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Stasi-Diskussion im Haus am Checkpoint Charlie

67:28 Min.
Deutschland
Cintec Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft mbH, 1991

Film-/Videoformat
Betacam SP

Kurzinhalt (Deutsch)

Dieses Material beschäftigt sich mit einer Diskussionsrunde zum Thema Stasi im Haus am Checkpoint Charlie. Im ersten Band eröffnet Dr. Rainer Hildebrandt die Gesprächsrunde und stellt die einzelnen Gäste vor. Hildebrandt hat ehemalige Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) eingeladen, so dass es zu einem Täter-Opfer-Gespräch kommt. Die ehemaligen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit äußern sich zu ihrem Werdegang, ihren Aufgaben und ihren Schuldgefühlen. Im zweiten Band wird eine Umfrage auf dem Alexanderplatz zum Tag der Deutschen Einheit gezeigt. Anschließend werden weitere Aufnahmen von der Stasi-Diskussionsrunde gezeigt. Im letzten Teil sind neben diversen Schnittbildern von der Pressekonferenz diverse Statements zur Stasi-Thematik zu sehen. Auch die regimekritische Schriftstellerin Freya Klier äußert sich zu diesem Thema.

Filmstab

Kamera
  • Rainer Simon
Ton
  • Wiebke Gebert
Redaktion
  • Ottmar Beul
Person, primär
  • Karin Gueffroy
  • Rainer Hildebrandt
  • Freya Klier
  • Dieter Mechtel
  • Schachtschneider
  • Uwe Spatzek
  • Roland Weirich
  • Horst Wittke

Langinhalt

C1/2096:

Dr. Rainer Hildebrandt OH; Hildebrandt eröffnet Gesprächsrunde zum "Täter-Opfer-Gespräch" und begrüßt Teilnehmer; Schnittbilder Zuhörer/ Teilnehmer; Hildebrandt OH; Hildebrandt OT: "..geflüchtete Grenzsoldat sagte, der Tod von Chris Gueffroy hat so viel Wirbel gemacht/ nur noch im Falle eines Angriffes darf geschossen werden/ politische Schaden ist größer als der Nutzen, wenn die Schusswaffengebrauchsbestimmung wie bisher gehandhabt wird..";

Hildebrandt OT zu den Gesprächspartnern: "Dieter Mechtel (Zentralkomitee der SED Abteilung Sicherheit), Herr Schachtschneider, Horst Wittke (Abteilung HVA- Hauptverwaltung Aufklärung), Uwe Spatzek (Informeller Mitarbeiter), Roland Weirich.";

Schnittbilder; Freya Klier OH; Horst Wittke OT: "Habe schon viele Kontakte vorher gesucht/ bei der ASTAK (Antistalinistische Aktion Berlin-Normannenstraße) und bei anderen Vereinen/ war in der Gedenkbibliothek/ nun Mauermuseum..."; Schnittbilder Gesprächsrunde/ Pressekonferenz (PK); diverse Aufnahmen von Journalisten; Wittke OH; Schnittbilder Gesprächsrunde; Wittke OH;

Wittke OT: "..Tätigkeit führte mich dann, als neue Funktion besetzt werden musste, in den Stab der dort gebildet wurde/ koordinierende Funktion, die für die Leitung Aufarbeitung leisten sollte/ für Markus Wolf/ bin ich mit der Querschnittsarbeit, die in diesem Ministerium war, vertraut geworden/ spürte Grundrichtung/ bei den Dokumenten, die ich kennengelernt habe, nie einen Punkt gefunden, wo ich mit meinem Gewissen in Konflikt geraten bin...";

Wittke OT zu Werner Stiller; Rednertisch mit Teilnehmern; Wittke OH; Wittke OT: "...als klar war, dieser Nachrichtendienst ist gegen die Mauer gefahren, wir haben gesagt, jetzt geht es nur indem wir uns selbst auflösen, einen Waffenstillstand mit unseren Partner schließen und sauber aus dem Rennen gehen/ den Versuch hatte in meinen Augen auch Werner Großmann getan.../ kompliziertes Pflaster des Nachrichtendienstes/ kann nur sauber aus dem Rennen genommen werden, indem sich die Spitzen beider Richtungen einigen/ in meinem Umfeld werden immer noch Leute hart attackiert/ hoffen wir finden eine Sprache, wo wir sauber, aber auch mit dem Schuldbekenntnis so wie wir es tragen müssen als ehemaliger Mitarbeiter aus dem Rennen gehen/ soll nicht der Frieden hergestellt werden/ gerechten Dialog wünsche ich mir schon/ versuche weitere zu gewinnen, die sich der Öffentlichkeit stellen.";

Dieter Mechtel OT: "Spüre, dass wir große Defizite haben, was ihren Lebensweg betrifft/ vor allem Lebensweg der Opfer/ schweren Erlebnisse, die sie durchgemacht haben, wir wissen darüber noch zu wenig/ möchte, dass solche Gespräche zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beitragen/ nicht, um uns zu entschuldigen/ wo wir, die wir mit Überzeugung für dieses System gearbeitet haben, wo wir auch standen, haben natürlich ein Maß an moralischer Mitschuld auf jeden Fall/ müssen damit fertig werden/ möchte, dass Opfer und Täter zusammenkommen/ Täter sich frei und offen zu Fehlern, Irrtümern und Feigheit bekennen/ Geschichtsschreibung ist meist immer die der Sieger gewesen/ Opfer haben ihre Geschichten zu wenig erzählen können/ müssen alles offen auf den Tisch legen/ Vergangenheit aufarbeiten für die Zukunft.";

Herr Schachtschneider berichtet von seinem beruflichen Werdegang; Schachtschneider OT: "..seit 1979 im Ministerium für Staatssicherheit hauptamtlich tätig/ Bezirksverwaltung Berlin, Abteilung 20/ zuständig gewesen für das Berliner Gesundheitswesen/ will erst mal kein Statement abgeben/ Staatssicherheit ist, wenn nicht sauber, doch wenigstens ruhig aus dem Leben geschieden/ wir heute die Chance haben über dieses Thema ausführlich reden zu können."

C1/2097:

TC: 00:24:51:22 - 00:32:00:02 (07:08)

Umfrage auf dem Alexanderplatz zum Tag der Deutschen Einheit; älterer Mann OT: "Mehr negativ/ Preise sind zu hoch/ Gehalt wird aber nicht angehoben."; Mann OT: "Mehr positiv.";

Frau OT: "Bei uns keine Probleme, haben beide Arbeit."; Mann OT zur Zukunft: "Wird schnell gehen, dass es besser wird/ Aufschwung ist da/ nicht für alle/ keine Probleme mit Ossi und Wessi."; Blumenverkäuferin OT: "Für mein Alter mehr negativ/ sozial gesehen/ kriege nicht den Vorruhestand/ kriege kein Altersübergangsgeld/ habe vorher besser gelebt."; Frau verkauft Blumen; Alexanderplatz, verschiedene Einstellungen; Mannschaftswagen der Polizei vor dem Hotel Stadt Berlin; Imbiss; Zoom auf Polizeiwagen auf dem Alexanderplatz;

TC: 00:23:11:24 - 00:40:29:00 (17:16)

Uwe Spatzek OH; Spatzek berichtet von seinem Werdegang; Spatzek OT: "Wurde 1987 als inoffizieller Mitarbeiter geworben/ Frage nach dem Motiv ist die schwerste, die es gibt/ wurde geworben über längeren Zeitraum/ hatte regelmäßige Kontakte mit einem Offizier des MfS/ Grundlage, dass ich Verpflichtungserklärung unterschrieben habe war, dass ein Vertrauen da war/ wurde auf Veranstaltungen geschickt, die ich für die Staatssicherheit einschätzte.";

Roland Weirich OT: "Nachrichtendienst an sich war bloß ein Anhängsel der Politik der Ideologie/ muss noch was sagen/ es wurde gesagt, dass Lumpen bei Geheimdiensten nicht eingestellt worden sind/ kann ich nicht zustimmen/ Geheimdienstarbeit..irgendwie werden immer Probleme von Menschen tangiert und Schwächen ausgenutzt, die ins Schlüpfrige abgleiten/ kann sich kein Geheimdienst ausschließen/ wenn ich an meine Tage im Ministerium der Staatssicherheit denke, was da für Lumpen mir tagtäglich über den Weg gelaufen sind..."; Freya Klier OH; Freya Klier OT: "...fände es gut, wenn sich mit der Frage Schuld/ Nichtschuld, ob verzeihen/ Verantwortung sich Menschen äußern dürften, die sehr lange im Knast gesessen haben oder Familienangehörige verloren haben/ habe Frage an Herrn Wittke/ habe Probleme mit ihnen/ ihre Sprache, da erschrecke ich/ hatte nicht das Gefühl, dass das bei ihnen was mit Menschen zu tun/ würde sie gerne mal fragen/ was verstehen sie unter links?";

Wittke OT: "Ich betrachte das aus der linken Bewegung kommende/ Ideen von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die in unserer Familie getragen wurden, die mich dann auch in die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) führten..."; Mann OH; Mann OT: "Möchte Herrn Wittke bitten durchzuhalten/ es geht kein Weg um die Wandlung herum/ es geht um die Sprache/ diese Klischees und Phrasen mit denen man etwas bezeichnen will/ Sprache ist Symbolik/ gerade die SED-Sprache ist so unmenschlich geworden/ muss doch jedem intelligenten Menschen auffallen...";

Rednertisch; Wittke nah; Aufzieher auf Rednertisch; Rainer Hildebrandt seitlich; Mann OT: "...erleben, dass Geschichte sich in diesem rasanten Tempo gewandelt hat/ Chance besteht, dass das Recht wieder aufgerichtet wird/ denke, wenn es um die Aufarbeitung der Vergangenheit geht, dann ist es nicht nur eine Sache, die separat die ehemalige DDR betrifft/ wie kommt es eigentlich, wir haben alle gemeinsam in diesem Land gelebt/ ich selber 40 Jahre lang/ wie kommen diese unterschiedlichen Wege zustande?/ wenn ich höre, dass sie 1987 noch als IM angeworben sind../ die Frage ist, haben wir das nicht gesehen, was in diesem Land läuft?/ wie ist das zustande gekommen, dass sie damals an der Sahneschüssel gesessen haben und das wurde entsprechend honoriert/ natürlich bin ich einerseits betroffen, wenn sie sagen, sie sind jetzt arbeitslos/ es muss so sein, dass alle die vorne gestanden haben zunächst ganz nach hinten zurücktreten/ sie die Chance haben, mit sich selbst ins Reine zu kommen/ keine Rache/ müssen beide Seiten reden lassen/ habe als Pfarrer in der DDR gearbeitet/ hatte große Spielwiese/ Spielwiese Kirche hatte aber auch ihre Grenzen/ seit 1983 lebe ich in Westberlin/ habe Menschen erlebt, deren Leben kaputt gespielt wurde/ der Weg für etliche, die in die Bundesrepublik übergesiedelt waren, es war nicht in jedem Fall der bessere Weg/ will nicht Zeigefinger auf sie richten/ frage mich selber, wo hätte ich deutlicher das Wort ergreifen müssen/ wo engagierter/ mit Phänomen Angst hat das System gearbeitet/ Frage ist, haben sie diese Menschen nicht gesehen?/ wenn sie von den Opfern der Vergangenheit (Nationalsozialismus) sprechen, haben sie nicht die Opfer gesehen, die wir selber in der DDR hervorgebracht haben?"; Mann berichtet von seinen Erfahrungen;

C1/2098:

Diskussion im Mauermuseum Checkpoint Charlie; Mann sagt seine Meinung; Mann OT: "..für mich ist es ein irres Erlebnis hier Menschen sitzen zu sehen, vor denen ich bis vor kurzem noch wahnsinnige Angst hatte/ finde es auch schön, weil ich damals gesagt habe, als hier die Grenzer saßen, die ihre Familien verlassen haben, wann werden endlich die Schweinehunde hier sitzen, die dieses zu verantworten haben/ fühlen sie sich nicht persönlich angesprochen, vielleicht doch ein bisschen/ habe das Gefühl, sie sind alle über das Eis gelaufen und plötzlich eingebrochen und waren plötzlich bei der Stasi/ als ob sie plötzlich überrascht worden wären/ sie waren doch gierig darauf Vorteile zu haben/ gierig auf die Stasi/ finde es sehr traurig, wenn sie sagen, was ich jetzt alles von den Schweinereien der Stasi erfahre/ halte sie für viel intelligenter als das sie jetzt erst davon erfahren.";

Publikum; Freya Klier OH; Klier OT: "Kenne auch Fälle, wo es so gewesen ist, dass Leute aufgrund ihrer Erziehung..da war es für sie etwas Folgerichtiges da hinzugehen/ haben nicht überschaut, was das eigentlich bedeutet/ vielleicht auch nicht richtig hingeschaut/ für mich besteht mehr die Frage, wenn jemand so einen Schritt getan hat, wo die Momente sind, hier stimmt was nicht/ nicht prinzipiell verurteilen, dass die Menschen da gelandet sind/ verschiedene Charakter/ schwerer Schritt, es sind ja auch Leute rausgegangen.";

Mann nah; Mann OT: "..war volljährig und ein selbständig denkender Mensch/ finde es ein Witz, die als kleine, hilflose Mauerschützen hinzustellen/ ich habe den Schießbefehl verweigert und bin von meinen Mitsoldaten als Verbrecher, als Schwein, als Feigling beschimpft worden/ nicht von Offizieren, sondern von Soldaten/ die waren gierig darauf, andere abzuschießen/ der Mann hier fühlt sich schon als Opfer, weil er arbeitslos ist/ ich wurde nicht eingestellt beim Zoll, bei der Polizei, bei der Stadtreinigung in Westberlin/ und jetzt werden die nicht eingestellt und sind erschüttert/ möchte wissen, wie Herr Hildebrandt bei einer Diskussion andersrum behandelt worden wäre/ wie menschlich fair er ist und wie die Leute ihnen da drüben behandelt hätten.";

Freya Klier OT: "...wehre mich gegen Rachegeschichten/ kenne viele Menschen aus der DDR, die hier sind, die zerrüttet sind/ sehe das Entsetzliche insgesamt/ denke, dass wir nicht so verfahren sollten, so das haben die mit uns gemacht, jetzt machen wir das mit denen/ da sollten wir ein Schritt weiter sein/ jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit.";

Wittke OT: "Bin in eine Zeit hinein geboren worden/ habe faschistischen Züge noch erlebt/ wenn der Krieg anders zu Ende gegangen wäre, dann wäre ich vermutlich unter der Motivation der damaligen Zeit ein strammer Hitlerjunge geworden.."; Schnittbilder von der Gesprächsrunde; Herr Wittke OT zur Mauer;

Wittke OT zur Frage, wie er es empfunden hat, dass Menschen an der Mauer getötet worden sind: "Gefahr war doch bekannt/ mit Konsequenz mussten sie doch rechnen/ für mich war das selbstmörderisches Unternehmen/ muss ein junger Mensch sein Leben opfern?/ bitter für mich/ für mich war die Frage, muss das der letzte Schritt sein?/ jungen Grenzsoldaten waren politisch noch nicht reif zu entscheiden, ob sie einen Schuss machen sollen...";

Wittke OT: "Mit dem Wissen von heute, habe ja jetzt die Bücher gelesen/ die Leute aus dem sowjetischen Lager haben sich ja jetzt erst zu Wort gemeldet/ mit dem Wissen von heute ist das natürlich leicht zu sagen/ wer hat uns damals gesagt, ich bin ein Opfer.";

Mann OT: "Frau Gueffroy ich möchte ihnen sagen, dass ich sie bewundere, dass sie die Kraft haben hierher zu kommen/ möchte ihnen meine Herren sagen, dass ich und viele andere hier stehen, weil ...dürfen Bedingungen nicht zulassen, dass sich das irgendwann in der Zukunft wiederholen kann/ habe Wunsch, dass die Herren, die auf der Gegenseite standen, endlich einsehen, dass der Verfassungsschutz und der Bundesnachrichtendienst war und ist eine Einrichtung der Bewahrung der Demokratie und sie standen auf der Seite von etwas ganz anderem...";

Schnittbilder von der Gesprächsrunde; Diskussion; Blick über Schulter in den Raum; Zuschauer; Blick über Rednertisch auf Zuschauer; Zuschauer/ Journalisten nah; Schachtschneider nah; Rednertisch/ Gesprächsrunde T; Gesprächsrunde Froschperspektive; Schachtschneider OT: "Letzter Dienstgrad Hauptmann/ habe mich auch nicht bei der Staatssicherheit beworben/ war bei der Abteilung 20/ musste dafür sorgen, dass möglichst wenige Ärzte und Krankenschwestern die DDR auf ungesetzliche Art und Weise verlassen/ sollte dafür sorgen, dass Ärzte, die Übersiedelungsantrag gestellt haben, davon Abstand nahmen/ Kontrolle solcher Personen..";

Karin Gueffroy OH; Gesprächsrunde Froschperspektive; Publikum; Karin Gueffroy im Gespräch mit Mann; Karin Gueffroy nah

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