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Damit es weitergeht

Regie: Richard Cohn-Vossen, 31 Min., sw, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme, 1970

Film-Videoformat
35 mm
Länge in m
843
Sonstiger Titel
Wandlung der Besiegten

Kurzinhalt

In der Schlacht um Stalingrad geraten fünf deutsche Soldaten und Offiziere in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In einem Interview sprechen sie über die Angst vor Vergeltung, die Schuldfrage und das allmähliche Zerbrechen eines Feindbildes. Der Prozess ihres Umdenkens ist auch der Begegnung mit dem “Nationalkomitee Freies Deutschland“ geschuldet. Fliegeroffizier Charisius kommt im Lager ins Gespräch mit dem sowjetischen Schriftsteller Fedin. Jahrzehnte später erinnert sich Charisius daran. Bilder vom zerstörten Stalingrad und Szenen der Männer in ihrem heutigen Umfeld ergänzen das Gespräch.

Filmstab

Regie
  • Richard Cohn-Vossen
Kamera
  • Christian Lehmann
  • Hans-Eberhard Leupold
Schnitt
  • Charlotte Beck
  • Inge Gulich
  • Ursula Walter
Ton
  • Otto Koch
Produzent
  • Dieter König
Interviewer
  • Jürgen Hartmann
Person, primär
  • Leni Berner
  • Eberhard Charisius
  • Gerhard Dengler
  • Konstantin Fedin
  • Georg Günter
  • Paul Pflock
Person, sekundär
  • Friedrich Engels
  • Joseph Goebbels
  • Adolf Hitler
  • Wladimir Iljitsch Lenin
  • Karl Marx
  • Wilhelm Pieck
  • Josef W. Stalin
  • Walter Ulbricht

Langinhalt

0:00:00

Kinder rennen über einen Schneebedeckten Berg und rutschen den Abhang hinunter (halbtotal). Schwenk (von oben) über die Stadt Stalingrad mit ihren Plattenbauten vor den Industrieanlagen am Horizont (halbtotal). Schwenk über die rauchenden Schornsteine über der Stadt (halbtotal). Umschnitt auf eine Flugaufnahme vom zerstörten Stalingrad im Winter 1943/1943 (halbtotal). Kommentator: "Die Schlacht ist vorbei, Stalingrad liegt in Trümmern wie halb Europa, aber die Faschisten sind geschlagen". Flugaufnahme mit Blick auf zerstörte Häuser und ausgebrannte Hausruinen (halbtotal). Umschnitt. Flüchtlinge und Ausgebombte mit ihren Rinderkarren auf den Straßen Stalingrads (halbtotal). Familie zieht ihre Handkarre mit dem letzten Hab und Gut (halbnah). Kommentator: "Menschen denen deutsche Soldaten das Haus verbrannt und den Bruder ermordet haben, müssen sie nicht alles Deutsche hassen bis an ihr Lebensende"? Umschnitt. Kinder in einer zerstörten Schule an ihren Pulten (halbtotal). Mädchen und Jungen schreiben im Fensterlosen Raum in ihre Hefte (halbnah). Umschnitt

0:02:00

Deutsche Wehrmachtsangehörige gehen mit erhobenen Händen durch Stalingrad (halbtotal). Schwenk über die deutschen Soldaten (halbtotal). Schwenk über die Gesichter der frierenden und hungrigen deutschen Soldaten (halbnah). Schrifteinblendung: "An deutschen Soldaten und Offizieren, die in Stalingrad den eigenen Tod in sich aufnahmen, erfuhr ich, wie schwer das "Es geht weiter" in Zeiten geschichtlicher Umbrüche als klares Wissen zu verwirklichen ist. (A. Kurella)". Blick (von oben) auf die marschierenden deutschen Kriegsgefangenen im Schnee (halbtotal). Umschnitt

0:03:00

Kommentator: "Fünf Bürger der DDR berichten vom Anfang und vom Wachsen der neuen Existenz die auf den Tod der alten folgen mußte damit es weitergeht". Schwenk über fünf DDR-Bürger im Studio (halbnah). Titeleinblendung "...damit es weitergeht". Interviewer fragt im Off: "Mit welchen Gedanken sind Sie damals in Gefangenschaft gegangen"? Zoom auf den sprechenden ehemaligen Kriegsgefangenen Georg Günter neben Leni Berner (halbnah) (O-Ton) "Na, mit recht zwiespältigen Gefühlen natürlich, und wir haben uns Gedanken gemacht wie das Ende sein wird, für uns persönlich...Ich habe von der Goebbels-Propaganda nie viel gehalten, aber in dieser Hinsicht waren wir ihr doch erlegen. Wir haben geglaubt dass, wenn wir in Gefangenschaft gehen, dass wir umgelegt werden". Umschnitt auf Eberhard Charisius, einem ehemaligen Kriegsgefangenen (halbnah) (O-Ton) "Ja, wir hatten uns eigentlich gesagt, dass die sowjetische Armee auch Gefangene machen wird, wenn wir also keinen Widerstand leisten, waren wir eigentlich der Meinung, dann werden wir in Gefangenschaft genommen werden. Deswegen hatten wir uns auch vorgenommen keinen Widerstand zu leisten, denn wenn es zu einer Schießerei käme dann wird wahrscheinlich von uns keiner übrig bleiben". Interviewer im Off: "Also war das eine Zweckhaltung"? Zeitzeuge: "Ja, eine Zweckhaltung". Umschnitt

0:04:20

Paul Pflock, ein ehemaliger Kriegsgefangener (halbnah) (O-Ton) "Die sowjetischen Soldaten rückten immer näher und näher, und mir fiel der Divisionsbefehl von General....von der 206. ostpreußischen Infanteriedivision ein, der dann noch vorher gesagt hatte "In Gefangenschaft werdet ihr sowieso umgebracht, in Gefangenschaft geht keiner, und die letzte Patrone, sinngemäß, die hebt ihr für euch auf", und ich muß zu meiner Schande gestehen , ich habe mich damals auch mit diesen Gedanken getragen. Da war so ein Obergefreiter aus Ostpreußen...ich erinnere mich noch ganz genau...und der sagte zu mir "Mensch, die legen doch jeden um, das ist doch Unsinn. Ihr könnt doch auch in Gefangenschaft gehen", und ich muß sagen, in diesen Moment bin ich erst richtig mit diesem Gedanken vertraut gemacht worden, das man überhaupt in Gefangenschaft gehen kann". Umschnitt

0:05:20

Zeitzeuge Dr. Dengler (halbtotal) (O-Ton) "Für meine Person, ich hab gesagt in Stalingrad ist es vollkommen klar, nachdem was dort passiert ist wird man mit den Offizieren kurzen Prozess machen. Also ich habe nicht geglaubt nach der Gefangenschaft mit dem Leben davon zu kommen, nicht, auch in der Gefangenschaft nicht mehr, als wir sozusagen auf der anderen Seite waren, ich habe gedacht, also wir haben die darüber geführt, dann ging das auch gleich noch so weiter, das war so eine schöne Erschießungsszene, also wie so eine Kiesgrube, da wurden alle Offiziere ausgesondert und die Mannschaften marschierten ab...(Zoom auf den Redner)...ich war also absolut der festen Überzeugung gewesen, sowie die Mannschaften weg sind, wir alleine sind, wird ein Maschinengewehr aufgebaut und dann werden wir umgelegt". Interviewer aus dem Off: "Also Sie hatten ein schlechtes Gewissen". Zeitzeuge Dr. Gerhard Dengler "Aber selbstverständlich". Umschnitt auf ein Jugendfoto des Zeitzeugen in Uniform (nah). Kommentar: "Dr. Gerhard Dengler, Hauptmann und Kommandeur einer Artillerieabteilung, kapitulierte in Stalingrad im Januar 1943". Umschnitt auf das Gesicht von Dengler (halbnah). Umschnitt

0:06:20

Foto von Paul Pflock in Uniform (nah) und Überblendung auf ein Foto mit Wehrmachtsuniform (nah). Kommentar: "Paul Pflock, Unteroffizier, wurde auf Himmelfahrtskommando geschickt, zog es vor am Leben zu bleiben...(Gesicht des heutigen Paul Pflock)...gefangen 1944". Umschnitt auf das Gesicht von Eberhard Charisius (halbnah). Eberhard Charisius, Oberleutnant, Bombenflieger, Glückspilz, abgeschossen am 1. Tag des Krieges gegen die UdSSR". Umschnitt auf das Gesicht von Georg Günter (halbnah). Kommentar: "Georg Günter, Unteroffizier...(Fotoeinblendung)...versuchte sich durchzuschlagen nachdem sein Regiment in Stalingrad die weiße Fahne gehisst hatte, kam nach dreitägigem Umherirren in Gefangenschaft im Februar 1943". Blick auf den dringenden Günter im Studio (halbnah). Umschnitt auf Leni Berner (halbnah). Kommentar: "Sie war Kommunistin von Jugend an, emigrierte in die Sowjetunion, im Krieg Leiterin einer Frontschule für deutsche Kriegsgefangene. Tausendemale war sie dabei wenn das "Es geht weiter" für die ehemaligen...(Jugendfoto von Leni Berner)...Hitlersoldaten zum Beginn des neuen Lebens wurde". Umschnitt auf die erzählende Leni Berner (halbnah) (O-Ton) "...kamen dann sowjetische Offiziere, manche sprachen deutsch, ich konnte mich mit ihnen unterhalten, was sie gelernt haben. Über die deutschen Klassiker wußten die besser Bescheid als Sie, wir bekamen zu essen, sie waren so fassungslos, möchte ich sagen, das sie erst mal von nichts wissen wollten und mit sich fertig werden mußten, ehe sie sich entschieden überhaupt mal etwas neues zu hören und was denn hier los ist. Das kam dann allmählich, es kam auch darauf an in welchen Baracken sie lagen, ob da SS-Leute drunter waren, wie die Atmosphäre da war, das nicht unkompliziert". Umschnitt

0:07:50

Georg Günter berichtet weiter (halbnah) (O-Ton) "Es gab eine so genannte "Rote Ecke", ob das der offizielle Name weiß ich nicht, so hieß es in jedem Fall im Lager, da waren Bücher von Marx und Engels und Lenin und Stalin...(Foto von lesenden Soldaten)...und da bin ich hin gegangen und hab gelesen, zunächst erst mal...(Foto von Soldaten vor Stellwand der "Internationale")...nicht aus Interesse an der Sache, sondern um geistig nicht zu verkommen. Ich war Handlanger beim Maurern...(Blick auf Leni Berner)...und bin ein Blindgänger noch heute in praktischen Dingen, ich war abends sehr kaputt, aber dazu habe ich mich aufgerafft". Umschnitt auf Eberhard Charisius (halbnah) (O-Ton) "Das erste wo wir hinkamen, damals nach unserer Gefangennahme, dort waren wir bei einem Stab, in diesem Stab wurden wir verpflegt und dort haben wir ein Flugblatt geschrieben, als Besatzung, wo wir also angegeben hatten das wir in Gefangenschaft gekommen sind, mit unseren Wohnadressen, und dieses Flugblatt ist auch später von irgendwem abgeworfen worden, denn es ist bei mir zu Hause gelandet. Meine Mutter hat mir nach dem Krieg das Flugblatt gezeigt. Das Flugblatt hatten wir eigentlich geschrieben aus Wut das keiner uns geholt hatte von den Deutschen...(Filmeinblendung deutscher Kriegsgefangener in einem Lager)...da haben wir gesagt wir sind in Gefangenschaft da schreiben wir jetzt das Flugblatt. Dann hatte ich eine Aussprache mit dem sowjetischen Schriftsteller Konstantin Alexandrowitsch Fedin...". Historische Filmeinblendung mit Charisius und Fedin im Kriegsgefangenenlager (halbnah) (O-Ton) "Wer sind Sie"? Charisius "Ich bin der Oberleutnant Eberhard Charisius aus Düsseldorf". Fedin: "Wo haben Sie am meisten geflogen"? Charisius: "Am meisten geflogen habe ich in England". Fedin: "Wie viele Male haben Sie über England geflogen"? Charisius: "Über England bin ich 30 bis 40 mal gewesen". Fedin: "Und wie viele Male haben Sie über die Sowjetunion geflogen"? Charisius: "Über die Sowjetunion bin ich 2 mal geflogen". Fedin: "So, und da haben Sie Pech gehabt"? Charisius: "Jawohl, jawohl, ich bin beim 2. mal abgeschossen worden". Fedin: "So, kein Glück also gehabt"? Charisius: "Nein, kein Glück". Umschnitt auf Eberhard Charisius im Studio (halbnah) (O-Ton) "Ich hab mich immer um die Antwort rum gedrückt, die haben mich immer gefragt warum ich eigentlich Bomben abgeworfen hätte. Nun war ja meine Position sehr schwach". Umschnitt auf die historischen Szenen: Fedin (halbnah) (O-Ton) "Für was kämpfen Sie eigentlich gegen die Sowjetunion"? Charisius: "Ich habe den Befehlen die mir durch meine Führer gegeben werden zu gehorchen". Fedin: "Also Sie können nicht sagen die Ziele für welche Sie kämpfen"? Charisius: "Nein, ich den Befehlen die mir als Soldat gegeben werden zu gehorchen". Fedin: "Schön, also wenn Sie Oberleutnant nicht die Ziele nennen können, könnten diese Ziele der Soldat vielleicht verstehen"? Charisius: "Das ist eh...wenn diese...das ist". Fedin unterbricht "Das fällt Ihnen schwer das zu verstehen". Umschnitt auf Charisius im Studio (halbnah) (O-Ton) "Weiter bin ich nicht gegangen mit dieser Aussprache mit dem Fedin, ich hab mich auf diese Weise raus geredet, obwohl ich mir selber eigentlich innerlich komisch vorkam das ich solche primitive Argumentation benutze". Umschnitt

0:10:50

Paul Pflock im Studio (halbnah) (O-Ton) "Und ich bin dann in Gefangenschaft gekommen, ich sagte schon wie das damals so zuging, also mit wirklich gemischten Gefühlen. Ich hatte dann auch wirklich Angst und ich bin dann aber doch sehr überrascht gewesen, das ich die Möglichkeit hatte dann in Gefangenschaft später Schriften zu bekommen, erst einmal von der anderen Weltanschauung von Marx, Engels, Lenin, aber auch von Heinrich Heine, von Hamlet von Shakespeare und all den Schriften von Heinrich und Thomas Mann, also alles Dinge die ich vorher nicht gelesen hatte". Umschnitt auf Dr. Gerhard Dengler (halbnah) (O-Ton) "Uns betreute eine russische Ärztin aus Kiew, der die Deutschen vor ihren Augen ihren Mann und ihre zwölfjährige Tochter erschlagen hatten und ihr mit dem Bajonett den linken Arm abgestochen hatten. Diese Frau hat uns wie eine Mutter betreut, sie hat überhaupt gar nicht irgendwie die Frage der Schuld oder "ihr seid an diesem, meinem Leid Schuld" gestellt, nie, das war für uns als Offiziere der faschistischen Wehrmacht eine solche, ich möchte fast sagen, innere Erregung und Emotion das wir also damit Tagelang nicht fertig geworden sind, und es ist vielleicht bezeichnend, das als wir in dieses Lager zurück kamen, zu unseren eigenen Kameraden, noch voll dieses Erlebnisses, doch etwas irgendwie andere waren". Umschnitt

0:12:35

Interviewer aus dem Off: "Wer hat Ihnen auf die Beine geholfen, Genosse Charisius"? Charisius (halbnah) (O-Ton) "Ich würde zunächst einmal an den Professor Arnold denken...(Fotoeinblendung)...und auf die gleiche Ebene hebend Professor Jansen...(Fotoeinblendung)...er hat an entscheidend dazu beigetragen mein Weltbild, wie man so sagt, vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das heißt also, er hat es Meisterhaft verstanden uns den dialektischen Materialismus nahe zu bringen anhand von ganz einfachen Beispielen. Imponiert hat uns immer das er eigentlich nur, er hatte immer sehr wenig Vorbereitung mit, er hatte oft seine Thesen auf eine Streichholzschachtel geschrieben und verstand aber wunderbar Lektionen zu lesen und zwar sie zu verbinden, vor allen Dingen mit Beispielen des praktischen Lebens. Das war also, zweifellos hat Professor Jansen eine bedeutende Rolle bei meiner Entwicklung gespielt".

0:13:35

Umschnitt auf den Interviewer (halbnah) (O-Ton) "Ja, nicht unbeeinflusst von diesem ganzen Wust an Gedanken und Ideologien was da auf Sie eingestürmt ist, sind Sie da ja aufgewachsen, haben sie da gelebt in der Wehrmacht. Sind Sie funktioniert worden? Zum funktionieren im Sinne dieser Militärmaschine gebracht worden, und nun...". Schwenk vom Interviewer auf die Gesprächsrunde an den Mikrofonen des Studios (halbnah). Kommentar: "Das war am Schwersten sich davon zu befreien, das alte Denken selbst zu zerstören, zu erkennen, ich habe mich Mitschuldig gemacht an den faschistischen Verbrechen durch Gehorchen, durch Schweigen, durch Marschieren. Keiner von den Männern in dieser Runde konnte neu anfangen ohne so das Alte zu überwinden. Für manchen war es ein Blitzschlag, für manchen ein langer und schmerzhafter Prozess". Frage aus dem Off durch den Interviewer: "...ist eigentlich dieser Punkt gekommen wo Sie sich überlegt haben, habe ich Schuld, wie weit habe ich Schuld"? Schwenk auf Georg Günter (nah) (O-Ton) "Ich kann nicht sagen das ich persönlich mich schuldig fühlte, denn ich bin ja ganz einfach gezwungen worden Soldat zu werden, und als Soldat habe ich eben meine Pflicht getan, und ich kann auch in der Gefangenschaft nicht sagen das es einen gewissen Punkt gegeben hat in dem mir plötzlich die Erkenntnis gekommen ist das ich hier etwas falsch gemacht habe. Das ist erst im Lauf der Jahre gekommen, durch die Literatur die in den einzelnen Kriegsgefangenenlagern die ich durchleben mußte...". Charisius unterbricht: "Wenn ich da mal was einfügen kann, zum zwingen gehören ja immer zwei, einer der zwingt und einer der es macht...(ab hier Charisius im Bild)...und ich persönlich muß sagen das ich mich außerordentlich innerlich geärgert habe...dass ich so blöde war für diese Hitlerarmee rumzuziehen, direkt wenn man das so einfach ausdrücken will, denn ich habe durch...(Schwenk zu Günter)...mein herumziehen in der Hitlerarmee als Fliegeroffizier ja eigentlich nichts genützt, und ich habe zum Nutzen ...(Charisius im Bild)...der menschlichen Gesellschaft, als Hitlermann nichts geleistet, sondern bin praktisch als Räuber in der Weltgeschichte herumgeirrt. Das ist objektiv und dieses Bewußtsein das es so wahr hat mich innerlich außerordentlich erregt, denn ich sagte mir, wie konntest du dich so mißbrauchen lassen, aber ich mußte ja zugeben ich hab mich ja missbrauchen lassen, also war ich an jenen Ereignissen mit Schuld, denn ich hätte mich ja nicht mißbrauchen lassen sollen, denn es hat ja auch viele gegeben...(Schwenk von Leni Berner zu Charisius)...die haben sich nicht mißbrauchen lassen".

0:16:20

Frage des Interviewers: "Welche Konsequenzen haben Sie nun, Genosse Charisius, aus der Einsicht Ihrer Schuld gezogen"? Charisius: "Ich war als Propagandist tätig seit Dezember 1942 in der Gruppe unseres Genossen Walter Ulbricht, da habe ich insbesondere mit dem Genossen Bremen zusammen gearbeitet, und wir haben dort Agitation und Propaganda getrieben unter den dort eingekreisten deutschen Soldaten und Offiziere...(Fotoeinblendung)...mit dem Ziel eben zu erreichen das sie kapitulieren sollten, das heißt das sie sich retten sollten, denn sonst wenn sie nicht kapitulieren würden...(Foto von deutschen Kriegsgefangenen)...war ja nur ihr sicherer Untergang gewiss". Blick auf die Gesprächsrunde im Studio (halbtotal). Interviewer im Off: "Genossin Werner, Sie haben faschistische Soldaten umerzogen, die gingen dann mit sowjetischen Genossen in den Kampf gegen Hitler. Wie standen die Offiziere der Roten Armee zu Ihren Schülern"? Umschnitt auf Leni Berner (halbnah) (O-Ton) "...wenn ein Kamerad verwundet oder tot war, Gefallener, ein Deutscher, so wird der sowjetische Offizier nicht zurück gegangen sein, alles wurde eingesetzt um diesen Kameraden mit zurück zu nehmen, sie wurden nie im Stich gelassen, auch nicht wenn sie gefallen waren". Frage aus dem Off des Interviewers: "Genosse Pflock, Sie waren Kriegsgefangener in der Sowjetunion und Sie haben dort natürlich auch schwer gearbeitet, haben Sie das als eine Strafe angesehen"? Umschnitt auf Paul Pflock (halbnah) (O-Ton) "Die Arbeit in der Gefangenschaft das war eine Ablenkung für jeden. Von den Gedanken ständig an unser Haus zu denken, die Arbeit hat das überwunden, und während der Arbeit haben wir uns gegenseitig unterhalten, Mut gemacht, und haben gesagt, wenn wir nur erst mal wieder nach Hause kommen, und dann werden wir mithelfen ein anderes Deutschland wieder mit aufzubauen, und es kommt hier auch dem näher was hier gesagt wurde, jeder hat ein anderes Erlebnis gehabt, jeder eine andere Gefangenschaft gehabt. Mir ging es so das vor mir eine Brücke in die Luft gesprengt wurde, das man mich praktisch geopfert hatte, und diejenigen die mich aufgefordert hatten bis zur vorletzten Patrone zur Verteidigung und die letzte für mich zu verwenden, die sah ich dann wieder an der Spitze durch Moskau marschieren...(Filmeinblendung vom Marsch der deutschen Kriegsgefangenen durch Moskau)...ich marschierte dann im Juli 1944 mit 56.000 deutschen Kriegsgefangenen durch Moskau, an der Spitze marschierten diese Generäle...(Filmeinblendung)...die lebten, diese Konsequenz hat mich dermaßen erschüttert, die hat mich dann auch bewogen mir Gedanken zu machen...(ab hier Pflock wieder im Bild)...da habe ich mir gesagt, du bist doch schwer belogen und betrogen worden, und das darf nicht wieder passieren. Und deswegen habe ich mich der Bewegung "Nationalkomitee Freies Deutschland" damals angeschlossen". Umschnitt

0:19:10

Dr. Gerhard Dengler (nah) (O-Ton) "Wir waren beseelt davon nicht noch mehr Menschen für diese sinnlose Sache bluten zu lassen, und wenn ich von mir ausgehe muß ich sagen, das war eigentlich auch der Schwur den wir uns damals geleistet haben und dem ich eigentlich seitdem gefolgt bin, alles zu tun das sich so etwas an unserem Volke nicht wiederholt, das ist ausgeweitet worden, zuerst war es Kameraden retten und nachher wurde es, das darf unserem Volke nicht mehr passieren". Umschnitt auf Eberhard Charisius (halbnah) (O-Ton) "Es ging damals darum, den Krieg, den wir als verloren ansahen, diesen Krieg nach Möglichkeit so schnell wie möglich zu beenden, das heißt zu erreichen einen Waffenstillstand an allen Fronten, das konnte nur erreicht werden durch die Beseitigung der Hitlerregierung, denn es gab ja auch eine offizielle Erklärung der Alliierten das sie mit der Hitlerregierung keine Verhandlungen führen, und das 2. Motiv war natürlich, auch warum ich das Manifest unterschrieben habe...das es mir persönlich und auch den anderen darum ging...(historische Filmeinblendung der Unterzeichnung des Manifestes)...in Deutschland selbst Garantien zu schaffen die es unmöglich machen das die deutsche Monopolbourgeoisie, welche die Hitlerregierung auch in den Sattel gehoben hat, die es dieser Monopolbourgeoisie...(Filmeinblendung von der Unterzeichnung durch Wilhelm Pieck)...unmöglich machen erneut das deutsche Volk in hoffnungslose Eroberungskriege zu stürzen". Umschnitt: Weitere historische Filmeinblendungen von der Unterzeichnung des Manifestes des NKFD im Juni 1943 (halbtotal) und von den Unterschriften auf dem Dokument (nah). Kommentar: "Kommunisten und Christen, Offiziere und Soldaten, Arbeiter, Bauern und Intellektuelle unterschrieben das Manifest. Sie alle wollten ein demokratisches Deutschland, das war ihre Gemeinsamkeit. So wurde das Nationalkomitee zur Keimzelle der nationalen Front aus der die sozialistische Menschengemeinschaft der DDR wuchs". Ende des historischen Filmteils. Umschnitt

0:21:10

Frage aus dem Off an Georg Günter "Sie sind in der DDR politisch aktiv geworden, als Mitglied der CDU und der Nationalen Front. Sie haben eine neue Einstellung gefunden zur Sowjetunion, zum Sozialismus, was hat Sie dazu bewogen"? Günter (nah) (O-Ton) "Zunächst hat mir mal imponiert, auch schon während der Gefangenschaft, wie die sowjetischen Menschen uns gegenüber getreten sind. Ohne Hass und ohne nachtragende Gefühle, obwohl sie doch schweres durch uns erlitten hatten. Das ist ein Punkt, zum zweiten habe ich mich nun...(Filmeinblendung von Günter bei einem Spaziergang in Aschersleben)...im Laufe der Jahre sehr viel beschäftigt mit der Entwicklung der letzten 20 bis 25 Jahre, und die hat mich noch manche Dinge anders sehen lassen wie ich sie früher gesehen habe. Ich habe in meinem Betrieb erfahren...(Filmeinblendung der Textilabteilung von innen)...das der Staat, das unsere Regierung es ehrlich meint mit der Teilnahme der Christen am Aufbau des Sozialismus...". Umschnitt. Blick auf die Tür der "Verwaltung" (nah). Werner Günter an seinem Schreibtisch (halbnah). Kommentar: "Werner Günter, Hauptbuchhalter eines modernen Kaufhauses mit staatlicher Beteiligung in Aschersleben ist praktizierender Katholik seit seiner Jugend...(Filmeinblendung von Günter vor der Kirche)...Mitglied des Kirchenvorstandes der Pfarrgemeinde Sankt Michael, politisch tätig im Kreisverband und in einem der Ausschüsse des Zentralvorstandes seiner Partei. Wir christlichen Menschen, so sagt er, sind einig mit der Partei der Arbeiterklasse in den Grundprinzipien, und er sagt, ich gehe gerne in den Betrieb weil ich mich dort wohl fühle...(Filmeinblendung: Günter bei einem Winter-Spaziergang mit seiner Familie)...weil wir ein gutes Kollektiv sind, weil wir den Erfolg sehen in unserer Tätigkeit". Umschnitt

0:23:20

Paul Pflock begrüßt in seinem Büro einen Kollegen (halbnah) (O-Ton). Kommentar: "Paul Pflock spricht mit jedem und jeder kommt zu ihm. Er ist alteingesessener Bauer in Bernstedt, erfolgreicher Viehzüchter, Vertreter seiner LPG in den Kooperationsverbänden Fleisch, Wein und Qualitätsmilch...(Filmeinblendung des Ortes Bernstedt im Winter)...1945 gründete er in seinem Dorf die LDP und blieb seitdem ein glühender Verfechter der Zusammenarbeit aller demokratischen Kräfte". Pflock bei Gesprächen in seinem Büro (halbnah). Umschnitt auf eine Sitzung der Volkskammer mit Pflock als Vortragenden (halbtotal) (O-Ton). Zoom auf den Redner Pflock (halbnah). Kommentar: "Als Abgeordneter der Volkskammer bestimmt er die Politik unseres Staates mit, Sozialismus, Frieden, Bündnis und feste Freundschaft mit der Sowjetunion, eine Politik der Erfolge". Umschnitt auf Pflock im Studio (halbnah) (O-Ton) "Und wenn man an diese Dinge denkt dann braucht man sich meines Erachtens über diese ganze Entwicklung die jeder Einzelne durchmachte mit beiden Beinen mitgeholfen hat das Rad der Geschichte vorwärts zu drehen, dann braucht man sich dann keine Vorwürfe zu machen. Man sagt, du hast es versucht das wieder gut zu machen was damals schief lief hier in der deutschen Politik, man hat versucht hier neu aufzubauen...". Umschnitt

0:24:45

Eberhard Charisius lehrt in einem Schulraum (halbnah) (O-Ton) "Ja das können Sie abwischen, nehmen Sie die große Tafel. Es geht um die Frage noch einmal des ökonomischen Grundgesetzes...". Kommentar: "Der ehemalige Bombenflieger, der Glückspilz, den Konstantin Fedin mit einer Frage in die Enge trieb. Eberhard Charisius ist Lehrer an der kommunalen Berufsschule Numero 3 in Dresden, seine Fächer...(Filmeinblendung mit Charisius und Schülern)...Staatsbürgerkunde, politische Ökonomie. Er sorgt dafür dass seine Schüler die Antwort kennen auf die Grundfragen unserer Zeit...(Schwenk von Charisius auf die Schüler in den Reihen)...sie wissen von Anfang an wohin sie gehören. Ihr Vorbild sind Menschen wie die Kommunistin Leni Berner...(Filmeinblendung von Leni Berner)...vielen hat sie geholfen den richtigen Weg zu finden. An ihrem Geburtstag kommen als Gratulanten ihre Jungs, ihre Männer...(Filmeinblendung)...wie sie sie heute noch nennt, die Frontschüler von damals". Ein ehemaliger Schüler erzählt (halbnah) (O-Ton) "...und wo kamen wir hin, auf eine charmante Frontschule mit einer noch charmanteren Chefin, Leni Berner". Lachend nimmt die Jubilarin das Kompliment entgegen (halbnah). Ein anderer Frontschüler erzählt neben Leni Berner (halbnah) (O-Ton) "Rudi erwähnte vorhin dass er an dieser Schule sich traf mit unserer Leni, und von der charmanten Leni sprach. Leni, Du bist mir sicher nicht böse, Du bist eine charmante Frau aber mit einem sehr strengen Regime...". Ein weitere Frontschüler erzählt (halbnah) (O-Ton) "Den besten Dank den wir heute sagen können, hier, an Ihrem Ehrentage, der besteht wohl darin das wir immer, überall wo uns die Partei hinstellt, unsere Pflicht erfüllen wollen, und in diesem Sinne, liebe Leni möchten wir uns wünschen das Du uns dabei...(Schwenk zu Leni)...mit Deiner, Dir eigenen Tatkraft, Schaffenskraft, Energie, uns hilfst als unser Vorbild, was Du gewesen bist, das Du auch in Zukunft sein möchtest, dazu beste Gesundheit". Leni erhebt sich mit einem Glas (halbnah) (O-Ton "Also schönen Dank für die wunderbare Rede...". Umschnitt...

0:27:00

...auf Leni Berner im Studio (nah) (O-Ton) "...und viele unserer heutigen Funktionäre sind ja heute, reich an Erfahrungen und haben diese gesammelt, viel gelernt an der Front, im eigenen Leben, und später dann, es konnte ja nur ein Sprungbrett sein unsere Schulung...aber ich muß sagen, es war sehr fruchtbringend, und darum denke ich gern an die Zeit, sonst war Krieg, es war eine schreckliche Zeit, aber eine solche fruchtbringende Arbeit, das man sofort sieht was geleistet wurde. Wie es niederschlägt gibt es eigentlich sehr selten". Umschnitt auf Schrifteinblendungen: "Jeder von ihnen hatte einst den eigenen Tod in sich aufgenommen und weitergelebt. Jeder erfuhr, wie schwer- und wie furchtbar es ist, in Zeiten geschichtlicher Umbrüche mit klarem Wissen dafür zu sorgen, dass es weitergeht". Umschnitt. Schwenk (von oben) über Stalingrad mit Stabangaben (halbtotal). Kamera Hans-Eberhard Leupold und Christian Lehmann. Ton Otto Koch. Schnitt Charlotte Beck, Ursula Walter und Inge Gulich. Recherchen Anne Richter und Charlotte Galow. Aufnahmeleitung Franz B. Romanowski. Produktion Dieter König. Kommentar Jürgen Hartmann. Interview Erwin Burkert und Jürgen Hartmann. Regie Richard Cohn-Vossen. Eine Produktion des VEB DEFA-Studio für Kurzfilme, künstlerische Arbeitsgruppe Profil. Umschnitt. Schwenk über Stalingrad bis zur vereisten Wolga (halbtotal). Abblendung

0:29:05 ENDE

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