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Der letzte Trabbi

Regie: Thomas Kuschel, 29 Min., Farbe, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme GmbH, 1990

Film-/Videoformat
35 mm
Länge in m
1200
Sonstiger Titel
Der letzte Trabi
Englischer Titel
The last Trabbi
Veröffentlichungen
DVD: ICESTORM Entertainment GmbH / www.icestorm.de
Filmplakat zu "Der letzte Trabbi"

Kurzinhalt (Deutsch)

1989 kührte ihn das TlME- Magazin zum Auto des Jahres: den Trabant P 601.

Das zum Symbol der DDR gewordene Auto war das Resultat einer auf das Mittelmaß ausgerichteten Politik. Aus immer den gleichen Teilen entstand immer dasselbe Auto, in 34 Jahren 5 Millionen mal. Am 27. Juni 1990 läuft in den Zwickauer Sachsenringwerken der letzte Trabi mit Zweitaktmotor vom Band.

Auf heiter-ironische Weise verbindet der Film die Herstellung des letzten Trabis mit der Stimmung im Werk, den vergebenen Chancen und Möglichkeiten und zeigt die teilweise hoffnungslosen Versuche, aus einer ausweglosen Lage auszubrechen. Der letzte Trabi, ein Auto, das Geschichte schrieb. Und doch, ein Teil des Traumes hat sich erfüllt: am 9. November 1989 rollte der Trabi in die deutsche Einheit. Vom sozialistischen Traum blieb nur ein Trauma.

Filmstill zu "Der letzte Trabbi"

(R: Thomas Kuschel, 1990)

Filmstill zu "Der letzte Trabbi"

(R: Thomas Kuschel, 1990)

Filmstab

Regie
  • Thomas Kuschel
Drehbuch
  • Thomas Kuschel
Kamera
  • Peter Milinski
Schnitt
  • Ursula Bredow
Dramaturgie
  • Georg Hentschel
Musik
  • Archiv
Ton
  • Lutz Laschet
Produktionsleitung
  • Harald Apitz
Text
  • Georg Hentschel
Sprecher
  • Thomas Kuschel
Person, primär
  • Gerhard Pohl
  • Paul Verner

Kurzinhalt (Englisch)

In 1989, "Time" magzine selected it "Car of the Year": the Trabant P 601. For decades, it had been a reliable companion of GDR citizens. Five million times it had been built in Zwickau, Saxony, in the course of thirty four years. But the changes in the country sealed its fate, too. On June 27, 1990 at two minutes past eight, the last car of this type with two-stroke engine was pushed off the assembly line, production was stopped. A film team was there and accompanied it until its completion, interviewing workers of the Sachsenwerke and while they were at it, revealing the secret of its"cardboard'" body. The last Trabbi, a car that has made history. FaithfulIy it had carried its owners through their country and finally, on the 9th of November 1989, even through the Berlin Wall and to German unity.

Langinhalt

0:00:00

Blick auf einen Sonnenuntergang und einen darauf zufahrenden "Trabbi" mit dem Kennzeichen "PO 18-68" in Zeitlupe (halbtotal). Umschnitt auf ein sich öffnendes Fabriktor mit einem neu produzierten Trabant am Ende der Fertigungsstraße im Autowerk Sachsenring in Zwickau (halbtotal). Arbeiter setzt sich ans Steuer und fährt den Trabant aus der Produktionshalle (halbtotal). Animierter Filmtitel in den Farben schwarz-rot-Gold "Der letzte Trabbi". Umschnitt

0:01:15

Ausschnitte aus einem DEFA-Werbefilm von 1961: Blick von vorne auf die Slalomfahrt eines "Trabant 601" zwischen Pylonen auf der Rennstrecke des Sachsenringes bei Zwickau (halbtotal). Umschnitt auf die Testfahrt von hinten gesehen (halbtotal). Umschnitt auf das Wässern der Fahrbahn durch die Feuerwehr (halbtotal). Gegenschnitt auf die Slalomfahrt des Trabant auf nasser Fahrbahn (halbtotal). Gegenschnitt auf Bremsproben eines roten Trabant mit Kennzeichen "TG 36-85" (halbnah). Fahraufnahme mit Blick auf den linken Vorderreifen (halbnah). Umschnitt auf eine Kolonne von Trabant auf einem Feldweg (halbtotal). Umschnitt auf das Durchfahren von Schlaglöchern voller Wasser (halbtotal). Originalkommentar aus dem Werbefilm: "Die beste Empfehlung, der beste Wagen für Sie". Ende des Werbefilm-Ausschnittes.

0:01:50

Blick auf eine Presse für Karosserieteile (halbnah). Umschnitt auf einzelne Autoteile in der Presse (halbnah). Umschnitt auf einen Arbeiter an eine Presse (halbnah). Gegenschnitt auf einen Abfallcontainer mit Aufschrift "Letzte Kiste" (halbnah). Sprecher: "Seit über 3 Jahrzehnten war das die Zwickauer Empfehlung, bis er im Dezember 1989 zum Auto des Jahres gewählt wurde. Was niemand in der Welt für möglich gehalten hätte, 34 Jahre lang entstand aus immer denselben Teilen immer dasselbe Auto. 5,2 Millionen Autos". Blick von oben auf ausgestanzte Blechteile auf einem Hubwagen halbtotal). Umschnitt auf einen Blechformer an einer Presse (halbtotal). Kameraschwenk über die hintereinander stehenden Pressen im Autowerk (halbtotal). Kommentar: "Lediglich die "Ente" von Citroen hat es in 40 Jahren auf über 7 Millionen Stück gebracht. Doch was ist schon eine "Ente" im Vergleich zu einem Trabant, der "Trabbi". Was konnte man alles mit ihm machen? Wie wurde er gemacht und was wird von ihm bleiben"? Rückwärtszoom von den Pressen auf die gestanzten und gebogenen Karosserieteile in der Produktionshalle (halbtotal). Umschnitt

0:02:45

Kameraschwenk über parkende "Trabbis" vor einer Wohnanlage (halbtotal). Kommentar: "Er war das zum Symbol gewordene Auto der DDR, das Resultat einer auf das Mittelmaß ausgerichteten Politik, einer dem anderen so ähnlich wie die durchschnittliche Neubauwohnung...(Blick auf einen Plattenbau mit davor parkenden Trabbis)...die durchschnittliche Mode, der durchschnittliche Schlager, der durchschnittliche FDGB-Urlaub, die durchschnittliche Kommentatorstimme". Blick auf einen Autoschrauber an seinem Trabant (halbnah). Umschnitt auf den Kühlergrill eines Trabant mit aufgesetztem Logo "Horch" (nah). Blick aus der Froschperspektive auf den bemalten Kühlergrill eines Trabant mit Zusatzscheinwerfern (halbnah). Zwischenschnitte von bemalten, beklebten, und äußerlich veränderten "Trabbis" (halbnah). Blick auf einen Spoiler mit Aufschrift "Spoiler statt Hubraum" (nah). Umschnitt

0:03:40

Kameraschwenk über die Fahrt eines auf das Doppelte verlängerten Trabant auf der Straße (halbtotal). Umschnitt. Blick von oben auf die Fahrt des "Stretch-Trabbi" (halbtotal). Umschnitt auf einen Autobesitzer bei der Pflege seines Trabbi (halbtotal). Umschnitt auf einen Scheiben putzenden Trabbibesitzer (halbnah) (O-Ton) "Der Dreck ist so aggressiv, wenn da nichts gemacht wird...". Zwischenschnitte von waschenden, polierenden und reparierenden Trabbi-Besitzern (halbnah). Umschnitt auf einen Trabant mit Wohnanhänger (halbtotal). Gegenschnitt auf getrimmte "Sportwagen"-Trabbis (halbtotal). Kameraschwenk über die bunt bemalten und getunten Trabbis (halbtotal). Umschnitt. Kameraschwenk von einem Trabant auf einen Sportwagen mit Flügeltüren (halbnah). Umschnitt

0:04:55

Rückblende auf einen Wochenschaubericht aus dem Jahre 1974: Blick auf die mit Papier verkleidete Ausfahrt der Trabant-Produktionshalle mit Beschriftung "Der 1.000.000 Trabant kommt vorfristig"! (halbtotal). Orangefarbender Trabant fährt durch das beschriftete Papiertransparent (halbtotal). Kommentar: "Begrüßt wird der Millionste". Mitarbeiter applaudieren und schauen dem fahrenden Trabant nach (halbtotal). Umschnitt auf die Festrede von Paul Verner vor den Arbeitern (halbtotal). Kommentar: "Genosse Ferler gratuliert im Namen des Politbüros der SED". Umschnitt auf Verner (halbtotal) (O-Ton) "Unsere Partei und unser Ministerrat übermitteln euch den herzlichsten Dank für die großen Leistungen...(Blick auf die Gesichter der Arbeiterinnen)...die ihr zum Nutzen unseres sozialistischen Staates...(Blick auf die zuhörenden Arbeiter)...seiner Bürger vollbracht habt. Ihr habt allen Grund...(ab hier Verner halbnah)...das heutige Jubiläum mit Freude und Stolz zu begehen, denn die Produktion von einer Million Fahrzeugen Trabant ist Ausdruck des Fleißes und Beweis des Könnens der Zwickauer Automobilbauer...(Blick auf Angestellte des Werkes)...und aller ihrer Zulieferer". Blick auf die applaudierenden Zuhörer bei der Festveranstaltung (halbtotal). Umschnitt

0:06:05

Blick auf zwei Automobilbauer neben dem Fließband in der Zwickauer Autofabrik (halbnah) (O-Ton) "Er hat sich nie in einen Trabant reingesetzt, bestimmt nicht, ich glaube nicht dass er einmal in so einem Trabant drinne saß". Umschnitt auf den geschmückten 1.000.000 Trabant vor dem Werkstor (halbtotal). Umschnitt auf drei Werbe-Trabants mit Schildern voller Informationen auf dem Dach (halbtotal). Umschnitt auf eine Infotafel auf dem Autodach "1958 der Trabant P 50 geht in Serie. Ausdruck der Schöpferkraft der Automobilbauer" (halbnah). Umschnitt auf die werbenden Trabants von der Seite (halbtotal). Kommentar: "Ein wenig Phantasie nur, und in der Windschutzscheibe spiegeln sich die fernen Reiseträume die der kleine Große seinen Besitzern bald erfüllen wird". Blick auf eine andere Infotafel auf den Autodach "Trabant auf allen Straßen Europas bewährt" (halbnah). Umschnitt auf den geschmückten 1.000.000 Trabant mit geöffneten Türen (halbtotal). Ende der Rückblende aus dem Jahre 1974

0:06:25

Zwischenschnitte von glücklichen DDR-Bürgern bei der Fahrt in ihren Trabbis bei der Grenzöffnung 1989 (halbtotal). Westdeutsche Bürger begrüßen winkend und klatschend die Trabbi-Fahrzeugkolonnen an den geöffneten Grenzübergängen (halbtotal). Umschnitt auf das Kunstwerk "Beton-Trabbi", einem einbetonierten Trabant mit dem Kennzeichen "B-IA 750" aus dem Jahre 1987 (halbtotal). Umschnitt. Blick auf die Arbeiter am Fließband mit vorgefertigten Radkästen (halbnah). Umschnitt auf Schweißarbeiten der Männer am Fließband (halbtotal). Kommentar: "25. Juni 1990, Frühschicht im Karosserierohbau. Die letzten Gerippe für die Limousine P 601. Hier sitzt jeder Handgriff...(Blick auf die Arbeiten an der Karosserie)...denn was man über 3 Jahrzehnte tun muß, das kann man schließlich im Schlaf....(Blick auf die Arbeiten am Fließband)...und doch, sie lassen nichts auf ihn kommen, ist er doch so etwas wie ihr Kind". Umschnitt auf das Interview mit einem Arbeiter (nah) mit Frage aus dem Off: "Fahren Sie eigentlich selbst einen Trabant"? Arbeiter (nah) (O-Ton) "Ja, ich fahr einen 601 schon seit vielen Jahren...(Frage im Off: "Ist es ein gutes oder schlechtes Auto"?)..."Ich kann schwerlich Vergleiche anstellen, aber für die Ansprüche die ich bis jetzt gehabt habe, hat es bei mir einfach genügt". Umschnitt auf das Gesicht eines anderen Arbeiters (nah) (O-Ton) "Kann man nehmen wie man will, vor allem der Trabant fährt in der halben Welt, der halbe Ostblock mit dem Trabant, auf der anderen Seite lacht alles und schimpft drüber...der Wagen hat seine Arbeit getan, sagen wir mal so". Umschnitt auf einen Arbeiter neben Rohkarosserien (halbnah) (O-Ton) "Na, ich würde so sagen das überhaupt gar kein Auto, wenn man sich das so überlegt". Umschnitt auf einen anderen Arbeiter (halbnah) (O-Ton) "Das Alte muß verschwinden. Erstens ist es nicht Umweltgerecht, der alte Stinkbolzen. Überhaupt die Sicherheitszone drinne in dem Auto, wenn du da gegen die Wand knallst bist du genauso platt wie das Auto". Umschnitt auf einen Meister in der Produktionshalle (halbnah) (O-Ton) "Ich muß sagen, aus meiner Betrachtung ist der Trabant sehr zuverlässig, und wenn wir von der Kubikzahl des Trabant ausgehen, das sind rund 600 Kubik, dann muß ich sagen, wird dieses Fahrzeug überwiegend voll belastet gefahren, und wenn man sich bei Kunden rum hört, ist der Trabant letzten Endes die Zuverlässigkeit in Person, und unser Fehler war eigentlich in den vergangenen Jahren, das müssen wir jetzt ganz eindeutig feststellen, dass wir das Fahrzeug nicht erneuert haben, weshalb wir heute diese Probleme haben". Umschnitt

0:09:00

Blick auf ein Schild "Automobilausstellung Zwickau" (halbnah). Rückwärtszoom von einem Trabant-Kombi im Museum des Zwickauer Werkes auf weitere Modelle des Trabant (halbtotal). Umschnitt auf weitere Entwurfs-Fahrzeuge im Museum (halbtotal). Einblendung von Fotos von nie gebauten Trabant-Modellen (nah). Kommentar dazu: "Den hätte es schon 1982 geben können, diesen sogar schon 1973, den hier 1968, und wer wäre nicht schon 1961 mit diesem Trabbi (Langlimousine) gefahren? Es hat nicht sollen sein, denn die, die über sein Schicksal befanden, teilten sein Schicksal nicht". Blick auf Entwurfsmodelle des Trabant mit moderner Optik (halbnah). Umschnitt auf Rohkarosserien auf dem Fließband im Autowerk (halbtotal). Kameraschwenk über die letzte Rohkarosserie mit Schild "ENDE P 601" auf der Produktionsstraße im Werk Zwickau (halbnah). Arbeiter schauen auf die letzten Arbeitsschritte der Kollegen am Band (halbnah). Kommentar: "Das ist es, das nunmehr letzte Gerippe des nun letzten Trabant. Am 25. Juni 1990, um 15:20 Uhr, verlässt es den Karosseriebreich...(Blick auf die diskutierenden Arbeiter neben dem Meister)...ohne Blaskapelle, ohne Blumenschmuck, ohne alles". Blick von hinten auf die letzte Karosserie mit Kreuz auf dem Nummernschildbereich (halbtotal). Zoom auf das Kreuz (halbnah). Blick auf die Arbeiter die den letzten Wagen schieben (halbtotal). Kommentar: "Nur ein paar Getreue geben ihm das letzte Geleit". Kameraschwenk vom letzten Wagen auf die leere Fertigungsschiene (halbtotal). Kommentar: "Bis zu 200 Trabbis schafften sie pro Schicht, zu wenig um jemals rentabel zu sein, zu wenig um alle Wünsche zu erfüllen". Umschnitt

0:11:10

Kameraschwenk über eine Trennwand voller nackter "Pinup-Girls" im Pausenbereich der Produktionshalle des Zwickauer Werkes (halbtotal). Kameraschwenk über belegte Brote und Getränke auf dem Tisch bis zu den Gesichtern der essenden Arbeiter (halbnah). Kommentar: "Ratlosigkeit vermischt sich mit Hoffnung, die Frage bleibt: Was wird aus ihnen"? Blick auf einen Achsel zuckenden Arbeiter am Pausentisch (halbnah) (O-Ton) "...was dann wird weiß keiner, es kann ganz alle werden, kann aber auch weiter gehen, ich weiß nicht". Antwort aus dem Off: "Da hat der Bergbau mal zu gemacht in der Gegend, jetzt macht der Automobilmarkt zu". Umschnitt auf einen Schichtleiter in der Halle (nah) (O-Ton) "Wir werden uns alle verändern müssen, an dem Fahrzeug festzuhalten wäre wahrscheinlich nicht sinnvoll...". Umschnitt auf einen Meister (nah) (O-Ton) "...dafür sind kompetente Entscheidungen notwendig, und ich bin davon voll überzeugt, wenn unsere Regierung eine glückliche Hand hat und eine Entscheidung unsere Werktätigen trifft, dass wir auch in der Lage sind über einen geringen Zeitraum die Liquidität unseres Fahrzeuges nachzuweisen und Letztendes, was uns allen am Herzen liegt, die Arbeitsplätze zu sichern". Umschnitt

0:12:35

Blick auf eine Besuchergruppe im Trabant-Museumsraum (halbtotal) (O-Ton). Zoom auf einen DDR-Minister für Wirtschaft Gerhard Pohl vor einem Ausstellungsstück (halbnah) (O-Ton). Sprecher: "Wie es der Zufall will kommt der zuständige Minister gerade an jenem 25. Juni nach Zwickau, Gelegenheit für uns zu sehen, zu hören und nachzufragen". Blick auf den Minister neben dem Werksleiter (halbnah) (O-Ton) "...dann kam dieser nicht vertretbare Beschluss: Alles beim alten zu lassen, nur den Motor rein und damit fiel praktisch erneut der Trabant einer politischen Entscheidung zum Opfer und es droht ja nun erneut...". Minister Pohl entgegnet "Es wird nur noch ökonomisch entschieden...". Blick auf den Minister der vom DEFA-Redakteur angesprochen wird (halbnah) (O-Ton) "Eine Frage: Haben Sie den Scheck in der Tasche der den Trabantarbeitern weiter hilft"? Minister Pohl dazu (nah) (O-Ton) "Das werde ich Ihnen jetzt nicht sagen...das wäre ja eine Urabstimmung...". Lachen in der Männerrunde (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf eine weitere Frage an den Minister im Off "Haben Sie eigentlich selbst den Trabant gefahren"? Minister Pohl lächelnd (halbnah) (O-Ton) "Nein, ich war, wenn Sie es genau wissen wollen, war ich immer Skoda-Fahrer und habe seit 5 Jahren einen Wartburg...(Frage aus dem Off: "Würden Sie gerne mal in einem alten P 601 sitzen und eine Runde fahren, mal ausprobieren"?)...Ich bin einer der immer auf das Neue geguckt hat in meinem Leben, Innovation war für mich ein Leitgedanke bei meiner beruflichen Tätigkeit, und so werde ich mich in ein auslaufendes Modell nicht nochmal reinsetzen, also das verstehen Sie, ja". Überblendung

0:14:10

Blick auf ein Steingesicht im Giebel eines maroden Hauses (halbtotal). Umschnitt auf ein marodes Wohngebäude neben einem Schornstein (halbtotal). Kameraschwenk über die Fabrikfassade bis auf mit Trabant-Dächern zugeklebten Fensteröffnungen im Parterrebereich (halbtotal). Sprecher: "Inzwischen behelfen sich die Zwickauer, um ihre Stadt nicht gänzlich verfallen zu lassen, mit gewissen Teilen aus der ansässigen Autoindustrie. Man hat uns gesagt das Duroplast mindestens 100 Jahre haltbar ist". Umschnitt. Kameraschwenk von einem Trabant auf eine verschmutzte Hausfassade mit Schriftzeichen "Automobilhandlung Ewald" (halbtotal). Sprecher: "Vor hundert Jahren, fast, wurde hier der ehrwürdige alte "Horch" verkauft, und wenn hier der schönste Jugendstil-Saal "Zwickaus Neu Welt" heißt...(Zoom auf die Jugendstil-Fassade)...wissen wir nicht was die neue Welt für Zwickau bereit hält. Dunkle Wolken also über der Stadt". Umschnitt auf eine Hauptstraße von Zwickau mit Auto- und Straßenbahnverkehr zwischen alten, dunklen Wohnhäusern (halbtotal). Umschnitt. Blick von oben auf den Eingangsbereich des Autowerkes in Zwickau (halbtotal). Sprecher: "Noch geht im Werk alles seinen gewohnten Gang, die letzten Karossen vom Rollband vom Werk 1....(Filmeinblendungen)...über Werk 2, nach Werk 3, rationell nach Art des Landes". Zoom auf das verladen der Rohkarossen auf einen Tieflader (halbtotal). Umschnitt auf eine Karosserie im Versiegelungs-Tauchbad (halbnah). Sprecher: "Während sie wie für die Ewigkeit konserviert werden lüften wir für Sie das Geheimnis seiner Pappe". Umschnitt

0:15:35

Blick auf eine "Papp-Presse" für Karosserieteile des Trabant im Einsatz (halbtotal). Sprecher: "Ein Geniestreich in einer Zeit in der viel Blech geredet wurde, aber wenig vorhanden war...(Zoom auf Baumwollbahnen vor der Presse)...Eigentlich ist der Trabbi ein Selbstgestrickter, simple Baumwolle wird in Lagen gepresst...(Filmeinblendung)...und dann kommt das Gelbe, das Phenolharz...(Filmeinblendung des gelben Phenolharzes im Mischer)...damit gepudert wird der Stoff dann bei 192 Grad zu Duroplast ...(Blick auf die Presse und den "Backprozess")...Ein Werkstoff der nicht rostet, der ihm den Kosenamen einbrachte "Rennpappe"...(Arbeiter entnimmt das unter Hitze geformte Kotflügel aus der Presse)...mit der Presse ließ sich eben vieles machen, auch diese Erfahrung gehört zum Trabanten". Arbeiter stapelt die geformten Kotflügel neben der Presse auf (halbtotal). Kameraschwenk über die Werkhalle mit den "Duroplast"-Pressen (halbtotal). Umschnitt auf das einpassen der bearbeiteten Kotflügel auf die Rohkarosserie des Trabant (halbnah). Sprecher: "Hier nun endlich wird angepappt...(Filmeinblendung)...die liebenswerte Form tritt zutage, das vertraute braun das jeder kennt der mal einen Unfall hatte". Blick auf Nacharbeiten an den Duroplast-Teilen (halbtotal). Umschnitt auf einen Arbeiter der das Schild "Ende P 601" an die Rohkarosserie hängt (halbnah).Umschnitt auf das einsetzen den vorderen Kotflügels aus Duroplast an der Rohkarosserie (halbnah). Sprecher: "Wir erleben den großen Augenblick da aus dem Gerippe das Gehäuse des Trabanten wird...(Arbeiter korrigiert mit einem Hammer die Übergangsnähte an den Teilen)...Trabant heißt Gefährten...(Blick auf das einsetzen der Motorhaube)...und so wie der Mond der Gefährte der Erde, so war der Trabbi der Gefährte des DDR-Bürgers, auch derjenigen die ihn bauten, manch einer jedoch will heute davon nichts mehr wissen". Umschnitt auf einen Arbeiter an der Produktionsstraße (halbnah) (O-Ton). Umschnitt

0:17:55

Blick auf das Schild "VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. PKW-Auslieferung" vor den neu produzierten Trabants auf dem Gelände (halbtotal). Rückwärtszoom von anstehenden DDR-Bürgern am Tor der Auslieferungsstelle auf die neuen Autos (halbtotal). Sprecher: "Landesweit hat es sich herumgesprochen wie ein Lauffeuer, die letzten Trabbis sind billig zu haben. DDR-Sommerschluss-Ausverkauf...(Kameraschwenk über die zum Verkauf aufgestellten Trabants)...die potionellen Käufer haben verschiedene Gründe". Umschnitt auf Käufer mit Nummernschild in der Hand (halbnah) dazu im Off die Frage: "Sie wollen alle noch einen Trabant kaufen, ja, und warum"? Blick auf einen möglichen Käufer (halbnah) (O-Ton) "Na ja, ohne Fahrzeug geht heute nichts mehr". Frage des Reporters "Sie haben noch kein Fahrzeug"? Kunde "Das ist so...ein neuer Trabbi kostet so zwischen 3.800 bis 4.100, es kommt drauf an was für ein Typ er ist". Umschnitt auf einen anderen Käufer (halbnah) (O-Ton) "Na, wenn man es so nimmt, wenn man jetzt umrechnet, ein Fahrzeug, ein PKW für 2.500 Mark, nachher für DM, kriegste drüben nicht, und zum Einkaufen fahren in der Stadt oder im Ort reicht der vollkommen aus". Umschnitt auf eine Käuferin (nah) (O-Ton) "...ob der Trabbi mir gefällt oder nicht, er ist praktisch". Umschnitt auf einen Käufer (halbnah) (O-Ton) "Lohnt sich immer noch...ich kann ihn ja konservieren. Die wird es nie wieder geben die Autos in der Form. Es ist genauso wie der Käfer wenn er weg ist, das wird mal eines Tages ein tolles Gerät werden". Frage aus dem Off an den Käufer: "Wir haben ein bisschen Ahnung von Autos, wie schätzen Sie den Trabant ein, ist es gutes oder ein schlechtes Auto"? Kunde (nah) (O-Ton) "Ich bin ungefähr 20 Jahre Trabant gefahren und ich bin vielleicht 3-4 mal liegen geblieben, und ich bin ungefähr 450.000 Kilometer gefahren. Ich habe keine schlechten Erfahrungen, es ist ein Bewegungsmittel was immer geht, bei 20 Grad minus, bei 50 Grad plus. Ich weiß nicht ob es in der Wüste getestet worden ist, haben wir vielleicht versäumt. So, als Gebrauchsfahrzeug...(Einblendung verschiedener Trabants)...für den normalen Bürger der früh zur Arbeit muß, reinsetzen, starten, ist es ein zuverlässiges Fahrzeug". Umschnitt

0:20:05

Blick auf einen Schweizer Besucher (halbnah) (O-Ton) "Jetzt haben wir gehört dass hier offenbar ein Produkt, nämlich der Trabant, offenbar doch mehr Freunde hat als wir uns gedacht haben. So sind wir her gefahren, und ich könnte mir vorstellen, wenn ich die letzte Woche hier erlebt habe, wo alles was aus der DDR gekommen war, im Grunde als der letzte Mist bezeichnet wurde, dass jetzt auf einmal da wieder eine Nachfrage besteht nach einem eigenen Produkt, und das interessiert uns schon, und auch mit dem Gefühl der Menschen die sich jahrelang damit identifiziert haben". Frage des Reporters: "Von welcher Einrichtung kommen Sie"? Angesprochener: "Wir kommen vom "Blick", das ist die größte Tageszeitung der Schweiz". Umschnitt. Blick von oben auf die in Reih und Glied aufgestellten neuen Trabant-Fahrzeuge (halbtotal). Kameraschwenk über die Dächer der Autos bis in die Wolken am Himmel (halbtotal). Umschnitt auf einen Hubwagen der eine lackierte Trabant-Karosserie von der Ladefläche eines LKW hebt (halbtotal). Kameraschwenk über die Karosserie auf dem Hubwagen (halbnah). Sprecher: "26. Juni, 19 Uhr 10, die letzte frisch lackierte Karosse fährt im Werk 2 ihrer Vollendung entgegen...(Blick auf die Karosse im Drehgestell)...Papyrusweiß, nicht Gletscherblau, nicht Baligrün, nicht Nilschlammgelb. Das Schönste am Trabbi, vom Fernweh geprägt, die Namen seiner Farben...(Blick auf den Trabbi bei der "Hochzeit" mit dem Motor)...Motor und Karosse vereinigen sich und nehmen gemeinsam den Namen Auto an". Umschnitt auf die Montage der Reifen (halbtotal). Blick auf den letzten Trabbi auf dem Kettenfließband (halbtotal). Sprecher: "Eine traurige Hochzeit, es wird stiller in der Halle, die Spätschicht geht zu Ende...(Blick auf die Arbeiterinnen und Arbeiter)...Noch läuft der letzte nicht auf eigenen Rädern, da wird der Trabbi schon anderswo als Kuriosität vermarktet".

0:22:15

Blick auf den Schweizer Journalisten (halbnah) (O-Ton) "…der wird jetzt als Taxe eingesetzt in Hollywood, MCM, dieser Kofferhersteller, also da tut sich schon etwas. Und der Trabbi hat im Grunde, gerade weil er Trabbi heißt, ist im Grunde was zum knuddeln. Gar nicht so sehr um Rennen zu fahren, sondern zum lieb haben, das funktioniert". Umschnitt auf ein "Trabbi"-Rennen (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf die bunt bemalten und getunten Trabbis auf der Landstraße während der Rennens (halbtotal) (O-Ton). Sprecher: "Liebe und Liebe ist zweierlei, sie lieben ihn ganz besonders, die Rennfahrer...(Filmeinblendung)...Derjenige der diese Motoren auf 180 brachte hat ein ganz einfaches Rezept". Blick auf den Tuner (nah) (O-Ton) "Ich brauche für so ein Styling des Motors etwa drei Wochen, über Feierabendszeit, sagen wir mal ab 4 Stunden. So, dann läuft das Motorchen auf den Prüfstand, dann werden die letzten Handgriffe in der Abstimmung des Auspuffes getan, und dann haben sie für billiges Geld, wenn man will, 10 KW plus". Umschnitt auf die Renn-Trabbis an einem Wendepunkt (halbtotal). Umschnitt auf den Tuner (nah) (O-Ton) "Mir sind aus Ministeriumsinformationen Äußerungen bekannt, die da sagen, das Auto braucht nicht mehr, wir haben sowieso Geschwindigkeitsbegrenzung von 100, was soll das alles? Man hat nur nicht beachtet, das viel Leistung einem Motor noch nie geschadet haben". Blick auf die vorbereiteten Siegerkränze für das Trabbirennen (halbnah). Umschnitt

0:24:00

Blick auf den aufgebockten letzten P 601 in der Werkshalle (halbtotal). Umschnitt auf die Anbringung des Auspuffes (halbnah). Kameraschwenk über die Frühschichtarbeiter am letzten Trabbi (halbtotal). Sprecher: "27. Juni 1990, Frühschicht, 6 Uhr 45. Eine Grabrede". Umschnitt auf einen Arbeiter der Frühschicht (nah) (O-Ton) "Wo unsere Arbeit, aber was haben wir letztendlich mit unserer Arbeit gemacht? Nischt, alle haben uns ausgelacht, die ganze Welt war da in dem letzten halben Jahr, die haben uns alle ausgelacht, alle ausgelacht, über das was wir hier produziert haben, und wie wir produziert haben, im Elend und Dreck, das muß ich sagen". Umschnitt. Arbeiter nimmt das Schild "Ende P 601" und legt es in den Kofferraum des letzten Wagens mit einem Klaps auf den Kofferraumdeckel (halbnah). Sprecher: "27. Juni 1990, Frühschicht, 8 Uhr 2...(Einblendung)...der letzte Trabbi ist fertig. Eine Gedenkrede". Kameraschwenk über die traurig zuhörenden Arbeiter bis zum Redner (halbnah) (O-Ton) "Wenn man bedenkt was war, wie lange wir dieses Auto gefertigt haben, unter welchen Umständen, unter welchen Mühen, und was nun nach dem kommen wird. Das ist ja für uns die große Frage, aber ansonsten hat sich das Kollektiv bemüht diese Autos soweit herzustellen, denn er hat ja auch ein klein wenig Geschichte gemacht, und besonders im letzten Jahr, und daran sollte man doch noch einmal denken wenn wir uns hier eingefunden haben diesen letzten Trabant vom Band zu lassen". Blick über die traurigen Arbeitergesichter (halbnah). Umschnitt. Arbeiter schieben den letzten Trabbi aus der Montagehalle (halbtotal). Sprecher: "Und welche Ironie des Schicksals, wegen Kupplungsschaden konnte er nicht allein vom Band, er mußte geschoben werden". Umschnitt

0:26:15

Blick auf den nach Fassung ringenden Schichtleiter (halbnah) (O-Ton) "Das ist schon ein Augenblick wenn man so lange hier ist, das ist nicht ganz so ohne". Umschnitt. Kameraschwenk von oben über die Dächer der einzelnen Montagehallen vom Sachsenringwerk in Zwickau (halbtotal). Gegenschnitt auf eine Werkhalle vor zwei hohen Schornsteinen (halbtotal). Umschnitt. Kameraschwenk über einen Hof mit ausgedienten Presswerkzeugen bis zu einer Gedenktafel (halbtotal). Überblendung auf die Gedenktafel (nah) mit der Aufschrift "Diese Werkhallen wurden in der Zeit des sozialistischen Aufbaues in der DDR in den Jahren 1955/56 erbaut...In diesen Hallen wird für die Festigung des Friedens unter den Völkern, für die Einheit unseres Vaterlandes und für eine glückliche sozialistische Zukunft gearbeitet". Umschnitt. Rückwärtszoom von oben auf die Schnellstraße A 4 zwischen zwei Pfeilern einer Eisenbahnbrücke (halbtotal). Sprecher: "Sein Schicksal hat sich vollendet, nun, wer hätte sich das jemals träumen lassen, rollt er tatsächlich in die deutsche Einheit, der Trabbi, aber nicht mehr allein. Flankiert von seinen Brüdern und Schwestern der erfolgreicheren Seite und der erfolgreicheren Automarken, in eine Zukunft die vom sozialistischen Traum nur noch ein Trauma übrig läßt". Blick von oben auf die Eisenbahnbrücke auf der Strecke Chemnitz - Riesa über die A4 (halbtotal). Umschnitt auf die Autobahn mit fahrenden Trabbis und anderen Automarken (halbtotal). Überblendung auf einen Sonnenuntergang mit dem darauf zufahrenden Trabant (halbtotal). Trabant fährt über einen Hügel und wird nicht mehr gesehen, nur der abendliche Sonnenball ist sichtbar (halbtotal) im Off hört man den Trabantmotor, Autotüren zuschlagen, das Durchladen eines Gewehres und später einen Schuss. Einblendung der Stabangaben: Ein Dokumentar Feature von Thomas Kuschel und Peter Milinski; Gisela Karau; Georg Hentschel; Harald Apitz; Ursula Bredow; Lutz Laschet; Carsten Gebhardt; René Schmal; Hans-Hinrich Selinski; Hans von Gliszczynski; Heinz Spiekert. Ein Film der DEFA-Dokumentarfilm GmbH Gruppe "effekt". 1990. Abblendung

0:29:20 ENDE

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