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Der Stoff zum Leben

Regie: Thomas Kuschel, 23 Min., fa, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme, 1989

Film-Videoformat
35 mm
Länge in m
631
Sonstiger Titel
Premnitz
Anlaufdatum

Kurzinhalt

Dieser Farb-Dokumentarfilm begleitet den engagierten und verantwortungsvollen 26-jährigen Brigadeleiter Mario Rausch aus dem Chemiefaserwerk Premnitz. Genau dreißig Jahre nach Auflegung des Chemieprogramms der DDR werden jedoch statt Optimismus und Fortschrittsglaube vor allem Dreck und Lärm gezeigt. Mario berichtet ganz offen von kaputten Knochen und Lungen, von der „verdammten Chemie“, fehlenden Wohnungen und Spielplätzen. Seine kritischen Worte zur Partei und Staatsführung enden in der Erkenntnis: „Wenn wir so weitermachen, kommen wir nicht weit.“ Bald nach den Dreharbeiten sollte sie sich bewahrheiten. Der Dokumentarfilm ist ein Blick in die Abenddämmerung der DDR kurz vor der Wende.

Filmstab

Regie
  • Thomas Kuschel
Drehbuch
  • Heinz Baumert
  • Thomas Kuschel
Kamera
  • Peter Milinski

Langinhalt

0:00:00

Blick auf die sich spiegelnden Wolken in einem Gewässer (halbtotal). Texteinblendung: "Abgesehen davon, dass er was anderes lieber Täte…" Volker Braun. Umschnitt auf den Fluss Havel vor dem Hintergrund des Chemiefaserwerkes von Premnitz (halbtotal) mit eingeblendetem Filmtitel "Der Stoff zum Leben". Blick auf einen Angler am Rand des Flusses (halbtotal) im Off erzählt Mario Rausch: "Hauptsache die Ruhe ist richtig, das man mal ein paar klare Gedanken wieder fassen kann, und es ist nicht immer wichtig was zu fangen...(Umschnitt auf den erzählenden Angler)...wichtig ist dass diese Ruhe und dann...Landschaftlich, Sonne, frische Luft, weg von der Chemie, ja, auch wenn sie im Hintergrund wieder auf dich lauert, aber eben mal richtig ausspannen. Dann geht auch der Tag wieder ganz anders los...(Frage aus dem Off: Ist das ne Flucht?)...Wenn man es so nennen will, jeder flüchtet mal irgendwann, nech, aus diesem verdammten Alltagstrott raus, und, ja, es ist schon ne Flucht". Umschnitt

0:01:25

Blick auf Mario Rausch mit Atemmaske im Chemiewerk (halbnah) (O-Ton). Rausch nimmt die Maske ab und fragt seinen Kollegen (halbnah) (O-Ton) "Wo ist denn Andre? Der muß die Spülung durchchecken...Andre". Umschnitt auf zwei Chemiefacharbeiter mit Masken an einer Chemiefasermaschine (halbnah) (O-Ton). Gegenschnitt auf zwei Arbeiter an einer anderen Maschine (halbtotal). Umschnitt. Blick auf einen Düsenkopf mit den auftauchenden Chemiefasern (nah). Umschnitt. Ein Arbeiter schneidet den Anfang des Chemiefaserstranges ab und zieht den Hauptstrang bis zu einem Transporthaken (halbnah). Umschnitt auf Rausch bei der Regulierung der Druckleitungen (halbnah). Rausch öffnet den Riegel der Sicherheitstür (halbnah). Umschnitt mit Blick in die große Produktionshalle des Chemiefaserwerkes Premnitz (halbtotal). Umschnitt

0:02:40

Blick auf den angelnden Mario Rausch an der Havel (halbtotal) (O-Ton) "Das ist folgendermaßen, wenn du in der Jugendbrigade bist, Jungendbrigadeleiter, man hat eine Verantwortung, und vor allen Dingen möchte man alles irgendwie auf die Reihe kriegen, und wenn es geht so gut wie möglich. Man ärgert sich dann immer wieder wenn es nicht klappt, den, ich bin der Leiter...(Umschnitt auf Rausch halbnah)...ob Brigadeleiter oder Schichtmeister, ich führe diese Leute und Kollegen, und da möchte man nicht nur für sich ein gutes Gefühl haben, sondern man möchte auch für die Kollegen ein gutes Gefühl bringen....(Blick auf die Angel im Wasser)...Wenn man den Mund nicht aufmacht, dann gibt es gewisse Leute, die denken dann immer es ist alles in Ordnung...(Umschnitt auf Rausch halbtotal)...Da schlendert der FDJ-Sekretär, noch nicht mal er, sondern der Stellvertreter, schlendert durch die Anlage, klopft dir auf die Schulter, na Mario, wie sieht es denn aus? Und mir stehen die Schweißperlen so weit raus. Da hätte ich ihm am liebsten ein paar Handschuhe in die Hand gedrückt und gesagt, wenn du mich schon so fragst, dann gleich mal ran, denn du bist ja auch einer von denen, sage ich mal, die müssen sein. Aber wenn du mich schon so fragst, mir fehlen deine zwei Hände". Umschnitt

0:03:50

Blick auf die lärmenden Walzen in einer Maschine und auf die Unterhaltung von zwei Arbeitern mit Atemmasken (halbnah) (O-Ton). Ein Alarmsignal ertönt und die Arbeiter springen aus dem Innenraum der Maschine (halbtotal) (O-Ton). Mario Rausch und sein Kollege versuchen die Störung zu beseitigen (halbnah) (O-Ton). Blick auf die rotierend-leuchtende Warnlampe an der Maschine (halbtotal). Maria gibt einem Kollegen Anweisung (halbnah) (O-Ton) "Ziehts? Da kommt nischt an, check das mal durch mit dem warmen Wasser". Kollege "Leck mich doch am Arsch, alte Sau". Mario lächelnd "Gerne, nicht so schnell, Hose runter. Hast Du die Zunge raus"? Blick auf Mario und Kollege an der Maschine (halbnah) (O-Ton) "So Peter, mach Dein Ding. Alles klar, wie sieht es denn da vorne aus? Du, guck nach der Besprühung, sonst stehen wir nachher wieder". Peter öffnet den Maschinenraum und geht hinein (halbnah). Umschnitt

0:05:00

Blick von auf den Eingangsbereich mit Firmenschild "VEB Chemiefaserwerk Friedrich Engels" bei Schichtwechsel (halbtotal). Umschnitt. Kameraschwenk vom Pförtnerhaus auf den abfahrenden Mario Rausch mit seinem Fahrrad (halbtotal). Umschnitt auf die Rad fahrenden Schichtwechsler auf der Ortsstraße am Bahnübergang von Premnitz (halbtotal). Umschnitt. Blick von oben auf die wartenden Schichtwechsler auf dem Bahnsteig in Premnitz (halbtotal). Umschnitt. Blick von oben mit Kameraschwenk auf den einfahrenden Personenzug (halbtotal). Kameraschwenk vom roten Zugwagen auf das Chemiefaserwerk (halbtotal). Umschnitt auf Mario Rausch bei Abholung seiner Tochter Jennifer an der Kindertagesstätte (halbtotal) (O-Ton). Kameraschwenk über Mario mit seiner Tochter auf dem Fahrrad und dem folgenden größeren Sohn mit eigenem Fahrrad (halbtotal). Umschnitt auf Vater Mario beim Überqueren des Bahnüberganges mit seinen beiden Kindern (halbtotal). Umschnitt.

0:07:05

Blick auf die Ankunft in der Wohnung und Begrüßung durch die Ehefrau (halbtotal) (O-Ton). Die größere Sohn weint und die Mutter tröstet ihn (halbnah) (O-Ton) "Der hat mich gehauen...". Blick in den Flur mit dem Ehepaar Rausch und ihren drei Kindern (halbnah) (O-Ton) im Off dazu Mario: "Also wir schimpfen immer über unsere Schichtarbeit, ist auch ne Geldfrage, ne finanzielle Frage, Schichtarbeit. Meine Frau arbeitet in der Frühschicht und sehr schlecht ist es eigentlich in der Spätschicht. Wenn ich Spätschicht habe, weil ich um halb drei spätestens aus dem Haus gehe, und meine Frau ja erst um drei von der Schicht kommt, und da sieht man sich also gar nicht, ich komme ja erst abends um viertel vor 12. Kurz vor Mitternacht bin ich zu Hause, da schläft hier schon alles...(ab hier ist Mario im Bild auf seiner Couch im Wohnzimmer)...und da sieht es sehr trübe aus mit dem Familienleben. Da passiert eigentlich, kann man so sagen, diese Zettelwirtschaft: Hallo mein Stern, und das und das muß noch erledigt werden, oder, sagen wir mal so, was nicht ganz in Ordnung war wird dann auch aufgeschrieben. Familienleben ist da überhaupt nicht machbar in der Woche". Umschnitt

0:08:55

Blick auf einen rotierende Achse in einer Chemiefaser-Maschine (halbtotal) (O-Ton). Fahraufnahme von der Maschine zum Zwischengang und den anderen Maschinenparks in der Produktionshalle vorbei (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf Mario Rausch in der Steueranlage des Betriebes (halbnah) (O-Ton). Umschnitt auf die Maschinen in der Halle und den Bediener am Steuerpult (halbtotal) (O-Ton) "Peter, dreh noch ein bisschen auf". Umschnitt auf Mario am Mikrofon in der Steueranlage über der Halle (halbnah) (O-Ton) "Ist noch nicht genug Wasser durch. Dreh mal noch ein bisschen auf". Umschnitt. Fahraufnahme parallel an den Produktionsmaschinen vorbei (halbtotal) (O-Ton). Kameraschwenk auf die lange Produktionsstraße der Chemiefaser (halbtotal). Umschnitt auf Mario Rausch im Gespräch mit zwei Kollegen (halbnah) (O-Ton) "Und da gucken wir nochmal nach, soll ihn aber nochmal daran erinnern. Und wegen Deinem Urlaub, Wolfgang weiß Bescheid, und wir haben das zu Deinen Gunsten geklärt...". Blick auf die Arbeiterin neben ihrem Kollegen mit dem durchlaufenden neu produzierten Chemiefaserschlauch in der Hand (halbnah) im Off dazu Mario: "Jeder Schichtarbeiter verdient sich was, nicht nur Freizeit, sondern auch das ganze Drumherum bei ihm stimmt, ja. Derjenige der die Werte produziert und schlechte Gegenleistung erhält, dem sage ich doch, arbeite mehr, kriegste mehr, und er wird immer schlechter wie er behandelt wird...also er möchte schon von dem was er macht was sehen, das hat er einfach verdient. Jeder Schichtarbeiter achtet darauf dass das ganze Drumherum bei ihm stimmt. Dieses Drumherum ist zum Beispiel so, wenn wir, sag ich mal, Kindersachen kaufen wollen, also in Premnitz brauchen wir da nicht gucken, da gibt es keine Kindersachen...(Blick auf die Kollegen in der Werkskantine)...Gott sei Dank sind wir in der glücklichen Lage das wir einen Trabant fahren und das wir nicht abhängig davon sind wie das Angebot in Premnitz ist, ja. Wir setzen uns dann ins Auto und fahren 20 Kilometer nach Brandenburg rüber, weil wir von daher wissen, in Brandenburg ist das Angebot das uns zusagt...(Kameraschwenk auf die künstlerisch gestaltete Wand mit farbigen Kacheln in der Kantine)...und da können wir hinkommen wann wir wollen, wir kriegen eigentlich immer irgendwas, ja. Wenn nicht das kriegen was wir uns gerade vorgenommen haben, aber das was wir vielleicht vor ein paar Monaten haben wollten auf jeden Fall, ja. Aber selbst in Premnitz ist es nicht so, Premnitz ist da bittere Provinz". Blick auf das Ortschild "Stadt der Chemiearbeiter" von Premnitz (halbtotal). Umschnitt

0:12:00

Blick von oben auf einen großen Wiesenplatz mit spielenden Kindern hinter aufgehangener Wäsche und Müllcontainern (halbtotal) im Off dazu Mario Rausch: "Hier wohnen ja nur durch die 3 1/2 Zimmerwohnung, sehr viele Familien mit Kindern, aber wenn ich mich hier so umgucke...(Blick vom Spielgelände auf das Wohnhaus)...hier steht eine Rutsche und die Sandkiste, und dann war das schon alles an Spielplatz, ja, also ist nicht viel. Ich würde mir wünschen dass sie die mal schwarz angefangene Badestelle mal weiter bauen...(Blick auf die Hauptstraße von Premnitz)...das die mal endlich zu Ende geführt wird, das Premnitz mal eine vernünftige Badeanstalt bekommt...(Blick auf Frau Rausch mit ihren Kindern an der Hand vor ihrem Wohnhaus mit Auto- und Fahrradverkehr)...Ja, dann vielleicht mehr für Ehepaare mit Kindern, ja, also da gibt es noch sehr viele Sachen die man verändern kann". Blick auf die Anbringung von Schildern in der Stadt mit Hinweisen zur Lösung von Problemen "Wo liegen die Hauptursachen"? und "Was ist zu tun"? (halbtotal). Umschnitt auf die Fassade eines Geschäftes "HO-Konfektion" (halbtotal). Umschnitt. Kameraschwenk über eine Straße mit kleinen und einfachen Wohnhäusern (halbtotal). Gegenschnitt auf die Bahnhofsgaststätte von außen (halbtotal). Rückwärtszoom von der Gaststättentür auf den gefüllten Fahrradständer vor der Bahnschranke (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf Frau Rausch beim Verlassen eines Geschäftes mit ihren Kindern (halbtotal). Umschnitt. Frau Rausch schiebt das Fahrrad mit ihren beiden jüngsten Kindern zur Straße und fährt los (halbtotal). Umschnitt auf die Familienmitglieder im Treppenhaus des Wohnhauses (halbtotal) (O-Ton) im Off dazu Mario: "Man muß nicht von einem Klubhaus ins andere ziehen um glücklich zu sein um unser Leben zu leben und so, und wenn wir mal was haben und unbedingt ins Kino gehen wollen, na dann organisieren wir das doch, dann kriegen wird das schon irgendwie immer auf die Reihe, ja, und dann war es mal wieder ein schöner Abend, dann hat es mal wieder zu reichen für ein viertel Jahr, bis wir das Nächste organisieren. Wir geben uns halt damit zufrieden, wir sind eine Ecke rum bescheiden, also es kommt schon, wir machen schon unser...". Blick auf die schwer tragende Frau Rausch im Treppenhaus (halbnah) (O-Ton Umschnitt

0:14:15

Blick auf die diskutierenden Kollegen von Mario zwischen den Chemiefaser-Maschinen in der Produktionshalle (halbtotal). Umschnitt auf Mario Rausch im Gespräch mit einer Kollegin (halbnah). Gegenschnitt auf das Gesicht des sprechenden Mario (nah). Umschnitt auf den Angler Mario an der Havel (halbnah) (O-Ton) "Seit 1 1/2 Jahren war überhaupt noch nicht dran zu denken das wir mal...also da wurde noch gebaut. Man wußte, wenn das Ding mal fertig ist wird man dort arbeiten, man hat sich interessiert an jeden Pfeiler den man da hin geklatscht hat, also den hat man sich schon interessiert angeguckt, ja...(Blick auf den Neubauteil des Chemiewerkes)...Wir sind dann mal heimlich, es war ja verboten diese Anlage zu betreten, ja, dann haben wir uns mal rein geschmuggelt...(Blick auf die neuen Transportleitungen, Silos und Gebäude)...standen vor den unheimlichen Dimensionen und fragten uns, wie kann hier etwas produziert werden. Das waren Dimensionen gegenüber unserer Altanlage, man hätte sich damals zu anfangs nicht vorstellen können dass es mal so wie jetzt, trudelt...(ab hier Mario wieder im Bild)...das es läuft, das es sich so stabilisiert und die Qualität kommt, weil, sie hat eigentlich alles von uns abgefordert, da wurde wirklich der ganze Mann gefragt, und es war schon extrem, ja. Wir haben ja mehr gearbeitet als Feierabend gehabt. Kaum das man zu Hause war, was gegessen, zwei Stunden später stand der Wagen vor der Tür, ob wir nicht hinkommen würden, sie kommen nicht klar". Umschnitt

0:16:35

Blick auf den Neubauteil des Chemiewerkes (halbtotal). Blick auf den erzählenden Mario am Ufer der Havel (halbnah) (O-Ton) "Wenn wir unsere Arbeit nicht vernünftig machen dann geht hier überhaupt nichts mehr, dann läuft nichts mehr. Und wer sollte es also anders machen als wir, da fangen wir bei uns zuerst an, denn erst wenn es bei uns stimmt, denke, kann ich mir auch rausnehmen, sage ich mal, über andere Dinge zu sprechen, von denen ich vielleicht nicht verstehe, die nicht in Ordnung sind, ja, aber wir müssen damit anfangen, wir sind der Anfang". Umschnitt auf ein Plexiglas-Saugrohr mit den durchlaufenden Chemiefasern (nah). Kameraschwenk über das transparente Rohr an der unter der Decke der Produktionshalle (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt auf einen gepressten Ballen mit Chemiefasern (nah). Umschnitt auf Handbewegungen an den Knöpfen der Maschinensteuerung (halbnah). Umschnitt. Ein verpackter Ballen Chemiefasern verlässt die Presse (halbtotal). Umschnitt auf die gestapelten Ballen in der Lagerhalle des Werkes (halbtotal). Umschnitt auf Gabelstaplerfahrer mit den Ballen auf der Güterzugrampe (halbtotal). Kameraschwenk über den Güterzug mit dem Ballen (halbtotal) (O-Ton). Umschnitt

0:17:50

Blick auf den erzählenden Angler Mario (halbnah) (O-Ton) "Es gibt eine normale Fluktuation, sage ich mal, das sich Leute also nicht wohlfühlen im Betrieb. Es gibt aber auch solche die, sage ich mal, wie meinen Kollegen damals, der war erster Anlagenfahrer in der Nachbehandlung, hat schönes Geld verdient, gutes Geld verdient, aber es reicht nicht immer aus nur die Lohntüte das sich der Mensch wohl fühlt, und bei diesem Kollegen war es eigentlich so, er hatte ne Dachwohnung, geschieden, lernte wieder eine Frau kennen mit nem Kind...(Blick auf den äußeren Betriebsbereich) es führte kein Weg hin dass dieser Mensch, dieser Kollege, ne bessere Wohnung bekommt...(Blick auf eine alte Wohnanlage in Premnitz)...Ich kann mich noch erinnern...die LEB Hennigsdorf warb um Arbeitskräfte, sie bauten wohl dort auch eine neue Anlage...(Blick auf die von außen verschmutzte Wohnanlage in Premnitz)...und da war dieser Satz unter dem Motto, wer jetzt kommt der bekommt von uns noch dieses Jahr...(Blick auf eine moderne Plattenbausiedlung)...eine Wohnung. Und er fuhr da auch hin, und siehe da, schon beim Einstellungsgespräch, nur beim 1. Gespräch konnte...(Blick auf Schilder an einem Zaun vor der Wohnanlage "Das ist 40 Jahre")...er sich auf der Bauzeichnung seine Neubauwohnung aussuchen....(Mario atmet tief ein)...Ich bin überall hin und habe gesagt, kommt, wir können den nicht gehen lassen, wie sollen wir das denn machen wenn unsere besten Leute gehen? Wo stehn wir den dann eines Tages da? Da muß sich doch was verändern, die Leute können doch nicht einfach gehen nur weil der Wohnraum nicht da ist...(Umschnitt auf eine kleine Feier im Kreise der Kollegen in einer Kneipe)...Ich warte mal auf den Tag wo man sich eingesteht, also, hier, wenn wir so weiter machen, kommen nicht weit, und das muß doch auch mal irgendwo stehen. Stell dir doch mal vor, ich übe an jemanden Kritik, ob das nun am Staat, an der Gesellschaft, oder an meinem Freund ist...(Blick auf einzelne Gesichter am Kneipentisch)...Ja, wenn diese Kritik unberechtigt ist wird er sich bemühen mich davon zu überzeugen das ich nicht recht habe, oder er wird sich sagen, irgendwo hat er doch so den kleinen Schweinehund getroffen und wird sagen, gut, wenn es so ist, vielleicht ändert er sich dann. Vielleicht ändert sich nicht nur der Kollege, vielleicht ändert sich dann auch, sag ich mal, die Denkweise in unserer Gesellschaft...(Kamerazoom auf den Bier trinkenden Mario Rausch)...und das ist wichtig. Wir diskutieren ja drüber, wir sitzen doch und diskutieren, vielleicht in den vier Wänden, im Pausenraum, und warum soll man das nicht auch öffentlich sagen. Diskussion und Kritik, und Argument und Gegenargument ist gesund, für jeden gesund. Ist für mich, meinen Kumpel gesund, das ist für mich und meinen Staat gesund, wäre gesund". Blick auf die diskutierenden Kolleginnen und Kollegen des Chemiefaserwerkes am Kneipentisch (halbtotal). Umschnitt

0:20:20

Blick auf Mario an der Havel (halbnah) (O-Ton) "Ich weiß noch als ich um die Aufnahme in die Partei bat, da drückte man mir das Statut in die Hand und sagte, les Dir doch erst mal das Statur durch. Ich hab mir das durchgelesen, und da stand, ein Parteimitglied macht keine Schönfärberei, deckt Mängel auf, verändert sie. geht selbstbewusst an die Dinge, also macht was...(Zoom auf Mario)...damit es uns mal besser geht. Ja, und das mit der Schönfärberei habe ich mir gemerkt, und ich beobachte das. es sollte sich viele, viele Leute, die in der Partei sind, ich kann das ruhig sagen, sollten sich mal wieder das durchlesen. Dass es da steht das man keine Schönfärberei betreiben sollte, und das heißt für mich einfach nur dass ich kritische Sachen, oder Sachen die nicht in Ordnung sind, ruhig in den Mund nehme und sage". Umschnitt auf die Maschinen in der Produktionshalle des Chemiewerkes (halbtotal). Mario klettert die Leiter von der Maschine runter und wäscht sich die Hände (halbtotal). Umschnitt. Mario unterhält sich mit den Maschinenführern (halbtotal). Mario schiebt eine Kollegin an die Maschine und spricht ihr Mut zu (halbtotal). Umschnitt auf den Angler Mario (halbnah) (O-Ton) "Meine Einstellung ist die, wenn ich das mal so ausdrücken möchte, ich möchte das der...das ich stolz...also weiterhin sein kann auf mein Land. Das man sagen kann, diese Missstände hat er abgeschafft, oder hat er dazu beigetragen aufzudecken, und hat sie abgeschafft. Wir leben im Jahre 1989 und nicht mehr im Mittelalter, ja, und dazu gehört auch das man das sagt was nicht in Ordnung ist. Auf jeden Fall muß es so sein dass ich mir sagen kann, ich hab es versucht". Umschnitt

0:22:25

Blick auf den Eingangsbereich des Chemiefaserwerkes Premnitz bei Schichtwechsel (halbtotal) mit Schrifteinblendung: "Mario Rausch (26). Wir danken ihm und seiner Jugendbrigade, sowie dem CFK "Friedrich Engels". Mitwirkung: Heinz Baumert, Carsten Gebhardt, Petra Barthel, Andreas Walter, Harald Apitz, Dietmar Nickel, René Schmal. Text: Volker Braun aus "Training des aufrechten Ganges". Stabangaben: Kamera Peter Milinski. Regie Thomas Kuschel. Ein Film des DEFA-Studios für Dokumentarfilme, Gruppe "Effekt". DDR 1989. Umschnitt auf den Angler Mario (halbnah) O-Ton) "Mann, Mann, Mann, da haben mich heute selbst die Fische hängen lassen. Das ist eine Organisation, hier klappt aber gar nischt, oder mein Teich, ich weiß nicht. Ik hab mir solche Mühe gegeben, extra die Butter für 2 Mark 40 genommen. Ja, dann könnt ihr auch den haben, ja". Abblendung

0:23:20 ENDE

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