Filmstill zu "Sabine Wulff"

Sabine Wulff

Der DEFA-Jugendfilm SABINE WULFF (1978) wurde im vergangenen Jahr durch die DEFA-Stiftung digital restauriert und erscheint nun auf erstmals auf DVD. Der Film kann Anfang Mai auch online über das FILMKUNSTFEST MV gestreamt werden.

Kurzinhalt

Filmplakat zu "Sabine Wulff"

SABINE WULFF

(R: Erwin Stranka, 1978) Grafiker: Hans-Eberhard Ernst

Sabine Wulff (gespielt von Karin Düwel), die von ihrem Freund zum Zigarettendiebstahl angestiftet wurde, wird 18-jährig aus dem Jugendwerkhof entlassen. Zu ihren Eltern möchte sie nicht zurück. Sie sucht sich eine Wohnung und nimmt eine Arbeit in der Schuhfabrik auf. Ihren Freund Jimmy (Manfred Ernst) liebt sie noch immer. Der Film fragt nach den Schwierigkeiten bei der Eingliederung einer jungen Frau in die DDR-Gesellschaft nach einem 18-monatigen Aufenthalt in einem Jugendwerkhof: Wie verhalten sich Mitmenschen ihr gegenüber? Erleichtern sie ihr den Neustart oder erschweren sie ihn? Wie verhält sich das Mädchen selbst? Mit welchen Vorurteilen sieht sie sich konfrontiert?

 Hier finden Sie die kompletten Filmdaten.

Hintergrund

Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 5. September und 8. Dezember 1977 statt. Gedreht wurde u. a. in Burg bei Magdeburg – im dortigen Jugendwerkhof „August Bebel“ und in der VEB Schuhfabrik „Roter Stern“. Weitere Aufnahmen entstanden in Berlin, Potsdam und Nauen. Premiere feierte die Produktion am 9. November 1978 im Berliner Kino Kosmos.

Filmstill zu "Sabine Wulff"

Karin Düwel als SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978) Fotograf: Dieter Jaeger

Filmstill zu "Sabine Wulff"

Jürgen Heinrich und Karin Düwel in SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978) Fotograf: Dieter Jaeger

Literaturverfilmung

SABINE WULFF entstand nach dem Roman „Gesucht wird die freundliche Welt“ des Schriftstellers Heinz Kruschel. Das Buch stieß nach seinem Erscheinen 1976 – insbesondere bei jungen Lesern – auf großes Interesse. In kurzer Zeit war die erste Auflage vergriffen. Der Erfolg des Buches ermunterte die DEFA zu einer Verfilmung. Für die Realisierung des Filmprojekts zeichnete Erwin Stranka (1935–2014) verantwortlich, der wie bei fast allen seinen Filmen auch das Drehbuch verfasste. Der Titel von Kruschels Roman war zunächst auch als Filmtitel vorgesehen. Eine Straßenbefragung brachte jedoch das Ergebnis, dass viele hinter dem Titel einen Dokumentarfilm vermuteten. Regisseur Stranka schlug daraufhin „Blues für Sabine“ als Alternative vor – letztlich fiel die Wahl auf den Vor- und Zunamen der Hauptprotagonistin: Sabine Wulff.

Filmausschnitt aus SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978)

Regisseur Erwin Stranka

Regisseur Erwin Stranka (1935–2014) studierte Regie an der renommierten Hochschule FAMU in Prag und realisierte im Anschluss seinen DEFA-Debütfilm VERLIEBT UND VORBESTRAFT (1963). Nachdem der Film durch die Zensur stark gekürzt wurde und weitere Projekte nicht angenommen wurden, kündigte Stranka bei der DEFA und arbeitete in einem Potsdamer Großbetrieb. Nach seiner Rückkehr zum Film stellte er sein handwerkliches Können bei historischen Stoffen wie HUSAREN IN BERLIN (1970) oder DIE GESTOHLENE SCHLACHT (1971) und Kinderfilmen wie SUSANNE UND DER ZAUBERRING (1973) oder DER KLEINE ZAUBERER UND DIE GROSSE 5 (1977) unter Beweis. Vielfach interessiert sich der Regisseur für ungewöhnliche, sehr individuelle Helden, die über Lebensläufe mit Umwegen verfügen. So etwa in ZUM BEISPIEL JOSEF (1974) oder DIE MORAL DER BANDITEN (1975). Auch Sabine Wulff lässt sich in die Reihe dieser gesellschaftlichen „Außenseiter“ einordnen. Strankas Figuren eint, dass sie sich in einer existenziellen Entscheidungssituation befinden, die richtungsweisend für ihre Zukunft sein wird. Die Figuren handeln, wie junge Menschen zu dieser Zeit handelten oder gern gehandelt hätten und sind daher dazu prädestiniert, ein junges Publikum anzusprechen. Immer wieder gelingt es Stranka, sich an das Empfinden von Jugendlichen heran zu tasten, sie zu erreichen, ohne sich eines erhobenen Zeigefingers zu bedienen.

Filmstill zu "Sabine Wulff"

Erwin Stranka und Karin Düwel während der Dreharbeiten zu SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978) Fotograf: Dieter Jaeger

Filmstill zu "Sabine Wulff"

Erwin Stranka, Karin Düwel und Swetlana Schönfeld während der Dreharbeiten zu SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978) Fotograf: Dieter Jaeger

Darstellerin Karin Düwel

Filmstill zu "Sabine Wulff"

SABINE WULFF

Karin Düwel als SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978) Fotograf: Dieter Jaeger

Karin Düwel (* 1954) sprach als Erste für die Rolle der Sabine Wulff vor und überzeugte das Filmkollektiv bereits bei den Probeaufnahmen. Ihre Darstellung fand nach Erscheinen des Films äußerst positive Resonanz. Filmkritiker Hans-Dieter Schütt urteilte: „Karin Düwel hat einen sehr großen Anteil an der Wirkung des Films. Diese junge Frau ist von provozierender und entwaffnender natürlicher Unmittelbarkeit, ihre herbe Schönheit ist ein hoffnungsvoller Kredit auf ein weiteres Stück Unverwechselbarkeit innerhalb unserer DEFA-Schauspielkunst“. Ein Jahr später spielt sie in Helmut Dziubas Spionagefilm CHIFFRIERT AN CHEF – AUSFALL NR. 5 ihre nächste Hauptrolle. 1980 tritt sie erneut unter der Regie von Erwin Stranka als eine der Töchter in DIE STUNDE DER TÖCHTER auf. In den 1980er Jahren folgen Rollen in DEFA-Filmen wie DER LUDE (1984), BLONDER TANGO (1985) und DAS SCHULGESPENST (1986). Auch nach dem Ende der DEFA ist Karin Düwel regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen.

Echo

Beim 1. Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Karl-Marx-Stadt wird SABINE WULFF mit dem Publikumspreis „Großer Steiger“ bedacht. Karin Düwel erhält zudem die Auszeichnung als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Verfasst von Philip Zengel (April 2020)

Filmausschnitt aus SABINE WULFF (R: Erwin Stranka, 1978)

DVD-Tipp

SABINE WULFF erscheint am 1. Mai 2020 bei ICESTORM auf DVD (mit Wendecover).

Extras: Booklet, Zeitzeugengespräch mit Karin Düwel, Original-Kinotrailer

SABINE WULFF bei bücher.de

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