Filmstill zu "Das zweite Gleis"

Videoarchive

Der Filmbestand der DEFA-Stiftung wird um Produktionen mehrerer Archive ergänzt, deren audiovisuelle Zeitzeugnisse weitere Einblicke in die DDR und die Wendezeit gewähren. Die Bestände werden durch ICESTORM (DVD, TV und online), PROGRESS (Ausschnitte) und die Stiftung Deutsche Kinemathek (Kinoverleih) ausgewertet.

Bill-Meyers-Archiv

Der US-Amerikaner William „Bill“ Meyers (1940-2005) war Germanist, Ethnologe und Deutschlehrer. Mitte der 1970er-Jahre nahm er an einem Lehreraustausch in Ostberlin teil und entwickelte die Idee, das Alltagsleben in der DDR in einem Videoprojekt zu dokumentieren. Ziel war es, diese Dokumentationen als Lehrmaterial in Schulen einzusetzen, um die in den USA vorhandenen Vorurteile gegenüber der DDR abzubauen. 1986 bis 1989 bereiste Meyers die DDR mit der Erlaubnis, Interviews sowie Alltagsgespräche mit Bürgerinnen und Bürgern zu führen. Neben Unterhaltungen mit Arbeiterfamilien führte er auch Gespräche mit Kunst- und Kulturschaffenden. Zwischenzeitlich kehrte Bill Meyers immer wieder in die USA zurück, um die Interviews an Schulen zu zeigen.

Von 1991 bis 1999 besuchte Meyers seine ehemaligen Interviewpartner im wiedervereinten Deutschland. Er lebte im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und interviewte dort Einheimische und Persönlichkeiten wie Daniela Dahn, Joochen Laabs, Jan Faktor, Detlef Opitz, Kurt Mühle und Sascha Anderson. Seine Videos führte er in dieser Zeit im kleinen Kreis im „Kaffee Burger“ vor, wo er mit verschiedenen Leuten aus der Kunstszene des Prenzlauer Bergs verkehrte. Später wurden seine Filme im Kunst- und Kulturzentrum „Brotfabrik“ in Berlin-Weißensee vorgestellt.

Insgesamt führte Bill Meyers 57 unterschiedliche Gespräche, die zwischen 30 und 60 Minuten lang sind. Er filmte verschiedene Aspekte des DDR-Alltags: Familien, Passanten, Offizielle, Intellektuelle, er drehte in Zoos, Museen, Sportvereinen und Gedenkstätten. Die spontan geführten Interviews besitzen eine bemerkenswerte Authentizität. Es entstand ein kleines wertvolles Archiv der DDR-Alltagskultur.

Die DEFA-Stiftung erwarb 2010 Meyers Nachlass. Die ungeschnittenen Materialien wurden gesichert und in den Rechtebestand der DEFA-Stiftung übernommen.

Blickpunkt-Archiv

Die 1990 gegründete Firma TI:ME:CO:DE ist spezialisiert auf Features, Dokumentationen und Reportagen, die über diverse TV-Anstalten ausgestrahlt werden. TI:ME:CO:DE Berlin hat bis 2005 die Sendung „Blickpunkt – Berichte aus den neuen Bundesländern“ für das ZDF realisiert. Das Archiv umfasst Beiträge auf elf Sendebändern sowie dazugehöriges Rohmaterial auf über 750 Betacam SP und Digital-Betacam-Kassetten.

Das ZDF strahte die „Blickpunkt“-Sendung alle vier Wochen in einer Länge von 30 Minuten aus. Die rund 200 Beiträge haben eine Länge von jeweils drei bis fünf Minuten. Inhaltliche Schwerpunkte liegen in der Betrachtung der sogenannten „Neuen Bundesländer“ und eines zusammenwachsenden Deutschlands nach der Wende. Die Beiträge beschäftigen sich mit den Problemen der früheren Bürgerinnen und Bürger der DDR. Sie berichten von alltäglichen und nicht immer einfachen Lebensumständen, von beruflichen und privaten Veränderungen sowie den emotionalen Wirkungen und Reaktionen auf neue Strukturen im Bildungs- und Kulturbereich in einer sich wandelnden Gesellschaft. Schonungslos und ehrlich werden Problembereiche aufgezeigt, die hauptsächlich auf eine Perspektivlosigkeit von Menschen aller Altersklassen verweisen, die in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihr Leben gestalten.

Das Archiv der TI:ME:CO:DE Berlin wurde Anfang 2010 von der DEFA-Stiftung erworben.

Cintec-Archiv

Der Cintec-Bestand dokumentiert auf rund 5.200 Kassetten mit circa 2.200 Stunden Filmmaterial das Ende der DDR und das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten von 1985 bis 2004. Die Cintec Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft GmbH produzierte für öffentlich-rechtliche Sendeanstalten Dokumentationen, Nachrichten- und Magazinbeiträge zur Politik, Kultur und dem Alltag der DDR. Dabei entstanden viele Stunden Rohmaterial, die neben den politischen Ereignissen um 1989 auch den Alltag beider zusammenwachsender Staaten dokumentieren. Das Archiv umfasst Aufzeichnungen zum Fall und Abriss der Mauer, zur Währungsunion, zu Prozessen gegen DDR-Politiker und zahlreiche Zeitzeugengespräche.

Die Cintec Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft wurde bereits 1973 von dem englischen Journalisten und Kameramann George Peter Boultwood und dem Tontechniker Gerhard Biroth in Berlin (West) gegründet. Sie wollten an der Nahtstelle zwischen Ost und West Themen von politischer, kultureller und sozialer Brisanz journalistisch festhalten.

Cintec Kamerateams drehten Filmprojekte für westdeutsche und ausländische Sendeanstalten. Viele Produktionen - so zum Beispiel die für den WDR produzierte Sendereihe „Alltag Ost“ - entstanden damals in enger Zusammenarbeit mit Kollegen aus der DDR. Ab 1988 produzierte Cintec vermehrt aktuelle Nachrichten- und Magazinbeiträge, die an Sendeanstalten verkauft wurden. Bis 1994 entstanden in diesem Produktionsbereich etwa 3.500 Kamerakassetten, die neben den großen politischen Ereignissen den Alltag eines Landes in seiner historisch einmaligen Situation dokumentieren.

Im Frühjahr 1990 gründeten Peter Boultwood und Mathias Remmert, ehemals bei der DEFA beschäftigt, eine Cintec Dependance in Berlin Mitte. Die Geschäftsführung übernahm Mathias Remmert, ab 2002 Annette Metzger. Nach dem Ausscheiden von Peter Boultwood beteiligte sich die Tellux GmbH am Unternehmen. Neben einigen Langzeitproduktionen, die baubegleitend die Etablierung politischer und kultureller Instanzen in Berlin dokumentieren, produzierte Cintec Dokumentationen, Feature und Reportagen aus den Bereichen Politik, Zeitgeschehen und Kultur. Im Juli 2005 stellte Cintec ihren operativen Betrieb ein und übereignete der DEFA-Stiftung ihren Filmbestand.

Wydoks-Archiv

Anfang 2009 erwarb die DEFA-Stiftung den filmischen Nachlass des Vereins Wydoks e. V. und seines ehemaligen, im Jahr 2000 verstorbenen Vorsitzenden Alexander „Aljoscha“ Rompe zur Auswertung. Rompe war Sänger der von ihm 1983 gegründeten Ost-Berliner Punkband „Feeling B.“. Die ehemaligen Mitglieder Christian „Flake“  Lorenz, Paul Landers sowie Christoph Schneider machen heute in der Band „Rammstein“ Karriere. Rompe gründete 1990 den Verein und besetzte ein leerstehendes Gebäude in der Schönhauser Allee 5. Dort entstand eine Kulturstätte für Konzerte und kreatives Schaffen.

Das Archiv umfasst circa 100 Stunden Material. Es handelt sich um einen einmaligen Bestand aus der Nachwendezeit. Von besonderem Interesse sind Materialien zu Demonstrationen (u.a. Mainzer Straße) sowie Konzertmitschnitte und Interviews der Band „Feeling B.“.

Zeitzeugen-Archiv Thomas Grimm bei der DEFA-Stiftung

Das in über 15 Jahren von Thomas Grimm geschaffene Zeitzeugen-Archiv versteht sich als audiovisuelle Quelle autobiografischen Erinnerns. Auf über 3.500 Kassetten mit rund 1.700 Beiträgen geben weit über 1.000 Personen Auskunft. Durch diese Selbstzeugnisse gewinnt der Zuschauer eindrucksvolle zeithistorische Einblicke zur neueren deutschen Geschichte. Auch „einfache Zeitzeugen“, die aus dem eigenen Erleben die Entwicklung ihrer Zeit anschaulich schildern, kommen zu Wort. Bildarchive und Sachdokumente vervollständigen die wertvolle Sammlung.

Thomas Grimm begann 1987 Interviews auf Video- und Filmmaterial aufzuzeichnen. Erste Gespräche führte er mit Persönlichkeiten wie Walter Markov, Jürgen Kuczynski, Freia Eisner und Hans Mayer, die aus ihren Jahrhundertbiografien erzählen. Später kamen vor allem Personen zu Wort, die auf herausragende politische, wissenschaftliche oder künstlerische Ereignisse zurückblicken konnten.

Die DEFA-Stiftung hat im Sommer 2004 Teile des Produktionsarchivs der Firma Zeitzeugen TV erworben und als Zeitzeugen-Archiv Thomas Grimm in den Rechtebestand der DEFA-Stiftung übernommen. In einer Zeit, wo die Gesellschaft mit immer fragmentarischeren audiovisuellen Produkten überhäuft wird, hat sich Zeitzeugen TV dem individuellen Lebenslauf als ganzes gewidmet. Unter dem Motto „Erinnerungen als Verantwortung“ leisten die Interviews einen nachhaltigen Beitrag zum Verständnis von Geschichte.

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