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Martha Lehmann

Regie: Peter Voigt, 13 Min., Schwarz-Weiß, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
Studio H & S, Berlin, 1972

Länge in m
362
Englischer Titel
Martha Lehmann
Anlaufdatum

Kurzinhalt (Deutsch)

Martha Lehmann, Arbeiterin, Trümmerfau, Eisenbahnerin, ist eine der Frauen, die dieses Jahrhundert erlebt und durchlitten haben und die niemand nach ihrer Erinnerung befragte. Nun ist sie tot, doch geblieben sind die Papierschnipsel - Rückseiten von Einzahlungsbelegen für Miete oder Solidaritätsspenden - auf denen sie über Jahre ihre Gedanken festgehalten hat, das was ihren Alltag ausmachte und das, woran sie sich erinnerte. Ein Leben und ein Charakter werden sichtbar, durch alle Kargheit der Skizzen hindurch.

Filmstab

Regie
  • Peter Voigt
Drehbuch
  • Peter Voigt
Kamera
  • Winfried Goldner
Schnitt
  • Ilse Radtke
Ton
  • Klaus Freymuth
Produktionsleitung
  • Mathias Remmert
Sprecher
  • Felicitas Ritsch
  • Norbert Christian
Person, primär
  • Rudi Lehmann
  • Martha Lehmann
Person, sekundär
  • Otto Grotewohl
  • Ernst Thälmann
  • Wilhelm Pieck

Kurzinhalt (Englisch)

Martha Lehmann worked as a level-crossing watchwoman in Leipzig. She wrote everything down that was important to her. The film is based on her notes and draws a personal picture of her and of her time.

Langinhalt

0:00:00

Blick auf die Waggons eines vorbei fahrenden Güterzuges (halbnah) (O-Ton). Titeleinblendung "Martha Lehmann" mit Stabangaben: Kamera Winfried Goldner. Schnitt Ilse Radtke. Ton Klaus Freymuth. Sprecher Felicitas Ritsch und Norbert Christian. Produktionsleitung Mathias Remmert. Buch und Regie Peter Voigt. Studio H&S. Umschnitt

0:01:10

Blick von hinten auf die vorbei fahrenden Waggons des Güterzuges (halbtotal) (O-Ton). Ein kleines Schrankenwärterhäuschen neben den Gleisen (halbtotal). Sprecher: "Am Stadtrand von Leipzig hat eine Frau als Schrankenwärterin gearbeitet. All die Jahre die sie lebte und ihren Dienst versah gab es eigentlich nichts Besonderes an ihr...(Fotoeinblendung von Martha Lehman in Schrankenwärteruniform)...eine einfache und bescheidene alte Frau, aber als sie starb hinterließ sie etwas Bemerkenswertes, eine Sammlung eigenartiger Aufzeichnungen...". Überblendung auf viele kleine und voll geschriebener Notizzettel (halbnah). Zoom auf die Zettel mit Schwenk (nah). Vollgeschriebene Rückseite einer Mietquittung (nah). Umschnitt

0:02:21

Text auf einem Zettel (nah) "15.2.1945, Dienstplatz 7 Uhr. 10:30 Uhr Alarm, viel Kampfverbände, Vorentwarnung 12:35 Uhr...Gott war uns gnädig. Martha Lehmann". Abblendung. Umschnitt auf ein Häuser-Trümmerfeld 1945 (halbtotal). Detailaufnahme eines Zettels (nah) "Nun Frieden". Historische Filmaufnahmen aus dem Hungerwinter 1946/47: Holzsammlerin, Kohlen klauende Kinder (halbtotal). Abblendung. Sprecherin zitiert einige Zettel: Jetzt Hungermonate, alles alle. Esse schon Brot von der 3. Dekade und das 1. hat erst begonnen". Dazu werden historische Filmaufnahmen gezeigt: Industriebetriebe werden nach brauchbaren Maschinen durchsucht, Trümmerfrauen bei ihren kargen Essen im Freien (halbtotal). Sprecher: "So hat sie aufgeschrieben was alle durchlebten damals, das Alltägliche, und sie schrieb es für sich, ihre Mitteilungen hatten keinen Adressaten". Zoom auf eine ganze Wand voller kleiner Zettel (halbnah). Abblendung

0:03:37

Blick auf das kleine Schrankenwärterhäuschen (halbtotal). Sprecher: "Ihr Arbeitsplatz war abgelegen, aber in manchen Augenblicken hatte sie doch die Welt zu Besuch, Stippvisiten der größeren Ereignisse, schnell vorbei gehend". Notiz (nah) "22.August 1951, III. Weltfestspiele waren ein großer Erfolg, grandios wenn die Züge an mir vorbei fuhren...". Historischer Filmausschnitt von winkenden Kindern aus geöffneten Zugfenstern (halbtotal). Pioniere aus aller Welt auf einem Bahnsteig lassen Tauben hoch fliegen (halbtotal). Umschnitt. Blick über die Gleise auf die Felder vor einem Dorf (halbtotal). Zeitungsausschnitt "Weihnachten so? Nie wieder!" mit dem Bild eines toten Soldaten mit Anmerkungen von Martha Lehmann (nah). Sprecher: "Einmal hatte sie aus einer illustrierten Zeitung das Bild eines unbekannten Soldaten ausgeschnitten". Sprecherin dazu: "So liegt vielleicht auch mein Rudi im Osten, einfach unfassbar.". Sprecher: "Die Gedanken um den Jungen den ihr der Krieg genommen hatte geht durch ihre Aufzeichnungen von Anfang an". Blick auf eine Wand voller Zettel (halbnah). Sprecherin: "Unser Rudi nun schon ein halbes Jahr nicht mehr unter uns, unfassbar". Umschnitt auf einen kleinen Zettel (nah) "Helmut Schulleiter, Rudi im Himmel, Walter Umschüler, Papa Rentner, Mama bei der Bahn. Nun Frieden! Gott sei Dank!!! ". Abblendung

0:04:55

Blick aus dem Schrankenwärterhäuschen auf das Bahngleis (halbtotal). Sprecherin: "16.12.1948...eben fuhr ein Heimkehrerzug durch nach Kaserne Möckern. Russlandheimkehrer, jung, mittel und Alte". Umschnitt. Historische Filmaufnahmen eines Heimkehrerzuges (halbtotal). Winkende Heimkehrer in den offenen Waggons (halbtotal). Glücklich nehmen Verwandte ihre Familienangehörigen auf dem Bahnsteig in die Arme (halbnah) Sprecherin: "Wie schön wäre es wenn unser Rudi mit dabei wäre, könnte nicht ein Wunder geschehen"? Heimkehrer küssen ihre Frauen und Kinder (halbnah). Blick auf winkende Heimkehrer in einem offenen Waggon (halbnah). Sprecherin: "Manche winkten mir freundlich zu, andere blickten stur". Ein Güterzug fährt an den Schrankenwärterhäuschen vorbei (halbtotal). Umschnitt

0:05:25

Foto von Martha Lehmanns Sohn Rudi aus dem Jahre 1944 bei einem Brettspiel (nah). Sprecher: "Neben einer Fotografie aus dem Jahre 1944 hatte er geschrieben: Heute, am Geburtstag von Ernst Thälmann haben wir ihm zu Ehren unsere verhassten Uniformjacken ausgezogen". Abblendung. Fotoeinblendung von Ernst Thälmann bei einer Wahlkundgebung im Freien (nah). Sprecher: "Auch hier ist Rudi mit dabei gewesen, 1932, in einem Leipziger Vorort, denn Martha Lehmanns Sohn war Kommunist, Genosse in der Partei Thälmanns, Literaturobmann seiner Parteigruppe". Umschnitt auf einen Zettel von Martha (nah). Sprecherin: "Der herrliche Sohn". Fotoeinblendung von Rudi (nah). Abblendung

0:06:15

Familie verlässt das Wohnhaus und geht zum 1. Mai-Umzug des Jahres 1950 (halbtotal). Zettel von Martha (nah). Sprecherin: "5.5.1950, Brakwitz. Am 1. Mai habe ich Umzug mitgemacht von Mockau nach Leipzig". Umschnitt historisches Filmmaterial des Maiumzuges (halbtotal). Blick (von oben) auf die Menschen mit ihren Transparenten "Es lebe die DDR und ihr Ministerpräsident Otto Grotewohl" und Großfotos von Wilhelm Pieck (halbtotal). Friedenstauben werden frei gelassen auf den Versammlungsplatz (halbtotal). Blick (von oben) auf Frauengruppen mit Transparenten "Die Solidarität erzwingt den Frieden" (halbtotal). Sprecher: "Erinnerung und Gegenwart begegnen sich in Martha Lehmanns Aufzeichnungen, Schrankendienst und Politik, die Gartenarbeit und der Wunsch nach Frieden". Abblendung. Blick auf einen Zettel vom 21.4.1951 (nah). Sprecherin: "Bude 45c Autobahn, Sonnabend 8:30 Uhr. Heute 5 Jahre SED". Umschnitt auf einen historischen Filmausschnitt mit Wilhelm Pieck auf einem Parteitag (halbtotal) (O-Ton). Pieck am Rednerpult (halbnah). Umschnitt auf die Bahngleise neben dem Schrankenwärterhäuschen (halbtotal). Detailaufnahme eines Zettels (nah). Sprecherin: "Wetter ruhig, kühl, Flieger kreisen am Himmel. Hoffentlich kommt der Friedensvertrag 1951 noch zustande. Neun Uhr, Sonne kommt aus den Wolken, nun geht das Säen und Pflanzen los, das Hacken, Jäten und Gießen". Blick über die Garten in Martha Lehmanns Umgebung (halbtotal). Umschnitt

0:07:40

Schrankenglocke schlägt (nah) (O-Ton). Schranke neigt sich langsam runter (halbnah). Sprecher: Es tat sich mehr im Staat als nur der Arbeitsalltag am Stadtrand von Leipzig". Wochenschauausschnitt mit Originalkommentierung: "Pressekonferenz in Berlin, Anlass war das Schreiben unserer Regierung an die 4 Großmächte in dem der beschleunigte Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland gefordert wird...". Filmausschnitt: Blick in den Saal der Pressekonferenz mit Otto Grotewohl am Rednerpult (halbtotal). Sprecherin: "Zwanzig Tage und noch keine Antwort von den 3 anderen Mächten. Am 13.2.1952 schrieb Grotewohl (Einblendung des Zettels von Martha) Sowjetunion gab sofort Antwort". Überblendung auf einen Wochenschauausschnitt mit Originalkommentar: "Die Sowjetunion hat den 3 Westmächten den Entwurf eines Friedensvertrages mit Deutschland überreicht...". Filmausschnitt: Sowjetische Botschaft in Berlin von außen (halbtotal). Freiexemplare "Neues Deutschland" werden auf den Straßen Berlins verteilt (halbtotal). Umschnitt

0:08:20

Blick auf den geöffneten Bahnübergang mit dem Schrankenwärterhäuschen von Martha Lehmann (halbtotal). Sprecherin: "7. Juli 1952...einige Tage sehr heißes Wetter, Himbeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren (Einblendung des Zettels von Martha) eine Pracht. Von den 12 Küken sin 7 Hähne, hoffentlich kommt kein 3. Krieg". Umschnitt auf die ratternden Waggonräder auf den Schienen (halbnah) (O-Ton). Sprecher: "Ihren guten Sohn hatte ihr der letzte Krieg genommen, es sollte kein Krieg mehr sein, das wünschte sie. Darum bewegte es sie sehr als sie eines Tages erfuhr das der Sozialismus beschlossen wurde". Historische Filmeinblendung von der II. Parteikonferenz der SED im Jahre 1952 (halbtotal). Delegierte begrüßen den Beschluss zum Aufbau des Sozialismus mit einem dreifachen hoch (halbtotal) (O-Ton). Einblendung eines Fotos von Rudi Lehmann (nah). Sprecherin: "Wie schön hätte es unserer Rudi jetzt da er politisch so begabt war". Blick aus dem Schrankenwärterhäuschen auf die Gleise (halbtotal). Umschnitt

0:09:08

Historischer Filmausschnitt: Mitglieder der FDJ gehen mit klatschenden Händen über dem Kopf und Nelkensträußen in den Saal des Parteitages (halbtotal). Umschnitt auf einen vorbei fahrenden Zug in der Nacht am Schrankenwärterhäuschen (halbtotal) (O-Ton). Sprecher: "Der Sozialismus das war für sie die schlichte Hoffnung auf das Gute in der Welt". Blick auf das erleuchtete Fenster des Schrankenwärterhäuschens bei Nacht (halbtotal). Umschnitt auf eine Notiz von Martha (nah). "Panta reih = alles fließt. 1.5.1950". Umschnitt auf ein Gewässer neben dem Bahnübergang (halbtotal). Güterzug fährt unter einer Brücke neben dem Bahnübergang durch (halbtotal) (O-Ton). Sprecher: "Aus solcher Abgeschiedenheit entstanden ihre Aufzeichnungen, sie war viel mit sich allein...". Schwenk (aus der Froschperspektive) über den Bahnübergang mit dem Schrankenwärterhäuschen mit der Nummer 399 (halbtotal). Einblendung eines Fotos von Martha Lehmann in Uniform der Reichsbahn (nah). Sprecher: "...es war schon der Lebensabend, und doch hat es Martha Lehman verstanden die Einsamkeit ihrer Tage nach und nach zu überwinden...". Blick von der Seite auf die sich öffnende Schranke neben dem Häuschen (halbtotal). Radfahrer, Fußgänger und Autos überqueren den Bahnübergang (halbtotal). Umschnitt

0:10:23

Rückseite eines Überweisungsscheins mit Notiz (nah) "Zum Tag der Befreiung, 8. Mai 1954. 10 Mark für die Koreahilfe". Einlieferungsschein von vorne (nah). Historischer Filmausschnitt von koreanischen Bauarbeitern und Hilfskräften auf einem Baugelände (halbtotal). Sprecherin: "Anlässlich unseres Landsonntags möchte ich auch meinen Beitrag leisten und spende 20 Mark für unsere Friedenskämpfer (Einblendung Zettel mit durchgestrichener zwanzig) nein, 10 Mark für unsere Friedenskämpfer und 10 Mark für die Koreahilfe". Überblendung von Demonstrationen in Frankreich mit Transparenten "Vive la Republique" (halbtotal). Demonstration am "Arc de Triomphe" in Paris (halbtotal). Sprecherin: "Zwanzig Mark für die KP Frankreichs für ihren Kampf". Umschnitt auf gefangene Algerier in der Wüste (halbtotal). Einblendung eines Notizzettels (nah). Sprecherin: "16. April 1957. Lieber Genosse Ömichen, leider muß ich dich wieder belästigen, aber ich bekam keine Solidaritätsmarken, Kollege Förster sagt es sind noch keine da, wie ist so etwas möglich, denn die Woche für Algerien war doch vom 7. bis zum 14. des Monats. Im Gedenken an meinen Sohn, der wirklich ehrlich für unsere Sache kämpfte, bitte ich die Kleinigkeit für Algerien anzunehmen". Filmausschnitte von algerischen Freiheitskämpfern bei ihrer Ausbildung in einem Waldstück (halbtotal). Umschnitt

0:11:30

Foto von Rudi Lehman (nah). Sprecher: "In den Befreiungskämpfen hatte Martha Lehmann ihren gefallenen Sohn wiedergefunden, und was Jahrelang der Anlass ihres ratlosen Kummers gewesen war brachte sie zur Aktivität und Selbstvertrauen". Blick auf das Gruppenfoto mit Rudi (nah). Umschnitt auf einen Zettel vom 1. Mai 1955 (nah). Sprecherin: "Ich saß mit auf der Ehrentribüne, der Zug zog an mir vorbei und ich habe ordentlich geklatscht". Umschnitt auf eine Stahlbrücke über dem Güterbahnhof (halbtotal). Sprecherin: "Ich bin über eine lange, lange Brücke gelaufen, hoch oben. Bin ganz alle, schwindlig wurde mir. Angst nur das erste Mal, jetzt sause ich drüber wie eine Wilde". Rauchend und schnaubend fährt eine Lokomotive unter der Brücke (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf eine Pendeluhr neben einem gerahmten Foto von Ernst Thälmann (halbnah). Sprecher: "Genau betrachtet hatte sie in den letzten Jahren ein 2. Leben begonnen und sie wollte dieses neue Leben gebrauchen solange wie möglich, das ist ausgedrückt in einem Briefentwurf der sich später unter ihren Papieren fand". Umschnitt

0:12:40

Blick auf einen Brief von Martha Lehmann (nah). Sprecher: "15 Jahre DDR. Dank möchte ich unserer Regierung sagen für das Gesetz was die Rentner, (Einblendung eines Porträts von Martha) wenn sie gewillt sind, dürfen weiter arbeiten ihren Fähigkeiten entsprechend". Foto von Martha Lehmann (nah). Sprecher: "So arbeitete sie bis zuletzt. Als ihr der Dienst an der Strecke zu beschwerlich geworden war betreute sie ihre Kollegen von den Fernzügen die im Leipziger Bahnhof übernachteten, und dann war da auch noch der Garten". Blick in den Garten von Martha Lehmann (halbtotal). Rückwärtszoom von einem Foto von Martha Lehmann in ihrem Garten (nah). Sprecher: "Martha Lehmann starb 81jährig wegen Altersschwäche am Vorabend des 1. Mai 1971". Abblendung.

0:13:40 Ende

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