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Abhängig

Regie: Eduard Schreiber, 23 Min., sw, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme, 1983

Film-Videoformat
35 mm
Länge in m
633
Sonstiger Titel
Werftarbeiter Kunstmann
Anlaufdatum

Kurzinhalt

Der Film wendet sich einem Thema zu, das leider in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten an zunehmender gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen hat. Alkoholismus wird als eine sehr ernstzunehmende Krankheit betrachtet, deren Bekämpfung nicht nur durch Ärzte und Therapeuten, sondern vor allem durch gemeinsames Verantwortungsbewußtsein aller erfolgreich sein kann. Gleichzeitig wird der gelernte Bootsbaumeister Eberhard Kunstmann porträtiert, der sich auf der Rostocker Neptun-Werft gemeinsam mit den Ärzten der Betriebspoliklinik für seine alkoholkranken Kollegen einsetzt. Er ist heute Leiter einer speziellen Betreuung der Kranken. Am Schicksal der im Film vorgestellten und befragten Betroffenen wird deutlich, wie schwierig - und oft auch wie vergeblich - diese Bemühungen sind. Obwohl die aufopferungsvolle Arbeit Eberhard Kunstmanns, seine ganze Kraft und oft den äußersten Einsatz erfordert, selten zum Erfolg führt, gibt er nicht auf. Auf sensible, einfühlsame Weise vermittelt der Film ein Problembewußtsein zur dargestellten Thematik.

Filmstab

Regie
  • Eduard Schreiber
Drehbuch
  • Eduard Schreiber
Kamera
  • Wolfgang Dietzel
Schnitt
  • Petra Barthel
  • Viktoria Dietrich
Kameraassistent
  • Peter Ackermann
  • Michael Greulich
Dramaturg
  • Richard Ritterbusch
Komponist
  • Wolfgang Amadeus Mozart (Klavierkonzert B-dur, KV 595)
  • Lothar Viogtländer
Ton
  • Hans-Jürgen Mittag (Tonmischung)
  • Andreas Walter
Produzent
  • Uwe Kremp
Beratung
  • Klas Schmitz
Person, primär
  • Eberhard Kunstmann
  • Helmut Schumacher
Person, sekundär
  • Erich Honecker

Langinhalt

0:00:00

Schrifteinblendungen: DEFA-Studio für Dokumentarfilme, Gruppe "effekt", DDR © 1983. "ABHÄNGIG". Blick auf einen Gang zwischen den Montagehallen der Weft im Morgengrauen eines Wintertages (halbtotal). Kommentar: "Auf der Rostocker Neptun-Werft wird seit 1980 Kollegen geholfen die durch Trinken zum Außenseiter geworden sind. Etwas abseits von den großen Schiffbauhallen, die Stelle für spezielle soziale Betreuung. Hier nehmen jeden Tag, wenn notwendig, die alkoholkranken Kollegen unter Aufsicht ihnen verordnete Medikamente ein". Werftarbeiter mit Schutzhelm in den Räumen der Betreuungsstelle (halbtotal). Blick auf ein entstehendes Schiff auf der Werft (halbtotal). Umschnitt auf einen weiteren Kollegen in die Betreuungsstelle (halbtotal). Blick in die Werftanlage (halbtotal). Eberhard Kunstmann in der Betreuungsstelle befragt einen abhängigen Kollegen (halbnah) (O-Ton) "Und, wie sieht es am Arbeitsplatz aus"? Alkoholkranker nimmt seine Medikamente ein und antwortet (halbnah) (O-Ton)"Bestens Kollege". Im Off der Betreuer: "So, morgen um 13 Uhr dann die nächste Tabletteneinnahme, ja, und nicht vergessen pünktlich zu sein, tschüss". Alkoholkranker trinkt seinen Becher leer und verläßt den Raum (halbnah) (O-Ton). Umschnitt

0:01:25

Blick auf die Werftarbeiter auf dem verschneiten Betriebsgelände (halbtotal). Kommentar: "Als die Werftleitung von der ökonomischen und sozialen Notwendigkeit dieser Arbeit überzeugt war, wurde im April 1982 die Stelle für spezielle soziale Betreuung eingerichtet. Hier werden gemeinsam mit der Betriebspoliklinik, dem psychiatrischem Zentrum der Stadt und den Brigaden die alkoholkranken Kollegen über ihren Zustand aufgeklärt und sozial betreut. Auf der Werft wird für ihre medizinische Behandlung gesorgt, einschließlich einer Gruppentherapie zweimal im Monat und regelmäßiger Sprechstunden des Psychiaters...". Eingeblendet zum Kommentar werden: Fahraufnahme an Werftarbeitern vorbei (halbnah), Blick auf die Werftanlagen (halbtotal), rauchende Werftarbeiter im Freien (halbnah). Blick auf das rege Treiben an den Werftanlagen (halbtotal).

0:02:33

Blick in einen Beratungsraum mit Honecker-Foto an der Wand (halbtotal) (O-Ton) "Ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist Kunstmann, ich bin Mitarbeiter Politbüros für Kader und Bildung, im Aufgabengebiet der speziellen sozialen Betreuung. Ich habe heute in Verbindung mit eurem Abteilungsleiter, dem Genossen Absel, darum gebeten das wir hier zusammen kommen wegen der gesamten Problematik des Kollegen Schumacher, der bei euch im Bereich arbeitet, und der euch in der letzten Zeit, in den letzten Jahren, doch ein paar Sorgen gemacht hat". Kollegen von Helmut Schumacher hören dich die Ausführungen von Kunstmann an (halbtotal). Eine Wortmeldung (halbnah) (O-Ton) "Wir haben ihn wirklich, also wirklich kameradschaftlich und alles Mögliche, darauf hingewiesen...und gesagt, Helmut, sieh mal zu das du wieder in die richtige Bahn kommst, dann sollst du auch wieder dein Geld was du vorher bekommen hast sollst du dann auch wieder bekommen, aber es hat absolut nichts geholfen...". Umschnitt auf den redenden Kunstmann (halbnah) (O-Ton) "Der Kollege Absel hat gesagt seit 1967 ist er im Betrieb, die Arbeit hat er qualitätsmäßig gut gemacht bis der Alkohol kam, und dann ging es rapide Bergab, mit allen Unannehmlichkeiten die dazu gehören. Ob das waren staatliche Maßnahmen, ob das Betriebliche Maßnahmen gewesen sind, das zu Hause ging kaputt. Stellt euch mal die Frage, er ist doch nicht dumm, macht er sich das unnatürlich kaputt oder ist da etwas was ihn zwingt, das wenn er anfängt zu trinken nicht mehr aufhören kann, auch wenn er längere Zeit abstinent gewesen ist...". Blick auf die zuhörenden Kollegen am Besprechungstisch (halbnah). Im Off berichtet Kunstmann weiter: "...der Kollege Schumacher ist Alkoholkrank und der Kollege Schumacher darf aufgrund dessen weil, er diese Krankheit hat keinen Tropfen Alkohol trinken, kein Tropfen".

0:04:42

Umschnitt auf einen Kollegen (halbnah) (O-Ton) "Ich nehm den Mann nicht, ich will nicht mehr mit ihm arbeiten, weil die Kollegen genau so denken bei uns, von ihm sind unten immerhin sechs- bis acht Mann abhängig, die ihr Geld verdienen wollen, die für ihre Leistung arbeiten wollen, das muß man mit berechnen...". Umschnitt auf die zuhörenden Kollegen im Raum (halbtotal) im Off dazu Kunstmann: "Hier geht es um den Kollegen Schumacher, der ist Kranfahrer, hundert Meter weiter da geht es um den Maschinenbrenner, der Brenner kostet die Stunde danach 60 bis 80 Mark, jetzt überlegt euch mal...(Blick auf den redenden Kunstmann)...wenn der Mann uns ausfällt, Stunden, was das für ein ökonomischer Schaden ist, das ist die Ökonomie. Und wie sieht es denn aus mit dem der neben uns arbeitet, haben wir denn nicht auch eine Verantwortung gegenüber dem der mit uns arbeitet, der mit uns schafft? Ist er denn nur so lange gut so lange er schafft? Und dann wenn er durch das "Blaue Wunder", durch den "Juwelschnaps" und weiß der Kuckuck wie die Dinger heißen, krank geworden ist, aufgegeben wird, ich bin der Meinung das dürfen wir nicht zulassen". Umschnitt...

0:05:50

...in die Werkhalle der Werft (halbtotal) (O-Ton). Schweißer bei ihrer Arbeit (halbtotal). Umschnitt auf den erzählenden Helmut Schumacher (halbnah) (O-Ton) "Ich bin seit 1962 auf der Werft, erst habe ich angefangen als Hilfselektriker weil ich mich qualifizieren wollte als Elektriker, aber leider wurde ich da Straffällig und mußte in den Knast gehen und als ich wieder raus kam bin ich wieder auf der Werft angefangen, Kranfahrerschein gemacht, Anschlägerpass, Schweißerpass, und dann nachher kam das mit der Ehe, da hab ich geheiratet, und dann kamen die ersten Probleme, auch mit dem Alkohol, es gab viel Streit und da ich nicht so ein Mensch bin der sich nicht so gerne streiten tut hab ich alles liegen und stehen gelassen und bin einen Trinken gegangen. Und bloß Trinken das ging so weit bis ich voll war...und dann kam es zur Scheidung darüber, und dann hab ich mir so einen Kopf darüber gemacht, da hab ich mal an einem Abend 2 große Flaschen rein gedreht, den Gashahn aufgedreht, ja und wenn sie nicht da gewesen wäre in ihrer Wohnung dann wäre ich wohl nicht mehr hier gewesen. Da hat es bei mir ausgehakt...(Umschnitt)...da wurde ich dann verurteilt wegen der Gasvergiftung auf Körperverletzung weil meine geschiedene Frau sich mit in der Wohnung befand und der Lütte Junge, aber bloß in anderen Räumen, weil wir die Wohnung getrennt hatten, ja, und dafür habe ich ein halbes Jahr gekriegt und wo ich dann wieder raus gekommen bin, bin ich wieder auf der Werft angefangen in der alten Abteilung...(Einschnitt von zuhörenden Kollegen und dem Betriebsarzt)...und durch den Alkohol jetzt, ich weiß nicht ob ich da was versäumt hab, mir kommt es jedenfalls so vor das ich was nachzuholen habe".

0:08:11

Schwenk von einem vortragenden Betriebsarzt auf Helmut Schumacher (halbtotal) (O-Ton) "Ich meine, wenn das nun der Grund gewesen ist, das praktisch jetzt Langeweile da war, das nichts da war was Sie irgendwie gereizt hat oder angestachelt hat...". Schwenk über die zuhörenden Betreuer, Kollegen und Abhängigen (halbtotal), dazu Schumacher im Off: "Bis jetzt habe ich mich sehr gut erholt, sagt man mir immer, mit den Tabletten geht es bergauf". Blick auf Schumacher (halbnah) dazu im Off der Betriebsarzt: "Sie haben das im Prinzip jetzt nur begründet Ihr Trinken, das also in Ihrem Leben, in Ihrer Ehe viel schief gelaufen ist. Kann man das nicht auch anders rum sehen, das darum alles schief gelaufen ist weil Sie getrunken haben"? Schumacher (halbnah) (O-Ton) "Das mag auch sein, ja, getrunken habe ich meistens nur wenn wir uns gestritten haben, alles liegen und stehen gelassen, dann bin ich ab durch die Tür, um den Streit zu vermeiden". Ein Kollege neben Schumacher (halbnah) (O-Ton) "Das war aber die einfachste Lösung...ich bin dann mal weg, andersrum wäre das vielleicht noch was geworden, hättest Du Dich nur dem Problem gestellt, Du hast aber die Flasche genommen und reingefegt...". Schumacher und sein Arbeitskollege nebeneinander (halbnah) (O-Ton). Umschnitt

0:09:30

Blick auf die zu Wasser gelassenen Schiffe vor der Neptun-Werft (halbtotal). Umschnitt auf einen weiteren Abhängigen neben Kunstmann im Besprechungsraum (halbnah), im Off wird die Frage vom Betriebsarzt gestellt: "...und vorher haben Sie Alkohol getrunken? Hat man Sie Pusten lassen? Wie viel hatten Sie getrunken"? Betroffener Abhängiger (halbnah) (O-Ton) "Ja, da muß ich länger ausholen..". Im Off wird er vom Arzt unterbrochen: "Ne, Augenblick mal, Sie sollen mir ganz klipp und klar sagen, wie viel haben Sie heute während der Arbeitszeit getrunken". Abhängiger (halbnah) (O-Ton) "Meine Tochter fährt zur See und die ist gekommen...". Betriebsarzt im Off: "Herr Rohrbach das interessiert mich überhaupt nicht, mich interessiert hier in diesem Zusammenhang...(Schwenk von Rohrbach über Kunstmann zum sprechenden Betriebsarzt)...die Frage, wollen Sie bei uns eine Therapie, ja oder nein...(Rohrbach im Off "Nein")...wollen Sie nicht. Gut, dann müssen Sie sich auch über die Konsequenzen im Klaren sein...(Rohrbach im Off "Ja")...es wird also Abteilung Inneres...(Rohrbach im Off "Die wissen schon Bescheid")...so, die wissen schon Bescheid. Sie wollen sich das nicht noch einmal überlegen...("Nein" im Off)...gut, dann war es das, dann kann ich Ihnen leider nicht helfen". Schwenk vom Betriebsarzt über Kunstmann zu Rohrbach (halbnah). Kunstmann (halbnah) (O-Ton) "Das geht jetzt mit uns beiden weiter...Kollege Rohrbach Sie sind als kriminell-gefährdeter Bürger erfaßt, Sie haben die Auflage in die Facharztsprechstunde zu kommen, und Sie haben die Auflage darüber hinaus eine Behandlung hier aufzunehmen. Das ist meine Weisung, eine Auflage, die Sie bekommen haben und diese Auflage wird durch uns kontrolliert, und wenn Sie hier "Nein" sagen dann verstoßen Sie gegen die Auflagen die Ihnen erteilt worden sind, und dann zieht das unweigerlich ein Ordnungsstrafverfahren nach sich...". Rohrbach verneint und diskutiert über diese Maßnahmen (halbnah) (O-Ton). Kunstmann (halbnah) (O-Ton) "Sie haben die Auflagen von der Abteilung Inneres vom Rat der Stadt das Sie diese Behandlung aufzunehmen haben, und wenn Sie dies nicht tun werden Sie dafür zur Verantwortung gezogen, nicht durch den Arzt, aber durch den Rat der Stadt, Abteilung Inneres...". Rohrbach (halbnah) (O-Ton) "Ich bin weder vorbestraft noch sonst was...man hat mir auch gesagt, kennst du überhaupt jemanden der nicht trinkt, ich kenne keinen der nicht trinkt, nicht einem Menschen der nicht trinkt". Kunstmann (halbnah) O-Ton) "Es ist traurig wenn Sie nur solche Leute kennen die trinken, Sie sollten nach anderen Leuten umsehen". Rohrbach und Kunstmann hören dem Betriebsarzt zu (halbnah) im Off der Betriebsarzt: "Herr Rohrbach, Sie sind im Moment An- nicht Betrunken, ich würde sagen überlegen Sie sich das noch einmal, Sie können innerhalb der nächsten Tage Herrn Kunstmann noch Bescheid sagen wenn sich Ihre Einstellung ändern sollte, wir sind bereit bei Ihnen eine Behandlung zu machen, bzw. mit Ihnen gemeinsam, aber das müssen Sie wollen". Umschnitt.

0:12:39

Blick (von unten) auf ein schwebendes Rettungsboot am Kranhaken in der Neptun-Werft (halbtotal). Umschnitt auf eintreffende Abhängige in der Beratungsstelle der Neptun-Werft (halbtotal). Kunstmann bietet den beiden Abhängigen einen Platz im Büro an (halbnah) (O-Ton) "So, komm mal her, setzt Dich hier vorne hin nimm mal Platz, Bernd, Du auch. Wie geht es Dir heute Morgen"? Blick auf den Befragten (halbnah) (O-Ton) "Also einigermaßen...ich habe heute Morgen eine Flasche Bier getrunken". Kunstmann am Schreibtisch (halbnah) (O-Ton) "So, das ist der 20. und dann kommt Freitag der 21.". Schwenk zum Abhängigen vor dem Schreibtisch (halbnah) (O-Ton) "Ja, und dann habe ich einen Fehler begangen, dann habe ich mir eine große Flasche Schnaps "Boonekamp" gekauft am 21., es hat nicht geklappt, ich war nervös...meine Frau hat sie mir später weg genommen, sie war noch halb voll...". Im Off hört man Kunstmann fragen: "Hast Du dann versucht irgend wie noch woanders Schnaps zu bekommen?...(Abhängiger: Kriegst ja nichts, und Geld hab ich auch nicht)...Und Du hast also am 22. an dem Wochenende Brennspiritus und Benzin getrunken?...(Abhängiger: Hat meine Frau mir aber weg genommen)...Und wie viel Gläser waren das?...(Abhängiger: Das waren 3 große Gläser, verdünnt mit Wasser). Umschnitt

0:15:20

Eberhard Kunstmann in seinem Büro (halbnah) (O-Ton) "Wenn einer diese Krankheit hat ist es nicht nur die Sache der Medizin, sondern gerade speziell meine Arbeit um den Leuten den Einstieg wieder zu ermöglichen. Das man im Arbeitskollektiv, oder auch in der Familie, mit dem Ehepartner spricht und Klarheit über bestimmte Dinge schafft, die Leute wieder dazu bringt dass sie wieder miteinander reden und nicht nebeneinander leben, sondern miteinander. Das ist auch ganz wichtig, der Alkoholiker wird durch seine Krankheit automatisch zum Außenseiter, und er kommt aus dieser Situation nicht heraus wenn wir ihm nicht helfen". Frage aus dem Off: "Was meinst Du warum die Leute trinken"? Kunstmann (halbnah) (O-Ton) "Trinken, teilweise ist es Mißbrauch, teilweise sind es Leute die arm sind im Leben, ich meine jetzt nicht finanziell sondern in dem was sie erleben, und teilweise ist es auch die Umwelt die diese Leute nicht verkraften, mit der sie nicht fertig werden...". Einschnitte von: Straßenszenen einer Großstadt (halbtotal), Autoverkehr in den Abendstunden auf einer Hauptstraße (halbtotal)...dazu im Off die Worte von Kunstmann: "...aber es ist so, jeder hat Angst, er hat Nöte, auch in unserer Gesellschaft, und jeder muß diese Ängste und Nöte und die Ungewißheit die er in sich trägt los werden, wenn er das nicht wird dann kann es passieren das er krank wird, nicht organisch krank aber von der Seele krank, er wird Gemütskrank, und das ist die Grundlage um Alkoholkrank zu werden". Blick aus dem Fenster auf den abendlichen Straßenverkehr (halbtotal).

0:17:15

Blick auf die Werkhallen der Neptun-Werft in der Dunkelheit (halbtotal). Blick in die Werftarbeiter in den Umkleideräumen (halbtotal). Frage aus dem Off an den Alkoholiker Rohrbach (halbnah) "Herr Rohrbach, wir haben vor ein paar Wochen Ihre totale Absage erlebt, wie ist denn die momentane Situation jetzt"? Rohrbach (halbnah) (O-Ton) "Ich wollte ja konsequent...habe ich das ja abgelehnt, bloß ist es ja so, ich habe von mir aus alleine versucht darüber hinweg zu kommen, aber es geht nicht...". Umschnitt und Frage aus dem Off: "Ist es der erste Versuch den Sie unternehmen"? Rohrbach (halbnah) (O-Ton) "Nein, es ist nicht der erste Versuch, ich glaube das ist der dritte. Manchmal hab ich immer gesagt, nein, nun ist Schluß, aber ich habe nen Haufen Freunde und Bekannte und Verwandte, und überall gibt es was zu trinken, und überall wird was angeboten, und das ist natürlich sehr schwer...aber ich denk doch ich werd das durchstehen". Umschnitt und Frage aus dem Off: "Haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht warum Sie überhaupt Alkohol getrunken haben"? Rohrbach (halbnah) (O-Ton) "Nein, zum Anfang gar nicht, mitgemacht, bißchen dumm sein ist nen schönes Gefühl, so ging es los, dann wurde es ja immer mehr im Laufe der Jahre, das sind fast 30 Jahre her das ich Alkohol trinke...(Frage aus dem Off: Was sagen Ihre Kollegen dazu?)...meine Kollegen, die trinken fast auch alle, aber nicht eben so". Umschnitt

0:18:44

Eberhard Kunstmann, der Werksleiter und Schumacher in der Werkhalle (halbnah). Schumacher verabschiedet sich und geht zu seinem Arbeitsplatz an der Krananlage der Werft (halbtotal). Fahraufnahme mit dem Kran über der Werkhalle (halbtotal). Schumacher (halbnah) wird aus dem Off befragt: "Seit gestern darfst Du wieder Kran fahren, Du hast Deine Tauglichkeit bekommen, was bedeutet das für Dich"? Schumacher (halbnah) (O-Ton) "Erst mal selbstsicher wieder, das ich wieder Vertrauen zu den Kollegen gefunden hab, und das ich meine Arbeit erst einmal wieder so ausführen kann wie ich das wollte...und ich bin auch sehr zufrieden und freu mich auch selber darüber das ich es erst mal geschafft habe den Weg...(Frage aus dem Off: "Was ist das Nächste was Du Dur vorgenommen hast"?)...erst mal sehen das ich mit meiner Familie mal wieder ins reine rück, erst mal wieder ein paar Anschaffungen mach, es ist nämlich viel Geld drauf gegangen beim Alkohol, das muß ich erst einmal wieder alles aufholen...(Frage aus dem Off: "Kann es passieren das Dir das alles wieder verloren geht"?)...ganz sicher bin ich da nicht, ich werde sehen das ich das halte was ich jetzt hab". Umschnitt

0:20:14

Kunstmann am Fenster hinter dem Schreibtisch (halbnah) (O-Ton) "Wenn einer bereit ist zur Behandlung und mitmacht, dann ist das für mich schon der erste Erfolg. Es kommt dann darauf an das so intensiv wie möglich zu machen, damit er immer mehr lernt...es ist manchmal sehr schwer und besonders bei Rückschlägen, oder besonders auch wenn Patienten uneinsichtig sind, und man weiß wie weit sie sind, und man weiß was dann folgt, und man muß zugucken, das ist sehr schwer..."...(Frage aus dem Off: "Würde Sie Ihre Arbeit auch selbst beeindrucken"?)....ja, sehr sogar. Ich habe, als ich mit der Arbeit hier angefangen habe, überhaupt nicht gedacht das es mal solche Ausmaße annimmt, ich habe immer wieder neu lernen müssen...(Einblendung eines Stapellaufs auf der Neptun-Werft (halbtotal)), dazu der Off-Ton von Kunstmann: "...und ich habe für mich selber auch Dinge begreifen gelernt über die ich selber vorher drüber hinweg gegangen bin, es kommt auch das, auf das wir drauf an, müssen viel öfter den Kontakt zu den Leuten halten und pflegen die neben uns stehen. Wenn einer einmal im Strafvollzug war oder wie bei einem Patienten, drei- bis viermal im Strafvollzug, oder ob es ein Kollege ist der immer einen glatten Weg gehabt hat bis zur Fachschule oder Hochschule und dann diese Krankheit bekommen hat, das spielt doch gar keine Rolle, das ist ein Mensch, für den müssen wir da sein". Blick auf das ins Wasser gleitende Schiff auf der Neptun-Werft (halbtotal).

0:22:24

Schrifteinblendungen: Produktion Uwe Kremp. Aufnahmeleitung Thomas Pludra. Kameraassistenz Peter Ackermann und Michael Greulich. Ton Andreas Walter. Tonmischung Hans-Jürgen Mittag. Schnittassistenz Renate Zakrzewski. Schnitt Viktoria Dietrich und Petra Barthel. Dramaturgie Richard Ritterbusch. Fachberatung Dr. Klaus Schmitz. Kamera Wolfgang Dietzel. Buch und Regie Eduard Schreiber. Musik: Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert B-dur, KV 595. Lothar Voigtländer: Dialog für Klavier und Schlagwerk. Wir danken allen Kollegen der Neptun-Werft für ihre Mitarbeit. Abblendung

0:22:55 ENDE

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