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Erinnerung an eine Landschaft - für Manuela

Regie: Kurt Tetzlaff, 84 Min., fa, Dokumentarfilm
Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Dokumentarfilme, 1983

Film-Videoformat
35 mm
Länge in m
2293
Sonstiger Titel
Kohle; Menschen auf der Kohle
Englischer Titel
Memories Of A Landscape – To Manuela
Anlaufdatum

Kurzinhalt

Der Film von Kurt Tetzlaff ist ein Gleichnis auf den Verlust von Heimat, auf die Zerstörung der Natur im Namen des industriellen Fortschritts. Dörfer die der Braunkohleförderung im Weg stehen, werden abgerissen. Die Menschen werden gegen ihren Willen umgesiedelt.

Tetzlaff verfolgt in seinem Film von 1983 über mehrere Jahre die Schicksale einiger Dorfbewohner südlich von Leipzig. Er zeigt den schmerzlichen Abschied der Menschen, von den ihnen vertrauten Orten, die aufhören werden zu existieren. Das Fällen der alten Eiche wird zur Metapher für die Zerstörung ihrer Wurzeln. Der Film erzählt aber auch von der Rekultivierung zerstörter Kulturlandschaften und der Geburt Manuelas als Sinnbild für den Neuanfang.

Filmstab

Regie
  • Kurt Tetzlaff
Drehbuch
  • Joachim Niebelschütz
  • Kurt Tetzlaff
Kamera
  • Karl Farber
  • Eberhard Geick
Schnitt
  • Manfred Porsche
Regieassistenz/ Co-Regie
  • Astrid Abraham
Dramaturg
  • Jochen Niebelschütz
Komponist
  • Archiv
  • Gerhard Rosenfeld
Ton
  • Hartmut Haase
Produktionsleitung
  • Ulrich Kling
  • Joachim Sigmund
Person, sekundär
  • Friedrich Ebert
  • Karl Marx
  • Franz Mehring

Kurzinhalt (English)

Some villages are torn down because of open cast mining south of Leipzig. The landscape changes and so do the lives of the people. The four years chronicle - an allegory of the loss of homeland, the destruction of nature in the name of progress and prosperity. Sadness and melancholy remain. Environmental protection, one of the difficult issues in the GDR.

Langinhalt

0:00:00

Frau wälzt sich unruhig und weinend in ihrem Krankenbett herum (halbnah). Extreme Zeitlupenaufnahme von der Sprengung einer dörflichen Kirche in Magdeborn (halbtotal). Aufsteigender Staub von der Sprengung (halbtotal). Schmerzverzerrtes Gesicht der Frau im Kreißsaal (halbnah). Stahlseil auf Boden spannt sich (halbnah). Kamera verfolgt das Stahlseil zu einem entkernten Wohnhaus (halbtotal). Stahlseil trennt die obere Dachhälfte und den Kamin vom Gebäude (halbtotal). Krankenschwestern und Hebamme helfen der Frau bei der Geburt (halbnah). Neugeborenes an der Nabelschnur wird an den Beinen und Kopfüber hochgehalten (halbnah). Schrifteinblendungen in den Staub der Kirchensprengung: Ein DEFA-Dokumentarfilm Gruppe Kontakt. ZLB-L 0012/82 DDR 1983. Buch Jochen Niebelschütz und Kurt Tetzlaff. Produktion Ulrich Kling und Achim Sigmund. Montage Manfred Porsche. Assistenz Roswitha Lindner. Regieassistenz Astrid Abraham. Musik Gerhard Rosenfeld. Ton Hartmut Haase. Dramaturgie Jochen Niebelschütz. Kamera Karl Farber und Eberhard Geick. Regie Kurt Tetzlaff. "Erinnerung an eine Landschaft - Für Manuela"

0:02:55

Rückwärtszoom von roten Blumen zwischen Steinen (nah) auf die Haustrümmer einer Straßenzeile (halbtotal). Fahraufnahme an unbewohnten und ausgehöhlten Häusern vorbei (halbtotal). Blick auf eine Karte um die Ortschaft Magdeborn (nah). Bauleiter erklärt den Plan zur Verlegung des Ortes Magdeborn (halbnah) (O-Ton). Büste von Karl Marx dient als Kartenhalter (halbnah). Flugaufnahme über ein Tagebaugebiet für Braunkohle (halbtotal). Kommentar: "Im Süden von Leipzig verändert sich die Landschaft, Dörfer verschwinden, neue Bahnlinien entstehen, Flüsse werden verlegt. Drei Jahre haben wir verfolgt was hier geschieht, wie sich Landschaft verändert und das Leben von Menschen...". Flugaufnahme über einen großen Braunkohlebagger im Gelände und über abgerissene und verlassene Wohnhäuser in Magdeborn im Sommer 1979 (halbtotal). Kommentar: "180 Familien leben noch hier, mehr als 1.000 haben den Ort bereits verlassen, es gibt noch die Post und einige Verkaufseinrichtungen und eine Gaststätte...". Flugaufnahme über Braunkohlebagger und die Bahngleise mit gefüllten Güterwaggons (halbtotal).

0:06:15

Ortsschild "Magdeborn" an der Landstraße wird durch Arbeiter abmontiert (halbtotal). Schwenk von den Arbeitern auf die verlassenen Häuser (halbtotal). Umgestürztes Straßenschild "Friedrich-Ebert-Siedlung" (halbnah). Schwenk von dem Schild auf die zerstörten Wohnhäuser (halbtotal). Postbotin fährt mit dem Fahrrad durch die Trümmerstraßen (halbtotal, Schwenk). Blick auf ein geschlossenes Haus "Fleischerei" (halbtotal). Frau liest Schild vor dem geschlossenen Laden (halbtotal). Postbotin legt ihr Fahrrad auf den Weg und wirft Briefe in einen Hausbriefkasten (halbnah). Verlassenes Haus mit Kreidebemalung "Es war sehr schön hier !!!" (halbnah). Schwenk von der Hauswand auf die Bäume in den Garten- und Grundstücksanlagen (halbtotal). Schwenk über die Rinde eines Baumes mit den vielen Schnitzereien, Herzen und Namenskürzeln aus Jahrzehnten (halbnah). Blick in eine Dorfstraße mit ihren verlassenen Häusern (halbtotal).

0:07:58

Bewohner des Ortes Magdeborn in der letzten Gaststätte (halbnah). Gastwirt (halbnah) erzählt (O-Ton) "...unser Ort besteht rund hundert Jahre, Generationen meiner Familie lebten hier. So hat unsere Gaststätte einst ausgesehen, das ist praktisch vor 100 Jahren gewesen, und hier ist unser Konzessionsschein von damals...". Wirtin hält das Dokument von 1876 zur Kamera und liest daraus vor (halbnah) (O-Ton). Im Off wird gefragt "Wie lange wollen Sie denn noch hier bleiben?". Wirt am Zapfhahn (halbnah) (O-Ton) "Am 31. November werden in Magdeborn alle öffentlichen Einrichtungen aufgelöst und wie lange wir noch hier bleiben weiß ich nicht". Im Ortsamt erledigen die letzten Ortsbewohner ihre Formalitäten wegen der Umsiedlung (halbnah) (O-Ton). Ortsvorsteher spricht mit seinen Kolleginnen und einer besorgten Kindergärtnerin über die letzten 17 Krippenkinder im Ort (halbnah) (O-Ton).

0:10:00

Schild auf einer Wiese "Bergbaugelände der BKK Espenhain. Betreten durch Unbefugte verboten!" (halbnah). Schwenk von den Hochspannungsmasten und den angrenzenden Wiesen und Feldern auf die Ortschaft Magdeborn (halbtotal). Die letzte Hochzeitsfeier im Ort bringt alle Einwohner zusammen (halbtotal). Porzellan wird vor dem Haus zerschlagen am Polterabend (halbtotal) (O-Ton). Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder feiern in einem Nebengebäude und auf dem Grundstück (halbnah) (O-Ton). Ein 65jähriger Mann (halbnah) (O-Ton) "Hier steht nicht mehr viel, eins, zwei...hier oben noch zweie, was über der Kreuzung ist bleibt stehen...seit 2 Jahren weiß ich, dass ich hier raus muss...". Mann begrüßt eintreffende Hochzeitsgäste (halbnah) (O-Ton). Mann (halbnah) (O-Ton) "...man muss es leicht nehmen, es hat keinen Zweck, es ist nicht zu ändern, die brauchen die Kohle, da kann ich mich doch nicht dagegen wehren...". Frage aus dem Off: "Was kriegen Sie dafür, was hat das alles gekostet?" Mann: (O-Ton) "Was es gekostet hat, danach geht das nicht, damals hat man keine Rechnung bekommen...ich bekomme für das Haus und das Grundstück als Entschädigung 42.900 Mark, mit allem drum und dran, mit Bäumen und alles, na ja, ich habe 30 Jahre darin gewohnt...".

0:13:37

Junges Hochzeitspaar umarmt sich im Hof (halbnah). Frage aus dem Off: "Sag mal, warum heiratet ihr denn noch jetzt, ringsherum Trümmer, nischt ist da, warum heiratet ihr?". Hochzeitspaar antwortet abwechselnd (halbnah) (O-Ton) "Tja, au, ich sag das ganz ehrlich, wir hatten erst vor im September zu heiraten, und da kam der Beschluss raus, wir dachten wir kriegen damit noch eine Wohnung, aber bloß bis Juli, und daraufhin sagte auch mein Vater da könnt ihr auch eher heiraten, da haben wir noch einmal alles umgemeldet...wir sind erst 24 Jahre, zwar ziemlich jung, aber...wir wollen heiraten". Vater (halbnah) wird im Off befragt "Und im neuen Haus wird dann die Hochzeit richtig gefeiert?" Vater (O-Ton) "Nein, nein, die wird hier im Gasthaus gefeiert, so, da haben wir wieder was zu machen". Vater geht aus dem Bild (halbnah).

0:15:30

Junges Paar umarmt und küsst sich unter der Wäscheleine auf dem Hof (halbnah). Die Gäste des Polterabends jubeln dem Paar von weiten lauthals zu (halbtotal) (O-Ton). Blick über die verlassenen Stühle und Tische nach dem Polterabend (halbtotal). Große Tanne vor einem Haus wird gefällt (halbtotal) (O-Ton). Schwenk von den aufgeschütteten Erdwällen im Braunkohleabbaugebiet auf einen vorbeifahrenden Güterzug (halbtotal). Der Planer an seiner Karte erklärt den Anwesenden die weitere Vorgehensweise im Gebiet (halbnah) (O-Ton) "Wenn die Ortslage erhalten bleibt ist dieses ganze Feld blockiert und kann dann nicht mehr gewonnen werden...". Frage aus dem Off: "Was kosten denn zum Beispiel eine Ortsverlegung wie Magdeborn?". Planer (halbnah) (O-Ton) "Das kommt natürlich auf die Größe des Ortes an, wir rechnen mit Kosten von ungefähr 95.000 Mark pro Wohnungseinheit die zu verlegen ist, das würde bedeuten, bei 1.210 Wohnungseinheiten, das dem Staat Kosten in Höhe von 120 Millionen Mark entstehen...in diesen Kosten sind enthalten, die Kosten für die Ersatzwohnung, die Entschädigungskosten die dem Eigentümer zu erstatten sind, die Umzugskosten, die Kosten für die anteilige Infrastruktur...".

0:18:15

Blick auf die stillgelegte Schule des Ortes mit einem Transparent im oberen Fensterbereich (halbtotal). Schüler steigen in zwei bereitstehende Taxen ein (halbtotal). Taxen fahren aus dem Ort heraus (halbtotal). Im Off hört man dazu einen ehemaligen Lehrer: "Wie gesagt, 1978, 1979, da hatten wir in etwa noch 50 Schüler, verteilt auf 8 Klassen...und als wir im Februar 1979 die Schule ganz auflösten, da waren noch 7 Schüler da...". Lehrer (halbnah) weiter (O-Ton) "...und 8 Lehrer, für jede Klasse einer, und die Schüler wurden dann, und das ist natürlich eine große Geldausgabe gewesen und ein großes Entgegenkommen von den Behörden, sie wurden mit Taxen dann in ihre Schulen gefahren in deren Wohngebiet sie später ziehen. Zum Beispiel wurden welche mit der Taxe täglich von Magdeborn nach Grünau gefahren, das sind 70 km Hin- und zurück...aber, wir haben insgesamt einen lückenlosen Übergang geschaffen, das war uns wichtig". Schüler steigt in ein bereitstehendes Taxi (halbtotal). Umgesiedelter Fachlehrer für Chemie und Biologie mit den Erstklässlern auf der Treppe seiner neuen Oberschule in der Nähe von Leipzig (halbnah). Eltern empfangen ihre frisch eingeschulten Kinder vor der Schule (halbnah).

0:20:00

Blick auf das entkernte Schulgebäude von Magdeborn mit einem kleinen Feuer davor (halbtotal). Ältere Frau hinter ihrem Hausfenster (halbtotal). Blick auf eine mächtige Eiche vor dem Braunkohlegebiet und dem Braunkohlebagger (halbtotal). Schwenk über den Stamm der Eiche bis zur Krone (halbtotal). Kommentar: "...unter dieser Eiche soll Napoleon gesessen haben in der Schlacht um Leipzig als seine Reiterei in den nahen Sumpfwiesen unterging, die Eiche ist 250 Jahre alt geworden, wie alt wird ein Mensch? Unter den Wurzeln des Baumes liegt Kohle für 20 Jahre, 250 Jahre und ein Jahrtausend gegen 20 Jahre Kohle, so wichtig sind uns 20 Jahre Zukunft. Was sich hier austrägt ist die Frage nach Verlust und Gewinn". Schwenk über das Braunkohlegebiet (halbtotal). Baumfäller mit Säge schneidet große Stücke am unteren Stamm heraus (halbnah) (O-Ton). Die mächtige Eiche stürzt zu Boden (halbtotal) (O-Ton). Schwenk über die sichtlich betroffenen Anwohner und Forstarbeiter am Stumpf der gefällten Eiche (halbnah). Schwenk von den fotografierenden Zuschauern bis zur Schnittstelle der umgestürzten Eiche (halbnah). Ein Baumstumpf und viel Sägemehl sind der bescheidene Rest der alten Eiche (halbnah).

0:21:55

Planer vor seiner Karte erklärt (halbnah) (O-Ton) "Bei der Entwicklung des Tagebaus Espenhain wären die nächsten Ortsverlegungen um den Bereich Dreiskau-Muckern ungefähr um das Jahr 1990, Plötzschau 2 Jahre später, während dann, danach Oelzschau, Stömthal im Jahr 2000 liegen und heute praktisch noch nicht in der Planung sind, aber wir haben noch einen zweiten Großtagebau Zwenkau. Ortsverlegung die gegenwärtig vor der Tür stehen, und zwar ist das die Ortsverlegung Bösdorf, das sind Orte die noch größer sind als Magdeborn und ungefähr 1.400 Wohnungseinheiten haben...wird 1984-1985 zu beginnen sein und dann in 4 Jahren zu verlegen sein....und dann wäre das Abbaugebiet um Zenkau dann von Siedlungen frei gemacht...der entstehende Hohlraum kann nur Wasserwirtschaftlich genutzt werden da die Fläche ca. 1.500 Hektar umfaßt...und die Orte Bösdorf und....liegen dann mitten in der Wasserfläche...". Planer rollt verschiedene Pläne aus und referiert davor (halbnah).

0:23:35

Senioren-Chorprobe in einem Saal, man singt "Kein schöner Land in dieser Zeit..." (halbtotal) (O-Ton). Pony mit Fohlen auf einer Wiese voller gelber Löwenzahnblüten (halbtotal). Pferde mit Fohlen laufen über die Wiese (halbtotal). Trecker fährt am Ortsteich von Eytra mit Enten vorbei (halbtotal). Schulkinder mit Tornister werfen Steine (halbtotal). Rückwärtszoom von einer Frau, die ein gerahmtes Foto zur Kamera hält vor dem Gasthof "Zum Adler" und Schaukasten "Volkschor-Übungsstunden Eytra" (halbnah). Schwenk von unten nach oben über den Gasthof "Zum Adler", unten steht die Frau mit dem Foto und oben wird das Dach neu gedeckt (halbtotal) (O-Ton). Kommentar: "Eytra liegt 10km von Magdeborn entfernt...die Menschen wissen, dass sie nur noch 4-5 Jahre hier leben werden, aber sie leben hier als hätte die Nachricht sie noch nicht erreicht. Im September 1980 feierte der Ort seine 1.000 Jahre". Dachdecker legen die Pfannen auf ein Fließband zum Dachstuhl (halbnah) (O-Ton).

0:25:14

Rotes Transparent über der Straße "30 Jahre DDR - 1000 Jahre Eythra. Wir grüßen unsere Gäste!" (halbtotal). Feuerwehr in historischer Kleidung und mit Pferdewagen fährt um die Ecke während des Festumzuges in Eythra (halbtotal) (O-Ton). Ortsbewohner beobachten den Festumzug vom Straßenrand (halbtotal) (O-Ton). Verkleidete Feuerwehrmänner retten bei der Übung ein Fass Bier (halbtotal). Älteres Ehepaar erzählt wie lange ihre Vorfahren und sie selber hier wohnen (halbnah) (O-Ton) "...und nun müssen wir wieder verschwinden...vielleicht kommen wir in den Himmel oder in einen Neubau". Rückwärtszoom von Gartenfiguren auf einem Blumenbeet (halbtotal). Blick (von oben) auf die historisch gekleideten Feuerwehrmänner, sie pumpen Wasser bei einem Löschvorgang auf den Dorfplatz (halbtotal) (O-Ton). Schwenk zu den Zuschauern hinter einer Absperrung (halbtotal). Dorfbewohner an der Straße und in den Häusern schauen dem Treiben zu (halbtotal). Ältere Dorfbewohnerin (halbnah) (O-Ton) "Was die Männer da heute gemacht haben ist Abschied für uns wenn wir nachher alle weg gefahren werden, wir bleiben noch zwischen den Ruinen...". Frage aus dem Off: "Was wissen Sie denn darüber wann das alles weg kommt?" Ältere Frau (halbnah) (O-Ton) "Also wo meine Schwester wohnt, die kommt 1981 weg...und gucken Sie mal, manches schöne Haus, und die wollen sie alle weg machen, tut doch weh...und eine Neubauwohnung kann das eigene Haus nicht ersetzen, alles was sie da rein gesteckt haben und so, das kriegen sie nimmer wieder...ja, die Kohle wird gebraucht und sie muss gefördert werden...und wenn es sein muss, muss es sein, sagt mein Sohn...und bis dahin werde ich nicht mehr leben, wissen Sie, das tut weh...einen älteren Baum verpflanzt man nicht, verstehen Sie mich, wenn Sie mich verstehen?" Aus dem Off wird ein Junge befragt: "Bist Du froh das Du in die Stadt kommst?". Junge (halbnah) (O-Ton) "Ja, eh ne..da ist schlechte Luft...". Junge wird durch seine Oma unterbrochen (halbnah) (O-Ton) "Großstadtleben sind wir nicht gewöhnt, man ist das Leben hier gewöhnt, aber Großstadt, ich könnte mich nicht daran gewöhnen, das sind wir nicht fein genug für die Großstadt...da gehen sie doch alle nur mit einem Hut...und hier kannste laufen wie du bist, stimmts...".

0:29:47

Blick auf ein Haus was mit einem Stahlseil zum Einsturz gebracht wird, beobachtet vom Dachdeckermeister (halbtotal) (O-Ton). Kommentar: "Vor einem knappen dreiviertel Jahr war hier Polterabend im Haus des Dachdeckermeisters, wir haben mitgefeiert damals, heute leben noch 14 Familien hier". Dachdeckermeister vor den Trümmern des Hauses (halbnah) (O-Ton) "1949 gebaut und 1979 abgerissen". Schwenk über die zerstörten Häuser, die Bauarbeiter und ehemaligen Bewohner (halbtotal). Dachdeckermeister (halbnah) (O-Ton) "In dem Haus ist 1950 meine Frau beim 1. Kind gestorben und der Junge verunglückt tödlich 1968". Schwenk über die Haustrümmer zum Kamin (halbtotal). Hauswände stürzen ein (halbnah) (O-Ton)

0:31:09

Arbeiter des Abrisskommandos diskutieren in einem Aufenthaltsraum das Pro und Contra der Abrissarbeiten, der Umsiedelungsmaßnahmen und Kohleförderung (halbnah) (O-Ton). Schild an der Wand "Liebe mit Pille" (halbnah). Frage aus dem Off: "Sag mal, mit der Bevölkerung hier, ich könnte mir vorstellen, dass die euch nicht so gerne sehen im Ort?" Männer antworten (halbnah) (O-Ton) "An und für sich nicht, nee...wir nehmen schon Rücksicht...es ist auch ganz gutes Zusammenspiel mit der Bevölkerung...sie kommen auch und beobachten und fotografieren den Abriß des eigenen Hauses...das ist unangenehm". Ein Abrissarbeiter (O-Ton) "Am schlimmsten finde ich es bei den alten Leuten, die hängen mit ihren 70 und 80 Jahren an ihrer Scholle...und die gehen auch sehr ungern raus aus den Häusern...".

0:33:30

Schwenk über einen Teil des abgerissenen und planierten Dorfes Bösdorf (halbtotal). Kommentar: "Im Bericht der Abrissbrigade steht 2 Tage später, das Grubenvorfeld ist frei bis zur F95". Blick auf die Schaufeln des Tagebaubaggers (halbnah) (O-Ton). Schwenk von der Kirchturmspitze auf den maroden Eingangsbereich des verlassenen Gotteshauses (halbtotal). Rückwärtszoom und Schwenk über die Gräber des Dorffriedhofes, 1.500 Tote müssen verlegt werden (halbtotal). Geschlossene und offene Särge auf dem Friedhof (halbtotal). Blick in eine Grabstelle mit einem Skelett (halbnah). Schwenk von den Bahngeleisen auf die zerstörte Kapelle am Friedhof (halbtotal). Kamerafahrt um den Kirchturm herum (halbtotal). Männer der Abrißbrigade lassen die Glocke aus dem Turm ab (halbtotal). Ortsbewohner beobachten und fotografieren den Vorgang vom Friedhof aus (halbtotal). Drei abgenommene Glocken auf dem Friedhofsboden (halbnah). Kommentar: "Bei Feuer und Kriegsbeginn wurden sie geläutet, bei Beerdigung und Taufe, in Bösdorf sind sie verstummt. Es ist der 9. Oktober 1980, in Bösdorf beginnt was in Magdeborn fast ausgestanden ist". Schwenk über die Kapelle und den Friedhof mit seinen Grabsteinen (halbtotal).

0:36:11

Nachbarsfrauen verabschieden sich voneinander mit Tränen in den Augen (halbnah). Frau steht bewegt vor ihrem Haus und schaut der Nachbarin nach (halbnah). Mann schaut besorgt hinter seinem Gartenzaun hervor (halbnah). Möbelwagen mit Anhänger verlässt den Ort Bösdorf (halbtotal). Familie verlässt ihr Haus mit ihren letzten Habseligkeiten und schließt das Gartentor noch ab (halbtotal) (O-Ton). Kamerafahrt durch ein verlassenes und leeres Haus von der Küche in das Wohnzimmer (halbnah). Mitfahrt bei einer ausziehenden Frau aus Bösdorf (halbnah). Blick aus dem fahrenden PKW auf die zerstörten Häuser von Bösdorf (halbtotal). Ein Kirchturm und ein großer Schornstein stehen wie ein Mahnmal in den Trümmern (halbtotal). Raupenschlepper zieht ein Stahlseil durch ein abrissreifes Haus (halbtotal) (O-Ton). Eine Wand nach der anderen fällt zu Boden in einer großen Staubwolke (halbtotal) (O-Ton). Ein Haufen Steine ist alles was von einem Haus bleibt (halbtotal). Umsiedlerin im fahrenden Auto von Bösdorf nach Leipzig-Grünau (halbnah) (O-Ton) "Es ist vorbei, vorbei...50 Jahre hatte ich hier gewohnt". Frau zeigt noch einmal alte Familienbilder (halbnah). Ankunft in der neuen Wohnanlage in Leipzig-Grünau (halbtotal). Frau (halbnah) (O-Ton) "Da müssen wir uns dran gewöhnen...hier sind die Schlüssel der neuen Wohnung".

0:40:15

Silberhochzeitspaar tanzt in der neuen Wohnanlage (halbnah) (O-Ton). Mädchen mit Nelken in der Hand geht in den Saal mit den Gästen (halbtotal). Kommentar: "Eine Bauernfamilie feiert Silberhochzeit in der Stadt, er ist Brigadier in einer LPG in Bösdorf und fährt täglich zur Arbeit, seit 2 Jahren leben sie hier in Leipzig-Grünau im zweitgrößten Neubaugebiet der DDR". Mädchen überreicht dem Hochzeitspaar die Nelken (halbnah) (O-Ton). Blick auf die entstehenden und teilweise fertig gestellten Häuser in der neuen Wohnanlage (halbtotal). Hochzeitsgäste laufen auf unbefestigten Wegen zwischen der Wohnanlage (halbtotal). Möbelpacker bringen Holzkisten in ein fünfstöckiges Haus (halbtotal). Speisendes Hochzeitspaar und Gäste in ihrer neuen Wohnung (halbnah) (O-Ton) "...na ja, wollen wir mal sagen, das ist hier doch ganz angenehm, das Zusammengehörigkeitsgefühl ist doch ein bisschen da...". Mann erklärt seinen Gästen vom Balkon aus deine Wohnung und den Innenhof der Wohnanlage (halbnah) (O-Ton). Schwenk über die große Wohnanlage in Plattenbauweise (halbtotal). Schwenk über die eintönigen Fassaden der Betonbauten (halbtotal). Frau in ihrer Küche erklärt ein Foto aus früheren Zeiten in Bösdorf (halbnah) (O-Ton) "Da hatten wir einen schönen Garten...das Dach hatten wir noch vor Jahren neu gedeckt, da hatten wir noch keine Ahnung von der Kohle...unser Haus dort wurde 1874 erbaut".

0:44:25

Bauer neben seinen Rindern in Bösdorf (halbnah) (O-Ton) "...und dann eben die Leute aus den Grundstücken raus zu bringen, die wollen das wohl verkaufen und sind mitunter ältere Leute, und wir haben schon zig angeguckt, aber die wollen dann bis zum letzten Tag ihres Lebens drin wohnen bleiben, es ist auf der einen Seite verständlich...aber der Bagger wartet nicht bis derjenige stirbt...wie gesagt, wenn einer wie wir, von Kind an in der Landwirtschaft tätig war und jetzt in ein Mietshaus ziehen soll, da schüttelt man nur den Kopf...". Andere Bauern äußern sich auch zur Situation (halbnah) (O-Ton) "Wir wohnen ja jetzt schon in einem Mietshaus und fühlen uns dort ganz wohl, die Frau hat es mit Rheuma und solchen Sachen... und da ist es jetzt gesundheitlich besser geworden, die alten Häuser waren mitunter nass und es zog in den Räumen...und jetzt haben wir immer gleichmäßige Wärme". Frage aus dem Off: "Leiden sie darunter, dass sie die Tiere, die Kühe nicht mehr haben?". Bauer (halbnah) (O-Ton) "Na ja, so is det ja nicht, ich kann mir die Tiere ja immer angucken, wer Interesse hat findet immer Wege, man ist ja noch immer verbunden damit, ich bin sowieso hier Mitglied und somit verbunden bis wir sterben, ganz egal wo wir wohnen, am gesellschaftlichen Leben in der Genossenschaft nehmen wir ja auch als Rentner teil, ich bin 72...". Schwenk über die Kühe und Rinder auf die abgerissenen und qualmenden Häuser in der Ferne (halbtotal).

0:46:50

Schaufeln des Braunkohlebaggers bewegen sich vor der Silhouette des Ortes Magdeborn (halbtotal). Schaufeln fressen sich durch das Erdreich (halbtotal) (O-Ton). Postbedienstete räumen ihre letzten Bürodinge aus dem Postamtsgebäude mit der Aufschrift "Bäckerei" (halbtotal). Im Off erzählt eine Postbedienstete: "...wir waren ja lange Jahre auf dem Postamt in Magdeborn und haben die Zustellung durchgeführt, wir kennen die ganzen Einwohner und haben miterlebt den Abbruch, wir haben in der letzten Zeit immer unter schwierigen Arbeitsbedingungen gearbeitet...wir sind ja jeden Tag mit dem Bus früh hierher gefahren nur um noch die postalische Versorgung zu gewährleisten...". Postmitarbeiterinnen werden durch eine Vorgesetzte für ihre Arbeit bedankt (halbnah) (O-Ton) "Also persönlich meinen herzlichsten Dank und ich möchte Ihnen eine Belobigung überreichen mit einer Prämie von 50 Mark". Die beiden Mitarbeiterinnen im Postamt (halbnah) werden im Off nach ihrem Befinden befragt. (O-Ton) "Ja, ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen, ich habe 34 Jahre hier gearbeitet und meine Kollegin 24 Jahre". Die beiden Postbediensteten räumen das Postamt leer und vernichten unnötige Papiere (halbnah). Kommentar: "Als das Ortsschild von Magdeborn abgenommen wurde waren wir dabei, das ist 1 1/2 Jahre her, damals lebten noch 200 Familien im Ort, heute ist der 5. Juni 1980, das Datum des letzten Magdeborner Poststempels. Auch heute leben noch Menschen im Ort, 6 Familien". Postbedienstete (halbnah) (O-Ton) "Daran darf man nicht denken, das soll jetzt alles aus sein".

0:48:57

Rückwärtszoom von der leicht verschneite Kirche von Magdeborn auf die Schaufel eines Abräumbaggers (halbtotal) (O-Ton). Im Off erzählt ein Bauarbeiter "Wir sind jetzt mitten in Magdeborn...wir stehen kurz vor der Gaststätte, die stand hier vorn und hier standen dann die Neubauten". Bagger gräbt die von Häusern befreiten Stellen um (halbtotal). Blick in die rotierenden Schaufeln des Braunkohlebaggers (halbnah) (O-Ton). Im Off wird der Baggerführer gefragt seit wann er weiß, dass er aus dem Ort Magdeborn muss. (O-Ton) "Also das war immer so eine Streitfrage, kommt Magdeborn weg, kommts nicht weg, ich würde sagen 3-4 Jahre zuvor haben wir schon Bescheid gewusst, dass Magdeborn wegkommt, aber das war nicht so hundertprozentig". Baggerführer in seiner Kanzel (halbnah). Frage aus dem Off: "Und wie habt ihr das aufgenommen?" Baggerführer (O-Ton) "Ja, für uns ein harter Schlag, natürlich für die die ein Häuschen hatten und so schön in Schuß, die wären noch ärmer dran wie wir". Blick aus der Baggerkabine auf die Reste des Ortes Magdeborn (halbtotal). Blick aus der Kabine auf den langen Arm des Braunkohlebaggers und seinen Schaufeln (halbtotal). Sprengung am Bodens des Tagebaugebietes (halbtotal) (O-Ton). Schwenk von der schaukelnden Deckenleuchte auf die Kohlearbeiter in ihrem Pausenraum unterhalb des Braukohlebaggers (halbnah). Frage aus dem Off: "Wie macht sich denn so der neue Mitarbeiter?" Kollegen äußern sich positiv (halbnah) (O-Ton). Der ehemalige Wirt der Magdeborner Gaststätte arbeitet auf dem Kohlebagger (halbnah). Kommentar: "Fünf Mann arbeiten auf diesem Bagger in 3 Schichten, Förderleistung 25-30.000 Kubikmeter pro Tag". Der ehemalige Wirt in seiner neuen Wohnung mit Ehefrau bei einem Gläschen Korn (halbnah) (O-Ton) "gerade jetzt, wo ich in der frischen Luft bin, ich hab ja mein Leben lang nur in einem Raum gearbeitet als Gastwirt, also in der Sache ist es besser, ich steh auch gern in der Früh auf und laufe zur Bushaltestelle...". Frau des Gastwirtes (halbnah) (O-Ton) "...die ganze Ruhe, und der Geruch von Bier und Zigaretten, Schnaps und Körpergeruch, das ist doch jetzt was anderes wenn er den ganzen Tag da draußen ist...". Gastwirt (halbnah) (O-Ton) "...ich bin jetzt 2 Jahre dabei und habe mich eingelebt...ich bin gut aufgenommen worden in der Grube weil dort auch viele Bekannte arbeiten...unser Baggerfahrer stammt ja selbst aus Magdeborn...und ein bißchen Heimat ist auch mitgezogen...wir haben uns praktisch neu eingerichtet und wir haben eine Einbauküche, die gehört zu der Wohnung...an Miete zahlen wir 74,50 Mark und da ist alles drin, Waschmaschine, Schleuder, Wasser...was will am da noch mehr". Gastwirt (halbnah) (O-Ton) "Dem einen fällt es leicht und dem anderen schwer...wir haben und hier jetzt eingewöhnt wie man so sagt...". Schwenk vom Gastwirt zur Ehefrau (halbnah).

0:53:22

Schwenk über die Hausruinen von Magdeborn (halbtotal). Kommentar: "Es fällt schwer bei diesen Bildern an Kohle zu denken, das Verhältnis Abraumkohle hat sich in den letzten Jahrzehnten um mehr als das Doppelte verschlechtert und es wird sich weiter verschlechtern, aber bis zum Jahr 2000 soll in diesem Gebiet die Produktion um 15-20% gesteigert werden, für das was wir brauchen. In Magdeborn haben 2/3 aller Bewohner von der Kohle gelebt, so war das seit Generationen in dieser Gegend, so wird es bleiben so lange es noch Kohle gibt unter diesem Boden". Frau schließt ihr Tor vor dem Haus in Magdeborn (halbtotal). Schwenk über die noch stehenden, aber verlassenen Häuser (halbtotal). Trecker zieht einen Anhänger voller Möbel als Ersatz für einen Umzugswagen (halbtotal). Trecker mit Anhänger voller Möbel fährt an den zerstörten Häusern vorbei, ein Bild was an Kriegszeiten erinnert (halbtotal). Langer Schwenk über die Fahrt des Ersatz-Möbelwagens durch die Trümmerlandschaft (halbtotal). Hauswände stürzen ein (halbtotal). Um die Reste der Kirche brennen Holzhaufen in der Abenddämmerung (halbtotal). Mann inmitten der Trümmer berichtet (halbnah) (O-Ton) "Als letzte Aufgabe wurde es mir übertragen die Umsiedlung von Magdeborn zu organisieren, das heißt also es wurde eine eigene Abteilung gegründet deren Aufgabe es war die Grundstücke aufzukaufen, die Menschen umzusiedeln und bis draußen zur Sohle abzubrechen...". Beauftragter auf verschneitem Boden (halbnah) (O-Ton) "...die Vorbereitungen der Umsiedlung begann etwa 1974, wir haben dann im Mai 1976 mit der Realisierung begonnen, es ist sozusagen der Rest von Magdeborn hier, wir wollen bis zum Parteitag den Abbruch dieser Ortslage geschafft haben, das heißt bis zur Rasensohle soll auch abgebrochen sein, damit der Bagger vorwärts kann. Wir befinden uns hier auf dem Gelände in der Nähe der Kirche, am Friedhof, die Arbeitersiedlung befand sich hier oben, zusammen mit dem Karl-Marx-Platz, hier war auch noch ein Fischgeschäft in der Nähe das wir aus der alten Ortslage von Magdeborn verlegt hatten damit die letzten Bewohner noch versorgt werden konnten. Nun sind sie alle ausgezogen und haben alle neue und gute Lebensbedingungen erhalten, und wir sehen auch das der Tagebau bereits auf die Ortslage Magdeborn zu marschiert...". Schwenk vom Erzähler zu dem Braunkohlebagger in der Nähe auf verschneitem Gelände (halbtotal). Erzähler weiter (O-Ton) "...wir sind dabei jetzt die Bürger von Bösdorf umzusiedeln weil die dortige Ortslage ebenfalls benötigt wird...".

0:56:46

Blick auf einen planierten Bereich des Ortes Bösdorf, nur der Kirchturm steht noch zwischen den Trümmern (halbtotal). Schwertransporter voller Hausschutt fährt durch verschneites Gelände (halbtotal). Schwenk vom Kirchturm zu einem Kriegerdenkmal und von dort auf das Tageabbaugebiet (halbtotal). Kommentar: "Es ist Februar 1982, anderthalb Jahre nachdem wir hier in Bösdorf den ersten Auszug gedreht haben, 82 Familien leben noch im Ort, 550 haben hier gelebt". Rundumschwenk über die Reste von Bösdorf und das vorrückende Tageabbaugebiet (halbtotal).

0:57:35

Mitarbeiter der Umsiedlungbehörde beraten mit einer betroffenen Familie über deren Umsiedlung und Wohnungssuche (halbnah) (O-Ton). Wohnungssuchende Frau mit 2 schulpflichtigen Kindern ist unzufrieden mit der angebotenen Wohnung (halbnah) (O-Ton). Mitarbeiter der Behörde redet der Frau gut zu (halbnah) (O-Ton). Heftige Diskussionen wg. der Wohnung und einer angedrohten Zwangsräumung entsteht (halbnah) (O-Ton). Mitarbeiter der Behörde (halbnah) (O-Ton) "Wir haben entschieden, wir blockieren für die hier anwesende Frau Brandenburg die angebotene Dreiraumwohnung...". Mitarbeiterin der Stadt erklärt Frau Brandenburg die Lage der angebotenen Wohnung an einem Belegungsplan von Leipzig-Grünau (halbnah) (O-Ton). Kommentar: "Der Aschenbecher dreimal gefüllt mit "Salem"-Kippen ist zum 3. mal geleert worden, der 17. Besucher heute. 41 Jahre hat er in der Kohle gearbeitet, seit 2 Jahren ist er Rentner. Wenn Bösdorf ausläuft geht es für ihn in Eythra weiter, dort wird er dieselbe Arbeit machen". Blick auf den Aschenbecher (nah) und auf das Gesicht des Rentners im Büro der Umsiedlungsbehörde (halbnah).

1:03:50

Briefzustellerin auf dem Fahrrad fährt durch das Dorf (halbtotal). Kommentar: "34 Jahre hat sie in der Magdeborner Post gearbeitet, sie ist inzwischen in die Kreisstadt umgezogen und arbeitet wieder in einem Dorf was der Braunkohle weichen muß, in diesen Tagen wird sie 70 Jahre alt". Schwenk über die Abrißmaschinen im Dorf (halbtotal). Briefzustellerin reicht Post über den Zaun an einen Hausbewohner (halbtotal). "Ich hab mich doch für 5 Stunden verpflichtet, und weil die doch wussten das ich von Magdeborn das alles kann, und Schalterkraft war und alles hier anfällt, da hatten die mich gebeten ob ich hier draußen das mache, und erst wollte ich nicht, und dann bin ich mal hier zur Aushilfe, und seit dem sitze ich hier fest...". Verschiedene Einstellungen mit der Briefzustellerin im Ortbereich (halbtotal). Blick auf das Schild am Haus "Postamt Droßdorf" (halbnah). Mitarbeiterin zählt in der Poststelle die Tageseinnahmen (halbnah). Im Off erzählen die Postangestellten aus Magdeborn über ihre Beweggründe an anderer Stelle weiter zu arbeiten. Berufspendler steigen aus einem Zug (halbtotal). Postzustellerin geht von der Haltestelle zur Poststelle (halbtotal). Rückwärtszoom vom Haus der Poststelle auf den Vorplatz (halbtotal).

1:06:25

Mann mit Schutzhelm im Führerhaus eines Elektrozuges (halbnah). Im Off die Frage: "Sag mal, wie lange ist es her das wir hier zusammen Polterabend gefeiert haben?". Mann (halbnah) (O-Ton) "Och, zwei Jahre denke ich, das war im Juni 1979...". Zugführer erklärt die Umbaumaßnahmen neben den Gleisen auf dem Gelände des Tagebaugebietes um Magdeborn (halbtotal). Schwenk aus dem Führerhaus auf die umliegende Landschaft (halbtotal). Frage aus dem Off: "Was denkst Du denn dabei wenn Du täglich an Magdeborn vorbei fährst?" Zugführer (halbnah) (O-Ton) "Och denken, ich sage nur was weg ist ist weg, was soll ich da denken?" Vorbeifahrt an der Ruine der Magdeborner Kirche (halbtotal). Zugführer schaut aus dem Fenster (halbnah) (O-Ton) "Da ist die Kirche, die kommt aber bald weg...". Zugführer bewegt die Steuerungsregler (halbnah). Umschnitt auf das neue Grundstück des Zugführers mit seiner Ehefrau (halbnah). Das junge Paar mit Katzennachwuchs an einer Magnolie (halbnah) (O-Ton). Die ganze Familie hilft bei Baumaßnahmen am neuen Haus (halbtotal). Das junge Paar im Wohnzimmer unter ihrem Hochzeitsfoto (halbnah) (O-Ton). Das Ehepaar zeigt dem Kameramann die einzelnen Zimmer (halbnah) (O-Ton). Vater erzählt im Wohnzimmer (halbnah) (O-Ton) "Die ganze Bevölkerung hier ist anders als in Magdeborn, die sind alle anders eingestellt...in Magdeborn war mehr Gemeinschaft, da einer dem anderen geholfen...richtig genommen, da verkriechen die sich alle hier...wenn man die Kohle nicht gebrauchen würde wäre das alles gar nicht notwendig gewesen..na ja, vergessen...". Schwenk von den Händen des Vaters auf sein Gesicht (halbnah).

1:11:53

Fahraufnahme: Blick aus dem Zugfenster der Elektrolok auf die anhängenden Güterwaggons für die Braunkohle (halbtotal). Vorbeifahrt an der Kirche von Magdeborn (halbtotal). Blick über die grünen Wiesen auf die Sprengung der Magdeborner Kirche (halbtotal) (ohne Ton). Eine große Staubwolke bleibt sichtbar, die Kirche liegt darunter begraben (halbtotal).

1:12:30

Junger Mann in seinem Wohnzimmer (halbnah) (O-Ton). "Auf jeden Fall, ich grüße alle Magdeborner die sich jetzt ausgebreitet haben durch dem Umzug, ich bin Feda, das war mein Spitzname". Schwenk vom Erzähler auf den laufenden Film im TV-Gerät (halbnah) (O-Ton). Schwenk vom TV-Gerät auf eine altes Magdeborner Straßenschild "Franz-Mehring-Straße" auf dem Schrank (halbnah) (O-Ton). Rückwärtszoom von einem qualmenden Industriebetrieb am Horizont auf die neuen Plattenbauten der Siedlung in Leipzig-Grünborn (halbtotal). Kommentar: "In dieser Straße, kaum 15 km vom ehemaligen Wohnort entfernt, leben fast nur Magdeborner, ihre Art zu leben und miteinander umzugehen hat sich noch nicht verändert seit Magdeborn, ihr Leben vor den Häusern". Schwenk über die Fenster der Wohnanlage und den Personen die dahinter stehen und beobachten (halbtotal). Frauen in Kittelkleidern unterhalten sich vor dem Hauseingang (halbtotal). "Feda" stellt seine Wohnzimmeruhr und streichelt sein Straßenschild (halbnah) (O-Ton) "...das ist mein bestes Stück, das Schild war direkt an unserem Haus dran, und jeder nimmt was mit, das ist doch klar, als Andenken und so...". Frage aus dem Off: "Und Du hast Dich hier eingelebt inzwischen, ja?". "Feda" vor dem Vogelkäfig im Wohnzimmer (halbnah) (O-Ton) "Kann ich sagen, ja, der Anfang war alles Mist kann man sagen...der Umzug vom Dorf in die Stadt war schwierig...Wohnungsmäßig ist es in jedem Fall hier besser...nur wenn der Wind von Westen von den Industriegebieten rüber weht ist es nicht mehr so schön...". "Feda" erklärt am Fenster die verschiedenen Ortschaften und Industriegebiete am Horizont (halbnah) (O-Ton). Schwenk vom Fensterausblick auf "Feda" vor dem Fernsehgerät (halbnah) (O-Ton). Schwenk über die Vogelkäfige im Wohnzimmer (halbnah).

1:16:15

Ehemalige Magdeborner Frauen vor dem Plattenbau (halbnah) (O-Ton) "Also die Wohnung, da gibt es nischt, nischt...". Frauen reden über ihre Wohnungserfahrungen und verabschieden "Feda", der sich mit dem Fahrrad davon macht (halbnah) (O-Ton) "...dem gefällts hier, bei den vielen Frauen die es hier gibt...dem muss es ja gefallen...". Frau erzählt dem Kameramann und dem Tonmeister vor dem Hauseingang ihre Sorgen (halbnah) (O-Ton) "...ich hätte meinen Lebensabend noch in Magdeborn verbracht...ich hab mich nun auch damit abgefunden, es nützt ja nichts, aber, was denken Sie sich was ich oben gesessen habe die ersten Jahre und geheult habe...". Mann pflückt auf einen Wiesenstück zwischen den Wohnhäusern Löwenzahnblätter (halbnah). Schild "Magdeborner Straße 52-46" in der neuen Siedlung (halbnah). Schwenk über einen jungen Baumstamm vor dem Eingang des Plattenbaues (halbnah). Manuela, die heute 3 Jahre alt wird, bläst mit ihrer Mutter die Kerze auf der Torte aus (halbnah) (O-Ton). Kommentar: "Wir hatten Manuelas Geburt, die letzte in Magdeborn, im April 1979 gefilmt, von dem Ort Magdeborn, der verschwand als sie zu leben begann, wird sie nur wissen was die Alten ihr später so erzählen, sie wächst in eine andere Welt hinein". Geburtstagsgäste und Manuela im Wohnzimmer der neuen Wohnanlage (halbnah) (O-Ton). Schwenk (von oben) über die neue Wohnanlage und einer vorbei fahrenden Straßenbahn bis auf Manuela mit ihrer Mutter auf dem Balkon (halbtotal) (O-Ton). Abblendung

1:18:50 ENDE

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