelegen haben, daß ein Vertreter der staatlichen Ordnung als schwacher, von Selbstzweifeln und schizophrenen Anwandlungen befallener Mensch dargestellt wurde. Nachdem die DEFA schon einen opportunistischen Richter ("Das Kaninchen bin ich "), eine dogmatische Schulrätin ("Karla") und ähnliche Anti-Helden ins Zentrum ihrer Filme gerückt hatte, kam nun auch noch die Figur eines geistig verwirrten Polizisten - ein Sakrileg!

Das Material von "Fräulein Schmetterling" und "Hände hoch - oder ich schieße!" wurde 1966 im Staatlichen Filmarchiv der DDR eingebunkert. 1989 bat die Kommission "Verbotene Filme" auch die Autoren und Regisseure dieser beiden Arbeiten, eine vorführbare Fassung herzustellen. Leider kam es nicht dazu. Rudi Strahl und Hans-Joachim Kasprzik waren der Auffassung, daß ihr Lustspiel im Vergleich zu anderen verbotenen Werken eher marginal sei, und verzichteten auf eine Rekonstruktion. Christa und Gerhard Wolf und Kurt Barthel bemühten sich eine Zeitlang vergebens um eine spielbare Fassung des "Fräulein Schmetterling"; Barthel schrieb dann im April 1990 an Rolf Richter: "Es ist kaum anzunehmen, daß man die Ideen und den Zeitgeist der frühen sechziger DDR-Jahre zum heutigen Zuschauer transportieren kann. Ich glaube nicht, daß es in dieser Zeit eines gewaltigen Umbruchs von Interesse ist, was wir damals versucht haben und aus welchen Quellen wir unsere ästhetischen Bausteine, unsere Hoffnungen auf eine Erneuerung der DDR-Filmkunst bezogen haben und welche Anspielungen für die Cinéasten der damaligen Zeit von Bedeutung gewesen wären." Auch das Fehlen von Szenen und die Unzufriedenheit mit gestalterischen Schwächen bewogen den Regisseur, auf eine Weiterarbeit zu verzichten.

Man mag das bedauern - aber man muß es respektieren. Ungemein betrüblich jedoch ist, daß über Jahrzehnte streng gehütete Materialien beider Filme, die von der Kommission noch gesichtet werden konnten, im Wirbel der Ereignisse nach der "Wende" verschollen sind. Weder im Bundesarchriv/Filmarchiv noch im Filmstudio Babelsberg fanden sich die Schnittfassungen wieder ein, und niemand ist in der Lage, verläßliche Auskünfte über die Wege der Filmbüchsen zu geben. Ein "endgültiger" Verlust?

Ralf Schenk (filmdienst 21/1994)

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