Zeitzeugengespräch: Thomas Heise
130 Min., Dokumentarfilm
Deutschland
à jour Film- und Fernsehproduktion GmbH, 2005
- Sonstiger Titel
- Thomas Heise. Autor, Regisseur
Kurzinhalt (Deutsch)
In dem am 28.01.2005 in Berlin entstandenen Zeitzeugengespräch mit Thomas Heise, geführt von Ralf Schenk, berichtet Heise über Prägungen während seiner Kindheit und Lehrausbildung. Eine erste Zusammenarbeit mit Heiner Carow als Regieassistent bringt ihn 1978 an die Hochschule für Film und Fernsehen. Er schildert das dortige Klima, seine Intentionen in ersten dokumentarischen Übungsfilmen und wachsende Schwierigkeiten bis zur freiwilligen Exmatrikulation 1983. Er erläutert Werdegang und Filmprojekte als freiberuflicher Regisseur und Autor für Fernsehen und Rundfunk. Seine kritische Haltung sorgt für wiederholte Behinderungen seiner Arbeit, aber auch für immer neue Betätigungsfelder. Als Meisterschüler von Gerhard Scheumann arbeitet er schließlich an der Akademie der Künste. Abschließend äußert sich Thomas Heise zur Zeit der Wende, erläutert seinen Blick auf die DDR und das Leben im Visier der Staatssicherheit.
(2005)
(2005)
Filmstab
- Interview
-
- Ralf Schenk
- Person, primär
-
- Thomas Heise
- Person, sekundär
-
- Petra Tschörtner
- Wolfgang Heise
- Heiner Carow
- Bernd Burkhardt
- Hans-Ullrich Michel
- Peter Brasch
- Ernst Busch
- Theo Pinkus
- Rudolf Bahro
- Rosita Hunzinger
- Florian Havemann
- Helmut Nitzschke
- Gert Golde
- Volkmar Leweck
- Jürgen Kussatz
- Gerhard Respondek
- Juli Raisman
- Evelyn Carow
- Jörg Andrees
- Jürgen Brauer
- Katrin Sass
- Martin Seifert
- Horst Dau
- Ursula Schmenger
- Angelica Domröse
- Gertraude Acker-Thies
- Heiner Müller
- Regine Kühn
- Karl-Heinz Bohm
- Dagmar Mundt
- Andreas Bergmann
- Helke Misselwitz
- Herwig Kipping
- Peter Hoff
- Thomas Mann
- Richard Cohn-Vossen
- Peter Ulbrich
- Dieter Schumann
- Peter Badel
- Hans Wintgen
- Manfred Hildebrandt
- Franz Jahrow
- Lothar Bisky
- Hans Dieter Mäde
- Erika Richter
- Klaus Herde
- Erich Honecker
- Wolfgang Klaue
- Peter Glaß
- Thomas Grimm
- Friedrich Dickel
- Gisela Tammert
- Thomas Harlan
- Arila Siegert
- Michail Gorbatschow
- Ronald Wilson Reagan
- Erwin Geschonneck
- Klaus Höpcke
- Gerhard Stampfer
- Ginka Tscholakowa
- Gerhard Scheumann
- Peter Gugisch
- Kurt Hager
- Winfried Junge
- Werner Mittenzwei
- Joachim Walther
Langinhalt
Teil 1
0:00:00 Thomas Heise. Autor, Regisseur. (Zwischentitel)
0:00:02 Geboren am 27.08.1955 in Berlin. Sohn des Philosophen und Kunsttheoretikers Wolfgang Heise. Studium an der HHF Potsdam-Babelsberg. Danach freischaffender Autor und Regisseur. (Zwischentitel)
0:00:13 Erste Prägungen. (Zwischentitel)
0:00:17 Kulturelle Prägung während der Kindheit in Hessenwinkel (Berlin).
0:02:41 Freier Zugang zur Bibliothek der Eltern. Zugang zu westlicher Literatur durch einen Großvater in West-Berlin.
0:03:43 Unter anderem auch die Vorarbeiten zu "Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus" von Rudolf Bahro.
0:04:23 Sozialstruktur von Hessenwinkel (Berlin).
0:05:35 Schulzeit.
0:06:07 Keine Zulassung zur Erweiterten Oberschule (EOS).
0:06:35 Einfluss des Vaters in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
0:07:02 Freunde während der Kindheit waren u. a. Florian Havemann (Schriftsteller), der später nach der Niederschlagung des "Prager Frühling" verhaftet wurde.
0:08:02 Mögliche Gründe für eine Ausreise nach Westdeutschland.
0:08:22 Gescheiterte Ausreiseversuch über die rumänische Grenze.
0:08:55 Kontakt zu Fluchthelfergruppe in Westdeutschland.
0:09:17 Wege zum Film. (Zwischentitel)
0:09:21 Erster Umgang mit einer Super 8 Kamera bei Umzügen der Freien Deutschen Jugend (FDJ).
0:10:25 Der Berufswunsch kam über den Beruf des Großvaters (dieser war Drucker in Dresden). Die Ausbildung begann bei der Berliner Druckerei und der Betriebsberufsschule (BBS) "Rudi Arndt".
0:11:39 Nach Abschluss der 2-jährigen Druckerlehre entschied er sich gegen eine weitere Beschäftigung.
0:12:41 Über Helmut Nitzschke (Regisseur) schrieb Heise einen Brief an Gert Golde (damals Generaldirektor der Deutschen Film AG (DEFA)).
0:13:12 Die ersten Tätigkeiten bestanden aus: Telefondienst und Organisationsarbeit für den Film "Das Mädchen Malle" (1974).
0:14:03 Arbeit als Regieassistent: bei Juli Raisman und Heiner Carow. (Zwischentitel)
0:14:07 Bei dem Film "Eine sonderbare Frau" (1978) arbeitete er kurz und oberflächlich mit Juli Raisman (Regisseur) zusammen.
0:14:52 Heises Wunsch, das Abitur an der Abendschule nachzuholen, wurde abgelehnt, da Regieassistenten benötigt wurden und keine Regisseure. Dies führte zu einem Streit und Heises Kündigung.
0:15:44 Recherchearbeiten für "Bis dass der Tod euch scheidet" (1978).
0:16:11 Arbeit mit Heiner Carow (Regisseur) und deren Beziehung.
0:18:04 Unterstützung durch Carow als Mentor bei der Bewerbung an der Hochschule für Funk und Fernsehen (HFF) in Babelsberg (Potsdam).
0:18:53 Bewerbungsfilm für die HFF.
0:19:41 Theaterbesuche mit Carow um neue Schauspieler zu finden (unter anderem Kathrin Sass und Martin Seifert).
0:20:20 Mögliche Bisexualität von Heiner Carow.
0:21:04 November 1976: die Ausbürgerung Wolf Biermanns. (Zwischentitel)
0:21:07 Privater Protest zur Ausbürgerung Wolf Biermanns (Musiker).
0:22:47 Reaktion in der DEFA auf die Ausbürgerung.
0:23:09 Arbeit an einem Film für den russischen Botschafter zur Zeit der Ausbürgerung Biermanns.
0:24:02 Besetzungspolitik der DEFA zur Zeit der Ausbürgerung, durch Gertraude Acker-Thies (Leiterin des Besetzungsbüros der DEFA).
0:25:10 Protestaktion im Beisein eines IM.
0:25:59 Vom Spielfilm zum Dokumentarfilm. (Zwischentitel)
0:26:01 Interesse am Dokumentarfilm und die Arbeit als Regieassistent zu dokumentarischen Themen.
0:27:53 An der Filmhochschule. (Zwischentitel)
0:27:55 Qualität der Lehre an der HFF.
0:29:12 Arbeit an Theateraufführungen als Hospitant an der Volksbühne (Berlin). Unter anderem an "Der Auftrag" von Heiner Müller (Dramatiker)
0:29:41 Versuch der Inszenierung von Heiner Müllers "Leben Gundlings" mit einer Schulkasse endete mit einem Hausverbot an der HFF.
0:31:04 Gründe für das Hausverbot und die Nichtaufführung des Stücks.
0:32:05 Die ersten Filme: "Imbiss" (1978) und andere. (Zwischentitel)
0:32:59 Arbeit an einem ersten studentischen Filmprojekt am Alexanderplatz (Berlin) mit Dagmar Mundt (Kamera).
0:35:26 Arbeit an einer Umfrageübung an der Filmhochschule mit Andreas Bergmann (Kameramann), erster Dreh mit 16mm Film (1979/1980).
0:37:08 Studienzeit mit Petra Tschörtner (Regisseurin) und die Reaktionen von Kommilitonen auf Zensur.
0:37:52 Studienzeit mit Hans-Ullrich Michel (Regisseur).
0:38:30 War die HFF ein "Rotes Kloster"? (Zwischentitel)
0:38:33 Umgang mit politischen Unterrichtsinhalten.
0:39:09 Unterricht bei Peter Hoff (Dozent) an der HFF.
0:39:29 Wehrpolitische Ausbildung während des Studiums.
0:40:01 Gründe für die Ausübung des 1,5-jährigen Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee (NVA) mit 18 Jahren in Peenemünde bei den Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee (LSK)
0:43:27 1980 "Wozu denn über diese Leute einen Film?" (Zwischentitel)
0:44:01 Hintergrund war der Diebstahl des Motorrads eines Bekannten. Dieser wollte die Diebe zur Rede stellen.
0:46:03 Besprechung des fertigen Materials mit Heiner Carow.
0:46:44 Rezeption des Films an der HFF.
0:48:08 Nach der Aufführung an der HFF wurde der Film in der DDR nicht mehr gezeigt.
0:49:32 Vorführung des Films bei Gewerkschaftsveranstaltung in der Akademie der Künste (AdK).
0:51:05 Verhinderte Filme. (Zwischentitel)
0:51:08 Als Abschlussfilm war eine Dokumentation über Jugendliche in Eisenhüttenstadt geplant.
0:52:12 Vorbereitung zu den Dreharbeiten unter Aufsicht von offiziellen Betreuern der HFF.
0:53:20 Einfluss von Lothar Bisky auf die Freigabe des Szenariums.
0:55:15 Einflussnahme von Heiner Carow auf die Dreherlaubnis.
0:55:24 Bereits am ersten Drehtag der Dreharbeiten wurde ihm mitgeteilt, dass keine Drehgenehmigung vorliege. Daraufhin wurde der Dreh abgebrochen.
0:55:46 Als Reaktion zog sich Heise zurück.
0:56:18 Gespräch mit Hans Dieter Mäde (Generaldirektor der DEFA). Dieses Gespräch wurde jedoch von der Staatssicherheit (Stasi) angeregt. Ziel war es Heise die Möglichkeit zu geben, durch weitere Filme, seine Staatstreue zu zeigen
1:00:49 Ein Film zum 25-jährigen Bestehen einer Pionierorganisation scheiterte ebenfalls.
1:02:05 Später verweigerte Heise die weitere Arbeit an dem Film.
1:02:38 Ende Teil 1.
Teil 2
0:00:00 Ein Planerfüllungsfilm "Erfinder 82". (Zwischentitel)
0:00:03 Idee war eine Verfilmung einer Broschüre über die Neuerer-Bewegung. Dieser Film wurde später vernichtet.
0:01:03 Im Film spielten mehrere Neuerer mit und stellten ihre Verbesserungen vor.
0:04:15 Dreharbeiten bei den Maidemonstrationen.
0:04:57 Erste Arbeiten mit Videomaterial.
0:07:52 Rohschnittabnahme des Films.
0:08:22 Kaum Einbindung in das Spielfilm- oder Dokumentarfilmstudio der DEFA.
0:09:11 Ultimatum von Bernd Burkhardt zur Änderung des Films. Ansonsten drohte ein vorzeitiges Ende des Studiums.
0:09:59 Um dem zuvorzukommen stellte Heise selbst einen Antrag auf Exmatrikulation.
0:10:15 Eine Zwangsexmatrikulation wäre negativ in Heises Kaderakte aufgefallen.
0:10:57 Emotionale Reaktion auf das vorzeitige Ende des Studiums.
0:11:35 1983/84 Auf der Suche. (Zwischentitel)
0:11:37 Erste Arbeiten für den Rundfunk der DDR.
0:12:38 Trotz den negativen Punkten in seiner Kaderakte, war ihm die weitere Arbeit in den staatlichen Medien möglich, da Akten nur langsam aktualisiert und weitergereicht wurden.
0:13:15 Arbeit an dem Radiohörspiel "VORNAME JONAS" (1983).
0:14:09 Das Radiohörspiel "SCHWEIGENDES DORF" (1985) war eigentlich als Abschlussfilm an der HFF geplant.
0:15:25 Spätere Anstellungsschwierigkeiten bei der Akademie der Künste (AdK).
0:16:29 1984/85 "Das Haus". "Volkspolizei 85". (Zwischentitel)
0:16:32 Vorstellung bei der staatlichen Filmdokumentation (SFD) bei Peter Glaß.
0:17:07 Konzept hinter der Gründung der staatlichen Filmdokumentation.
0:17:53 Technische Aufnahmebedingungen bei der SFD.
0:18:16 Drehgenehmigungen in sensiblen Bereichen.
0:19:47 Verhältnis der Bevölkerung zu den Medien.
0:20:15 Hintergründe zu den Dreharbeiten zu "Volkspolizei 85".
0:21:14 Zusammenarbeit mit Gisela Tammert (Schnittmeisterin).
0:22:30 Anschließen der Mikrofone zur (verdeckten) Aufnahme im Revier der Volkspolizei (VP) in der Brunnenstraße (Berlin).
0:23:24 Keine Abnahme des Films durch die Pressestelle des Ministeriums des Inneren (MdI).
0:24:45 Nach der Abnahme im staatlichen Filmarchiv "verschwanden" die Filme.
0:26:35 Arbeit mit Thomas Harlan. (Zwischentitel)
0:26:38 Arbeit an Drehbüchern für Thomas Harlan (Regisseur).
0:27:46 Gemeinsame Dreharbeiten in Ungarn über eine Künstleragentur.
0:28:24 Status: Freiberufler. (Zwischentitel)
0:28:27 Beschäftigung zwischen der Exmatrikulation von der HFF und der Arbeit bei der staatlichen Filmdokumentation.
0:29:03 Arbeit als Roadie mit „Freygang“.
0:29:55 Beschäftigung für die Akademie der Künste (AdK).
0:31:29 Arbeit an "Schweigendes Dorf".
0:31:51 Mögliche Verarbeitung von altem Rohmaterial aus den 1980er Jahren zu einem neuen Film.
0:33:03 Material DDR / Material Welt. (Zwischentitel)
0:33:07 Einfluss der DDR-Geschichte auf seine aktuellen filmischen Arbeiten.
0:34:27 Einbringen von aktuellen Nachrichten in Filme.
0:35:45 Verarbeitung der DDR als Trauma?
0:36:40 Dreharbeiten in Westdeutschland zu "Schweigendes Dorf".
0:37:10 Möglichkeit des Bleibens in Westdeutschland und Arbeit mit Bernhard Stampfer (damals Filmproduzent).
0:38:24 Heiner Müller. (Zwischentitel)
0:38:27 Erste Bekanntschaft mit Heiner Müller 1969 über die Eltern.
0:39:55 Umgang mit Heiner Müller als Jugendlicher.
0:40:28 Heiner Müller als Künstler.
0:42:18 Gerhard Scheumann. (Zwischentitel)
0:42:21 Vertrauensverhältnis zu Gerhard Scheumann.
0:43:27 Unterstützung durch Scheumann, während Heises Zeit als Meisterschüler.
0:44:39 Unterstützung bei der Ausstrahlung von "Vorname Jonas".
0:45:40 Hintergründe der Ausstrahlung durch die Akademie der Künste.
0:46:23 Ankauf der Produktion durch den Rundfunk der DDR nach der Ausstrahlung.
0:47:00 Ein Feature mit Erwin Geschonneck. (Zwischentitel)
0:47:03 Hintergründe der Probleme bei der Ausstrahlung des Radio Features.
0:48:20 Aufnahmearbeiten in Heises Wohnung.
0:51:03 1989/90 "Imbiss Spezial", das Ende der DEFA und der DDR. (Zwischentitel)
0:51:06 Hintergründe zum Entstehen des Films.
0:53:22 Verhältnis zur Deutschen Film AG (DEFA).
0:54:13 Einfluss der Auflösungserscheinungen der DDR auf die DEFA.
0:56:14 Beteiligung an Gesprächen über die Zukunft der DEFA zum Ende der DDR.
0:56:42 Aufarbeitung der Geschichte der DEFA und der Filmmedien in der DDR.
0:59:12 Die Stasi und ich (Zwischentitel)
0:59:15 Gefühl der Bedrohung durch die Staatssicherheit (Stasi).
1:00:22 Anwerbungsversuch durch die Staatssicherheit (1987).
1:01:09 Die freieste Zeit meines Lebens. (Zwischentitel)
1:01:12 Gefühle in Verbindung mit dem Untergang der DDR.
1:03:50 Einstellung zur Bundesrepublik Deutschland (BRD).
1:05:06 Das Gespräch fand am 28.01.2005 in Berlin statt. (Zwischentitel)
1:05:08 Ende Teil 2.