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Berlin - Prenzlauer Berg - Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990

Regie: Petra Tschörtner, 75 Min., sw, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme GmbH, 1990

Film-Videoformat
35 mm
Länge in m
2124
Sonstiger Titel
Prenzlauer Berg; Berlin - Prenzlauer Berg
Englischer Titel
Berlin Prenzlauer Berg - Encounters between 1st of May and 1st of July 1990; Prenzlauer Berg, Berlin
Premierendatum
Anlaufdatum
Veröffentlichungen
DVD: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kurzinhalt

Bilder aus dem Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg in der Wendezeit vor der Währungsunion. "We need revolution" singt "Herbst in Peking" aus dem Prenzlauer Berg in den Trümmern der Mauer am Rande ihres Stadtbezirks. Dabei ist im Mai '90 schon fast alles gelaufen. Im "Prater" schwooft Knatter-Karl mit seiner Freundin. Frieda und Gerda im "Hackepeter" sind erschüttert; denn gleich nach dem Fall der Mauer wurde im Tierpark ein Papagei gestohlen. Die Polizei jagt bewaffnete Männer, während Näherinnen erklären, warum die Vietnamesen zuerst entlassen werden. Ein einsamer Gast aus dem "Wiener Cafe" singt zum Abschied das Lied von der Heimat, während die rumänische Combo zum Balkan-Express zurückeilt. Die Hausbesetzer träumen von Anarchie und Frau Ziervogel, Inhaberin von Berlins berühmtester Würstchenbude "Konnopke", segnet das erste Westgeld. Der Tag der Währungsunion ist da. Filipp Moritz besetzt den Prenzlauer Berg.

Der Staatsvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und der Beginn der Währungsunion am 1.7.1990 durchzieht den Dokumentarfilm und zeigt die hohen Erwartungen, die mancher Bürger daran hegt, aber auch die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft.

Filmstab

Regie
  • Petra Tschörtner
Drehbuch
  • Petra Tschörtner
  • Jochen Wisotzki
Kamera
  • Michael Lösche
Schnitt
  • Angelika Arnold
Regieassistenz/ Co-Regie
  • Jochen Wisotzki
Kameraassistent
  • Frank Bressler
Dramaturg
  • Gerd Kroske
Ton
  • Ulrich Fengler
  • Uve Haußig
Musikinterpret
  • Balkan-Tourist-Combo (Musikgruppe)
  • Herbst in Peking (Musikgruppe)
  • Sender Radio P.
Produzent
  • Fritz Hartthaler
Person, primär
  • Arthur Alexander (Spitzname: Aljoscha) Rompe
  • Harald Hauswald
  • Waltraud Ziervogel
Person, sekundär
  • Dagmar Berghoff
  • Lothar de Maizière
  • Horst Hano
  • Trude Herr
  • Max Konnopke
  • Manfred Krug
  • Filipp Moritz
  • Bernhard Wicki

Kurzinhalt (English)

Images from the Berlin locality Prenzlauer Berg prior to the monetary union:

Prenzlauer Berg band "Autumn in Peking" sings "We need a revolution" amid ruins of the Wall on the edge of their Berlin borough. But it's May 1990 and there's not much chance of that any more. Knatter-Karl is at a knees-up in ‘Prater’ with his girl. In ‘Hackepeter’, Frieda and Gerda gossip about the parrot that was stolen from the zoo when the Wall came down. The police chase armed men while seamstresses explain why the Vietnamese are the first to get their cards. A lonely customer in the Viennese cafe bids farewell with a song about the old homeland, while Romanian musicians head for the Balkan Express. Squatters dream of anarchy, and the owner of Berlin's most celebrated sausage stall baptises her till with its first western coin. The monetary union is upon us.

(source: defa-spektrum GmbH)

Langinhalt

0:00:00

Blick (Vogelperspektive) auf den U-Bahnhof Eberswalder Straße (halbtotal). Titeleinblendung "Berlin - Prenzlauer Berg" Überblendung "Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990". Umschnitt auf den Moderator am Mikrofon "Aljoscha" Rompe (halbnah) (O-Ton) "OK, hier sind wir wieder, Radio P aus dem Prenzlauer Berg. Wir wissen ja nicht wie lange wir noch senden können, ihr habt ja bestimmt gehört das heute in der Zeitung stand, Postministerium ist nicht so richtig einverstanden mit unserer Sendung, aber wir haben auch beim Medien-Kontrollrat angerufen, mal gefragt was los ist. Momentan gibt es gar kein Gesetz, also man gar nicht so einen Sender normal anmelden weil wir gar keine Gesetze haben, und die sagen das dauert noch ein paar Monate. Jedenfalls wir machen es einfach und können nicht so lange warten bis irgendwelche Gesetze gebildet wurden". Moderator gibt ein Handzeichen für die nächste Musik "We need revolution" (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf den Tontechniker am Mischpult in dem improvisierten Studio (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf eine spielende Rockband "Herbst in Peking" auf dem Flachdach eines Militärgebäudes auf dem "Todesstreifen" zwischen den Berliner Mauern (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über die Mauer voller Graffiti auf die spielende Rockband auf dem Wachturm (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über die Band auf dem Dach mit Blick auf die Wohnhäuser an der Mauer (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf die sich entfernenden Bandmitglieder unter einer Brücke (halbtotal). Umschnitt

0:03:52

Blick auf Demonstranten aus der Hausbesetzerszene mit Transparenten (halbtotal). Schwenk über den Demonstrationszug und Transparenten "Gegen Unterdrückung, Faschismus & Kapital" und "Besetzt Häuser & Fabriken denn sie gehören euch" und "Die letzte Schlacht gewinnen wir" (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über teilweise vermummte Demonstranten (halbtotal) (O-Ton). Demonstranten kommen auf die Kamera zu (halbtotal). Im Off dazu über einen Lautsprecher "Projekte die von Seiten der DDR ausgebaut und finanziert wurden werden zum Teil ersatzlos gestrichen...die Gewinner bei diesem Spiel sind einzig und allein die Wirtschaftsbosse von Multinationalen Konzernen, Großbanken und Unternehmen...unsere Aufforderung nicht nachzulassen im Widerstand gegen jede Form von Herrschaft, Volksverdummung und Rassismus...". Blick auf den Demonstrationszug von hinten (halbtotal). Übermaltes Wahlplakat der SPD "Aufschwung durch Einheit: SPD (Verräter)" (halbtotal). Umschnitt auf eine Hausmauer mit Parolen "Berlin bleibt rot! Gegen Rep`s im DDR-Wahlkampf. Autonome Action Prenzlauer Berg" (halbtotal).

0:05:20

Kamera geht hinter drei singenden und lustigen Frauen auf dem Bürgersteig her (halbtotal) (O-Ton) "Marianne...in weiter Ferne leuchtet das Glück für uns...Marianne wann wirst du mein...". Blick auf ein diskutierendes Paar vor der Eckkneipe "Hackepeter" (halbtotal) (O-Ton). Die 3 Frauen prosten sich in der Kneipe zu (halbnah) (O-Ton) "Und jetzt darf wieder gelacht werden". Frage aus dem Off an die Frauen "Was meint ihr denn wie es euch nach der Währungsunion gehen wird"? Eine Frau (halbnah) (O-Ton) "Och Gott, na ja, ich nehme alles so hin wie es kommt, wir können ja nichts ändern...die Dummen werden immer wieder wir sein...der Kleine ist immer der dumme". Andere Frau (nah) (O-Ton) "Manchmal denke ich die Mauer könnte bleiben, aber die müßten gehen können wer wollte, wa. Dat weißt du doch, wat ham se jetzt im Zoo die Papageien geklaut und allet, wa, so war es doch früher nicht gewesen". Nachbarin am Tisch "Die sind teuer diese Tiere, so 14.000 und noch viel mehr...und das war ein Brüter gewesen, ja, und dann haben sie die Vögel einfach weg genommen...". Schwenk zur 3. Frau (halbnah) (O-Ton) "Wenn die Mauer geblieben wär hätten wir ruhiger gelebt, keine Unruhe, ja". Frauen erzählen vom Krieg, Flucht und Wiederaufbau 1945 (halbnah) (O-Ton). Frage aus dem Off "Und warum seid ihr noch immer so lebensfroh"? Frauen (halbnah) (O-Ton) "Warum, wir lassen uns doch nicht unter kriegen...(singend) wir lassen uns das Leben nicht verbieten...man muß lachen und den Humor behalten, das hab ich mir zum Prinzip gemacht". Die drei Frauen stoßen mit ihren Gläsern darauf an (halbnah) (O-Ton).

0:09:08

Zwei-Mann-Kapelle spielt in der Eckkneipe "Zum Hackepeter" das Lied "Lustig ist das Zigeunerleben" (halbtotal) (O-Ton). Blick auf die gefüllte Kneipe und die tanzenden Frauen (halbtotal) (O-Ton). Blick auf das Kneipenpersonal und den Wirt (halbtotal). Die lebensfrohen Frauen wechseln sich ab während des Tanzes (halbnah). Umschnitt auf eine Berliner Straße bei Nacht (halbtotal). Lichtreklame an der Hauswand "Berliner Konfektion - modisch schick" (halbtotal). Blick auf die Laufbänder und Schienen mit Oberbekleidung in einer Nähfabrik (halbtotal) (O-Ton). Näherin hilft einer Kundin bei der Anprobe eines Mantels (halbnah) (O-Ton) "Guck mal, die ganze Größe haut nicht hin, die 26 haut nicht hin...wie beim Schneider, wird nach hinten genommen, paßt. Hauptsache es spannt nicht über der Brust". Vietnamesische Näherin schaut den beiden Frauen zu (halbnah). Blick auf die Kundin mit Mantel (halbnah). Blinkendes Neonlicht "Modisch schick, flott" (halbnah). Zwei deutsche Näherinnen am Arbeitsplatz (halbnah) (O-Ton) "Im Moment ist kein Modell bei was ich anziehen würde, ich jedenfalls". Kollegin (halbnah) (O-Ton) "Für mich auch keins". Schwenk zu einer Näherin neben der Kundin (halbnah) (O-Ton) "Also ich muß persönlich sagen die Modelle sind nicht Jugendgerecht, ja, rein vom Material, das sind uralte Bestände die wir noch haben und aufarbeiten müssen, deshalb gefällt mir hier kein Stoff, geschweige denn Rockstoff, es sind jetzt fließende Stoffe modern wie Hosenröcke und so etwas, da haben wir überhaupt kein Modell". Frage aus dem Off "Würden Sie denn jetzt versuchen Einfluß darauf zu nehmen was hier gemacht wird"? Näherin (halbnah) (O-Ton) "Nein, da haben wir eine Geschäftsführung die das bestimmt. Sicher hängen die Arbeitsplätze davon ab, wir gehen ja jetzt schon so weit, wir verkaufen auf der Straße wie das heute Vormittag der Fall war, bieten die Mäntel für Billigpreise an. Rock 10 Mark und hier der Personalverkauf, und die Rockmodelle sind nicht absetzbar, muß ich jetzt mal so sagen, und der Handel ist auch nicht mehr bereit diese Modelle großartig zu kaufen da die einfach nicht modisch sind, ich muß das mal so sagen". Umschnitt

0:13:24

Plakat an der Wand der Nähfabrik "Unser vietnamesisches Kollektiv, Band 44/45, Geburtstagskalender" (halbnah). Vietnamesische Näherinnen an ihren Maschinen (halbnah). Schichtleiterin (halbnah) (O-Ton) "Wir haben nischt gegen die Mädels, um Gottes Willen, die sind nett alle, wir haben sie ja gebraucht". Frage aus dem Off "Wissen denn warum die meisten Vietnamesen hierher gekommen sind"? Schichtleiterin "Ja eigentlich um ihre Familien zu unterstützen, weil die meisten kommen aus der armen Gegend". Frage aus dem Off "Und Sie haben aber immer noch Arbeit"? Schichtleiterin "Noch, es wurde gesagt bis Jahresende ist alles abgesichert, aber wir sehen das nicht so. Jetzt sind die Vietnamesen echt zu viel, das ist ein Wiederspruch, bloß es wäre ungerecht man würde uns entlassen und die Vietnamesen blieben hier...wenn man die deutschen rausschmeißen würde entsteht wirklich Rassenhaß". Einblendung von vietnamesischen Näherinnen (halbnah). Umschnitt

0:14:46

Blick auf einen gut besuchten Stand "Imbiss - Buffet" (halbtotal). Regen unterbricht die Kauflaune der in Schlange stehenden Menschen (halbtotal) (O-Ton). Aufgebrachte Imbiss-Besitzerin an der Tür (halbnah) (O-Ton) "Wenn sie rechnen können wenn wir West geworden sind oder Ost geworden sind...41 Jahre, wir haben uns den Laden selber aufgebaut, so sieht det aus. Und jetzt werden wir fertig gemacht vom Westen, so sieht es aus. Kinners, der eine ist dagegen, der andere ist dafür, wir wünschen uns alle noch mal die Mauer, paß mal uff, das kommt noch mal, hoffentlich. Betrogen hat uns der Staat sowieso, werden wir vom zweiten auch noch beschissen, macht doch gar nichts...mit ner Rente von 450 Mark West soll man leben, na, die haben doch was am Wirsing da oben. Aber die tun ja drüben so als ob sie gearbeitet haben und wir auf der Straße gelegen und haben gepennt. Das wird sowieso ein Armenhaus hier...wenn denen nichts Besseres einfällt...das bin ich leid mit der gesamten Republik, so sieht es aus". Umschnitt

0:16:01

Kundin in einem Bekleidungsgeschäft probiert eine Jacke vor dem Spiegel (halbnah). Frau geht zum Ehemann und berät sich (halbnah) (O-Ton). Imbiss-Besitzerin dreht sich um im Bekleidungsgeschäft (halbnah) (O-Ton) "Mach mal aus das Radio. Sagen Sie mal Angelika möchte rauf kommen, ja. Ich werd mal meine Tochter holen, die soll ein Interview geben". Kundin mit ihrem Mann und eine Verkäuferin beraten vor dem Spiegel (halbnah). Tochter der Imbiss-Besitzerin äußert sich neben ihrer Mutter zum Kamerateam (halbnah) (O-Ton) "...das ist hier ein Privatbetrieb, das Geschäft besteht seit 40 Jahren und ist im Oktober 49 eröffnet worden. Wie Sie sehen sind wir nun gerade dabei, hier, wir haben Preissenkungen durchgeführt, der Laden ist wirklich wie leer gefegt, versuchen natürlich diese Sache erst einmal so weit wie möglich zu überstehen". Blick auf den Eingangsbereich des Bekleidungsgeschäftes von innen (halbtotal). Mutter der Geschäftsinhaberin (halbnah) (O-Ton) "...hier drüben stand ne Kanone und die hat immer hier durchgeschossen, ja, und darum haben wir uns bemüht weil es ein Schrotthaufen war. Und da fingen wir dann an zu bauen, wir mußten am Grundstück Bäume fällen damit sich überhaupt die Fensterkreuze machen ließen, dann mußten wir nach Glas fahren, also wir haben ganz klein angefangen und haben uns dann nachher ganz schön hoch gewirtschaftet und haben teilweise Millionen-Umsätze gemacht. und nun geht alles flöten, müssen wir uns umstellen. Hoffentlich können wir noch existieren, also so ganz sicher sind wir uns immer noch nicht". Frage aus dem Off "Haben Sie schon Interessenten die scharf auf den Laden sind"? Imbiss-Besitzerin (halbnah) "Ja, die geben sich die Klinke in die Hand, aber wir wollen weder verkaufen noch verpachten, wir wollen versuchen weiter zu machen wie bisher". Blick auf das Bekleidungsgeschäft von außen im Regen (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt

0:18:15

Blick auf ein Fernsehgerät mit einer "Rückblende" (halbnah) (O-Ton) "Einen schönen guten Abend meine Damen und Herren aus dem Prenzlauer Berg. Man sagt der Berliner sei "auf Draht", aber unsere Zeit ist schnelllebig und ich erlaube mir deshalb einige Fragen. Erinnern Sie sich noch wie es aussah bei uns im Prenzlauer Berg vor 10 Jahren...(Videoeinblendungen im Fernseher)...denken Sie eigentlich darüber nach wie weit wir schon heute sind und kennen Sie die Perspektiven unserer Entwicklung? Wissen Sie wie es morgen bei uns aussehen wird? Lassen Sie sich bitte zurück führen in die damalige Zeit...". Blick in den Jugendklub "Knaack" zu DDR-Zeiten wo man diese "Rückblende" einem jungen Publikum vorführte (halbtotal). Blick auf den Fernseher mit dem Bericht aus dem Jahre 1959 (halbnah) (O-Ton). Amüsierte Jugendliche bei der Vorführung dieses TV-Berichtes "10 Jahre DDR-unser Prenzlauer Berg" (halbnah). TV-Bericht aus einer Ausstellung in der "Werner-Seelenbinder-Halle" zum Thema Hausfrau 1959 (halbnah) (O-Ton). Jugendliche lachen über die TV-Darstellung der Küchenhelfer (halbnah). Modebericht des Jahres 1959 auf dem Fernsehgerät (halbnah) (O-Ton). Zuschauende Jugendliche im Club "Knaack" (halbnah).

0:20:52

Fassade des "Knaack-Club" in den Abendstunden (halbtotal). Mitarbeiter des Clubs äußert sich (halbnah) (O-Ton) "Ich mach das jetzt knapp drei Jahre und Ziel war eigentlich immer das der Club zwar ein Veranstaltungsort für ein bestimmtes Publikum und in erster Linie auch fürs Kiez-Publikum so gesehen, und das es nicht so ein absolut kommerzielles Haus, sondern das man mal noch den Kontakt zu den Leuten hat...und wir wollten eigentlich auch nicht nur einfach Diskothek machen, weil ja Bedarf nach Diskotheken, und nach solchen Diskotheken wie wir sie machen, nicht so eine Schicki-Micki-Diskothek sondern mehr so ne Szene-Diskothek, ja, der ist halt so groß gewesen das wir immer mehr in die Enge kamen mit dem Problem das wir oben, im Knaack-Club an sich, richtige Diskothekenmusik machen mußten und hier unten viel mehr Theater und ja und vielleicht doch ein bisschen mehr Kultur und nicht Subkultur zu machen, und da hat sich der Keller angeboten als gute Variante weil da durch den Keller sind wir in der Lage versetzt das wir im Prinzip jeden Tag Diskothek machen zu können um das Bedürfnis der Leute befriedigen können und gleichzeitig mit diesen Diskotheken-Veranstaltungen uns selbst subventionieren können. Subventionen werden in Zukunft wegfallen, war auch der Grund warum wir gerade jetzt angefangen haben den Keller auszubauen". Blick auf einen "Flipper-Automaten" mit der Bezeichnung "Beat-Clock" (halbnah). Umschnitt auf den vortragenden Mitarbeiter (halbnah) (O-Ton) "Also die meisten von denen die da so kommen haben das auch nicht so gewollt wie das jetzt politisch gekommen ist, ja und die sind dann auch sehr empfindlich gegen irgendwelche Fragen und...es gibt keine Feindlichkeit gegenüber Westdeutschen, aber es gibt so Feindlichkeiten gegen alle diese Sachen wie Werbung und solche Sachen die auf der Straße auftauchen, die wachsen ja ungemein, und da gegenüber welchen Leuten die hier eine Show bieten wollen, und ich habe manchmal so den Eindruck das die hier echt nach ner Fluchtecke suchen wo sie ein bißchen unter sich bleiben können, wo sie das Gefühl haben hier ist noch alles beim Alten, im positiven Sinne, hier kann man jemanden treffen und keine Show abziehen, hier kann man auch mal in Ruhe miteinander reden ohne irgend welchen Blech erzählen zu müssen". Umschnitt

0:22:57

...in den Kellerraum des "Knaack-Clubs" (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über die tanzenden und diskutierenden Jugendlichen im Halbdunkel (halbtotal) (O-Ton). Kamera geht durch die Reihen der Jugendlichen (halbnah) (O-Ton). Schwenk über die wild tanzenden Jugendlichen (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf eine Fahraufnahme durch das nächtliche Berlin mit Jugendlichen in einem PkW, vor ihnen fährt ein Streifenwagen der Volkspolizei (halbtotal). Im Off hört man Jugendliche berichten "...wie die sich da vor uns ausgezogen hat, die war besoffen, und vor allem vom Gesicht aus sah sie noch nicht einmal häßlich aus...sie hat alles runter gelassen, die ganze Kladasche...es ist schön öfters mal einer mit dem Nachthemd angerannt, gut, dat haben wir schon gesehen, und wenn es so knallig warm ist im Sommer, da ist mir auf dem Prenzlauer auch schon mal ene "oben ohne" begegnet, aber die hat sich vorm "Cafe Nord" ausgezogen, und vor allen Dingen da kam ein Taxi, da ist sie hin zum Taxifahrer, der hat die Scheibe runter gehabt, und die hängt da so richtig die Glocken rein, der Taxifahrer hat Gas gegeben und weg war er, das war ihm zu fett gewesen. Mit der haben sie nichts gemacht, wenn das keiner anstößig findet...wenn einer mag das ausgezogene, mein Gott...". Zum Off werden die Fahraufnahmen unterlegt (halbtotal).

0:25:28

Umschnitt der Fahraufnahme nachts mit Blick auf den Streifenwagen mit unterlegtem (O-Ton des Polizeifunks) "Die Fahrtrichtung Dimitroff 22, dort wurde eine Person von einer Gruppe Jugendlicher zusammen geschlagen...Empfangen...schwarz gekleidet so 3 bis 4 Mann, eine ist weiblich...Danke...623 bitte kommen...624...Ende". Blick auf den Hinterkopf eines Volkspolizisten während der Fahrt (halbnah) (O-Ton) "Hab mitgehört...Jetzt geht es wieder los". Fahraufnahme mit dem Streifenwagen der Volkspolizei und Blick durch die Windschutzscheibe (halbtotal). Umschnitt auf einen Schlagstock auf der Erde (halbnah). Schwenk auf die Volkspolizisten und die fest genommenen Jugendlichen an der Hausmauer (halbnah) (O-Ton) "Sie drehen sich jetzt rum...beide Hände". Blick auf die Gesichter der Volkspolizisten (halbnah). Jugendliche werden abgetastet von mehreren Polizisten (halbnah) (O-Ton). Messer und Schlagstöcke werden sicher gestellt (halbnah) (O-Ton) "Wir lassen den Zeugen hier, ja". Jugendliche werden abgeführt zu einem Mannschaftswagen (halbtotal) (O-Ton). Polizisten steigen auf die Pritsche zu den Jugendlichen (halbtotal) (O-Ton). Fahraufnahme hinter dem Streifenwagen der Volkspolizei her auf den nächtlichen Straßen (halbtotal). Umschnitt

0:28:15

...auf den Biergarten "Berliner Prater" auf der Kastanienallee von außen in der Nacht (halbtotal). Fotograf im Innenraum des Lokals (halbnah) dazu im Off "Meine Damen und Herren, ich darf Sie jetzt für die nächste Attraktion einstimmen, mit einem nächsten Schlager, Herr Kapellmeister, versuchen wir es mal". Schwenk über den Fotografen wie er auf die Bühne geht (halbnah) (O-Ton). Fotograf lichtet den Transvestit-Sänger vor der Kapelle ab (halbnah) (O-Ton). Transvestit mit Fächer unter dem Publikum (halbnah). Trinkende Paare (halbnah). Schwenk über Besucher des Lokals mit Transvestiten an den Tischen (halbnah) (O-Ton). Frau mit Boa-Umhang und langer Zigarettenspitze am Tisch (halbnah). Transvestit mit Fächer tanzt wild mit einem Gast auf der Tanzfläche (halbnah) (O-Ton). Transvestit schminkt sich im Saal (halbnah). Fotograf lichtet Besucher mit dem Fächer-Transvestit ab (halbnah). Transvestit zum Fotografen (halbnah) (O-Ton) "Wo kommst du eigentlich her...und da darfst du schon nach Florenz, wer hat dir das erlaubt...haben sie dich denn schon auf "Stasi" geprüft...und, sauber"? Transvestit beugt sich runter zum Fotografen (halbnah) (O-Ton) "Für wen arbeitets du denn überhaupt"? Fotograf Harald Hauswald "Bin Freischaffender". Transvestit "Freischaffend? Und da hast du so eine schöne Kamera schon...und wo haste die her, vom Schwarzmarkt"? Fotograf (nah) (O-Ton) "Von einem guten Freund in Westberlin". Transvestit (nah) "Ah, der Ost-West-Handel floriert...und für welche Zeitung arbeitest du dann hier"? Fotograf "Für diese und jene...". Transvestit (nah) "Wird eh bald alles von Springer eingenommen". Umschnitt. Blick auf die tanzende Frau mit dem Boa-Umhang (halbnah) (O-Ton). Schwenk zu ihrem Tanzpartner mit schwarzem Umhang (halbnah). Geschminkte und kostümierte Tanzpaare auf der Tanzfläche (halbnah) (O-Ton). Umschnitt

0:33:53

Blick über die Dächer des Stadtteils Prenzlauer Berg auf den Fernsehturm (total). Langsamer Schwenk in der Morgendämmerung über die Dächer Berlins, beginnend vom Fernsehturm, Berliner Dom und Flutmasten des Fußballstadions bis zum Turm der Sankt Augustinus-Kirche (total). Umschnitt in einen kleinen Raum voller Regale und Schild über dem schwarzen Vorhang "Friedrich Str." (halbnah). Fotograf Harald Hauswald kommt hinter dem Vorhang hervor und hängt gewässerte Fotos zum Trocknen auf die Leine (halbnah) (O-Ton) "Och, das ist wirklich hell". Zoom auf ein Foto auf der Leine (nah). Frage aus dem Off an den Fotografen am Schreibtisch "Was fasziniert dich denn am meisten hier auf dem Kiez"? Fotograf (halbnah) (O-Ton) "Das läßt sich schwer sagen, die Intimität die jetzt natürlich wahrscheinlich weg ist, aber die vorher da war, das war dicht, eng, und nur positiv eng. Dat merkt man jetzt schon das das alles weg ist, aber irgendwie ein bißchen Prenzlauer Berg ist schon noch da, das bleibt sicherlich auch erhalten, nehme ich an, hoffe ich". Frage aus dem Off "Hast du Probleme mit deinen Fotos und mit dem fotografieren in der näheren Umgebung"? Fotograf am Schreibtisch (halbnah) (O-Ton) "Ja ich hab es eigentlich noch gar nicht richtig probiert seitdem die Mauer offen ist, ich habe lauter andere Themen gehabt, ich war jetzt ziemlich viel in der DDR unterwegs und bin im Moment gar nicht so richtig heimisch hier. Ich will demnächst mal wieder anfangen, dass ich einfach mal los gehe mit der Kamera, mal gucken, aber ich denke es wird schwerer, die Leute verändern sich auch. Die Offenheit die vorher da war wird sicherlich drunter leiden, nehme ich auf jeden Fall an". Blick auf ein Foto eines Mannes unter der U-Bahn-Brücke (nah). Schwenk zu einem Foto mit einem Mann im Rollstuhl vor einer Gaststätte (nah). Fotograf weiter (O-Ton) "Ich kann nur sagen das noch was weiter läuft mit Festen in der Kastanienallee, im Damenhof...oder auf dem Kollwitzplatz, da sind immer noch ein paar Gelegenheiten wo man ein paar ganz gute Fotos machen kann". Schwenk über die trockenen Fotos von Menschen in alltäglichen Situationen auf der Leine (nah). Frage aus dem Off "Könntest du dir vorstellen in einer anderen Stadt oder in einem anderen Land zu leben"? Fotograf Harald Hauswald (halbnah) (O-Ton) "Zu leben ja, ob man da aber auch so arbeiten kann wie hier das ist natürlich eine andere Frage, aber darüber habe ich schon nachgedacht das es am Ende unerträglich wird in Deutschland und das es vielleicht gar nicht mehr so lange dauert bis es so weit ist. Nun, wenn man so sieht das schon mit Rechts hier los marschiert wird, da ist man schon am überlegen das man woanders hin geht". Schwenk über weitere Fotos auf der Trockenleine (nah). Umschnitt

0:37:58

Fahraufnahme an parkenden Autos vor maroden Fassaden der Wohnhäuser vorbei (halbtotal) (O-Ton). Blick auf die Fassade des Hauses mit Schild Gaststätte "Zum Oderkahn" auf der Oderberger Straße 11 (halbtotal). Kleine Kinder spielen mit Plastik-Pistolen neben einem alten Sessel auf der Straße (halbnah) (O-Ton). Blick auf die marode Hausfassade mit Geschäft "Spiel Unke" (halbtotal). Umschnitt auf die Essensausgabe im Flur eines Altenheimes (halbnah (O-Ton). Schwenk vom Pflege- und Küchenpersonal auf die wartenden Heimbewohner vor ihren Zimmern (halbnah) (O-Ton). Zwei Heimbewohner essen an ihrem Zimmertisch während ein Hausangestellter Gift gegen Ungeziefer an die Wände und Fensterrahmen spritzt (halbtotal) (O-Ton) (Habt ihr wenigstens mal kontrolliert ob er das richtig macht"? Umschnitt auf die Essensausgabe im Flur (halbtotal). Heimbewohner gibt Auskunft zu seiner Person (halbnah) (O-Ton) "Jetzt bin ich 10 Jahre hier...ich bin durch meine Frau hier herein gekommen. Wir waren draußen in Grünau und da haben wir Leute gesprochen die auch in einem Heim waren, und die sagen das ist tadellos und so, kostet 105 Mark, und wir können zusammen auch weg gehen, je nachdem, da haben wir dann einen Antrag gestellt und sind hierher gekommen...jetzt vor 3 Jahren ist sie nun gestorben, dann kriegte ich noch ne andere Frau, ich war 1 Jahr mit ihr zusammen, war Pech gewesen, auch wegen allgemeinen Krebs, dann nachher war ich alleine und dann kam ich hier oben her. Ich sollte mich eigentlich hier oben verbessern, ich hab mich verbessert (lacht) indem ich jetzt 10 Mark mehr bezahlen muß". Frage aus dem Off "Aber hier ist doch Pflegestation, hier sind doch eigentlich nur schwer kranke und alte Menschen die hier untergebracht sind, und wie sind Sie hierher gekommen, Sie sind doch noch so jung"? Heimbewohner (halbnah) (O-Ton) "Na ja, krank, bei 84 Jahre findet man so viele Krankheiten, ja. Aber sonst, ich brauch hier keinen Arzt oder so was". Blick auf seinen Mitbewohner (halbnah). Frage aus dem Off "Und wie verstehst du dich mit deinem Zimmernachbarn"? Heimbewohner "Och, so ganz gut, er hat Malaria gehabt und da war er im Krankenhaus und von da ist er hierher gekommen. Aber er hat eine Unruhe, ja, also er geht hier ungefähr 45 Mal lang". Frage aus dem Off "Was machst du denn den ganzen Tag hier"? Heimbewohner (halbnah) (O-Ton) "Ich, na meistens bin ich bis Mittags hier und dann geht`s los, heute geht es nach Karlshorst tanzen und morgen ist ja der 1. Mai, oder 1. Juni, so, das ist ja nicht so schlimm, ja". Umschnitt. Blick über den Balkonrad auf Berlin (halbtotal). Heimbewohner begutachtet den Inhalt seiner Einkaufstüte auf dem Bett (halbnah) (O-Ton) "Na bitte". Heimbewohner nimmt eine beklebte "Spaßbrille" und setzt sie auf (nah) (O-Ton) "Die hab ich hier irgendwo gekauft, ist drollig, wa"? Heimbewohner wackelt mit dem Kopf und die Glasaugen in der Brille rollen hin und her (nah). Umschnitt

0:43:27

Blick in einen Tanzsaal in Karlshorst voller älterer Menschen (halbtotal) (O-Ton). Tanzpaare spenden Beifall am Ende der Tanzmusik (halbnah) (O-Ton). Bewohner aus dem Altenheim mit einer Tanzpartnerin am Tisch (halbnah) (O-Ton) "...den "Knattercarl" kennen alle jetzt, und wie es so ist, die Ärmsten beißen immer wieder die Hunde. Trotzdem, jeden Sonntag, Tisch 41 bin ich hier". Tanzpartnerin (halbnah) (O-Ton) "Ja, ik bin hier ungefähr seit 3 Jahren, wir haben uns beide in der Volkssolidarität kennen gelernt, da helfe ich sehr oft und meine Eltern sind auch dahin gekommen, da haben wir zusammen getanzt, und er hat mich mit ihnen tanzen gesehen und dann mal aufgefordert...und seitdem tanzen wir allemal zusammen". Blick auf die Paare an den Tischen (halbtotal). "Knattercarl steht auf und tanzt mit seiner Partnerin durch die Reihen zur Tanzfläche (halbnah) (O-Ton). Umschnitt

0:46:03

Blick auf ein Transparent an einem maroden Wohnhaus "8. Mai 45, nie wieder Faschismus, nie wieder Grossdeutschland. Stoppt die NATO-Aggression" (halbtotal). Schwenk über die Fassade des besetzten Hauses auf der Kastanienallee 86 mit Transparenten und roten Fahnen (halbtotal). Junger Mann trinkt aus einem Kaffeebecher vor dem Haus (halbnah). Frage aus dem Off "Können Sie mir mal sagen warum ihr gerade dieses Haus besetzt habt, ist das ein Projekt was ihr vorhabt"? Hausbesetzer (halbnah) (O-Ton) "Und zwar ist das einfach, erst einmal ist das ein unheimlich günstig gelegenes Haus, weil es erst mal im Zentrum ist läßt sich auch mehr Öffentlichkeit erreichen. Dann ist es so dass es einen Hinterhof hat, einen Seitenflügel, zwei Hinterhäuser, zwei Vorderhäuser, so daß wir wirklich unter uns sind, denn wir wollen keinen stören weil wir Sachen machen und so, und wir haben ne Menge Projekte vor und da ist es gut hier wei ne Menge Leute hier vorbei kommen". Frage aus dem Off "Und warum habt ihr hier eine DDR-Fahne hängen"? Junger Mann (halbnah) (O-Ton) "Ja, das ist ein Problem, da haben mich schon ne Menge Leute angesprochen, und zwar haben wir nämlich vor dat Ding jetzt zu verändern, wir wollen diese DDR-Fahne, die in der neuen Verfassung vorgeschlagen war, da wollen wir nämlich dieses...verändern, weil die alte DDR ist meiner Meinung nach nicht in Frage gewesen...jedenfalls wehren wir uns dagegen das alles weg geschmissen wird, wir hatten auch was Gutes. Nun, das wird natürlich so nicht klar wenn man die Fahne sieht, aber det ist vielleicht damit gemeint, weil ja nicht alles schlecht war". Frage aus dem Off "Was meinst du, was sollte jetzt unbedingt erhalten werden"? Junger Mann vor dem Haus (halbnah) (O-Ton) "Ik meine was unbedingt erhalten werden sollte ist zum Beispiel echt, das die Leute nicht nach dem Geld sehen sondern nach den Menschen sehen, ja, und wenn man sich so umschaut...(Schwenk zu Hausbesetzern die lauthals aus dem Haus kommen)...und, eh...". Umschnitt auf den Innenhof des besetzten Hauses mit jugendlichen Hausbesetzern (halbtotal) (O-Ton). Ein anderer Hausbesetzer im Flur des Hauses (halbnah) (O-Ton) "Es ist also auch ein Sonderprojekt dieser "Infoladen" hier, hier wird überhaupt kein Alkohol ausgeschenkt, Gremiumbeschluß. Gehen wir mal rein". Kamera folgt dem Hausbesetzer in den Infoladen (halbnah) (O-Ton) "Wir sind hier bemüht möglichst viel Information raus zu geben, zwecks Häuserkampf...(Zettel an der Wand "Antifa-Info-Telefon, mach mit")...ja, wie gesagt, der Erlös von diesen Verkauf hier der geht in die "Fluris" die wir selber drucken, wir haben eine Druckmaschine, die ist zwar noch nicht hier weil irgendwo das Transportproblem noch nicht gelöst ist, nebenan wird dann das Projekt "Druckerei" gestartet". Schwenk zu einem anderen Hausbesetzer (halbnah) (O-Ton) "Also nicht nur Flugblätter, auch andere Sachen, Grafiken und so alles Mögliche. Das soll ne richtige Werkstatt werden, wir wollen eigentlich mehrere Sachen machen, auch einen Pub unten, Zirkel und Lesungen, alles Mögliche und Ausstellungen und so was". Bild von Che Guevara an der Wand mit Parole "Antifa" (halbnah). Schwenk über den Innenhof mit Hinweisen "Info-Laden" und "KA 86" an den Eingängen (halbtotal) dazu im Off: "Ja, als "Antifa" verstehen wir uns auch hier, wir haben dadurch auch ne Menge Probleme. Letzten Mittwoch und Donnerstag hatten wir hier Attacken von jugendlichen Faschisten, 50 bis 70 an der Zahl, die uns hier Molotow cocktails gegen das Tor geschmissen haben, uns die Scheiben einschmeißen und ja mit so Leuchtraketen auf das Haus schießen". Zum eingespielten Radioton des "Ave Maria" werden eingeschnitten: Schild an der Hausmauer "Verhalten bei Fascho-Alarm: Kein Alk! Kein Riff! Alle bleiben im Hof, keine Panik, wenn es sein muß schlagen wir gemeinsam zu! Keine Rambos!" (halbnah). Über einem Seiteneingang hängt eine Tuch "Anarchie ist Arbeit, Arbeit an sich selbst" (halbtotal). Schwenk über einige Hausbesetzer und den Innenhof der Kastanienallee 86 (halbtotal). Umschnitt

0:50:35

Gruppe von Jugendlichen mit Fahrrad und Motorrad auf der Straße mit rechtsradikalen Parolen und Gesten (halbtotal) (O-Ton) "Heil. Sieg heil. Deutschland den Deutschen. Ausländer raus". Umschnitt auf eine Fahraufnahme mit der S-Bahn mit Blick aus dem Fenster auf Wohnblöcke mit kleinen Läden an der Hauptstraße (halbtotal). Umschnitt auf einen Akkordeonspieler im "Wiener Cafe" (halbtotal) (O-Ton). Ein Gast gratuliert mit einer Umarmung einem Freund zum Geburtstag (halbnah) (O-Ton). Blick auf die Zweimann-Kapelle (halbtotal) (O-Ton). Geburtstagrunde unterhält sich (halbnah) (O-Ton) "...ich denke du hast 30.000 Mark gekriegt für irgend was...und was hast du da gemacht"? Freund berichtet (halbnah) (O-Ton) "Ik hab mir ein Segelboot gekauft und meiner Frau einen Mantel, das war alles von 36.000 Mark...das andere Geld ging durch die Kehlen meiner Freunde...in 3 Monaten war alles weg, das war 1954". Jubilar fragt seinen Freund "Hast du nicht auch einen Preis gekriegt oder so"? Befragter "Na ja, aber vorgeschlagen zum Nationalpreis, aber meine sozialistische Moral war den Herren nicht genehm, schmeckte ihnen nicht weil ich mit meiner Chauffeurin, die damals nicht wüßte das ich bei den Bullen war, bei der Stasi, immer rüber war und nach Sankt Pauli gefahren, deshalb hab ich mir des Nachts mal ne halbe Stunde so einen Weiberarsch angeguckt und und dann mußte ich Kaffee und Wein trinken und bin dann nach Berlin zurück zur Viererkonferenz, ha, ha, ha". Mutter am Tisch gibt dem weinenden Baby die Brust (halbnah) (O-Ton). Im Off dazu die Männer am Tisch "...deshalb möchten Männer ja gerne die Brust, aus dem Bauch gekrochen und so schön weich, dann gibt es auch was zu saufen und zu fressen...und das bleibt so eine Verhaltensweise bei uns Männern". Umschnitt

0:54:06

Tanzpaare im "Wiener Cafe" (halbnah) (O-Ton). Jubilar und seine Gäste tanzen (halbtotal) (O-Ton). Frau mit Cowboyhut und "Marlboro"-Tasche macht Reklame für die Zigarettenmarke und hält ihre Hand in die Kamera (halbnah). Ein "Promoter" mit "Chesterfield"-Aufdruck aus der Lederjacke bietet den Gästen im Café Zigaretten an (halbnah) (O-Ton) "Möchten Sie auch probieren, ja"? Jubilar geht zur "Marlboro"-Frau und umarmt sie (halbnah) (O-Ton) "Mädel, bist du nun ein Mädel oder nicht? Bist du ein Weib oder ein Kerl? Ich habe Geburtstag, ja, umarm mich doch einmal. Ich habe wirklich Geburtstag, bin 100 Jahre heute geworden, machen wir es noch einmal". Jubilar hebt die "Marlboro"-Frau hoch und jubelt (halbnah) (O-Ton). Promoterfrau geht zu ihren Kollegen und beide verlassen das Café (halbtotal). Umschnitt auf die Gäste des Jubilars am Tisch (halbnah) (O-Ton). Frau streichelt den Kopf des Segelschiffbesitzers (halbnah) (O-Ton) "Och ist das schön, warm sogar, da erinner ich mich an unsere Jugend...". Frau (O-Ton) "Ne, hör auf Ernst, das Trinken mit Saft und Korn, pfui deibel...das ist voll irre, mir bleibt ja die Luft weg...". Geburtstagskind (halbnah) (O-Ton) "Du bist heute ein bißchen komisch...". Frau "Ich bin gar nicht komisch, mußt du drüben Bernhard Wicki fragen wer ich bin, ich bin von der Stadtwache...". Geburtstagskind "Erzähl mir mal von den Exponenten von Manne Krug..". Frau "Ich war mal die Verlobte von Manne Krug, det stimmt ja sogar, ja das kann man ja beweisen, ich verkehr noch ein- bis zweimal im Jahr mit seiner Frau. Ik hab ihn schon so oft das drüben gesehen...". Umschnit auf die Musiker im "Wiener Café" (halbnah) (O-Ton). Schwenk vom Akkordeonspieler auf den tanzenden Jubilar (halbtotal).

0:57:25

Umschnitt auf die Gäste und die ehemalige Verlobte von Manne Krug (halbnah) (O-Ton) "Jetzt bin ik zufrieden, hallo Mukke, jetzt werde ich mal was von Trude Herr singen: "Mukki mein Schnukki, tanzen wir doch einfach Boogie-Woogie, Mukki mein Schnukki legen wir ne Sohle auf´s Parkett...". Erzwungener Beifall ertönt (halbtotal) (O-Ton). Geburtstagskind und Freund stützen sich gegenseitig auf der Treppe des Cafés (halbnah) (O-Ton) "Wer bringt nun wen nach Hause "? Torkelnd gehen beide an den Musikern vorbei zum Ausgang (halbtotal). Blick von außen auf die Sängerin am Ausgang des "Wiener Cafés (halbtotal) (O-Ton) "Eine Aufregung ist das". Angetrunkener Freund im Café (nah) (O-Ton) "Ja, nun bin ich ein bisserl angetrunken und ich kann nicht gehen, ja. So schön war der Geburtstag eigentlich auch nicht, ja, aber der Not gehorchend...". Umschnitt auf die Geburtstagsgäste, den Jubilar und der Musiker beim Verlassen des Cafés von außen gesehen (halbtotal) (O-Ton). Frage an die Musiker aus dem Off "Wo fahrt ihr jetzt hin"? Musiker (halbnah) "Bukarest, Bukarest...alles andere in rumänisch". Ein Musiker stellt alle anwesenden und musizierenden Familienmitglieder vor in Rumänischer Sprache (halbnah) (O-Ton). Ein Geburtstagsgast singt mit sehr hoher Stimme vor dem Café das Lied der Heimat (halbnah) (O-Ton) "...unsre Heimat ist das große auf der...und wir lieben die Heimat, die schöne...und wir schützen sie weil sie unserem Volke gehört...". Schwenk vom Sänger auf dem Bürgersteig auf die vorbei fahrende Hochbahn (halbtotal) (O-Ton). Rumänische Musiker winken noch einmal dem Kameramann zu (halbtotal). Sänger beendet sein Lied auf der Straße mit einer Flasche Sekt in der Hand (halbnah) (O-Ton).

01:02:19

Graffiti-Sprayer arbeiten mit Schablonen an einer Mauer in der Nacht (halbnah) (O-Ton). Graffiti an der Mauer "Die Zeit brennt: Graffiti marsch!" (nah). Blick auf die beiden Jugendlichen bei ihrer Sprayaktion an einer Hauswand (halbtotal) (O-Ton) "Schön, schön". Graffiti "Isohaft ist Mord! - Für Zusammenlegung!" (halbnah). Jugendliche gehen in der Dunkelheit mit ihren Schablonen weiter (halbtotal). Umschnitt auf ein Fernsehbild mit der ARD-Sendung "Tagesschau" vom 30. Juni 1990 (halbnah) (O-Ton). Bericht von der Währungsunion, vorgetragen durch die Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff (O-Tob) "Guten Abend meine Damen und Herren, von Mitternacht an ist die D-Mark offizielle Landeswährung in der DDR, damit tritt die Währungsunion zwischen beiden deutschen Staaten in Kraft. Entsprechend dem Staatsvertrag werden in der DDR auch zahlreiche neue Wirtschafts- und Sozialgesetze wirksam. Ebenfalls von Mitternacht an entfallen alle Personenkontrollen an den innerdeutschen Grenzen". Filmbericht von Horst Hano: Gebäude mit Transparenten "STOP! am Alex". Kommentar: "Heute Nachmittag wurde noch geschachert und geschmuggelt am Alexanderplatz, doch heute Nacht wird der multikulturellen Händlergesellschaft die Existenzgrundlage entzogen. Vorbei der kurze Sommer der Anarchie, die D-Mark hält ihren Einzug, am Alex herrscht von nun an die Deutsche Bank. Ab Mitternacht gehen hier die ersten D-Mark-Scheine über den Tisch. Wer sich in der Zukunft noch etwas in der DDR leisten kann ist noch nicht raus, klar ist, die D-Mark kommt und wenn sie da ist sind die Läden voll. Die Marktwirtschaft beginnt". Umschnitt auf Dagmar Berghoff: "DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière hat an die DDR-Bürger appelliert die Chance der Marktwirtschaft zu nutzen. Im Fernsehen sagte er am Abend, der Staatsvertrag sei ein gewaltiges Stück Arbeit gewesen, gefragt seien jetzt Selbstvertrauen und Zuversicht". Umschnitt auf Lothar de Maizière bei seiner Pressekonferenz: "Wir dürfen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und warten was da kommt, es kommt wenig in Bewegung wenn wir nicht selbst zupacken, es geht aber auch nicht das Einzelinteressen mit Streiks durchgesetzt werden, wir müssen das Ganze stets im Auge behalten". Umschnitt

1:04:53

Motorradfahrer mit Deutschlandfahne in der Nacht winkt zum Kameramann (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über jubelnde und pfeifende Jugendliche vor einer Kirche (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf die Innenräume des Jugendzentrums an der Kirche (halbtotal). Glockenschläge der Kirchturmuhr unterbrechen das Spielen der Rockband (halbtotal) (O-Ton). DDR-Flagge an der Wand hinter der Rockband (halbtotal). Blick auf die Jungendlichen auf der Tanzfläche (halbtotal). Band spielt nach den Glockenschlägen "Auferstanden aus Ruinen..." (halbnah) (O-Ton). Schwenk auf die amüsierten Jugendlichen auf der Tanzfläche (halbtotal) (O-Ton). Kamera zwischen Tanzpaaren (halbnah) (O-Ton). Junge Frau sammelt alte DDR-Münzen in einem umgedrehten Regenschirm und schmeißt sie dann über die anwesenden Jugendlichen (halbnah). Jubel nach Beendigung der Nationalhymne (halbtotal) (O-Ton). Band spielt umgehend Rockmusik und die Tanzfläche füllt sich (halbtotal) (O-Ton). Münzenwerferin kommt mit brennenden Wunderkerzen über die Tanzfläche (halbnah). Umschnitt

1:07:21

Blick auf den U-Bahnhof an der Eberswalder Straße im Morgengrauen (halbtotal). Frauen in der Küche des "Konnopkes Imbiss" (halbnah) (O-Ton). Schwenk über die Küche mit den Bediensteten (halbtotal). Frage aus dem Off an die Besitzerin Waltraud Ziervogel (halbnah) "Sind Sie ein bißchen aufgeregt"? Waltraud Ziervogel (halbnah) (O-Ton) "Na ganz schön, man weiß ja nicht wie wird die Kaufkraft, viele haben ja noch nicht umgetauscht. Na ja, man weiß gar nichts, man schwimmt erst einmal vollkommen...die Currywurst kostet jetzt 2 D-Mark und alles andere 1,90 D-Mark, die Knacker 2,50 D-Mark. Na ja, das ist doppelter Preis praktisch, na jetzt kommt ja auch ein anderes Sortiment rein, eine andere Qualität. Ich nehme an das es dadurch gerechtfertigt wird. Man muß ja erst einmal davon ausgehen das die Leute nicht mehr Geld verdienen wie vorher...unser Nachbar scheint auch nicht da zu sein, das ist alles jetzt noch zu ruhig...". Schwenk von Waltraud auf die Tür des Nachbarn mit Aufschrift "Schoppen-Stube" (halbnah). Ziervogel weiter (halbnah) (O-Ton) "Ich glaube die richtigen Antworten kann man erst geben in vier Wochen, das muß sich erst mal einlaufen, das sie sich umgucken, wo, was, wie die Preise sind...". Jalousie des Imbisses wird hochgezogen (halbnah) (O-Ton). Blick auf einen Uniformierten Mann vor dem Imbiss (halbnah) (O-Ton). Jugendlicher tritt vor (halbnah) (O-Ton) "Geht das jetzt schon los, ja? Ich wollte Sie mal fragen ob Sie mir was wechseln können, ich hab hier nur Hartgeld...wat kostet denn ne Wurst bei Ihnen"? Kunde bestellt Wurst und Frau Ziervogel kassiert ab (halbnah) (O-Ton) "4,20 Mark, 5,20 Mark, sechs Mark bitte. Das ist das erste Westgeld was ich einnehme". Waltraud Ziernagel spuckt auf das Geld und legt es lächelnd in die Kasse (halbnah) (O-Ton). Schwenk auf den Uniformierten (halbnah) (O-Ton) "Ein Frühstück vor der Arbeit". Umschnitt

1:11:02

Blick von der Unterseite der Hochbahn auf die Verkehrskreuzung Eberswalder Straße /Schönhauser Straße (halbtotal) (O-Ton). Blick auf den gut besuchten Imbiss "Konnopke" von außen (halbtotal). Männer essen ihre Wurst an den Außentischen (halbtotal). Kunde am Tresen (halbnah) O-Ton Waltraud "Kannst von mir auch Ostgeld kriegen...und heute kommt dat Berliner Bier wieder, ja, morgen habt ihr Flaschenbier, haste gehört"? Kunde kauft westdeutsche Zigaretten (halbnah) (O-Ton) "Filipp Moritz", wie viel kost die noch"? Verkäufer "Vier Mark". Kunde "So, dat gibt es doch gar nicht, du, der ist aber so dreckig, ist das ein Deutscher...(zeigt eine Münze zum Verkäufer)...immer deutscher, wir haben kein polnisches". Umschnitt. Blick (von oben) auf die beiden Brücken der Hochbahn an der Eberswalder Straße mit einer vorbei fahrenden U-Bahn (halbtotal) (O-Ton). Blick auf eine marode Häuserfront während des Sprengvorganges (halbtotal). Häuserblock stürzt ein und große Staubwolken breiten sich aus (halbtotal). Staubwolke friert ein und Rolltitel läuft ab: "Ein Film des DEFA-Studios für Dokumentarfilme GmbH. Buch Petra Tschörtner und Jochen Wisotzki. Dramaturgie Gerd Kroske. Kameraassistent Frank Bressler. Licht Wolfgang Hirschke. Ton Uwe Haußig. Mischton Ulrich Fengler. Produktion Fritz Hartthaler. Montage Angelika Arnold. Kamera Michael Lösche. Regie Petra Tschörtner. Wir danken: Herbst in Peking; Johanna; Knattercarl; Frau Ziervogel geb. Konnopke; Charlotte, Friedel und Gerta; Leo; Wagenbreht und Fickelscherer; Frau Fischer; Treffmodelle Tao und ihren Freunden; dem Prater und seinen Gästen; dem WC; Gitti; Ernst Cantzler; Mühle; Balkan-Tourist-Combo; Harald Hauswald; Sender Radio P.; dem Franz Club; Kaufhaus GEWA; Torsten und der Knaack-Darmwäsche; Toni 0623; Trabantwerkstatt Graczyk; Hackepeter; Rattenpub; Klaus Pittsburg; Katzenoma; u. v. a. m.; © DEFA 1990

1:14:26 ENDE

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