Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Der geteilte Himmel

Eine Symbiose, die einmalig blieb: Die Dichterin Christa Wolf und der Regisseur Konrad Wolf schufen mit DER GETEILTE HIMMEL einen ästhetisch modernen und politisch mutigen Film. Enthalten ist DER GETEILTE HIMMEL auf der kürzlich bei ICESTORM auf DVD erschienenen umfangreichen Edition des filmischen Werks Konrad Wolfs.

Kurzinhalt

Filmplakat zu "Der geteilte Himmel"

DER GETEILTE HIMMEL

(R: Konrad Wolf, 1964) Grafiker: Alfred Hirschmeier

Rita Seidel (gespielt von Renate Blume) erholt sich in ihrem Elternhaus im Heimatdorf von einem Zusammenbruch und reflektiert die Geschehnisse der vergangenen Jahre. Sie verliebte sich in den 10 Jahre älteren Chemiker Manfred Herrfurth (Eberhard Esche), der sie förderte und mit ihr in die Stadt zog. Doch in der Beziehung entstanden Risse. Beide wurden unterschiedlich sozialisiert. Das bürgerliche Elternhaus mit autoritärem Vater konnte Manfred nicht akzeptieren. Auch bei der Arbeit bekam er Probleme. Rita fühlte sich indes bei einem Praktikum in einem Waggonbau-Betrieb sehr wohl und knüpfte Freundschaften. Als ein von Manfred entwickeltes chemisches Verfahren ohne Begründung abgelehnt wurde, traf er einen weitreichenden Entschluss und verließ die DDR...

 Hier finden Sie die kompletten Filmdaten.

Ein Stück Zeitgeschichte

Drei Jahre nach dem Mauerbau legte Konrad Wolf mit DER GETEILTE HIMMEL einen politischen Gegenwartsfilm über ein sich entzweiendes Liebespaar vor dem Hintergrund der beiden getrennten deutschen Staaten vor. Er erzählt von einer verunsicherten Generation in einer von großen politischen Konflikten geprägten Zeit. Nicht nur das Land, auch die jungen Leute sind innerlich zerrissen – für welches Deutschland sollen sie sich entscheiden? Die Handlung kommt dabei ohne Dogmatismus aus und bietet keine universellen Lösungen für die aufgeworfenen Probleme. Der Film steht – zusammen mit Filmen wie BESCHREIBUNG EINES SOMMERS und LOTS WEIB – in einer Reihe kritischer Filme, die in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre im DEFA-Spielfilmstudio entstanden. Bereits ein Jahr später - nach dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 - wurden Filmvorhaben dieser Art unvorstellbar."

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Eberhard Esche und Renate Blume in DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Eberhard Esche und Renate Blume in DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Ohne Mauer

Die Mauer, das zentrale Symbol des entzweiten Deutschlands, zeigt der Film nicht. Es sind Worte, die den Schmerz der Teilung und die Empfindungen der Menschen besonders verdeutlichen. Etwa wenn Rita beim Besuch in West-Berlin feststellt: „Es ist schlimmer als im Ausland, weil man die eigene Sprache hört…“. Gedreht wurde DER GETEILTE HIMMEL ausschließlich in der DDR. Gegenstände, Symbole und Plakate geben dem „Westen“ in wenigen Szenen ein Gesicht. Hervorstechender Drehort war das industriell geprägte Halle (Saale).

3x Wolf: Christa, Gerhard und Konrad

DER GETEILTE HIMMEL entstand nach Christa Wolfs gleichnamiger Romanvorlage. Das Buch ist ein Produkt des von Walter Ulbricht 1959 ausgerufenen „Bitterfelder Wegs“, der eine Annährung von Kunst und Arbeiterklasse forderte. In DER GETEILTE HIMMEL lässt Christa Wolf Erkenntnisse aus einem Praktikum einfließen, die sie in einem VEB für Waggonbau sammelte. Bereits der Roman war nach seinem Erscheinen äußerst umstritten. Für die Konzeption des Drehbuchs kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Autorenpaar Christa und Gerhard Wolf und dem Regisseur Konrad Wolf. Der Roman wurde für den Film deutlich modifiziert. Eine Reihe von Personen aus dem Buch taucht im Film nicht mehr auf; andere Personen kommen neu hinzu. Angesprochen auf den Arbeitsprozess für das Drehbuch erinnerte sich Christa Wolf: „... daß man mich gezwungen hat, immer näher an meine Intention heranzukommen und noch genauer und deutlicher zu sagen, was ich denn nun wirklich wollte (...) Das galt für sämtliche Motive in einer Verästelung, die mich zwang, den Stoff noch einmal wie einen völlig neuen Stoff zu denken.“

Anlässlich des 10. Todestags von Christa Wolf ist nun auch der Dokumentarfilm ZEITSCHLEIFEN – IM DIALOG MIT CHRISTA WOLF mit mehrsprachigen Untertiteln verfügbar.

 

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Konrad Wolf im Gespräch mit Renate Blume während der Dreharbeiten zu DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Dreharbeiten zu DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Kamera: Werner Bergmann

Zum Gelingen des Films trägt auch die Kameraarbeit von Werner Bergmann bei. Der in Totalvision gedrehte GETEILTE HIMMEL besticht durch seine expressionistische Bildsprache mit ungewöhnlichen Kameraeinfällen. Seine Arbeit stellte Bergmann bei jedem Filmprojekt zuallererst in den Dienst der Geschichte, die die Aufgaben der Kamera vorgebe, „Ich akzeptiere den Regisseur als Beauftragten der Geschichte, und ich geniere mich überhaupt nicht, von dorther meinen Auftrag zu empfangen. Dieser Auftrag regt mich überhaupt erst an, schöpferisch zu werden.“ Mit Konrad Wolf verband Bergmann eine enge, langjährige Arbeitsgemeinschaft: Bei 12 der 14 Spielfilme, die Konrad Wolf bei der DEFA realisierte, führte Bergmann die Kamera. Zeitungsartikel über Werner Bergmann tragen über Jahrzehnte würdigende Überschriften wie „Ein Künstler hinter der Kamera“ (Neue Zeit, 16.7.1959), „Meister der Kamera, der Bilder und der Szenen“ (ND, 14.1.1981) oder „Ein Meister des Lichts“ (Neue Zeit, 7.11.1990).

Original-Kinotrailer zu DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964)

Der erste Film für Renate Blume

Renate Blume war im ersten Studienjahr an der Schauspielschule, als sie die Rolle der Rita erhielt. Durch einen Zufall wurde Konrad Wolf auf die angehende Schauspielerin aufmerksam. Nach dem Abitur arbeitete Blume als Hilfskraft in der Dresdner Galerie. Dort wurde sie von Sibylle Bergmann neben dem Ölgemälde „Porträt einer alten Frau“ von Anton Graff fotografiert. Jenes Bild fand den Weg in die beliebte DDR-Modezeitschrift „Sibylle“. Die betreffende Ausgabe durchblätterte Wolfs damalige Ehefrau Christel Bodenstein, als dieser nach einer passenden Besetzung für die Rita suchte. „So könnte Rita aussehen“ soll Christel Bodenstein zu ihrem Mann gesagt haben, als sie das Foto sah. Wolf machte Blume daraufhin ausfindig und besetzte sie nach den Probeaufnahmen. Für Renate Blume war es der Auftakt einer erfolgreichen schauspielerischen Laufbahn in Kino, Fernsehen und Theater. Bei der DEFA blieb sie unter anderem in der Rolle der Leona an der Seite von Gojko Mitić in ULZANA in Erinnerung.

Eine wichtige Nebenrolle: Rolf Meternagel

Der degradierte Arbeiter Rolf Meternagel wird für die unsichere Rita zum wichtigen Ratgeber und einer Vaterfigur. Hans Hardt-Hardtloff, der vielfach proletarische Persönlichkeiten bei der DEFA spielte, füllte die Rolle mit Leben und beurteilte seine Darstellung in DER GETEILTE HIMMEL rückblickend als seine wichtigste. Zur Vorbereitung lebte Hardt-Hardtloff mehrere Wochen mit Arbeitern des VEB Waggonbau Ammendorf zusammen. Der Progress-Pressedienst sprach „von einer der schönsten Rollen, die wir seit langem im DEFA-Film sahen.“

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Renate Blume in DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Hans Hardt-Hardtloff in DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Echo

Filmstill zu "Der geteilte Himmel"

Eberhard Esche

in DER GETEILTE HIMMEL (R: Konrad Wolf, 1964) Fotograf: Werner Bergmann

Konrad Wolfs achter DEFA-Spielfilm wurde nach seinem Erscheinen kontrovers diskutiert. Die Uraufführung erfolgte im Juli 1964 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Karlovy Vary. DER GETEILTE HIMMEL blieb dort jedoch ohne Auszeichnung. In der DDR erhielt die Produktion im Sommer 1964 das Prädikat „besonders wertvoll“. Nach dem Manfred-Krug-Abenteuerfilm MIR NACH, CANAILLEN! wurde DER GETEILTE HIMMEL der erfolgreichste DEFA-Film des Jahrgangs – ein mehr als beachtliches Ergebnis. 1970 wird die Zulassung des Films in der DDR nicht verlängert, da er „die Republikflucht-Problematik unnötig hochspielen“ würde. Erst ab 1978 kann der Film wieder in der DDR eingesetzt werden. Anlass für die erste Wiederaufführung war eine Retrospektive „30 Filmgeschichten zum 30.“ des PROGRESS Film-Verleihs zum 30. Gründungstag der DDR.

verfasst von Philip Zengel. (November 2021)

Konrad Wolf: DEFA-Filme 1955-1980

14-teilige Konrad-Wolf-Edition mit zahlreichen Bonusmaterialien und einem Booklet mit Texten von Detlef Kannapin und Regine Sylvester.

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